Strom & Wasser & Heizung

Minergie-Haus – Was ist das?

INFO
| von Frédéric Papp |
Bild: iStock / Yurii

Komfortabel Wohnen mit wenig Energie – das ist im sogenannten Minergie-Haus möglich. Comparis erklärt zentrale Begriffe und sagt, wie Sie zum Minergie-Zertifikat kommen.

Wofür steht Minergie?

Minergie ist der Schweizer Baustandard für neue und modernisierte Gebäude. Eine hochwertige Gebäudehülle sowie eine systematische Lufterneuerung tragen zum Wohnkomfort bei. Minergie-Bauten stehen für einen sehr geringen Energiebedarf. Die Energie wird aus erneuerbaren Quellen gewonnen – entsprechend tief ist der CO2-Ausstoss.

Wie viele Minergie-Baustandards gibt es?

Minergie bietet für Neubauten und Sanierungen drei Baustandards an:

  • Minergie: Dieser Standard steht für energieeffiziente Gebäude und Komfort und liegt nahe bei den gesetzlichen Anforderungen der Kantone, allerdings mit dem Zusatz einer systematischen Lufterneuerung und dem Einsatz effizienter Geräte und Beleuchtung.
  • Minergie-P: Dies ntspricht einer Niedrigenergiebauweise, die eine sehr gute Bauhülle und eine sehr effiziente Haustechnik voraussetzt. Der thermische Energiebedarf ist nahezu null.
  • Minergie-A: Ein Minergie-A-Haus deckt sämtliche fürs Wohnen benötigte Energie durch eigens selber produzierte Energie. Der Standard ist nur mit Einsatz erneuerbarer Energien erreichbar.

Die drei Baustandards lassen sich wahlweise mit dem ECO-Zusatz für Bauökologie und Gesundheit kombinieren.

Sind fossile Brennstoffe erlaubt?

Die energetische Qualität des Gebäudes wird über die Minergie-Kennzahl abgebildet. Sie sagt aus, wie viel Endenergie für Heizung, Warmwasser, Lüftung, Klimatisierung, Beleuchtung und Haushaltsgeräte dem Gebäude zugeführt werden muss. Die Minergie-Kennzahl bei Wohn-Neubauten beträgt 55 kWh/m2 und Jahr (gewichtete Endenergie). Minergie-Bauten dürfen keine fossilen Feuerungen enthalten. Fossile Brennstoffe zur Spitzendeckung und Wärme-Kraft-Kopplung* sind erlaubt.

Minergie-Bauten sind nicht nur Energieverbraucher, sondern auch Produzenten. Der für den Eigengebrauch produzierte Photovoltaik-Strom darf zu 100 Prozent und der ins Netz eingespiesene Strom teilweise angerechnet werden.

Welches sind die wichtigsten Vorteile von Minergie

  • Klimafreundliche Gebäude durch die Nutzung von erneuerbaren Energien und damit ein tiefer CO2-Ausstoss
  • Tiefer Energieverbrauch ohne Komforteinbussen und dementsprechend tiefe Energiekosten
  • Zugang zu Fördermitteln, günstigeren Hypotheken, Mehrwert der Liegenschaft und Verbesserung der Vermietbarkeit
  • Minergie-Bauqualität wirkt sich positiv auf den mittel- und langfristigen Wert einer Liegenschaft aus.
  • Qualitätssicherung durch eine unabhängige Prüfung des Bauprojekts

Wie bekommt man das Minergie-Zertifikat?

  1. Die Fachplaner wählen zusammen mit der Bauherrschaft den passenden Minergie-Standard. Ein Vorprojekt wird erstellt. Die Bauherrschaft reicht den Minergie-Antrag bei der zuständigen Minergie-Zertifizierungsstelle schriftlich und via Minergie-Online Plattform (MOP) ein.
  2. Die Minergie-Zertifizierungsstelle prüft den Antrag. Ein provisorisches Zertifikat wird ausgestellt, wenn alle Anforderungen erfüllt sind. Das Zertifikat dient der Planungssicherheit und kann für werberische Zwecke verwendet werden: Das Projekt darf nun offiziell als Minergie-Gebäude bezeichnet werden.
  3. Die Bauphase beginnt. Die Minergie-relevanten Aspekte können bei Bedarf mittels MQS-Bau überprüft werden.
  4. Die Bauherrschaft reicht die Unterlagen für die Baubestätigung ein, sobald das Gebäude ordentlich in Betrieb ist. Sie melden der Zertifizierungsstelle somit den Abschluss der Baumassnahmen sowie deren planungskonforme Realisierung. Die Fachleute übernehmen damit die Verantwortung.
  5. Die Zertifizierungsstelle prüft die eingereichten Unterlagen. Sie behält sich vor, sowohl nach Fertigstellung des Baus als auch während der Bauphase Stichproben durchzuführen. Das definitive Zertifikat wird ausgestellt, wenn alle dem Minergiestandard entsprechenden Vorgaben erfüllt sind. Eine weiterführende Optimierung der Haustechnik ist durch MQS-Betrieb und Performance möglich.

* Die thermische Stromerzeugung erzeugt mit Hilfe eines Brennstoffes (z.B. Gas oder Erdöl) zuerst Dampf. Strom wird dann über eine Dampfturbine generiert. Die übrig gebliebene Wärme wird bei der Wärme-Kraft-Kopplung bspw. zum Heizen weiterverwendet. Der Wirkungsgrad des Primär-Brennstoffs wird dadurch deutlich erhöht.