Zusatzversicherung

13 Kranken-Zusatzversicherungen unter die Lupe genommen – welche lohnen sich wirklich?

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Zahnbehandlung, Sehhilfen, Fitness-Abo und Co – die Auswahl an Zusatzversicherungen ist riesig. Bild: iStock / Ridofranz

Die obligatorische Krankenversicherung in der Schweiz garantiert eine umfassende Versicherungsdeckung der medizinischen Versorgung. Zusätzlich schliessen rund 80 Prozent der Bevölkerung ergänzende Zusatzversicherungen ab. Von Zahnbehandlung über Fitness-Abo bis Spitalversicherung – das Angebot ist riesig, das Kleingedruckte oft winzig. Comparis klärt auf: Wann lohnt sich welche Zusatzversicherung wirklich? 

Die Grundversicherung ist für alle in der Schweiz wohnhaften Personen obligatorisch. Sie deckt die Heilungskosten bei Krankheit, Unfall (falls nicht via Arbeitgeber) und Mutterschaft. Darüber hinausgehende Leistungen zahlt der Patient selbst. Überdies kann er eine Zusatzversicherung abschliessen. Doch lohnen sich diese ergänzenden Versicherungen wirklich? Und falls ja, welche?

Welche Zusatzversicherungen werden angeboten?

Im Gegensatz zur Grundversicherung unterscheiden sich die versicherten Leistungen in den Zusatzversicherungen je nach Krankenkasse. Unterschieden wird in zwei Kategorien: ambulante Zusatzversicherungen und Spital-Zusatzversicherungen.

Die ambulante Zusatzversicherung   

Ambulante Zusatzversicherungen gibt es in unterschiedlichen Paketen und Preisklassen. Darum unterscheiden sich die versicherten Leistungen teilweise immens. Kosten werden u.a. übernommen für: 

Sehhilfen

Gut zu wissen:

  • Volljährige Personen müssen für Brille und Kontaktlinsen selbst aufkommen
  • Zusatzversicherungen leisten einen Beitrag an die benötigte Sehhilfe mit 150 bis 300 Franken pro Jahr, jedoch gibt es keine reine Brillen- und Linsenzusatzversicherung

Lohnt sich das?

Brillen- und Linsenzusatzversicherungen können nur im Paket mit anderen Leistungen abgeschlossen werden (ab ca. 10 Franken monatlich). Somit lohnt sich die Zusatzversicherung weniger, wenn man diese nur in Hinblick auf den Kostenbeitrag für Sehhilfen abschliesst. Vergleichen Sie die unterschiedlichen Pakete der Krankenkassen genau, um herauszufinden, ob eine Kombination an Zusatzversicherungen für Ihre persönlichen Bedürfnisse sinnvoll sein könnte.

Nicht-kassenpflichtige Medikamente 

Gut zu wissen:

  • Die Verträge der Zusatzversicherungen unterscheiden sich – nicht alle Versicherer übernehmen dieselben nicht-kassenpflichtigen Medikamente. Die Höhe der Kostendeckung unterscheidet sich ebenfalls.
  • Mit einer Zusatzversicherung haben Sie Anspruch auf die Kostendeckung aller vertraglich vereinbarten Arzneimittel, selbst wenn diese nicht in der Spezialitätenliste der Grundversicherung aufgeführt sind. Unter anderem handelt es sich dabei um Alternativpräparate.
  • Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel sind ausgeschlossen.    

Lohnt sich das?

Auch bei einer Zusatzversicherung ist die Kostendeckung für bestimmte Präparate ausgeschlossen. Zusätzlich kann ein Selbstbehalt von 10 Prozent fällig werden. Patienten sollten auf eine grosszügige Kostenübernahme durch die Versicherung achten. Vergleichen lohnt sich!

Psychotherapie durch Psychologen (nichtärztliche Psychotherapie) 

Gut zu wissen:

  • Die Grundversicherung übernimmt lediglich Kosten für ärztliche und «delegierte Psychotherapien». Das heisst: Der Therapeut muss von einem Arzt angestellt sein und in dessen Praxis arbeiten. Rechtlich gesehen erbringt also der Arzt (Psychiater oder Kinderpsychiater) die Leistung und rechnet diese mit der Kasse ab.
  • Zusatzversicherungen decken einen Kostenanteil an Psychotherapien von frei praktizierenden «nichtärztlichen» Psychotherapeuten – der Therapeut muss allerdings meist auf der Liste der Santésuisse aufgeführt sein.

Lohnt sich das?

Viele Kassen übernehmen nur einen Prozentsatz zwischen 50 und 90 Prozent der Therapiekosten. Die Anzahl der Sitzungen ist teilweise eingeschränkt. Informieren Sie sich genau und wägen Sie ab, ob sich die Zusatzversicherung für Sie lohnt. 

Fitness-Abos

Gut zu wissen:

  • Einige Zusatzversicherungen beteiligen sich an den Kosten für Gesundheitsförderung; Fitnessaktivitäten via App gemessen oder Abo fürs Fitnessstudio.
  • Hierbei kann man mit bis zu 500 Franken im Jahr rechnen.
  • Nicht jedes Fitnessstudio wird akzeptiert.

Lohnt sich das?

Bei regelmässigem Training im Fitess-Studio kann eine Zusatzversicherung interessant sein. Informieren Sie sich jedoch, welche Krankenkasse welche Fitnessstudios anerkennt und ob diese Ihre Anforderungen an ein angenehmes Training erfüllt. Neuerdings werden auch Kunden belohnt, die mit einer App ihre Fitnessaktivitäten messen und die Daten der Kasse liefern.

Schutz- und Reiseschutzimpfungen

Gut zu wissen:

  • Die Grundversicherung übernimmt keine Reiseimpfungen (z.B. gegen Gelbfieber oder Tollwut) oder Grippeimpfungen für gesunde Personen.
  • Im Falle einer abgeschlossenen Zusatzversicherung wird meist lediglich ein Selbstbehalt von 10 Prozent erhoben.

Lohnt sich das?

In der Schweiz gibt es keine Impfpflicht. Auch hier empfehlen wir einen Vergleich der einzelnen Krankenkassenleistungen, da die Deckungen variieren. 

Bade- und Erholungskuren

Gut zu wissen:

  • Die Zusatzversicherung zahlt teilweise für Aufenthaltskosten einer Kur, wenn diese vom Arzt verordnet wurde.
  • In der Regel ist der Maximalbetrag pro Tag sowie die Anzahl der Kurtage pro Jahr begrenzt.
  • Achtung! Unmittelbar nach der Operation angeordnete stationäre Rehabilitationsaufenthalte sind durch die Grundversicherung gedeckt.

Lohnt sich das?

Auch beim Thema Bade- und Erholungskuren variieren die Angebote und Prämien stark. Vergleichen lohnt sich, denn einige Krankenkassen bieten ebenfalls Kuren im Ausland an. Rechnen Sie mit Gesundheitsfragen durch die Krankenkasse – diese kann die Aufnahme zur Zusatzversicherung u.U. verweigern. 

Hauskrankenpflege und Haushaltshilfen

Gut zu wissen:

  • Ärztlich verordnete Akut- und Übergangspflege nach dem Spitalaufenthalt geht zu Lasten der Grundversicherung.
  • Ärztlich verordnete Haushaltshilfe übernimmt die Grundversicherung nur eingeschränkt.
  • Durch die Grundversicherung nicht gedeckte Pflege, Mahlzeitendienst und die Hotelleriekosten bei einem Heimaufenthalt übernehmen entsprechende Zusatzversicherungen, sofern nicht die Wohngemeinde dafür aufkommt.

Lohnt sich das?

Einige Versicherungen übernehmen die Haushaltshilfen nach einem stationären Aufenthalt. Die Beteiligungen sind je nach Zusatzversicherungsprodukt und Krankenkasse unterschiedlich. Vergleichen Sie unterschiedliche Angebote.

Zahnversicherung

Gut zu wissen:

  • Diese sollte frühzeitig und nicht erst beim Auftreten der Probleme abgeschlossen werden, da laufende Behandlungskosten nicht vergütet werden.
  • Die Zusatzversicherung übernimmt u.a. Kosten für Zahnfüllung bei Kariesbefall und Zahnstellungskorrekturen bei Kindern.

Lohnt sich das?

Die Grundversicherung finanziert nur Zahnbehandlungen, die als Folge einer Krankheit medizinisch notwendig sind. Wer die Kosten für Kronen, Vollprothesen usw. nicht selber tragen kann, sollte rechtzeitig eine entsprechende Zusatzversicherung abschliessen. Allerdings gilt zu beachten: Eine Zahnzusatzversicherung setzt in der Regel ein ärztliches Attest zur Bestätigung des guten Zahnzustands voraus. Besonders empfehlenswert ist die Zusatzversicherung dennoch für Kinder, da hier oft Zahnstellungskorrekturen mit Kosten von bis zu 10'000 Franken und mehr fällig sind.

Behandlungen im Ausland (auch temporär für den Ferienaufenthalt)

Gut zu wissen:

  • Die Grundversicherung zahlt nur im Falle eines medizinischen Notfalls; wenn also medizinische Behandlung notwendig, eine Rückreise nicht angemessen ist und die Kosten nicht mehr als doppelt so hoch als in der Schweiz sind.
  • Gute Zusatzversicherungen bieten hingegen die volle Deckung inkl. Repatriierungen.
  • Ausserdem werden Notfall- und Verlegungstransporte zu einem höheren Anteil übernommen als durch die Grundversicherung.

Lohnt sich das?

Für Reisen in Länder mit hohen Gesundheitskosten (z.B. Australien, Japan, Kanada, USA) ist eine temporär abgeschlossene Zusatzversicherung sinnvoll. Ein Rücktransport in die Schweiz ist in der Regel nicht durch die Grundversicherung gedeckt. Rettungstransporte ins nächste Spital werden zu 50 Prozent, jährlich jedoch nur mit maximal 500 Franken übernommen. Im Falle eines Unfalls deckt die obligatorische Unfallversicherung die entstandenen Kosten. Heilungskosten in EU- und EFTA-Ländern werden in der Regel durch eine Versicherung vor Ort abgewickelt und dann von der Grundversicherung bezahlt. Achtung! Der im Gastland geltende Selbstbehalt – bei Spitalaufenthalten in Frankreich recht hoch – muss auch dann selber bezahlt werden, wenn die Franchise schon aufgebraucht ist.

Spitalzusatzversicherungen

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen vier Spitalzusatzversicherungen:

1) Allgemeine Abteilung ganze Schweiz

Gut zu wissen:

  • Ist die günstigste Zusatzversicherung überhaupt und kann bereits ab 2.40 Franken pro Monat abgeschlossen werden.
  • Sie übernimmt die Kosten bei einem Spitalaufenthalt ausserhalb des Wohnkantons, die höher als die Kosten im Wohnkanton liegen, und gilt für alle Spitäler auf einer kantonalen Spitalliste. Wenn der ausserkantonale Spitalaufenthalt notwendig ist, weil die Behandlung im Wohnkanton nicht angeboten wird, bezahlt die Grundversicherung.
  • In der Regel kann der Arzt im jeweiligen Spital nicht frei gewählt werden.

Lohnt sich das?

Die Versicherung lohnt sich unter Umständen für Bewohner in ländlichen Regionen mit wenig ausgebauter Infrastruktur.

2) Halbprivate Abteilung ganze Schweiz

Gut zu wissen:

  • Mit der Halbprivaten Abteilung ganze Schweiz haben Sie Anspruch auf die Bezahlung eines Zweibettzimmers.
  • In der Regel ist dann der Oberarzt für die Behandlung zuständig.

Lohnt sich das?

Die halbprivate Abteilung ganze Schweiz ist für Patienten interessant, die nicht auf Komfort während des Spitalaufenthalts verzichten möchten. Allerdings gibt es in öffentlichen Spitälern heute bereits eine Vielzahl von Zweibettzimmern, die dann von der Grundversicherung übernommen werden. Zudem bieten diverse Versicherer Flex-Modelle, mit denen sich Patienten wahlweise bezüglich der Hotellerie-Leistungen upgraden lassen können. Der Mehrwert besteht deshalb vor allem in der freien Arztwahl. 

3) Private Abteilung ganze Schweiz

Gut zu wissen:

  • Mit der privaten Abteilung ganze Schweiz haben Sie Anspruch auf die Bezahlung eines Einbettzimmers.
  • In der Regel ist dann der Chefarzt für Ihre Behandlung zuständig.

Lohnt sich das?

Diese Versicherung ist zwar die teuerste Variante, dafür geniessen Sie den Komfort und die Privatsphäre eines Einzelzimmers (sofern verfügbar) sowie die Behandlung eines erfahrenen Chefarztes. Je nach Paket sind auch zusätzliche Leistungen wie Kuren, Notfall- und Verlegungstransporte, Haushaltshilfe und Hauskrankenpflege enthalten. Studieren Sie den genauen Kosten- und Leistungsvergleich, bevor Sie diese Versicherung abschliessen.

4) Flex-Modell (flexible Spitalabteilungsauswahl)

Gut zu wissen:

  • Mit dem Flex-Modell entscheiden Sie erst kurz vor Spitaleintritt, auf welcher Abteilung Sie sich behandeln lassen möchten.
  • Bei schweren Eingriffen steht Ihnen ein Privatzimmer und die Behandlung durch den Chefarzt zu, sofern die «Private Abteilung ganze Schweiz» gewählt wurde – ansonsten gilt, je nach Wahl, der Leistungsumfang der allgemeinen oder halbprivaten Abteilung.
  • Die Pflege in der allgemeinen Abteilung läuft in der Regel ohne Selbstbehalt ab, in der Halbprivat- und Privatabteilung beteiligen sich die Versicherten an den zusätzlichen Kosten.

Lohnt sich das?

Das Flex-Modell ist eine sinnvolle Alternative zu Halbprivat- und Privatversicherungen, bei denen der Versicherte bereits einen vorgängig fixierten Betrag oder Kostenanteil selbst übernehmen muss. Der grosse Vorteil liegt in der Flexibilität des Versicherten. Ausserdem sind die Prämien insgesamt günstiger, ohne auf den möglichen Komfort einer privaten Behandlung verzichten zu müssen.

Fazit

Wie Sie sehen: Das Angebot an Zusatzversicherungen ist riesig. Der Nachteil ist jedoch, dass die Leistungen oft nicht an Ihre individuellen Bedürfnisse anpassbar sind. Bei Gesamtpaketen zahlen Sie für Leistungen, die Sie unter Umständen gar nicht benötigen. Darum ist es wichtig, die unterschiedlichen Leistungspakete einzelner Krankenkassen genau zu studieren, zu vergleichen und sich beraten zu lassen. Auch die Prämien unterscheiden sich je nach Krankenkasse und sind teilweise höher als die letztendlichen Behandlungskosten.  

Grund- und Zusatzversicherungen können Sie auch problemlos bei verschiedenen Kassen abschliessen – stellen Sie dazu in unserem Grund- und Zusatzversicherungsvergleich die Leistungen einfach gegenüber:

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