Wechsel

12 Tipps zum Wechsel der Krankenversicherung

EXPERTENMEINUNG
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Trotz der mässigen Prämienerhöhung für 2019 gibt es grosses Sparpotenzial. Bild: iStock / Squaredpixels

Durchschnittlich zahlen Schweizerinnen und Schweizer 3941 Franken jährlich Prämien für die obligatorische Krankenversicherung. Trotz der mässigen Prämienerhöhung für 2019 gibt es auch heuer grosses Sparpotenzial. Die Hälfte der Versicherten könnte mindestens 49 Franken monatlich sparen. Comparis-Krankenversicherungsexperte, Felix Schneuwly zeigt die Möglichkeiten auf.

1. Die Krankenkassen verlangen unterschiedlich hohe Prämien für die Grundversicherung. Bieten günstigere Kassen schlechtere Leistungen?

Nein, die medizinischen Leistungen der Grundversicherung sind gesetzlich vorgegeben und überall gleich. Die Kassen bemessen ihre Prämien aufgrund ihrer unterschiedlichen Risikostruktur und wirtschaftlichen Effizienz. Ein Wechsel bedeutet also keinen Unterschied bei den Versicherungsdeckungen für Krankheit, Unfall und Mutterschaft. Die Servicequalität kann jedoch je nach Anbieter variieren. Die Kündigungsfrist bei der alten Kasse beträgt einen Monat auf Ende Jahr. Das Kündigungsschreiben muss somit spätestens am letzten Arbeitstag im November bei Ihrer Krankenkasse eintreffen; also heuer am Freitag 30. November. Achtung: Nicht der Post-Stempel, sondern der effektive Eingang zählt.

2. Muss ich meine Arztrechnungen bar bezahlen, wenn ich bei einer günstigen Kasse bin?

Das Krankenversicherungsgesetz kennt zwei Systeme: «tiers garant» und «tiers payant». Bei den günstigsten Kassen ist «tiers garant» für ambulante Leistungen die Regel. Das heisst: Der Versicherte bezahlt die Arztrechnung selbst und fordert das Geld nachher abzüglich der eigenen Kostenbeteiligung von der Versicherung zurück. Beim «tiers payant» schickt der Leistungserbringer die Rechnung direkt der Krankenkasse. Oft bekommt der Patient keine Kopie, wie es das Gesetz eigentlich vorschreibt. Die Krankenkasse bezahlt den kompletten Betrag. Anschliessend schickt die Krankenkasse eine Leistungsabrechnung an den Versicherten und stellt die Kostenbeteiligung (Franchise und Selbstbehalt) und nicht versicherte Leistungen in Rechnung. Bei der Wahl des Grundversicherers muss dieser Aspekt berücksichtigt werden. Denn für eine Vergütung nach «tiers garant» muss der Versicherte genügend Geld haben, um die Leistungen im Voraus zu bezahlen.

3. Kann ich die Kasse wechseln und Geld sparen, obwohl ich krank bin?

Ja. Die Grundversicherung ist für alle Einwohner der Schweiz obligatorisch. Und die Kassen sind zur bedingungslosen Aufnahme aller Antragsteller verpflichtet. Der Wechsel ist allerdings nur gültig, wenn beim alten Versicherer sämtliche offenen Rechnungen für Prämien und Kostenbeteiligungen für medizinische Leistungen bezahlt sind. Sind für 2019 bei Ihnen teure Behandlungen geplant, empfiehlt sich der Abschluss einer Police mit der tiefsten Franchise-Stufe von 300 Franken. Bei den Zusatzversicherungen ist ein Wechsel nur in gesundem Zustand vorbehaltlos möglich. Deshalb sollten Sie die Zusatzversicherung erst kündigen, wenn Sie den Vertrag der neuen Kasse haben. Heuer sind aber die Kündigungsfristen der Zusatzversicherungen abgelaufen. 

4. Wie spare ich am meisten bei der Grundversicherung, ohne die Kasse zu wechseln?

Beim Wechsel von einem Standardmodell zu einem alternativen Versicherungsmodell mit gleichzeitiger Erhöhung der Franchise auf den Maximalbetrag von 2'500 Franken sparen Versicherte ohne einen Kassenwechsel bis zu 40 Prozent der bisherigen Prämie. Bei Bedarf können Modell und Franchise im Folgejahr ohne eine Gesundheitsprüfung wieder gewechselt werden. Wichtig ist einzig die Einhaltung der Kündigungsfrist.

5. Lohnt sich ein alternatives Versicherungsmodell?

Bei einem alternativen Versicherungsmodell (AVM) verpflichten sich die Versicherten, als erste Anlaufstelle einen vertraglich definierten Leistungserbringer aufzusuchen. Beim Hausarztmodell ist es der Hausarzt, beim Telmed-Modell das medizinische Callcenter der Versicherung und beim HMO-Modell eine vom Versicherer bestimmte Gruppenpraxis. Es gibt auch AVM, die Apotheken mit telemedizinischer Konsultation als erste Anlaufstelle vorschreiben. Diese Leistungserbringer überweisen die Versicherten bei Bedarf an einen Facharzt. Versicherte verzichten somit auf die freie Wahl der medizinischen Leistungserbringer und erhalten dafür einen Rabatt auf die Prämie, ohne auf medizinische Qualität verzichten zu müssen. Versicherte können jedes Jahr wieder ohne Gesundheitsprüfung in das klassische Standardmodell zurückwechseln.

6. Ist es sinnvoll, als Familie bei der gleichen Krankenkasse versichert zu sein?

Die Grundversicherung versichert jede Person einzeln. Gruppenrabatte sind verboten. Die Versicherer stufen die Prämienhöhe dabei in drei Altersgruppen ein: Kinder, junge Erwachsene bis 26 und Erwachsene ab 26 Jahren. Nächstes Jahr steigen die Kinderprämien um 2,4 Prozent überdurchschnittlich stark. Die für junge Erwachsene sinken um minus 15 Prozent. Es lohnt sich darum besonders, die Anbieter bezüglich der Kinderprämien zu vergleichen: Bei mehreren Kindern beim gleichen Versicherer steigen die Rabatte teils zusätzlich. Bei den Zusatzversicherungen gibt es Familienrabatte. Hier lohnt es sich durchaus, Eltern und Kinder am selben Ort zu versichern.

7. Brauche ich eine Unfalldeckung in der Krankenversicherung?

Bei einer Anstellung von mehr als acht Stunden pro Woche bei einem einzigen Arbeitgeber sind die Unfallkosten bereits durch den Arbeitgeber gedeckt. Entsprechend Versicherte müssen bei ihrer Krankenkasse also keine Unfalldeckung abschliessen. Wer allerdings einen längeren Urlaub plant muss sich in Acht nehmen: Bei einem Sabbatical von mehr als 30 Tagen müssen Sie Ihren Arbeitgeber oder seine Unfallversicherung nach einer sogenannten Abredeversicherung fragen. So können Sie maximal sechs Monate lang in der Unfallversicherung bleiben. Danach – auch bei der Pensionierung – müssen Sie bei Ihrer Krankenversicherung eine Unfalldeckung abschliessen.

8. Profitiere ich davon, wenn ich meine Versicherungsprämien jährlich statt monatlich zahle?

Diverse Versicherer bieten ihren Versicherten ein Skonto für eine einmal oder zweimal jährliche Prämienzahlung. Diese sind deutlich höher als die Zinsen auf dem Sparkonto. Bei einem durchschnittlichen jährlichen Prämienbetrag pro Person von 3941 Franken allein bei der Grundversicherung ist das durchaus eine interessante Sparoption.

9. Wie kann ich eine Prämienverbilligung bekommen?

Der Anspruch auf Prämienverbilligungen ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich geregelt. Massgebend ist immer das Einkommen auf der Steuererklärung. Am besten informieren Sie sich bei der kantonalen Steuerverwaltung. Rund 2,2 Millionen Personen in der Schweiz profitieren von Prämienverbilligungen.

10. Kann ich die Grund- und Zusatzversicherung bei unterschiedlichen Kassen haben?

Ja. Die Grundversicherung kann jährlich gewechselt werden. Durch die geschickte Wahl der Krankenkasse, der Franchise und des Modells kann die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer monatlich mindestens 49 Franken sparen. Viele würden somit 2019 sogar tiefere Prämien zahlen als 2018. Bei den Zusatzversicherungen besteht für die Kassen hingegen kein Aufnahmezwang. Antragsstellende müssen einen Gesundheitsfragebogen ausfüllen. Selbst wenn die neue Kasse nach einer Aufnahme keinen ausdrücklichen Vorbehalt anbringt, übernimmt sie keine Kostendeckung für bereits bestehende Leiden. Deshalb ist bei einem Wechsel der Zusatzversicherungen Vorsicht angebracht.

11. Wie kann ich bei den Zusatzversicherungen sparen?

Die Versicherer haben bei den Zusatzversicherungen keine Aufnahmepflicht. Es ist deshalb bei Bedarf wichtig, Zusatzversicherungen früh und in gesundem Zustand abzuschliessen. Die ambulanten Zusatzversicherungen fallen im Vergleich zur Grundversicherungsprämie kostenmässig nicht stark ins Gewicht. Bei den teuren Spitalzusatzversicherungen lohnt sich hingegen die Wahl oder der Wechsel zu einem Flex-Produkt. Bei diesem verpflichten sich die Versicherten zu einer Beteiligung an den Upgrade-Kosten bei einem Spitalaufenthalt in der halbprivaten oder privaten Abteilung. Dafür zahlen sie tiefere Prämien. Dank tieferer Prämien sparen die Versicherten über die Jahre mehrere zehntausend Franken bzw. das Vielfache der jährlichen maximalen Kostenbeteiligung für Upgrades.

12. Wo gibt es Rabattmöglichkeiten bei den Zusatzversicherungen?

Viele Versicherer bieten Firmen- Verbände-, Vereins- oder Gemeinderabatte für Krankenzusatzversicherungen. Überprüfen Ihre Mitgliedschaften und vergleichen Sie die Angebote. Nicht selten bieten verschiedene Vereinigungen beim gleichen Versicherer unterschiedlich hohe Rabatte. Vom Rabatt profitieren bereits Versicherte ohne erneute Gesundheitsprüfung.

Dieser Artikel ist zuerst in der SonntagsZeitung erschienen.