Comparis-Report zur Kostenverteilung im Gesundheitswesen

Gesundheitskosten: Schweizer zahlen weltweit am meisten

Gesundheitskosten

Die steigenden Grundversicherungsprämien bieten alljährlich Stoff für hitzige Diskussionen. Doch tatsächlich zahlen Herr und Frau Schweizer fast ebenso viel privat an Gesundheitskosten. Zudem weisen die Krankenversicherer bei den Zusatzversicherungen niedrige Schadenquoten und hohe Umsatzrenditen aus.

Ein Drittel der Arztleistungen ist privat finanziert. Dies zeigt ein Report des Gesundheitsökonomen Pius Gyger im Auftrag des Online-Vergleichsdienstes comparis.ch. Er liefert unter anderem Antworten zu Fragen wie:

  • Wie haben sich die Selbstzahlungen in den vergangenen Jahren entwickelt?
  • Wo stehen die schweizerischen Gesundheitskosten im internationalen Vergleich?
  • Weshalb sind die Margen in der Zusatzversicherung hoch?
  • Welche Versicherer profitieren am meisten von der Zusatzversicherung?
  • Welche Rolle spielt die sogenannte Ambulantisierung der Akutmedizin?

Welche Gesundheitskosten bezahlen Sie direkt?

Von den total 80 Milliarden Franken Gesundheitsausgaben zahlten die Schweizer im Jahr 2016 24 Milliarden Franken direkt aus dem eigenen Portemonnaie. Davon entfielen fast 80 Prozent auf freiwillige Selbstzahlungen.

Mit 5,5 Milliarden Franken machen Pensions- und Betreuungskosten in Pflegeheimen einen wesentlichen Teil der direkt von den Privathaushalten gedeckten Kosten aus. Drei Milliarden entfallen auf selbst bezahlte Arztleistungen, weitere 2,8 Milliarden Franken geben die Schweizer beim Zahnarzt aus und 1,6 Milliarden Franken für Medikamente.

Wo machen die Versicherer am meisten Gewinn?

Besonders profitiert haben die Versicherer im stationären Bereich. Der Kundenbestand blieb in den letzten Jahren konstant, weil Kunden ab 50 nicht mehr wechseln, sondern nur noch aussteigen können. 

Wo liegt Handlungspotenzial?

Durch die Ambulantisierung der Akutmedizin gerieten die klassischen Spitalzusatzversicherungen unter Druck. Mit günstigeren Flex-Versicherungen entscheiden die Versicherten von Fall zu Fall für oder gegen ein Upgrade in die halbprivate oder private Abteilung und sparen über die Jahre mehrere Zehntausend Franken. Für ambulante Operationen sind entsprechende Zusatzversicherungen kaum erhältlich.

Grosses Potenzial liegt auch bei Pflegeversicherungsprodukten. Heute sind sie teuer und wenig auf die Bedürfnisse der Versicherten zugeschnitten.

Erscheinungsdatum: August 2018
Autor: Pius Gyger