Wohnkosten: 92’400 Westschweizer wollen nach Frankreich umziehen
Für 4,2 Prozent der Westschweizer ist der Wegzug nach Frankreich mehr als eine Idee: Sie suchen dort aktiv einen Wohnsitz. Comparis zeigt, wie stark die Wohnkosten in der Romandie belasten und warum die meisten aber trotzdem bleiben.

30.07.2026

iStock / Remy genoud
1. Wie stark belasten die Wohnkosten die Haushalte in der Westschweiz?
Rund 70 Prozent der Befragten finden Miete oder Kaufpreis in ihrer Region teuer. Befragt wurden alle französischsprachigen Regionen, also auch Gemeinden im Kanton Bern.
Für viele Haushalte ist der Anteil am Budget hoch: Ein Viertel der Befragten gibt 36 Prozent oder mehr des Haushaltsbudgets für Wohnkosten aus. Bei 8 Prozent ist es mehr als die Hälfte. Generell gilt die Faustregel, dass die Wohnkosten nicht mehr als ein Drittel des Einkommens betragen sollten. Bei vielen liegt der Anteil darüber.
2. Viele Westschweizer erwägen nach Frankreich umzuziehen.
29,8 Prozent der Befragten können sich einen Umzug nach Frankreich vorstellen, also knapp ein Drittel. Das ist etwa so viel wie im Vorjahr. Bei einem Teil dieser Gruppe ist es jedoch mehr als nur ein Wunsch: 14,1 Prozent von ihnen suchen derzeit aktiv eine Wohnung oder ein Haus in Frankreich. Auf alle Befragten gerechnet sind das 4,2 Prozent, also rund 92’400 Personen.
Der Hauptgrund sind die steigenden Wohnkosten: 38 Prozent rechnen über der Grenze mit tieferen Mieten oder günstigeren Kaufpreisen. Im Vorjahr waren es 34 Prozent.
«Während in der Schweiz über die Begrenzung der Zuwanderung diskutiert wird, denken viele Romands aus Kostengründen darüber nach, selbst die Grenze zu überschreiten. Das zeigt, wie stark die Wohnkosten inzwischen in den Alltag hineinwirken.»
3. Was hält die Leute davon ab, nach Frankreich zu ziehen?
Dem Preisvorteil steht der Arbeitsweg entgegen. 40,9 Prozent der Befragten akzeptieren keine längere Pendelzeit, um günstiger zu wohnen. Weitere 34,4 Prozent nehmen höchstens eine halbe Stunde mehr in Kauf. Zusammen sind das rund drei Viertel, die gar keine oder nur wenig zusätzliche Pendelzeit akzeptieren.
Viele Romands pendeln heute kurz. 38 Prozent brauchen eine Viertel- bis halbe Stunde zur Arbeit, 21 Prozent weniger als eine Viertelstunde. Bei 21 Prozent sind es 31 bis 60 Minuten. Gut 6 Prozent pendeln mehr als eine Stunde.
Noch wichtiger als die Pendelzeit sind soziale und organisatorische Gründe. Am häufigsten nennen die Befragten die Entfernung zu Familie und Freunden. Danach folgen Pendelzeit und Verkehrsanbindung sowie Unsicherheiten bei Verwaltung, Steuern und Krankenkasse. Frankreich ist damit finanziell interessant, im Alltag aber anspruchsvoll.
4. 44 Prozent der Romands wohnen seit über zehn Jahren am gleichen Wohnsitz
Wohnungen auf dem Markt sind oft deutlich teurer als bestehende Mietverhältnisse. Entsprechend bleiben viele in ihrer Wohnung: 44 Prozent wohnen seit über zehn Jahren in derselben Wohnung oder im selben Haus.
Bei der älteren Generation ist das besonders ausgeprägt:
über 56 Jahre: 70 Prozent
36 bis 55 Jahre: 39 Prozent
18 bis 35 Jahre: 29 Prozent
Für viele Romands ist Frankreich eine mögliche finanzielle Entlastung, aber kein einfacher Ausweg. Für Büsser liegt der entscheidende Hebel auf der Angebotsseite durch mehr Wohnraum in den Zentren und nicht allein auf der Nachfrageseite:
«Zur Wohnungsnot wird hohe Nachfrage erst dann, wenn das Angebot nicht mitwächst. Wenn viele Menschen dort wohnen wollen, wo die Jobs, die Infrastruktur und das soziale Umfeld sind, dann muss genau dort mehr gebaut werden.»
5. Tipps fürs Auswandern
Gesamtkosten vergleichen, nicht nur die Miete: Eine tiefere Miete oder ein günstigerer Kaufpreis allein reicht als Entscheidungsgrundlage nicht. Vergleichen Sie drei Szenarien: jetzige Wohnung, Umzug innerhalb der Schweiz, Umzug nach Frankreich. Rechnen Sie Steuern, Krankenversicherung, Energie, Mobilität, Versicherungen, Gebühren und Wechselkurs-Risiken mit ein.
Pendelzeit realistisch testen: Prüfen Sie nicht nur die Distanz auf der Karte. Entscheidend sind Fahrzeiten zu Stosszeiten, der Grenzverkehr, der ÖV-Anschluss, die Parkplatzsituation und Ihre Homeoffice-Regelung.
Verschiedene Szenarien durchrechnen: Eine günstigere Wohnung muss nicht nur heute passen. Prüfen Sie, ob sie auch bei veränderten Arbeitswegen, Familienpflichten, Zinsen, Nebenkosten oder Energiepreisen tragbar bleibt.
Soziales Umfeld einbeziehen: Die Nähe zu Familie, Freunden, Kinderbetreuung, Schule oder Pflege kann einen finanziellen Vorteil relativieren. Ein Umzug verändert nicht nur die Wohnkosten, sondern auch die Organisation Ihres Alltags.
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Methodik
Die repräsentative Befragung wurde durch das Marktforschungsinstitut Innofact im Auftrag von Comparis im Mai 2026 unter 1’001 Personen durchgeführt. Befragt wurden die Westschweizer Kantone Genf, Jura, Neuenburg und Waadt sowie die französischsprachigen Teile der Kantone Bern, Freiburg und Wallis.
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Dieser Artikel wurde erstmals produziert am 20.03.2025




