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Vorsorge bei Teilzeitarbeit: wichtige Tipps

TIPPS
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Bild: iStock.com / evgenyatamanenko

Teilzeitarbeit kann zu massiven Einbussen bei der Altersrente führen. Wer indes die Weichen frühzeitig richtig stellt, kommt im Ruhestand gut über die Runden. Unsere Tipps helfen Ihnen dabei.

Teilzeitarbeit erfreut sich hierzulande immer grösserer Beliebtheit. Ein reduziertes Arbeitspensum hat aber auch Schattenseiten: Gerade wer wenig arbeitet und verdient, drohen nach der Pensionierung erhebliche finanzielle Einbussen, sogenannte Vorsorgelücken. Mit folgenden Massnahmen halten Sie die Lücken möglichst klein:

1. AHV: Beitragslücken vermeiden

Teilzeitarbeit führt in der Regel zu einer Minderung der AHV-Leistungen. Nur wer eine lückenlose Beitragsdauer und ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 85'320 Franken Franken vorweisen kann, erhält die monatliche Maximalrente von 2'370 Franken. Nur die wenigsten Teilzeitler schaffen das.

Wichtig: Teilzeitarbeitende, die Kinder aufziehen oder sich um pflegebedürftige Verwandte kümmern, können bei der AHV Erziehungs- bzw. Betreuungsgutschriften anrechnen lassen.

Wer eine Beitragslücke aufweist, hat lediglich Anspruch auf eine Teilrente. Bei den Altersrenten führt jedes fehlende Beitragsjahr zu einer Kürzung der Rente um 2,27 Prozent. Um dies zu verhindern, muss man den jährlichen AHV-Mindestbeitrag von derzeit 482 Franken leisten.

Tipp: Verlangen Sie bei der Ausgleichskasse einen Auszug Ihres individuellen AHV-Kontos. Falls Sie eine Beitragslücke feststellen, lässt sich diese innerhalb von fünf Jahren nach deren Entstehen durch eine Nachzahlung schliessen. 

2. Berufliche Vorsorge: Pensionskassen-Reglemente unter die Lupe nehmen

Teilzeitarbeitende – gerade solche mit einem Pensum von unter 50 Prozent – werden bei der beruflichen Vorsorge häufig stark benachteiligt. Dies liegt zum einen daran, dass der Arbeitgeber seine Angestellten erst ab einem Jahreslohn von über 21'330 Franken in die Pensionskasse (PK) aufnehmen muss. Zum anderen sorgt der sogenannte Koordinationsabzug von gegenwärtig 24‘885 Franken dafür, dass sich die PK-Leistungen bei reduzierten Arbeitspensen überproportional verringern. Das folgende Beispiel verdeutlicht dies:

Bezieht ein Vollzeiterwerbstätiger einen Jahreslohn von 70‘000 Franken, beläuft sich der bei der Pensionskasse versicherte Lohn auf 45‘325 Franken (70‘000 Franken minus Koordinationsabzug von 24‘675 Franken). Verdienen Sie bei einem 50-Prozent-Pensum 35'000 Franken, sind hingegen lediglich 10‘325 Franken versichert. Der versicherte Lohn verringert sich in diesem Fall also nicht um 50 Prozent, sondern um gut drei Viertel. Hat man verschiedene Teilzeitstellen, kann es zudem sein, dass der Koordinationsabzug gleich mehrere Male anfällt. 

Tipp: Wer mehrere Teilzeitjobs hat, sollte die PK-Reglemente genau studieren. Bei einigen Einrichtungen kann unter Umständen der Lohn, den man bei anderen Arbeitgebern verdient, mitversichert werden. Auf diese Weise fällt der Koordinationsabzug nur einmal an. Versuchen Sie daher, alle Teileinkommen über eine einzige Pensionskasse abzuwickeln. 

Gerade bei Jobs mit tiefem Lohn empfiehlt es sich, einen Arbeitgeber zu wählen, dessen Pensionskasse einen reduzierten Koordinationsabzug zulässt. Grosse Pensionskassen sind häufig grosszügiger als vom Gesetzgeber vorgesehen und nehmen einen reduzierten Koordinationsabzug vor. Dessen Höhe ist proportional zum Arbeitspensum. Im obigen Beispiel würde der Koordinationsabzug bei einem Halbtagespensum nur noch 12‘338 Franken (50 Prozent von 24‘675) betragen. Folglich wären ganze 22‘663 Franken statt wie vorher 10‘325 Franken versichert – eine enorme Verbesserung.

Wichtig: Der minimal versicherte BVG-Lohn ist gesetzlich auf 3'555 Franken festgelegt. Dieser Betrag muss Ihnen in jedem Fall angerechnet werden (unabhängig von der Höhe des Koordinationsabzugs), sofern Sie die Eintrittsschwelle von gegenwärtig 21'330 Franken überschreiten. 

Tipp: Haben Sie verschiedene Löhne, die einzeln zwar unter, kumuliert aber über dem Mindestbeitrag liegen, können Sie das Gesamteinkommen freiwillig versichern lassen, und zwar am besten über Ihren Arbeitgeber, sofern dessen PK-Reglement es zulässt. Falls dies nicht möglich ist, sollten Sie sich der Stiftung Auffangeinrichtung BVG anschliessen. Deren Leistungen sind zwar nicht attraktiv; aber diese Lösung ist immer noch besser, als auf die Vorsorgebeiträge des Arbeitgebers zu verzichten. 

3. Vorsorgelücken schliessen

Eine allfällige Vorsorgelücke in der Pensionskasse lässt sich durch einen Einkauf schliessen. Aufgepasst: Der mögliche Einkaufsbetrag ist begrenzt und hängt vom aktuell versicherten Lohn ab. Nach einer Reduzierung des Arbeitspensums ist ein Einkauf in der Regel nicht mehr möglich. 

Gerade Personen mit einem Pensum von unter 50 Prozent und tiefem Einkommen droht eine Vorsorgelücke. Umso wichtiger ist es daher, die Möglichkeiten der gebundenen Vorsorge 3a zu nutzen. Jeder mit einem AHV-pflichtigen Erwerbseinkommen ist dazu berechtigt, bis zu einem bestimmten Betrag pro Jahr in die Säule 3a einzuzahlen. Der jährliche Maximalbetrag hängt davon ab, ob man einer Pensionskasse angeschlossen ist oder nicht: Teilzeitarbeitende, die bei einer Pensionskasse versichert sind, dürfen – unabhängig von der Höhe ihres Lohns – jährlich bis zu 6'826 Franken einzahlen. Wer keiner Pensionskasse angehört, ist hingegen zu Beiträgen bis 20 Prozent des Nettoerwerbseinkommens, maximal aber 34'128 Franken, berechtigt. 

Während bei dieser Vorsorgeform der Arbeitgeber zwar keine Beitragsanteile leistet, können die in die Säule 3a einbezahlten Beträge immerhin vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Aber Vorsicht: Aufgrund der steuerlichen Privilegierung dürfen Guthaben in der Säule 3a frühestens fünf Jahre vor der ordentlichen Pensionierung bezogen werden. Ein vorzeitiger Bezug ist nur in bestimmten Ausnahmefällen möglich.

Tipp: Wer möglichst früh in die 3. Säule einzahlt, profitiert von einem langen Anlagehorizont und dem Zinseszinseffekt. Erwerbstätigen Personen ohne Pensionskasse sollte die gebundene 3. Säule spätestens ab dem 30. Lebensjahr ein fester Bestandteil Ihrer Altersvorsorge sein. 

Nebst den klassischen Säule-3a-Konten mit Verzinsung bieten Banken und Versicherungen eine Reihe von weiteren 3a-Vorsorgeprodukten an (sogenannte Säule-3a-Fonds oder Wertschriftenvorsorge). Lassen Sie sich von einem neutralen Vorsorgeexperten beraten. Dieser kann Ihre Altersvorsorge bestmöglich auf Ihre persönliche Situation und Ihre finanziellen Bedürfnisse abstimmen.

 

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