Recht & Gesetz

Motorradführerschein: Was muss ich darüber wissen?

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Bild: iStock / AntonioGuillem

Wer Motorradfahren will, sollte die verschiedenen Führerscheinkategorien kennen und mit den Grundvoraussetzungen der Fahrprüfung und des täglichen Töffeinsatzes vertraut sein. comparis.ch beantwortet die wichtigsten Fragen. 

Welche Motorrad-Führerscheinkategorien gibt es?

Angehenden Motorradfahrern stehen drei Führerscheinkategorien zur Auswahl: Kategorie A unbeschränkt, Kategorie A beschränkt (Motorräder bis 35 kW) sowie die Unterkategorie A1 (Motorräder bis 11 kW). Welcher Kategorie ein Töff angehört, hängt von dessen Spezifikationen ab.

Ein Führerschein der Kategorie A unbeschränkt kann entweder durch einen Direkteinstieg ab dem 25. Lebensjahr oder nach zweijähriger Fahrpraxis (ohne Führerscheinentzug) mit einem Motorrad der Kategorie A beschränkt erlangt werden. Junglenker ab 16 Jahren sind in der Kategorie A1 zum Lenken von Zweirädern bis 50 cm3 berechtigt. Ab dem 18. Geburtstag dürfen sie dann in die 125er-Klasse wechseln.

Gut zu wissen: Die beiden A-Ausweise (beschränkt und unbeschränkt) berechtigen zusätzlich zum Führen von Motorfahrzeugen der Kategorien A1 und B1 (Klein- und Dreiradmotorfahrzeuge mit einem Leergewicht von max. 550 kg). Wie beim B-Führerschein dürfen mit einem Fahrausweis der Kategorien A und A1 auch Fahrzeuge der Spezialkategorien M (Mofas), G (z.B. Traktor) und F (Motorfahrzeuge mit einer Höchstgeschwindigkeit bis 45 km/h – ausser Motorräder) manövriert werden.

Kategorie Spezifikationen Mindestalter Zusätzliche Fahrberechtigungen
A unbeschränkt
Motorleistung über 35 kW sowie Verhältnis von Motorleistung/Leergewicht > 0.20 kW/kg
25 Jahre; oder zwei Jahre beanstandungsfreie Fahrpraxis in Kategorie A beschränkt
Kategorien A beschränkt, A1, B1, F, G, M
A beschränkt (bis 35 kW)
Motorleistung 11 kW bis 35 kW sowie Verhältnis von Motorleistung/Leergewicht ≤ 0.20 kW/kg
18 Jahre
Kategorien A1, B1, F, G, M
A1 (bis 11 kW)
Maximal 11 kW Motorleistung und 125 cm3 Hubraum
16 Jahre: Maximal 50 cm3 Hubraum bei Fremdzündungsmotoren oder bis zu 4 kW Nenn- bzw. Dauerleistung bei anderen Motoren 18 Jahre: Übrige Motorräder der Kategorie A1
Kategorien F, G, M

Welche Prüfungen oder Kurse muss ich absolvieren und welche Kosten entstehen dabei?

Der Weg zum Motorradführerschein deckt sich grösstenteils mit dem Prozedere zum Fahrausweis für Automobile:

Nothelferkurs

Wer den Lernfahrausweis beantragen und sich für die Theorieprüfung anmelden will, muss zuerst einen Nothelferkurs absolvieren. Kosten: 100 bis 160 Franken für Kurs und Ausweis.

Sehtest

Das Ergebnis wird vom Optiker oder Augenarzt direkt im Lernfahrausweis-Antragsformular vermerkt. Kosten: Rund 20 Franken. Wer einen Test innerhalb der letzten 24 Monaten vorweisen kann, wird vom Gang zum Optiker befreit.

Theorieprüfung und Lernfahrausweis

Um das «blaue L» zu erlangen, muss bei der Einwohnerkontrolle oder beim Strassenverkehrsamt des Wohn-Kantons ein Gesuch (inkl. Sehtest) eingereicht werden. Nach Erhalt des Bestätigungsschreibens kann man sich für die Theorieprüfung anmelden. Kostenpunkt: 30 bis 40 Franken für die Prüfung, plus 30 bis 90 Franken für den Ausweis (kantonal verschieden). Hinzu kommen allfällige Kosten für Lernmaterial und Vorbereitungskurse.

Praktische Grundschulung

Nach der Ausstellung des Lernfahrausweises hat ein Lenker vier Monate Zeit, die praktische Grundschulung zu absolvieren. Bei der Führerscheinkategorie A (beschränkt und unbeschränkt) dauert diese zwölf Stunden (ca. 450 bis 700 Franken) und bei der Kategorie A1 acht Stunden (ca. 300 bis 450 Franken). Wer sich danach noch nicht fit genug fühlt, die Fahrprüfung zu absolvieren, kann freiwillig weitere Fahrstunden nehmen.

Verkehrskundeunterricht (VKU)

Dieser zielt darauf ab, den Verkehrssinn auf theoretischer Ebene zu schärfen und Lenker für eine vorsichtige Fahrweise zu motivieren. Kosten: 150 bis 280 Franken (inkl. Lernmaterial).

Fahrprüfung

Nach der Bestandenen Fahrprüfung erhält man den Führerausweis per Post. Kosten für Prüfung und Ausweis: 140 bis 200 Franken.

Weiterbildungskurse (WAB)

Um das Unfallrisiko zu senken, müssen Neulenker der Kategorie A (beschränkt und unbeschränkt), nicht aber jene der Kategorie A1, innert drei Jahren nach Erlangen des Führerscheins zwei Weiterbildungskurse absolvieren. Gesamtkosten: 600 bis 800 Franken.

Achtung Autofahrer: Ist man bereits im Besitz eines B-Führerscheins (Motorwagen und dreirädrige Motorfahrzeuge), kann man von Beginn weg den Lernfahrausweis beantragen und zur praktischen Grundschulung übergehen. Nothelferkurs, Theorieprüfung sowie VKU fallen weg. Zudem müssen die WAB-Kurse nur einmal besucht werden. Wer diese bereits mit dem Auto absolviert hat, muss nicht mehr antreten.

Welche Motorräder bieten sich in den einzelnen Kategorien an?

In die Kategorie A fallen klassische Motorradtypen wie Allrounder, Sporttourer, Supersportler, Enduros oder Chopper. Viel Hubraum und Leistung sorgen vor allem in der Kategorie A unbeschränkt für hohe Tachozahlen und maximale Beschleunigung. 

Im Stadtverkehr sind konventionelle Roller oder Elektroroller der Kategorie A1 eine gute Option. Diese sind nicht nur kleiner und wendiger, sondern meistens auch einfacher zu bedienen. Die Zeiten, in denen sich die 125er-Klasse nur auf Roller beschränkte, sind allerdings vorbei. Längst sind in dieser Kategorie auch Enduros, Choppers, usw. auf dem Markt, die sich rein optisch nicht mehr sehr stark von den Fahrzeugen der Kategorie A unterscheiden.

Alternative E-Velo: Eine interessante Alternative zum Motorrad stellen E-Velos dar. Diese sind äusserst praktisch und benötigen bis 25 km/h keine Zulassung. Für schnellere Bikes bis 45 km/h sind allerdings eine Zulassung und ein Führerschein der Mofa-Kategorie M erforderlich.


Welche Versicherungen benötige ich für mein Motorrad?

Wie beim Auto ist auch für den Betrieb eines Töffs eine Haftpflichtversicherung obligatorisch. Ohne sie kann das Fahrzeug nicht eingelöst werden. Die Haftpflichtversicherung kommt für Schäden auf, die der Lenker mit seinem Gefährt anderen Verkehrsteilnehmern zufügt. Darüber hinaus existieren weitere, freiwillige Deckungen, durch die auch das eigene Motorrad sowie Fahrer und Beifahrer gegen verschiedene Arten von Risiken abgesichert werden können.



Was brauche ich noch zusätzlich, um mit dem Motorrad auf der Strasse zu fahren?

Schutzbekleidung

Bei der Schutzbekleidung ist Sparen keine gute Idee. Denn bereits ein Sturz bei geringem Tempo kann heftige Schürfwunden oder gar Frakturen zur Folge haben. Zu einer guten Grundausrüstung gehören Helm, Handschuhe, Spezialstiefel, ein Kombi sowie ein Nierengurt. Dafür müssen ca. 1'000 Franken aufgewendet werden. Wertvolle Tipps für eine sichere Ausrüstung gibt es hier.

Wichtig: Vom Gesetzgeber wird zwar lediglich eine Helmpflicht vorgeschrieben, allerdings wird für die Fahrprüfung je nach Kanton eine motorradspezifische Sicherheitsausüstung vorausgesetzt. Im Kanton Zürich sind zum Beispiel ein geprüfter Helm, Motorradjacke, -hose und -handschuhe sowie knöchelüberragende feste Schuhe Pflicht. 

Autobahnvignette

Wer auf Autobahnen und -strassen fährt, muss eine Vignette haben. Kostenpunkt: 40 Franken. Das Wichtigste zur Vignette (Stand: 2019) finden Sie hier.

Wie löse ich mein neues Motorrad ein?

Vor der ersten Fahrt mit dem neuen Töff muss dieser eingelöst werden. Um den Fahrzeugausweis und das Kontrollschild zu erhalten, müssen beim Strassenverkehrsamt folgende Unterlagen eingereicht werden:

  • Versicherungsnachweis der Haftpflichtversicherung
  • Prüfungsbericht 13.20 A des Händlers oder einer Garage bei fabrikneuen Motorrädern oder der Fahrzeugausweis des bisherigen Fahrzeughalters bei Occasionen

Mit welchen Betriebs- und Unterhaltskosten ist zu rechnen?

Die laufenden Motorradkosten hängen stark von den eigenen Ansprüchen (Fahrzeugmodell, Laufleistung, Versicherungspräferenzen) ab. Mit 1’300 Franken pro Jahr sollte aber mindestens gerechnet werden. Comparis erklärt in einer Übersicht die wichtigsten und grössten Kostenpunkte, die pro Jahr zu beachten sind.