Krankenkassen

Telmed-Boom wegen Corona

ANALYSE
|
Bild: iStock / M_a_y_a

Während des Lockdowns ist die Nachfrage nach Telemedizin massiv angestiegen. Die Analyse von Comparis zeigt: Auch viele nicht Telmed-Versicherte haben Ärzte via Telefon oder Internet kontaktiert.

Während des Lockdowns vom 16. März bis zum 27. April 2020 waren nicht dringliche medizinische Eingriffe verboten und viele medizinische Einrichtungen geschlossen. Daneben war bei vielen Patienten die Angst vor einer Ansteckung so gross, dass die Wartezimmer vieler Ärzte, Therapeuten und Spitäler leer blieben. Davon profitiert haben die medizinischen Beratungen via Telefon oder Internet. Zwischen 20 und 650 Prozent sind in dieser Zeit die Konsultationen bei den telemedizinischen Anbietern gestiegen.

«Viele Patienten haben aus Furcht vor einer Corona-Ansteckung beim Besuch einer Arztpraxis ihre Skepsis gegenüber einer Sprechstunde via Telefon oder Internet überwunden», erklärt Comparis-Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly.

Starker Nachfrageanstieg von nicht Telmed-Versicherten

Diese These wird durch Zahlen der Telemedizin-Anbieter gestützt. Während des Lockdowns haben sich vor allem Personen ohne Telmed-Grundversicherung telemedizinisch beraten lassen. Im Gegensatz zu Telmed-Versicherten sind diese Patienten nicht dazu verpflichtet, bei Gesundheitsproblemen als erste Anlaufstelle einen Telmed-Anbieter zu kontaktieren.

Bei den Telmed-Versicherten hingegen gab es laut den Branchenführern Medgate und Santé24 eine Abnahme, da unkritische Arztbesuche während des Lockdowns verschoben wurden und somit nicht mit der virtuellen Beratung vorbesprochen werden mussten.

Telemedizinische Konsultationen erfordern oft keine weiteren Arztbesuche

Der Boom während der Corona-Krise hat zudem verdeutlicht: Eine Vielzahl von gesundheitlichen Beschwerden lassen sich direkt am Telefon oder bei einer Online-Konsultation und ohne zusätzliche Arztkonsultation behandeln. Bei Onlinedoctor.ch liegt die Quote bei 87 Prozent. Sie konnte auch während des Lockdowns gehalten werden. Bei Medi24.ch konnten während des Lockdowns 70 Prozent der Fälle ohne nachgelagerte physische Arztkonsultationen behandelt werden.

Dass telemedizinische Konsultationen nicht nur günstiger, sondern auch gut sind, zeigt die Zufriedenheit. Soignez-moi.ch, zum Beispiel, befragt die Patienten jeweils mit einem Follow-up sowie eine Woche nach Beendigung des Falles. 91 Prozent der Kunden sind zufrieden mit der Behandlung, so Romain Boichat, Gründer von Soignez-moi.

«Es ist davon auszugehen, dass die positiven Erfahrungen besonders bei bisher nicht Telmed-Versicherten dazu führen wird, dass das Telmed-Modell nachhaltig an Beliebtheit gewinnt», so Schneuwly. Er vermutet, dass sich beim nächsten Krankenkassenwechsel im Herbst noch deutlich mehr Grundversicherte – darunter auch vor allem Senioren – für ein Telmed-Modell entscheiden.

Aktuell haben rund 15 Prozent aller Grundversicherten ein Telmed-Modell gewählt. Versicherte in einem Telmed-Modell erhalten einen Prämienrabatt von rund 15 bis 20 Prozent im Vergleich zur Standard-Grundversicherung.