Vorsorge

Pensionskasse: Mit dem Umwandlungssatz sinkt Ihre Rente

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Der Umwandlungssatz wirkt sich auf Ihre Rente und somit auf Ihre private Vorsorge aus. Bild: iStock.com/kzenon

Wie ist Ihre Rente aus der zweiten Säule? Das errechnet die Pensionskasse mit dem Umwandlungssatz. Über kurz oder lang wird dieser Satz sinken. Was das für Ihre Vorsorge bedeutet und was Sie unternehmen können.

Das angesparte Kapital in der zweiten Säule bringt an den Finanzmärkten weniger Rendite als früher. Höhere Lebenserwartung in Kombination mit niedrigerer Rendite – das heisst unter dem Strich: Die Rente aus der Pensionskasse nimmt tendenziell ab. Doch wie stark wird die Rente schrumpfen? Wie viel dürfen Sie aus der Pensionskasse erwarten?

Wie hoch die Rente ausfällt, errechnen Vorsorgeexperten mit dem Umwandlungssatz. Damit können Sie sich ein Bild davon machen, wie es um Ihre Rente steht.

Was ist der Umwandlungssatz?

Die zweite Säule funktioniert nach dem Prinzip der Kapitaldeckung. Das heisst: Jeder spart in seiner Pensionskasse Vermögen an. Im Ruhestand profitiert er von genau diesem angesparten Geld – dem sogenannten Altersguthaben.

Sie können Ihr Altersguthaben in eine Rente umwandeln lassen oder als Kapital beziehen. Beim Kapitalbezug sind die Pensionskassen verpflichtet, mindestens einen Viertel des Altersguthabens auszuzahlen. Viele Pensionskassen sehen in ihrem Reglement vor, dass auch ein grosser Anteil oder das gesamte Vorsorgevermögen als Kapital bezogen werden kann.

Das nicht bezogene Altersguthaben wird in eine Rente umgewandelt, und zwar anhand des sogenannten Umwandlungssatzes.

Zurzeit beträgt der Satz im obligatorischen Teil der Pensionskasse 6,8 Prozent. Dieser im Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) geregelte Prozentsatz sagt aus, wie hoch die jährliche Rente ausfällt.

Beispiel:

Ein Altersguthaben von 100'000 Franken ergibt bei einem Umwandlungssatz von 6,8 Prozent eine Rente von 6'800 Franken pro Jahr.

Wie stark sinkt der Umwandlungssatz?

6,8 Prozent Rente – das ist mit Blick auf das aktuelle Tiefzinsnivau eine stolze Rendite. Deswegen drängen viele Pensionskassen auf eine weitere Senkung des Umwandlungssatzes, weil der aktuelle Satz von einer zu tiefen Lebenserwartung und zu hohen Renditen ausgehe. Der ursprünglich geltende Umwandlungssatz von 7,2 Prozent wurde seit der ersten BVG-Revision (2006) stufenweise auf das derzeitige Niveau gedrückt.

Der Bundesrat hat in der Vorlage Altersvorsorge 2020 vorgeschlagen, den derzeitig geltenden Satz stufenweise auf 6 Prozent zu senken. Im September 2017 hat das Stimmvolk die Vorlage allerdings verworfen. Viele Versicherer halten selbst eine Senkung auf 6,0 Prozent immer noch für zu hoch.

Berechnungen zufolge entspräche ein Umwandlungssatz von 5,14 Prozent weit mehr den realen Bedingungen. Als Basis hierfür diente ein 65-jähriger Mann mit einer statistischen Lebenserwartung von zusätzlichen 19,8 Jahren und einer geschätzten Rendite (der sogenannte «technische Zinssatz») von 2,5 Prozent.

Hoher Umwandlungssatz muss finanziert werden

Hält die Politik den Umwandlungssatz so hoch, muss jemand für die Leistungen bezahlen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Die besserverdienenden Neurentner müssen zahlen

Der gesetzliche Umwandlungssatz gilt nur für Einkommen zwischen 21’350 und 85’320 Franken für 2018. 2019 liegt die Spanne bei 21'330 bis 85'320 Franken.

Bis zu diesem Salär muss die Pensionskasse den gesetzlichen Umwandlungssatz garantieren. Für Einkommen über dieser Grenze beginnt der freiwillige Teil (Überobligatorium). Hier kann jede Pensionskasse den Umwandlungssatz frei wählen. Einige Kassen drücken im Überobligatorium den Satz auf unter 5 Prozent, um die Leistungen im Obligatorium finanzieren zu können.

2. Die aktiven Beitragszahler müssen zahlen

Die Erwerbstätigen zahlen höhere Prämien. Damit sparen sie dann nicht nur für ihr eigenes Altersguthaben. Sie finanzieren auch die Renten der Pensionierten. Das ist systemfremd, weil die Pensionskassen nach dem Kapitaldeckungsverfahren organisiert sind und eben nicht nach dem in der ersten Säule (AHV) angewendeten Umlageverfahren. In der AHV zahlen die Jungen von heute für die Alten von heute.

Wie fülle ich die Vorsorgelücke?

Reicht die Rente für das Leben nach der Pensionierung? Diese Frage müssen Sie sich stellen.

Die Renten aus erster Säule (AHV) und zweiter Säule (Pensionskasse) decken heute in der Regel rund 60 Prozent des letzten Einkommens. Die langfristige Finanzierung der AHV steht auf tönernen Füssen und es ist auch mit sinkenden Umwandlungssätzen zu rechnen. Die Lücke zwischen Rentenleistungen und dem tatsächlichen finanziellen Bedarf, die sogenannte Vorsorgelücke, droht somit grosser zu werden.

Mit regelmässigen Einzahlungen in die steuerprivilegierte dritte Säule oder mittels Einkäufen in die Pensionskasse lassen sich Vorsorgelücken schliessen.

Hier erfahren Sie mehr zum Thema «Vorsorgelücke schliessen».