Rentenkürzung durch Umverteilung berechnen


Bei Schweizer Pensionskassen findet eine massive Umverteilung statt: Aufgrund der historisch tiefen Zinsen und der gestiegenen Lebenserwartung kosten die garantierten Renten systematisch mehr, als effektiv finanziert ist. Die daraus entstehende Lücke muss durch die aktiven Versicherten, d.h. durch all jene Personen, die noch nicht in Rente sind, gestopft werden. Schätzungen zufolge werden dadurch rund 4 Mrd. Franken von den Aktiven zu den Rentnern umverteilt – und zwar jährlich!

Aber was bedeutet diese absurd hohe Zahl für eine einzelne Person? Wie viel Rente geht dadurch jährlich verloren? Und noch viel wichtiger: Wie hoch steigt dieser Betrag, wenn in Zukunft nichts gegen die Umverteilung unternommen wird? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt der Comparis Umverteilungsrechner – und zwar zum ersten Mal in der Schweiz! Berechnen Sie hier indikativ, wie Sie persönlich von der Umverteilung in den Pensionskassen betroffen sind.

 

Grundlagen des Comparis-Umverteilungsrechners

 

Was ist Umverteilung überhaupt?

Umverteilung in einem Vorsorgesystem bedeutet, dass jemand höhere oder tiefere Leistungen ausbezahlt erhält, als er durch entsprechende Beiträge während seiner aktiven Erwerbstätigkeit und die Erträge daraus finanziert hat. So funktioniert beispielsweise die 1. Säule (AHV) mit einem gemeinsamen Topf, in den gleichzeitig Beiträge durch aktuell Erwerbstätige einbezahlt sowie Leistungen an Rentner ausbezahlt werden. Einen individuellen Anspruch auf die geleisteten Beiträge gibt es nicht. Auch in der 2. Säule ist Umverteilung vorgesehen. So bezahlen beispielsweise alle Versicherten eine Prämie für Invalidität und Tod, es erhalten aber nur diejenigen Leistungen, welche vom Schicksal getroffen werden (Solidaritätsprinzip). Auch im Alter kommt es zu Umverteilung, indem beispielsweise verheiratete Personen einen Anspruch auf Hinterlassenenleistungen haben, während Unverheiratete bei meist gleicher Rentenhöhe nicht in diesen Genuss kommen können.

Wieso ist Umverteilung ein Problem?

In der Summe sollten die Altersleistungen so finanziert sein, dass sich die Umverteilung zumindest mittelfristig wieder aufhebt. Aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung, den gesunkenen Anlageerträgen und den nicht angepassten Leistungsparametern geschieht dies jedoch bei vielen Pensionskassen nicht. Das heisst, die Altersrenten kosten systematisch mehr, als durch Beiträge und Erträge daraus finanziert ist. Die entstehende Lücke muss durch die aktiven Versicherten (Personen, die noch nicht in Rente sind) beglichen werden, indem ihr Sparkapital weniger hoch verzinst wird. Diese Art der Umverteilung ist systemfremd und wird im Comparis Umverteilungsrechner abgebildet.

Wie kann man Umverteilung messen?

Für eine korrekte Messung müsste die Umverteilung bei jeder Pensionskasse einzeln berechnet, zentral zusammengetragen und dann addiert werden. Das geschieht heute allerdings nicht. Der Comparis Umverteilungsrechner bedient sich daher einer Schätzung: Wenn Versicherte pensioniert werden, wird ihr Sparkapital in eine Rente umgewandelt. Dazu ist der sogenannte Umwandlungssatz notwendig, welcher ein implizites Zinsversprechen an den neuen Rentner / die neue Rentnerin enthält. Gleichzeitig muss die neue Verpflichtung gegenüber dem Rentner / der Rentnerin bewertet werden, wofür ebenfalls ein Zinssatz benötigt wird (sogenannt technischer Zins). In einer Pensionskasse ohne Umverteilung müssten also das implizite Zinsversprechen, der technische Zins sowie der Zinssatz, mit dem jährlich das Sparkapital der aktiven Versicherten verzinst wird, (mindestens mittelfristig) gleich hoch sein. Nur so würden alle Beteiligten im gleichen Umfang von der erzielten Rendite auf dem Vermögen profitieren. In vielen Fällen liegt aber das implizite Zinsversprechen und / oder der technische Zins deutlich über dem Zinssatz, mit dem das Sparkapital der aktiven Versicherten verzinst wird. Diese Differenz lässt sich berechnen, womit näherungsweise die entstandene Umverteilung gemessen werden kann.

Wie bin ich davon betroffen?

Gemäss der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) haben Schweizer Pensionskassen ihre Rentnerverpflichtungen im Jahr 2016 durchschnittlich mit einem technischen Zinssatz von 2.43% bewertet. Der implizit versprochene Zinssatz variiert von Kasse zu Kasse und ist daher nicht verfügbar. Er dürfte allerdings deutlich höher sein (für einen Umwandlungssatz von 6.8% ist beispielsweise ein Zinssatz von rund 4.5% notwendig). Der Comparis Umverteilungsrechner geht daher von der konservativen Annahme aus, dass dieser Zinssatz von 2.43% dem impliziten Zinsversprechen entspricht. Gleichzeitig wurde das Sparkapital der aktiven Versicherten mit durchschnittlich 1.54% verzinst. Für eine Gleichbehandlung der aktiven Versicherten und der Rentner (d.h. keine Umverteilung) hätte das Sparkapital also um rund 0.89 Prozentpunkte höher verzinst werden müssen. Bei aktuell rund 435 Milliarden Franken Sparkapital entspricht dies einer Umverteilung von 3'876 Millionen Franken, und zwar pro Jahr! Diese Zahl liegt dem Comparis Umverteilungsrechner zu Grunde, lässt sich aber durch eine individuelle Annahme ersetzen.