Versicherung

Motorradversicherung: Mit welchen Zusatzdeckungen fährt man am besten?

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Es gibt eine ganze Reihe von freiwilligen Motorradversicherungen und Zusatzdeckungen – doch welche lohnt sich wirklich? Bild: iStock / Jag_cz

Beim Abschluss einer Töffversicherung stehen einem eine ganze Reihe von Deckungsvarianten zur Auswahl. Wer sich in der Materie nicht auskennt, verliert dabei leicht den Überblick. Wir erklären, wann sich welcher Schutz empfiehlt.

Grundsätzlich funktioniert die Motorradversicherung gleich wie die Autoversicherung: Neben der obligatorischen Haftpflichtversicherung gibt es eine Reihe von freiwilligen Versicherungen und Zusatzdeckungen. Dazu gehören die zwei Hauptsäulen Teil- und Vollkaskoversicherung, die Unfall- und die Mobilitätsversicherung sowie verschiedene Zusatzbausteine innerhalb dieser Deckungen. Auch in Bezug auf den Deckungsumfang und die Versicherungsleistungen gibt es bei diesen Komponenten kaum Unterschiede zur Autoversicherung. Allerdings werden bei der Töffversicherung mit dem Sistierungsverzicht und der Zusatzdeckung für die Motorradbekleidung zusätzlich noch zwei motorradspezifische Optionen angeboten. Doch welchen Schutz benötigt man als Motorradfahrer wirklich?

Teil- und Vollkasko: Ein Muss für Neufahrzeuge 

Wer ein Fahrzeug einlösen möchte, braucht zunächst eine Haftpflichtversicherung. Diese ist gesetzlich vorgeschrieben und kommt für Schäden auf, die der Fahrer mit seinem Töff Dritten zufügt. Darüber hinaus können Motorradfahrer eine Teil- oder Vollkaskoversicherung abschliessen, um sich gegen Schäden am eigenen Motorrad abzusichern. Während die Teilkasko die vom Lenker nicht selbst verschuldeten Schäden infolge von Diebstahl, Elementarereignissen (Hagel, Steinschlag, Hochwasser etc.), Feuer, Vandalenakten (ohne Kratzer und Beulen), Kollision mit Tieren oder Marderbissen deckt, übernimmt die Vollkasko zusätzlich noch selbstverschuldete Kollisionsschäden.

Empfehlenswert für neue Motorräder

Da die Versicherungsleistungen vom Alter und Zustand des Gefährts abhängen, sind die Kaskodeckungen insbesondere bei neueren Motorrädern sehr zu empfehlen: Teilkasko bis zu sieben und Vollkasko bis zu vier Jahre nach Inverkehrsetzung. Ob danach der Versicherungsschutz weiterhin sinnvoll ist, hängt vor allem von individuellen Budgetüberlegungen ab. Wichtig: Für geleaste Fahrzeuge ist eine Vollkaskoversicherung obligatorisch.

Innerhalb der Kaskokomponente werden in der Regel noch weitere Zusatzoptionen angeboten:

Persönliche Effekten

  • Versicherung für mitgeführte persönliche Gegenstände von Fahrer und Beifahrer gegen Diebstahl sowie gegen Beschädigungen im Zusammenhang mit einem Kaskoereignis.
  • Geldwerte wie Bargeld, Kreditkarten, Wertpapiere, Schmuck sind immer ausgeschlossen.
  • Auch elektronische Geräte, Motorradbekleidung und Berufsutensilien fallen vielfach nicht unter den Deckmantel.

Fazit: Da die mitgeführten Gegenstände bei Diebstahl häufig schon über die Hausratversicherung gedeckt werden, ist diese Komponente nicht zwingend notwendig. Hat man bei der Hausratversicherung bereits einen Kasko-Zusatz, ist sie aber in jedem Fall überflüssig.

Motorradbekleidung

  • Versicherung für Unfallschäden an Helm und Töffbekleidung.
  • Auch ein Diebstahlschutz ist darin mitenthalten, sofern sich die betreffenden Utensilien im geschützten Behälter befanden oder mit einem Helmschloss gesichert waren.
  • Teilweise schon bei der Option «Persönliche Effekten» miteingeschlossen.

Fazit: Wer bereits eine Hausratkaskoversicherung hat, kann darauf verzichten.

Parkschaden

  • Deckt Kratzer und Beulen ab, die dem parkierten Motorrad durch unbekannte Dritte zugefügt werden.
  • Deckt teilweise auch Schäden durch Bemalen und Bespritzen durch unbekannte Dritte ab.

Fazit: Fahrer, die im Besitz eines neuen Fahrzeugs sind und dieses häufig auf öffentlichen Parkplätzen abstellen, sollten diesen Versicherungszusatz unbedingt in Betracht ziehen.

Ausserdem empfehlenswert: Bonus- und Grobfahrlässigkeitsschutz

Bonusschutz 

Der sogenannte Bonusschutz verhindert, dass nach dem ersten Schadensfall im Jahr die Bonusstufe im Prämienstufensystem der Haftpflicht- und Kaskodeckung heraufgestuft und damit die Versicherungsprämie im Folgejahr erhöht wird. Auf diese Komponente sollte man keinesfalls verzichten, denn der Bonusschutz ist – gerade auch im Vergleich mit einer allfälligen Prämienerhöhung – sehr günstig.

Grobfahrlässigkeitsschutz

Ebenfalls ratsam ist der Grobfahrlässigkeitsschutz. Mit diesem Zusatz verzichtet die Versicherungsgesellschaft bei einer grobfahrlässigen Missachtung der Verkehrsregeln – wie dem Überfahren eines Stoppsignals oder einer Geschwindigkeitsübertretung – auf eine Kürzung der Versicherungsleistungen (sogenanntes Rückgriff- oder Regressrecht). Da der Aufpreis in der Regel minimal ist und eine grobfahrlässige Regelverletzung auch einem umsichtigen Fahrer einmal passieren kann, ist dieser Baustein sehr empfehlenswert.

Unfallversicherung, Assistance und Sistierungsverzicht: Genau hinschauen

Unfallversicherung 

Zusätzlichen Schutz bietet die Unfallversicherung, mit der Fahrer und/oder Mitfahrer gegen die finanziellen Folgen von Unfällen versichert werden können. Sie lohnt sich vor allem dann, wenn ausländische Personen mit einem schlechten Unfallschutz mitfahren. Sind Lenker und Mitfahrer hingegen in der Schweiz wohnhaft, ist dieser Baustein meist überflüssig, da man in der Regel über den Arbeitgeber (sofern man über acht Stunden in der Woche arbeitet) oder die Krankenkasse ausreichend unfallversichert ist. Um eine Doppelversicherung zu vermeiden, sollte der Deckungsumfang der Versicherung im Einzelfall genau geprüft und mit der bestehenden Unfalldeckung verglichen werden.

Assistance

Die Mobilitätsversicherung, meist «Assistance» oder «Pannenhilfe» genannt, leistet Unterstützung in Notlagen. Der Deckungsumfang ist je nach Versicherung unterschiedlich und reicht von Pannendienst über Fahrzeugrückführung bis hin zu Unterkunft und Rückreise der Fahrzeugbenützer. Wer TCS-Mitglied oder schon über eine Reise-Assistance versichert ist, kann getrost darauf verzichten. Andernfalls empfiehlt es sich, diese Komponente genauer anzuschauen (Kosten eines Pannendiensts, Budgetüberlegungen etc.). Achtung: Bei gewissen Anbietern ist diese Deckung automatisch in der Teilkaskoversicherung miteingeschlossen.

Sistierungsverzicht

Gewisse Versicherungen bieten auch einen sogenannten Sistierungsverzicht an. Dieser gibt Motorradfahrern die Möglichkeit, in den Wintermonaten auf die Hinterlegung des Nummernschilds zu verzichten. Zwar wird dann eine Ganzjahresprämie fällig, dafür wird dem Versicherten aber ein Prämienrabatt von 25 bis 30 Prozent gewährleistet. Ob sich ein Sistierungsverzicht lohnt, muss im Einzelfall bestimmt werden. Wer seinen Töff im ganzen Winterhalbjahr nicht einsetzt, fährt mit einer Deponierung des Kontrollschilds in der Regel jedoch besser. 

Tipp: Die Tarife und der spezifische Leistungsumfang können bei den Zusatzdeckungen je nach Versicherung und Police relativ stark variieren. Es lohnt sich daher immer, mehrere Offerten einzuholen und diese genau miteinander zu vergleichen.