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Motorradversicherung: Mit welchen Zusatzdeckungen fährt man am besten?

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| von Andrea Auer |
Bild: iStock / Jag_cz

Beim Abschluss einer Motorradversicherung stehen einem eine ganze Reihe von Deckungsvarianten zur Auswahl. Wer sich damit nicht auskennt, verliert leicht den Überblick. Comparis erklärt, wann sich welcher Schutz empfiehlt.

Bei der Motorradversicherung ist es ähnlich wie bei der Autoversicherung: Der Abschluss einer Haftpflichtdeckung ist für jeden Motorradbesitzer ein Muss; Teil- oder Vollkaskodeckung sind jedoch in der Regel freiwillig (Ausnahme: Leasing). Und wie auch beim Auto können Motorradfahrer weitere Zusatzbausteine wie beispielsweise eine Mobilitätsdeckung oder Parkschadendeckung in die Police einschliessen. Doch welchen Schutz benötigt man als Motorradfahrer wirklich? Comparis klärt auf.

Welche Motorradversicherung ist ein Muss?

Für das Einlösen eines Motorrades ist der Abschluss einer Motorfahrzeughaftpflichtversicherung obligatorisch. Diese kommt für Schäden auf, die der Fahrer mit seinem Motorrad Dritten zufügt. Die Teil- oder Vollkaskoversicherung hingegen decken Schäden am eigenen Motorrad.

Die Teilkasko-Deckung übernimmt Schäden am stehenden Fahrzeug die durch Fremdeinwirken entstanden sind wie etwa Diebstahl, Elementarereignisse (Hagel, Steinschlag, Hochwasser etc.), Feuer, Vandalenakte (ohne Kratzer und Beulen) oder Marderbisse. Daneben deckt die Teilkasko auch Schäden durch Kollisionen mit Wildtieren.

Vollkasko ist die Kombination aus Teil- und Kollisionskasko. Letztere übernimmt vom Lenker selbst verursachte Schäden am Motorrad wie etwa bei einem Auffahrunfall.

Wie lange lohnt sich eine Vollkaskoversicherung?

Ein Abschluss der Kaskodeckungen ist für neuere Motorräder lohnenswert: Teilkasko bis zu sieben und Vollkasko bis zu vier Jahre nach erster Inverkehrsetzung. Ob danach ein Abschluss dieses Versicherungsschutzes weiterhin sinnvoll ist, hängt vor allem von individuellen Budgetüberlegungen ab.

Gut zu wissen: Für geleaste Fahrzeuge ist eine Vollkaskoversicherung obligatorisch.

Welche Zusatzbausteine sind empfehlenswert?

Zu den Basisdeckungen können Sie weitere Bausteine einschliessen:

Persönliche Effekten

Der Baustein Persönliche Effekten deckt mitgeführte persönliche Gegenstände von Fahrer und Beifahrer bei Diebstahl sowie Beschädigung im Zusammenhang mit einem Kaskoereignis. Ausgeschlossen sind dabei: Geldwerte wie Bargeld, Kreditkarten, Wertpapiere oder Schmuck. Auch elektronische Geräte, Motorradbekleidung und Berufsutensilien fallen vielfach nicht unter den Deckmantel.

Unser Tipp: Da die mitgeführten Gegenstände bei Diebstahl häufig schon über die Hausratversicherung gedeckt werden, ist dieser Baustein nicht zwingend notwendig. Hat man ausserdem in der Hausratversicherung den Baustein Hausratkasko (deckt plötzliche Beschädigung des Hausrates) inkludiert, ist sie in jedem Fall überflüssig.

Motorradbekleidung

Unfallschäden an Helm und Motorradbekleidung werden mit dem Einschliessen des Bausteines Motorradbekleidung von der Versicherung übernommen. Darin ist auch ein Diebstahlschutz enthalten, sofern sich die betreffenden Utensilien im geschützten Behälter befanden oder mit einem Helmschloss gesichert waren. Wer eine Hausratkaskoversicherung hat, kann darauf verzichten.

Parkschaden

Der Baustein Parkschaden deckt Kratzer und Beulen am parkierten Motorrad durch unbekannte Dritte. Dabei fallen teilweise auch Schäden durch Bemalen und Bespritzen durch unbekannte Dritte unter diese Deckung.

Unser Tipp: Fahrer, die im Besitz eines neuen Fahrzeugs sind und dieses häufig auf öffentlichen Parkplätzen abstellen, sollten diesen Versicherungszusatz unbedingt in Betracht ziehen.

Bonusschutz 

Der sogenannte Bonusschutz verhindert, dass nach dem ersten Schadensfall im Jahr die Bonusstufe im Prämienstufensystem der Haftpflicht- und Kaskodeckung heraufgestuft und damit die Versicherungsprämie im Folgejahr erhöht wird.

Unser Tipp: Schliessen Sie den Baustein in Ihre Versicherung ein. Der Prämienaufschlag für Bonusschutz ist gerade auch im Vergleich mit einer allfälligen Prämienerhöhung sehr günstig.

Gut zu wissen: Es gibt Versicherer, die arbeiten mit fixen Prämien und haben kein Bonusstufensystem. Das heisst, im Schadenfall verändert sich die Prämie nie. Diese Versicherer sind vor allem für Junglenker attraktiv, da diese meist auf einer hohen Prämienstufe liegen.

Grobfahrlässigkeitsschutz

Haben Sie den Baustein Grobfahrlässigkeitsschutz in Ihre Police eingeschlossen, verzichtet die Versicherungsgesellschaft bei einer grobfahrlässigen Missachtung der Verkehrsregeln auf eine Kürzung der Versicherungsleistungen (sogenanntes Rückgriff- oder Regressrecht). Unter grobfahrlässiges Verhalten fallen etwa das Überfahren eines Stoppsignals oder eine Geschwindigkeitsübertretung.

Unser Tipp: Da der Aufpreis in der Regel minimal ist und eine grobfahrlässige Regelverletzung auch einem umsichtigen Fahrer einmal passieren kann, ist dieser Baustein sehr empfehlenswert.

Unfallversicherung, Assistance und Sistierungsverzicht: Genau hinschauen

Unfallversicherung 

Der Baustein Unfallversicherung schütz Fahrer und/oder Mitfahrer gegen finanzielle Folgen von Unfällen.

Unser Tipp: Ein Abschluss lohnt sich vor allem dann, wenn ausländische Personen mit einem schlechten Unfallschutz mitfahren. Sind Lenker und Mitfahrer hingegen in der Schweiz wohnhaft, ist dieser Baustein meist überflüssig, da man in der Regel über den Arbeitgeber oder die Krankenkasse versichert ist. Prüfen Sie den Deckungsumfang der Versicherung genau, um eine Doppelversicherung zu vermeiden.

Assistance

Die Mobilitätsversicherung – auch «Assistance» oder «Pannenhilfe» genannt – leistet Unterstützung in Notlagen. Der Deckungsumfang ist je nach Versicherung unterschiedlich und reicht von Pannendienst über Fahrzeugrückführung bis hin zu Unterkunft und Rückreise der Fahrzeugbenützer.

Unser Tipp: Wer TCS-Mitglied oder schon über eine Reise-Assistance versichert ist, kann darauf verzichten. Andernfalls ist ein Abschluss empfehlenswert. Achtung: Bei gewissen Anbietern ist diese Deckung automatisch in der Teilkaskoversicherung miteingeschlossen.

Sistierungsverzicht

Der Baustein Sistierungsverzicht gibt Motorradfahrern die Möglichkeit, in den Wintermonaten auf die Hinterlegung des Nummernschilds zu verzichten. Zwar wird dann eine Ganzjahresprämie fällig, dafür erhalten Sie in der Regel einen Prämienrabatt von 25 bis 30 Prozent.

Unser Tipp: Ob sich der Einschluss eines Sistierungsverzichts lohnt, muss im Einzelfall bestimmt werden. Wer sein Motorrad im ganzen Winterhalbjahr nicht einsetzt, fährt mit einer Deponierung des Kontrollschilds in der Regel besser. 

Fazit

Die Tarife und der spezifische Leistungsumfang können bei den Zusatzdeckungen je nach Versicherung und Police relativ stark variieren. Es lohnt sich daher immer, mehrere Offerten einzuholen und diese genau miteinander zu vergleichen.

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