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Skiunfall im Ausland: Wie (gut) sind Sie versichert?

TIPPS
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Nach einem Ski-Unfall im Ausland sollte man sich (wenn möglich) nicht bei einem privaten Arzt behandeln lassen – die Versicherung übernimmt eventuell nicht alle Kosten. Bild: iStock

Jeder fünfte Wintersportunfall geschieht jenseits der Schweizer Pisten. Aus den Traumferien kann schnell ein Albtraum werden – insbesondere wenn die Versicherung nicht für die Behandlungskosten aufkommt. comparis.ch gibt Tipps, damit aus dem Skiunfall kein finanzielles Fiasko wird.

Durch den Euro-Aufschwung sind Skiferien im benachbarten Ausland zwar nicht mehr ganz so verlockend. Dennoch schnallen auch in dieser Saison wieder viele Wintersportler ihre Bretter jenseits der Schweizer Alpen an. Woran die wenigsten denken (mögen), ist ein Skiunfall. Auch wer selber noch so vorsichtig fährt, kann durch einen anderen Skifahrer gefährdet werden. Das Risiko ist auf ausländischen Pisten keineswegs geringer als auf hiesigen. Allein 2015 verunfallten rund 6500 Schweizer Skifahrer und Snowboarder im Ausland. Die meisten von ihnen in Österreich, Frankreich, Italien und Deutschland. Weitere Länder: Kanada, USA, Liechtenstein.

Diese Grafik zeigt auf, wie viele Personen pro Jahr beim Ski- oder Snowboardfahren verunfallen. Dabei geschieht jeder 5. Wintersportunfall im Ausland.

Damit man im Fall der Fälle nicht auf den Arzt-, Spital- und Rückführungskosten sitzen bleibt, sollte man sich vor der Abreise unbedingt ein paar Gedanken über den Versicherungsschutz machen.

Unfall im Ausland: Wer zahlt?

Variante 1: Wer mindestens acht Stunden pro Woche arbeitet, ist über den Arbeitgeber obligatorisch unfallversichert – auch gegen Freizeitunfälle. Die Unfallversicherung übernimmt in EU- und EFTA-Ländern dieselben Leistungen, wie wenn man in dem entsprechenden Land sozialversichert wäre. Manche Arbeitgeber versichern ihre Mitarbeiter auch über das obligatorische Mass hinaus. Um eine Unter- oder (durch Zusatzversicherungen) Überversicherung zu vermeiden, erkundigt man sich am besten bei seinem Arbeitgeber nach dem konkreten Versicherungsschutz.

Variante 2: Wer weniger als acht Stunden pro Woche bei seinem Arbeitgeber tätig oder freiberuflich ist, kann eine Unfallzusatzversicherung bei der Krankenkasse abschliessen. Wichtig: Im Unterschied zur obligatorischen Unfallversicherung über den Arbeitgeber muss man sich bei dieser an den Kosten beteiligen. (Franchise: 300 bis 2500 Franken, Selbstbehalt: 10 Prozent der Leistungen über der Franchise, maximal aber 700 Franken pro Jahr)

Manche Länder sind teuer als andere

Sie freuen sich auf Champagner-Powder am kanadischen Whistler Mountain? Dann aufgepasst. Ausser in EU- und EFTA-Ländern zahlt die obligatorische Unfallversicherung höchstens den doppelten Betrag der Behandlungskosten, die im teuersten öffentlichen Schweizer Spital angefallen wären. Das mag im ersten Moment üppig klingen,reicht aber in Ländern mit teuren Gesundheitssystemen wie z.B. den USA oder Kanada kaum aus.

Vorsicht bei Privatbehandlungen im Ausland

Ist man nur über die obligatorische Krankenversicherung unfallversichert (und möchte nicht draufzahlen), ist man in der Arzt- und Spitalwahl eingeschränkt. Da privatärztliche Behandlungen nicht übernommen werden, braucht man ein öffentliches Spital oder einen Arzt, der zum örtlichen Grundtarif abrechnet. Das Problem aber: In manchen Skigebieten ist es gar nicht so einfach, solche Ärzte und Spitäler zu finden. Touristen landen dann oftmals und z.T. unwissentlich bei Privatärzten oder in Privatkliniken, die zu höheren Sätzen abrechnen.

Im Zweifelsfall bei der Versicherung nachfragen

Nicht selten kommt es auch vor, dass Hotels ihre Gäste bei Unfällen ungefragt direkt in eine Privatklinik bringen lassen. In manchen österreichischen Skiresorts holen Privatkliniken Verletzte gar mit eigenen Helikoptern von der Piste ab und operieren selbst dann, wenn ein Rücktransport in die Schweiz möglich wäre. Meist müssen die Patienten vor einem medizinischen Eingriff schriftlich bestätigen, dass sie die Kosten voll übernehmen. Die Unfall-Situation ist meist schwierig genug und häufig muss alles besonders schnell gehen. Dennoch sollte man bei Unklarheiten am besten bei der Versicherungshotline anrufen. Wer hier nicht aufpasst, kann im schlimmsten Fall auf mehreren 10'000 Franken sitzen bleiben.

Diese Infografik zeigt, waas man vor dem Skiurlaub im Ausland beachten sollte (Versicherung prüfen, aufpassen bei der Arztwahl, Im Zweifelsfall Versicherung kontaktieren, Quittungen wie auch Belege und Berichte sammeln)

Wer übernimmt die Rückführungskosten?

Nach einem besonders schweren Unfall kann eine Rückführung (Repatriierung) aus dem Ausland in Frage kommen, sofern der Patient transportfähig ist. Repatriierungen mit einem Rettungshubschrauber oder einem Linienjet können zu erheblichen Kosten führen. Immerhin: Die obligatorische Unfallversicherung gemäss Krankenversicherungsgesetz (KVG) übernimmt die Hälfte der Rettungkosten bis zum jährlichen Maximalbetrag von 5’000 Franken für Transporte, aber nur auf Schweizer Boden. Die obligatorische Unfallversicherung gemäss Unfallversicherungsgesetz (UVG) vergütet die notwendigen Rettungs- und Bergungskosten sowie die medizinisch notwendigen Reise- und Transportkosten bis zu einem Fünftel des aktuell versicherten Maximalbetrags, also maximal 29‘640 Franken. Bei einer Rettung wird eine versicherte Person, die sich in einer akut bedrohlichen Situation befindet und deren Leben und Gesundheit in Gefahr sind, befreit. Ohne akute Bedrohung ist es ein aus medizinischer Sicht notwendiger Transport.

 

Selbst Rega-Gönner sind punkto Rettungskosten nicht zwingend abgesichert. «Wer Rega-Gönner ist, hat nicht automatisch einen Anspruch auf Rettungsflüge», so Felix Schneuwly, Krankenkassen-Experte bei comparis.ch. Es besteht kein Rechtsanspruch, d.h. die Rega ist nicht verpflichtet, ihre Hilfeleistung zu erbringen. Sie kann ihren Gönnern die Kosten für die Rückführung erlassen, falls Versicherungen nicht oder nur teilweise einspringen.

Weitere Informationen zu Kostenübernahmen von Ambulanz und Rettungshelikopter finden Sie auch hier.

Fazit: Die finanziellen Folgen eines Skiunfalls im Ausland können schnell in die Tausende oder gar Zehntausende Franken gehen. Daher sollte man vor der Abreise den Versicherungsschutz genau überprüfen. Je nachdem kann der Abschluss einer Zusatzversicherung sinnvoll sein. Diese sollte die unlimitierte Kostenübernahme von Heilungskosten sowie Rücktransporte in die Schweiz bei ernster Krankheit bzw. nach schwerem Unfall beinhalten. Eine Reise- oder Zusatzversicherung deckt darüber hinaus auch meist den kostenneutralen Reiserücktritt und die Gepäckversicherung. Auch für diese Versicherungen gilt: Dumm, wenn man sie braucht, aber gut wenn man sie hat!

Diese Infografik zeigt die Möglichkeiten, wie man sich für eine Reise im Ausland versichern kann.