Zusammenleben

Die erste gemeinsame Wohnung

TIPPS
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Damit das neue Liebesnest zum Tanzparkett und nicht zur Streithöhle wird. Bild: iStock.com/Cecilie_Arcurs

Die meisten Paare erfüllen sich früher oder später den Traum von einem gemeinsamen Zuhause. Ist es dann soweit, entpuppen sich oft ganz alltägliche Dinge als Beziehungskiller. comparis.ch gibt Tipps, damit das Liebesnest nicht zur Streithöhle wird.

Zwei bis drei Jahre nach dem ersten Date fangen die meisten Paare an, über eine gemeinsame Wohnung nachzudenken. Die Beziehung läuft prima – praktischer und günstiger wäre es allemal. Was so logisch erscheint, ist allerdings ein Meilenstein für die Partnerschaft – und eine Herausforderung, auf die man sich gut vorbereiten sollte. 

Warum möchte man wirklich zusammenziehen?

So logisch der Schritt auch erscheint – jeder für sich sollte darüber nachdenken, was er wirklich von dem Leben in einer gemeinsamen Wohnung erwartet. Männer und Frauen haben hier offenbar unterschiedliche Motive, wie Forscher der University of California Hastings in San Francisco herausgefunden haben. Während das Zusammenziehen für viele Frauen ein Schritt in Richtung Heirat ist, erhoffen sich Männer mehr Chancen auf regelmässigen Sex. Doch nicht immer zieht die Erotik ins gemeinsame Schlafzimmer ein. Konflikte sind vorprogrammiert. 

Wie soll das gemeinsame Nest aussehen?

Zu mir oder zu dir? Auch wenn bei einem Partner genug Platz vorhanden ist: Am besten suchen sich beide gemeinsam eine neue Bleibe. So hat jeder die Chance, seine Vorstellungen zu verwirklichen. Gibt es später mal Streit, begegnet man sich auf Augenhöhe. Wichtig: Den Mietvertrag sollten beide unterschreiben. Dann hat jeder als Hauptmieter die gleichen Rechte und Pflichten, wie z.B. die Übernahme der Mietkosten. Und kommt es je zur Trennung, kann der eine den anderen nicht einfach vor die Tür setzen. Zieht der Partner dennoch (vielleicht vorerst) als Untermieter mit ein, sollte man über ein paar rechtliche Aspekte Bescheid wissen.

Aber Achtung: Wenn beide den Mietvertrag gleichberechtigt unterschreiben, sind immer beide gegenüber dem Vermieter in der Pflicht und keiner kann sich kurzfristig aus der Affäre ziehen oder die Miete nicht mehr bezahlen. Auch bei einer Kündigung müssen immer beide Parteien unterschreiben, sonst ist diese nicht rechtsgültig. Um sich die Option einer individuellen Kündigung offenzuhalten, kann man eine sogenannte Teilkündigungsklausel in den Mietvertrag aufnehmen. 

Er sucht nach der hippen Penthouse-Wohnung im Szeneviertel? Sie hat bereits ein idyllisches Einfamilienhaus mit Spielplatznähe im Visier? Hier hilft nur ein offenes Gespräch. Schliesslich haben Lage, Grösse und Ausstattung der Wohnung auch finanzielle Auswirkungen. Erst wenn man sich über diese Kriterien einig ist und das gemeinsame Budget kennt, kann man nach einer Wohnung suchen.

Was kann man sich leisten? Welche Miet- und Nebenkosten muss man einkalkulieren? Und: Wie macht man beim Vermieter eine gute Figur? Hier finden Sie die Tipps und Infos von comparis.ch dazu.

Gemeinsam leben, gemeinsam zahlen

In der Regel teilen sich Paare die Mietkosten. Verdient einer von beiden deutlich mehr als der andere, lässt sich die Miete auch anteilig verrechnen. Gerade in der ersten Zeit des Zusammenlebens ist es sinnvoll, die Ausgaben im Blick zu behalten. Um hässliche Debatten ums Geld zu vermeiden, kann es sich lohnen, ein Haushaltsbuch anzulegen. Ausserdem kann ein gemeinsames Bankkonto Sinn machen, auf das beide Zugriff haben. Auch hier unbedingt die Buchungen kontrollieren, damit es zum Monatsende keinen Ärger gibt.

Ein pinker Teppich?! Was tun bei Geschmacksdifferenzen?

Spätestens beim Einzug zeigt sich: Die Vorlieben und Geschmäcker sind verschieden. Er will seine Plattensammlung im Wohnzimmerregal aufbauen, sie wünscht sich einen pinken Teppich? Ahnt man, dass sich die Geschmäcker unterscheiden, kann man schon vor dem Umzug gemeinsam Möbelhäuser und Wohnmagazine durchstöbern. Mit etwas Kompromissbereitschaft findet sich bestimmt ein gemeinsamer Nenner. Ein paar Lieblingsstücke sollte jeder behalten dürfen. Den Rest kann man auf Flohmärkten oder über das Internet verkaufen und sich von dem Erlös gemeinsam etwas Schönes kaufen. Vielleicht findet sich etwas Passendes im Internet? 

Wo lässt sich Geld sparen?

Aber nicht nur der Verkauf überflüssiger Haushaltsartikel und Möbel kommt den privaten Finanzen des jungen Pärchenhaushalts zugute. Wer sich die Miete teilt, spart unterm Strich eine Menge Geld – selbst wenn die neue Wohnung etwas grösser ist. Auch bei den Nebenkosten lässt sich Geld sparen. Ob ein oder zwei Bewohner: Auf Heizkosten- oder Stromverbrauch hat das kaum Auswirkungen.

Weiterer Vorteil einer gemeinsamen Wohnung: Versicherungen werden günstiger. Wohnen zwei oder mehr Personen unter einem Dach, können sie gemeinsam eine Hausratversicherung abschliessen. Mit etwas Glück lässt sich der zweite Vertrag frühzeitig kündigen. Wichtig: Die Versicherungssumme muss beim bestehenden Vertrag an den Wert der gemeinsamen Wohnung angepasst werden. Meistens ist der Hausrat viel wertvoller als man denkt und es lohnt sich, eine aktuelle Liste mit dem Wert des Hausrats zu erstellen. So vermeidet man eine Unter- oder Überversicherung. Viele Versicherer bieten für die Privathaftpflicht- oder Autoversicherung Partnertarife an – auch ohne Trauschein. Wer es genauer wissen möchte, schaut sich den Versicherungsvergleich von comparis.ch an. 

Der ganz normale Alltag: Regeln, Pflichten – und Kompromisse

Trotz der erfreulichen Folgen für Budget und Liebesleben:

Früher oder später muss man die rosa Brille absetzen und sich den alltäglichen Dingen wie Aufräumen, Putzen oder Waschen stellen. Beide Partner haben den gleichen Ordnungssinn und teilen sich die Hausarbeit automatisch auf: ein Glücksfall! In der Regel helfen nur ein offenes Wort und vielleicht sogar ein Aufgabenplan (inkl. Sanktionen). Möglicherweise ergänzen sich ja die Vorlieben: Sie findet Putzen entspannend, er bügelte schon immer gerne seine Hemden auf DIN-A4-Grösse? Dann wird man den Rest auch meistern. Entwickelt sich der Haushalt trotz allem zum nervigen Dauerstreitthema, kann eine Reinigungskraft die Lösung sein, deren Gehalt sich beide teilen. 

Das tut der Beziehung gut: Privatsphäre, Freiräume und Rituale

Offene Badezimmertür, hemmungslose Körpergeräusche, Pediküre vorm Fernseher: Nichts ist tödlicher für die Erotik. Darum sollte man die eigene Privatsphäre wahren und den Partner darauf aufmerksam machen, wenn dieser nachlässig wird. Ab und zu kann ein Rückzug – z.B. in ein eigenes Zimmer oder zu einer Freundin am Wochenende – der Beziehung zu neuem Schwung verhelfen. Ein gutes Mittel gegen liebestötende Routine sind Rituale wie das gemeinsame Glas Wein am Abend oder das regelmässige Essen beim Lieblingsitaliener. Auch kleine Überraschungen oder Liebesbotschaften sorgen dafür, dass die Liebe auf engem Raum frisch bleibt. Ganz wichtig: Beide Partner sollten weiterhin ihre persönlichen Hobbys und Freundschaften pflegen. Wer sich gegenseitig zu sehr einschränkt, schadet der Beziehung. 

Kein «Ja, aber …»

Zum Schluss noch eine bewährte Weisheit: Falls vorhanden, lösen Sie sich von dem Gedanken, Ihr Partner sollte dieses oder jenes tun oder lassen, damit das Zusammenleben funktioniert. Auf lange Sicht wird er oder sie eine Verstellung nicht durchhalten. Als Ratschlag vor dem Zusammenzug taugen deshalb nur zwei Gegensätze: die Differenzen akzeptieren oder die Entscheidung überdenken. 

 

Fazit:

Es ist ein schönes Gefühl, wenn abends jemand auf einen wartet, der Freud und Leid mit einem teilt. Aber auch jenseits der Romantik gibt es gute Gründe für eine gemeinsame Wohnung: Die Kosten für Wohnen und Leben reduzieren sich und so bleibt mehr Geld für andere (schöne) Dinge. Andererseits: Eine gemeinsame Wohnung setzt ein gehöriges Mass an Kompromissbereitschaft voraus. Nicht alles bzw. jeder lässt sich ändern – und manchmal muss man die eine oder andere Macke auch einfach akzeptieren.