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Erbengemeinschaft: Wenn viele eine Immobilie erben

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| von Frédéric Papp |
Bild: iStock / PeJo29

Bargeld oder Wertpapiere lassen sich einfach unter mehreren Erben verteilen. Bei unteilbaren Gütern wie Immobilen ist das indes nicht so einfach. Comparis nennt die wichtigsten Punkte.

Was ist eine Erbengemeinschaft?

Eine Erbengemeinschaft entsteht, wenn eine Erbschaft an mehrere Personen fällt. Wer zur Erbengemeinschaft zählt, ist im Erbvertrag geregelt. Fehlt ein Erbvertrag, entscheidet das Erbrecht, wer Teil der Erbengemeinschaft ist. Ziel der Erbengemeinschaft ist die Aufteilung des Erbes.

Wem gehört die Liegenschaft in einer Erbengemeinschaft?

Fällt eine Liegenschaft in die Erbmasse, gehört sie allen Hinterbliebenen der Erbengemeinschaft. Eine Einzelperson kann also nicht alleine über das Erbe verfügen.

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Was sind die Besonderheiten einer Erbengemeinschaft?

Es gilt das Prinzip der Solidarhaftung während der Dauer der Erbengemeinschaft. Das gilt beispielsweise auch für die Bezahlung der Hypothekarzinsen oder der Unterhaltskosten. Leistet ein Erbe die Zahlung nicht, müssen die anderen einspringen, und zwar unbegrenzt und mit ihrem gesamten Privatvermögen.

Es gilt das Einstimmigkeitsprinzip während der Dauer der Erbengemeinschaft. In allen Fragen muss die Erbengemeinschaft einvernehmliche Lösungen finden. Dem Verkauf einer hinterlassenen Liegenschaft muss somit jeder einzelne zustimmen.

Wo liegen potenzielle Gefahren einer Erbengemeinschaft?

Aufgrund der Solidarhaftung und des Einstimmigkeitsprinzips (siehe oben) kann unter Erben schnell Streit über den weiteren Verlauf der Liegenschaft entstehen. In der Regel bewahrt ein klug organisierter Verkauf den Familienfrieden. Finden die Erben auch nach obligatorischen Schlichtungsversuchen keine Lösung, bleibt nur noch eine sogenannte Erbteilungsklage.

Was ist eine Erbteilungsklage?

Der einzelne Erbe kann mittels Erbteilungsklage seinen Anteil einfordern und aus der Erbengemeinschaft austreten. Erbteilungsklagen zählen mitunter zu den aufwendigsten und kostspieligsten Gerichtsverfahren. Eine aussergerichtliche Lösung ist somit dringend empfohlen.

Ist eine Zwangsversteigerung einer Immobilie möglich?

Findet die Erbengemeinschaft trotz Vermittlungsversuchen keine Lösung, liegt es am Richter, eine Versteigerung der Liegenschaft zu organisieren. Diese kann unter den Erben oder am Markt erfolgen. Beide Verfahren haben ihre Tücken. In einer Versteigerung unter Erben droht die Gefahr, dass die Erben den Preis gegenseitig hochtreiben. In einer Versteigerung im freien Markt könnte das Haus stark unter Wert die Hand wechseln.

Worin liegen die Vorteile eines Hausverkaufs über einen Makler?

Die Erbengemeinschaft kann auch einen Makler mit dem Verkauf beauftragen. Professionelle Makler kennen den Markt. Zudem sind sie verhandlungssicher und wissen über administrative Prozesse Bescheid.

Welche Formen von Erbengemeinschaften gibt es?

Es gibt drei Formen von Erbengemeinschaften:

1. Fortgesetzte Erbengemeinschaft: Sind sich die Erben über den weiteren Verlauf einer geerbten Liegenschaft uneins, können sie die Erbteilung auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Erbengemeinschaften sind nicht für die Ewigkeit gedacht. Kann ein Erbe die anderen nicht auszahlen, ist ein Verkauf der Liegenschaft aus finanzieller und familiärer Sicht oft die beste Lösung.

2. Reduzierte Erbengemeinschaft: Eine reduzierte Erbengemeinschaft liegt vor, wenn Miterben aus der Erbengemeinschaft ausgeschieden sind, beispielsweise durch Auszahlung ihres Erbanspruchs.

3. Erben-Gemeinderschaft: Hier wird die Erbteilung auch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Allerdings bilden die Mitglieder der Erbengemeinschaft hier eine sogenannte Gemeinderschaft, in der sie gemeinsam ihre wirtschaftlichen Interessen am Vermögen vertreten (Art. 336 ff. ZGB).

Lässt sich eine Erbengemeinschaft auflösen?

Eine Erbengemeinschaft löst sich mit der vollzogenen Erbteilung automatisch auf. Ein professioneller Erbenvertreter, den die Erben gemeinsam auswählen, kann helfen, den Nachlass zügig und fair aufzuteilen.