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Apple Pay fordert Twint heraus

EXPERTENMEINUNG
| von Jean-Claude Frick |
So sieht die Oberfläche von Apple Pay aus. Bild: Comparis

Das heisseste Battle des Jahres ist eröffnet. Im Ring: ein Schweizer und ein Ami. Und der holt nun aus. An der WWDC Entwicklerkonferenz in Kalifornien hat Apple wichtige Neuerungen für seinen Bezahldienst Apple Pay bekannt gegeben. Die Wichtigste: Eine Funktion, mit der man direkt Geld an Kontakte überweisen kann. Wie schlecht sind diese News tatsächlich für die Schweizer Lösung Twint?

Fakt ist: Ab Sommer gibt es für Apple Pay User die Möglichkeit, Geld direkt an andere Apple Pay Benutzer zu transferieren. Diese Funktion war bisher in der Schweiz dem Konkurrenten Twint vorbehalten und wurde von diesem auch immer wieder gegen den Apfel-Konkurrenten ins Feld geführt.

Durch den Schritt von Apple verliert Twint nun ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Denn die Möglichkeit digital, schnell und einfach Geld vom Handy aus an Freunde und Bekannte zu senden, ist sehr beliebt.

Twint ist aus dem Zusammenschluss von Paymit der Schweizer Banken und dem „ehemaligen“ Twint der Postfinance entstanden. Mit dem Service versuchen sich die Schweizer Banken gegenüber den globalen Playern wie Google, Apple und Samsung zu behaupten.

Das Zusammengehen der vormaligen Konkurrenten im digitalen Schweizer Bezahlmarkt ist von Pleiten, Pech und Pannen überschattet. Der ursprüngliche Zeitplan sah den Start des „neuen“ Twint schon im Herbst 2016 vor. Doch dann dauerte es bis zum Frühling 2017, bis der Dienst auf den Smartphones der interessierten Nutzerschaft ankam. Anfänglich klagten viele Benutzer über Probleme beim Geldtransfer und auch heute noch sind nicht alle Banken mit dabei. Hinzu kommt, das die mitmachenden Schweizer Banken in den App Stores von Google und Apple eigene Twint-Apps zum Download anbieten, was das Chaos perfekt macht. Übersichtlichkeit und Einfachheit sieht anders aus.

Apple konnte in der Zwischenzeit seit Juli 2016 fleissig Kunden für Apple Pay in der Schweiz sammeln. Der Dienst funktioniert auch im Ausland und ist sehr einfach zu bedienen.

Halten die Banken zu Twint?

Während Apple Pay auf eine Kreditkarte als Zahlungsmittel setzt, kann bei Twint auch ein Bank- oder Postkonto angebunden werden. Bisher verweigern viele Schweizer Kreditkartenherausgeber die Zusammenarbeit mit Apple, um ihren eigenen Dienst Twint zu schützen. Inzwischen scheren aber immer mehr Geldinstitute aus und wollen Apple Pay unterstützen. Der vorbehaltlose Rückhalt von Twint bröckelt damit. Auch ist Apple Pay darüber hinaus einfacher in der Anwendung, da schon auf jedem iPhone vorinstalliert. Besitzer der Apple Watch können mit Apple Pay bequem vom Handgelenk aus bezahlen. Zudem funktioniert der Bezahldienst auch an allen NFC-Terminals. Damit sind die meisten Schweizer Läden ausgerüstet. 

Bei Twint hingegen muss erst eine App installiert werden. Um Einkäufe zu bezahlen, ist es notwendig, entweder einen QR-Code zu scannen oder das Geschäft muss spezielle Twint-Lesegeräte installiert haben.

Im Sommer soll Apple Pay die neue «Überweisungs-Funktion in den USA erhalten, im Herbst wird man wohl in der Schweiz damit rechnen können.

Durch das Update von Apple wird es Twint in der Schweiz noch schwerer haben. Ausserdem ist nun auch Samsung seit Mai mit seinem Bezahldienst Samsung Pay hierzulande verfügbar. Eine einzelne, lokale Lösung wie sie Twint darstellt, hat es in Zeiten internationaler Mobilität und globaler Vernetzung zunehmend schwer.

Ich bin sicher, dass sich mittelfristig nur die grossen Player wie Apple, Google und Samsung durchsetzen und den Schweizer Anbieter verdrängen.