Vorsorge

Frauen mit Teilzeitjobs riskieren Altersarmut

TIPPS
| von Leo Hug |
Bild: iStock / grinvalds

Frauen sind von Altersarmut eher betroffen als Männer. Comparis erklärt, warum dies so ist und mit welchen Massnahmen Frauen sich dagegen absichern können.

Hoher Anteil an teilzeitarbeitenden Frauen

Frauen sind seltener berufstätig als Männer. Zudem sind sechs von zehn erwerbstätigen Frauen weniger als 90 Prozent angestellt. Bei den Männern liegt der Anteil der Teilzeitler bei 18 Prozent. Das traditionelle Rollenmodell, bei dem der Mann für den Lebensunterhalt sorgt und sich die Frau um Haushalt und Kinder kümmert, ist dem Erwerbsmodell «Mann Vollzeit – Frau Teilzeit» gewichen. Sobald sich Nachwuchs ankündigt, reduzieren Frauen das Pensum häufig.

Teilzeitarbeit ist vorsorgetechnisch zwar deutlich besser als Erwerbslosigkeit, allerdings ist die Vorsorgesituation bei Teilzeitangestellten meistens ungenügend. Hauptfaktoren sind dabei die Eintrittsschwelle und der hohe Koordinationsabzug bei der Pensionskasse. Erst Einkommen ab 21'330 Franken müssen in die Pensionskasse aufgenommen werden. Zudem wird nur der Lohn abzüglich des Koordinationsabzugs von 24'885 Franken versichert. Das führt dazu, dass Teilzeitarbeitende oft ungenügend versichert sind und im Alter Ergänzungsleistungen beantragen müssen.

Tiefere Löhne und geringeres Finanzwissen

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Gemäss dem Bundesamt für Statistik verdienen Frauen in der Schweiz im Durchschnitt 12 Prozent weniger als Männer (Daten von 2016). Dieses Lohngefälle lässt sich zum Teil durch strukturelle Faktoren wie geschlechterspezifische Vorlieben bei der Berufswahl, Unterschiede im Bildungsstand oder die Anzahl der Dienstjahre erklären. Aber auch Lohndiskriminierung ist ein Grund.

Doch unabhängig davon, was im Einzelfall die Ursachen sind: Wer weniger verdient, kann über die obligatorische Vorsorge weniger Vorsorgeguthaben aufbauen. Deshalb ist eine zusätzliche private Vorsorge-Lösung zur Vermeidung einer Vorsorgelücke umso wichtiger. Ein weiterer Faktor ist, dass sich im Haushalt immer noch eher der Ehemann um die Finanzfragen kümmert. Nicht selten befassen sich Frauen deshalb erst nach einer Scheidung oder kurz vor dem Ruhestand mit dem Thema.

Folgen einer Trennung 

Heutzutage wird in der Schweiz fast jede zweite Ehe geschieden. Da das während der Ehe erwirtschaftete Vermögen, einschliesslich Geldern der beruflichen Vorsorge und der Säule 3a, in der Regel aufgeteilt wird, sind nach einer Scheidung häufig nicht genügend Mittel vorhanden, um den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand aufrechtzuerhalten.

Anders als bei der Ehe ist die Trennung von unverheirateten Paaren kaum geregelt. Konkubinatspartnerinnen, die wegen der Kinderbetreuung ihr Arbeitspensum zurückfahren, müssen selbst aktiv werden und sich für den Fall einer Trennung absichern. Ein Konkubinatsvertrag kann Klarheit über die Eigentumsverhältnisse schaffen. Der Abschluss einer gemischten Lebensversicherung kann die finanziellen Risiken der teilzeitarbeitenden Partnerin für den Fall einer Trennung eindämmen.

Wie sichert man sich ab?

Frauen droht also aus verschiedenen Gründen die Altersarmut. Damit dies möglichst nicht eintrifft, sollten folgende Grundregeln beachtet werden:

  • Frühzeitige Altersvorsorgeplanung: Informieren Sie sich zu einem möglichst frühen Zeitpunkt über Ihre Altersvorsorge und beginnen Sie schon in jungen Jahren mit dem Aufbau eines Vorsorgekapitals. Kombinieren Sie dabei alle drei Säulen (AHV, Pensionskasse und freiwillige Vorsorge). Beginnen Sie bereits ab dem 40. Lebensjahr mit der konkreten Vorsorgeplanung und lassen Sie sich von Experten beraten.
  • Schliessung von AHV-Beitragslücken: Wenn Sie den jährlichen AHV-Mindestbeitrag (derzeit 496 Franken) nicht erreichen, sollten Sie die fehlende Differenz unbedingt jedes Jahr ausgleichen. Für jedes fehlende AHV-Beitragsjahr wird die Rente nämlich um ein 44stel gekürzt. Wichtig: Fehlende Beitragsjahre können innerhalb von fünf Jahren nachgezahlt werden.
  • Aufbau einer privaten Vorsorge: Zahlen Sie regelmässig auf Ihre Säule-3a-Lösung ein. Dies ist eine der wichtigsten Massnahmen, um Vorsorgelücken vorzubeugen, gerade dann, wenn die Beiträge in die 1. und 2. Säule bescheiden ausfallen. Beginnen Sie möglichst frühzeitig, auch wenn es sich nur um kleine Summen handelt, und nutzen Sie dadurch den Zinseszinseffekt. Voraussetzung dafür ist jedoch ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen.
  • Stärkung der 2. Säule: Setzen Sie sich mit den langfristigen Auswirkungen einer Teilzeitbeschäftigung auseinander. Sie könnten zum Beispiel Ihr Arbeitspensum erhöhen, um den Mindestlohn für die Pensionskasse zu erreichen, oder Ihre Berufstätigkeit über das 64. Lebensjahr hinaus verlängern. Eine allfällige Vorsorgelücke in der Pensionskasse lässt sich durch einen sogenannten Einkauf schliessen. Gerade Frauen, die ihre Erwerbstätigkeit während der Mutterschaft vorübergehend reduziert oder unterbrochen haben, können sich häufig mit relativ hohen Summen in die 2. Säule einkaufen.

Mindesteinkommen dank Ergänzungsleistungen

Das über staatliche Ergänzungsleistungen garantierte Minimaleinkommen für Alleinstehende ohne nennenswertes Vermögen beträgt ab 1. Januar 2021 je nach Gemeinde zwischen 38'000 und 43'000 Franken. Für Ehepaare liegen die Minimaleinkommen im Bereich von 53'000 und 57'000 Franken. Ergänzungsleistungen gibt es primär in Form von Beiträgen an die Wohn- und Krankenkassenkosten. Anrecht auf das staatliche Minimaleinkommen haben allerdings nur Einzelpersonen mit einem Vermögen unter 30'000 Franken (50'000 Franken für Ehepaare).

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Fazit

Auch in einem so wohlhabenden Land wie der Schweiz sind die Menschen – und insbesondere Frauen – nicht vor finanziellen Problemen im Ruhestand geschützt. Daher ist es wichtig, sich durch rechtzeitige Präventivmassnahmen und eine vorausschauende Planung dagegen abzusichern.