Vorsorge

Vorsorgelücke bei Frauen

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Vorsorgelücke im Ruhestand: Vor allem Frauen laufen Gefahr, finanziell nicht abgesichert zu sein. Bild: iStock / grinvalds

Frauen sind von Lücken in der Altersvorsorge eher betroffen als Männer. comparis.ch erklärt, warum dies so ist und mit welchen Massnahmen sich Frauen absichern können.

Wie eine repräsentative Umfrage von comparis.ch vom September 2017 gezeigt hat, gehen zwei Drittel der erwerbstätigen Schweizer davon aus, dass ihnen mit der Rente aus AHV und Pensionskasse weniger als 60 Prozent ihres derzeitigen Einkommens zur Verfügung stehen wird. Da häufig keine 3. Säule aufgebaut wird, können erhebliche Vorsorgelücken entstehen, denn für die Fortführung des gewohnten Lebensstandards werden erfahrungsgemäss 70 bis 80 Prozent des letzten Lohns benötigt. Vor allem Frauen laufen Gefahr, im Ruhestand von einer Vorsorgelücke betroffen zu sein. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Hoher Anteil von Teilzeitarbeit

Frauen sind hierzulande im Schnitt nicht nur seltener berufstätig als Männer, sie arbeiten auch öfter Teilzeit: Knapp sechs von zehn erwerbstätigen Frauen leisten ein Arbeitspensum von weniger als 90 Prozent. Das traditionelle Rollenmodell, bei dem der Mann für den Lebensunterhalt sorgt und sich die Frau um Haushalt und Kinder kümmert, ist dem Erwerbsmodell «Mann Vollzeit – Frau Teilzeit» gewichen. Gerade, wenn sich Nachwuchs ankündigt, reduzieren Frauen das Pensum häufig. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder in der Schweiz weiterhin begrenzt sind. Teilzeitarbeit ist vorsorgetechnisch zwar deutlich besser als Erwerbslosigkeit, allerdings ist die Vorsorgesituation bei Teilzeitangestellten meistens ungenügend. Ein Hauptfaktor sind dabei die Eintrittsschwelle und der hohe Koordinationsabzug bei der Pensionskasse. Sie führen dazu, dass Kleinverdiener unterproportional versichert sind. 

Tiefere Löhne und geringeres Finanzwissen

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2014 verdienen Frauen in der Schweiz im Durchschnitt 18 Prozent weniger als Männer. Dieses Lohngefälle lässt sich zum Teil durch strukturelle Faktoren wie geschlechterspezifische Vorlieben bei der Berufswahl, Unterschiede im Bildungsstand oder die Anzahl der Dienstjahre erklären. Aber auch Lohndiskriminierung ist ein Grund. Doch unabhängig davon, was im Einzelfall die Ursachen sind: Wer weniger verdient, kann über die obligatorische Vorsorge weniger Vorsorgeguthaben aufbauen. Deshalb ist eine zusätzliche private Vorsorge-Lösung zur Vermeidung einer Vorsorgelücke umso wichtiger. Ein weiterer Faktor ist, dass sich im Haushalt immer noch eher der Ehemann um die Finanzfragen kümmert. Nicht selten befassen sich Frauen deshalb erst nach einer Scheidung oder kurz vor dem Ruhestand mit dem Thema.

Folgen einer Scheidung 

Heutzutage wird in der Schweiz fast jede zweite Ehe geschieden. Da das während der Ehe erwirtschaftete Vermögen, einschliesslich Geldern der beruflichen Vorsorge und der Säule 3a, in der Regel aufgeteilt wird, sind nach einer Scheidung häufig nicht genügend Mittel vorhanden, um den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand aufrechtzuerhalten.

Wie man sich absichert

Wie oben dargelegt, können Frauen aus verschiedenen Gründen mit Vorsorgelücken konfrontiert sein. Um ein finanziell sorgenfreies Leben im Ruhestand sicherzustellen, empfehlen sich folgende Massnahmen:

  • Frühzeitige Altersvorsorgeplanung: Informieren Sie sich zu einem möglichst frühen Zeitpunkt über Ihre Altersvorsorge und beginnen Sie schon in jungen Jahren mit dem Aufbau eines Vorsorgekapitals. Kombinieren Sie dabei alle drei Säulen (AHV, Pensionskasse und freiwillige Vorsorge). Beginnen Sie bereits ab dem 40. Lebensjahr mit der konkreten Vorsorgeplanung und lassen Sie sich von Experten beraten.
  • Aufbau einer privaten Vorsorge: Zahlen Sie regelmässig auf Ihr Säule-3a-Lösung ein. Dies ist eine der wichtigsten Massnahmen, um Vorsorgelücken vorzubeugen, gerade dann, wenn die Beiträge in die 1. und 2. Säule bescheiden ausfallen. Beginnen Sie möglichst frühzeitig, auch wenn es sich nur um kleine Summen handelt, und nutzen Sie dadurch den Zinseszinseffekt. Voraussetzung dafür ist jedoch ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen.
  • Stärkung der 2. Säule: Setzen Sie sich mit den langfristigen Auswirkungen einer Teilzeitbeschäftigung auseinander. Sie könnten zum Beispiel Ihr Arbeitspensum erhöhen, um den Mindestlohn für die Pensionskasse zu erreichen, oder Ihre Berufstätigkeit über das 64. Lebensjahr hinaus verlängern. Eine allfällige Vorsorgelücke in der Pensionskasse lässt sich durch einen sogenannten Einkauf schliessen. Gerade Frauen, die ihre Erwerbstätigkeit während der Mutterschaft vorübergehend reduziert oder unterbrochen haben, können sich häufig mit relativ hohen Summen in die 2. Säule einkaufen.
  • Schliessung von AHV-Beitragslücken: Wenn Sie den jährlichen AHV-Mindestbeitrag (derzeit 478 Franken) nicht erreichen, sollten Sie die fehlende Differenz unbedingt jedes Jahr ausgleichen. Für jedes fehlende AHV-Beitragsjahr wird die Rente nämlich um ein 44stel gekürzt. Wichtig: Fehlende Beitragsjahre können innerhalb von fünf Jahren nachgezahlt werden.

Wollen Sie sich nicht selbst um Ihre Vorsorge kümmern?

Fazit

Auch in einem so wohlhabenden Land wie der Schweiz sind die Menschen – und insbesondere Frauen – nicht vor finanziellen Problemen im Ruhestand geschützt. Daher ist es wichtig, sich durch rechtzeitige Präventivmassnahmen und eine vorausschauende Planung dagegen abzusichern.