Vorsorge

Säule 3a: Bank oder Versicherung?

ANALYSE
|
Banken und Versicherungen bieten gute Vorsorgelösungen an. Video: comparis.ch

Gehen Sie mit Ihrer dritten Säule besser zu einer Bank oder einer Versicherung? Wer fürs Alter vorsorgt, findet in beiden Systemen gute Lösungen. Steuern sparen kann man ebenfalls bei Banken und Versicherungen gleich gut. Sehr wichtig ist die richtige Entscheidung allerdings, wenn Sie grosse Veränderungen planen: Eigenheim, Selbständigkeit oder Auswanderung.

Bank oder Versicherung: Alle Vor- und Nachteile im Überblick

Das können Banken und Versicherungen gleich gut

Bei Banken gibt es genau wie bei Versicherungen viele Produkte für die dritte Säule. Allen ist gemeinsam: Mit ihnen kann man gleich gut Steuern sparen.

Steuern sparen: volles Potenzial bei beiden

Wer in der Schweiz arbeitet, darf Beiträge für die Altersvorsorge von seinem Einkommen abziehen – bis zu einer gesetzlichen Höchstgrenze. Darf. Das klingt nach einem Privileg. Und das ist es auch. Denn jeden Franken, den Sie in Ihre private Altersvorsorge stecken, können Sie vom Einkommen abziehen. Auf dieses Geld zahlen Sie anschliessend keine Einkommenssteuer. Der Staat will, dass Sie privat vorsorgen – und das belohnt er auch.

Die meisten Angestellten in der Schweiz können pro Jahr mit der dritten Säule über 1’000 Franken Einkommenssteuer sparen, je nach Höhe des Lohns und dem Steuersatz an ihrem Wohnort. Wie viel ist das bei Ihnen? Hier können Sie es leicht ausrechnen.

Rendite: gleiche Möglichkeiten bei beiden

In der dritten Säule soll sich Ihr Geld vermehren. Deswegen müssen Sie sich nicht nur für eine Lösung entscheiden – eben eine Bank oder eine Versicherung. Sondern auch dafür, wie der Anbieter Ihr Kapital vermehren soll. Das geht entweder über eine Anlage mit Zinsen. Oder über eine Anlage in Wertschriften, wie zum Beispiel Aktien. Bei Wertschriften kommt zu Gewinnausschüttungen aus Dividenden ausserdem eine Chance auf Kursgewinne – allerdings auch das Risiko von Kursverlusten.

Beide Arten von Anbietern haben die gleichen Möglichkeiten, am Markt Rendite zu erwirtschaften. Banken und Versicherungen bauen daraus allerdings Lösungen, die sich im Detail durchaus unterscheiden.

Zinssparen bei Banken und Versicherungen

Ganz gleich, wie fantasievoll eine Bank das Konto für die Säule 3a nennt: Im Wesentlichen ist es ein Zinskonto. Auf so einem Konto legen Sie Ihr Geld an. Dort wird es verzinst wie auf einem Sparkonto. Meist mit einem etwas besseren Zins als auf Sparkonten derselben Bank. Der Zins aber wechselt, die Bank kann ihn nach eigenem Ermessen anpassen und tut das auch regelmässig.

Versicherungen legen sich beim Zinssparen in der Regel etwas länger fest. Viele von ihnen bieten einen Garantiezins. Leider liegt der garantierte Zins meist ausserordentlich tief – besonders im aktuellen Tiefzinsumfeld. Interessant ist darum bei Versicherungen vor allem der zweite Teil der Verzinsung: die sogenannte Überschussbeteiligung. Diese aber ist eben nicht garantiert. Die Versicherung erklärt jedes Jahr, wie gut sie angelegt hat. Nach klaren Regeln. Allerdings erst im Nachhinein.

Und wo rentieren Zinsanlagen nun besser – bei Banken oder Versicherungen?

Die aktuellen Zinsen der Banken kann man untereinander gut vergleichen. Wenn Sie wollen, können Sie das gleich hier tun.

Wertschriften immer in Anlagefonds

Wie gut die Rendite wird, wenn Sie in Wertschriften anlegen, lässt sich erst recht nicht im Voraus sagen. Beide Systeme setzen hier auf Anlagefonds mit einem Anteil an Wertschriften, darunter auch Aktien. Mit solchen Fonds sichern Sie sich die Chance auf mehr Gewinn – müssen dafür allerdings auch das Risiko von allfälligen Kursverlusten übernehmen. Ob Bank oder Versicherung: Das Ergebnis hängt vom Verlauf der Börsen ab.

Je höher der Aktienanteil, desto höher liegt der mögliche Kursgewinn. In gleichem Mass steigt aber auch das Risiko von Kursverlusten. Bis vor wenigen Jahren waren überall in der dritten Säule höchstens 50 Prozent Aktien zulässig. Diese Aktienquote können Sie bei allen Banken und Versicherungen vereinbaren. Neuerdings sind bei einzelnen Gesellschaften aus beiden Systemen in der dritten Säule auch Aktienanteile von bis zu 75 Prozent möglich.

Wie sie Rendite erzielen und wie viel, das ist also in beiden Systemen gleich. Steuern sparen Sie genauso gut bei Banken und Versicherungen. Zahlen Sie bei beiden bis zur Rente das Gleiche ein, kommt bei beiden das Gleiche heraus. Wo liegen jetzt die Unterschiede?

Bank oder Versicherung: Hier liegen die Unterschiede

Während der Ansparzeit setzen Banken voll auf Flexibilität. Versicherungen verlangen von ihren Anlegern Disziplin. Dafür bieten sie neben der reinen Kapitalanlage auch einen Risikoschutz.

Versicherung zwingt zur Disziplin

Schliessen Sie für die dritte Säule einen Vertrag mit einer Versicherung, dann müssen Sie regelmässig einzahlen. So werden Sie zum Sparen gezwungen. Psychologisch ist das für viele ein Vorteil – sie tun dann wirklich Monat für Monat etwas für die Altersvorsorge. (Manche Versicherungsverträge bieten eine sogenannte Prämienbefreiung. Dann dürfen Sie ausnahmsweise mit den Zahlungen aussetzen, wenn es gerade schlecht läuft – etwa bei Arbeitslosigkeit.)

Banken bieten Flexibilität

Mit den Zahlungen mehrere Jahre aussetzen, auch für einmal nicht den gesamten Maximalbetrag einzahlen: Bei Banken haben Sie die Wahl, wie viel Sie in der dritten Säule für Ihre Altersvorsorge anlegen wollen. Ob das für Sie persönlich ein Vorteil oder ein Nachteil ist, müssen Sie selber entscheiden.

In beiden Systemen können Sie die Anlagemethode von Zeit zu Zeit ändern: Etwa von einer Zinsanlage in Anlagefonds wechseln – und wieder zurück. Bei Banken geht das in der Regel schnell (wenn auch nicht ganz so schnell wie im Online-Trading). Bei manchen Versicherungen bedeutet ein Wechsel der Anlagemethode einen Wechsel in einen anderen Vertrag – dann sind Wartefristen einzuhalten.

Kurzfristig anlegen besser bei Banken

Kurzfristig anlegen? Halt, halt, wir reden doch hier über Vorsorge? Ist nicht jede Anlage in der Säule 3a prinzipiell langfristig? Im Kern schon. Aber ausser der privaten Vorsorge fürs Alter hat der Gesetzgeber auch andere Ziele steuerlich begünstigt. Das Kapital aus der Säule 3a dürfen Sie – wie übrigens auch die Gelder aus der Pensionskasse – auch vorbeziehen. So ein Vorbezug ist beispielsweise möglich, wenn Sie auswandern, sich selbstständig machen oder wenn Sie ein Eigenheim kaufen.

Wer von einem dieser grossen Schritte träumt, der ist bei einer Bank besser bedient. Banken zahlen zu jeder Zeit das volle Kapital aus, auch beim Vorbezug.

Wenn Sie bei einer Versicherung früher aus dem Vertrag wollen, kann das unangenehme Folgen haben. Versicherungen erstatten dann oft nur den sogenannten Rückkaufwert. Der liegt viele Jahre lang sogar unter der Summe Ihrer Einzahlungen. Die Versicherer finanzieren nämlich zuerst die Abschlussprovision und die Prämien für den Versicherungsschutz.

Versicherung gegen grosse Risiken

Im Risikoschutz punkten die Versicherungen. Bei Erwerbsunfähigkeit oder Tod richten sie die volle Leistung aus. Diese Absicherung ist wichtig für alle, die bereits ein Eigenheim besitzen. Mit der Versicherungssumme amortisieren sie im Fall der Fälle die Hypothek. Partner und Kinder können so oft im Eigenheim wohnen bleiben, selbst wenn der Hauptverdiener ausfällt. Auch Selbstständige ohne Pensionskasse brauchen oft zusätzlichen Schutz – vielleicht nicht für sich selbst, aber für ihre Familie.

Im Paket mit der dritten Säule sind Risikoversicherungen oft günstiger als einzeln. Ein Vergleich lohnt sich aber auf jeden Fall. Unser Partner-Service Optimatis berät Sie gern.

Erst zur Bank, später zur Versicherung

«Sparen und Versichern sollte man trennen. Zum Sparen geht man zur Bank, für Versicherungen zur Versicherung.» Diese Aussage hört man oft. Sie stimmt aber so nicht. 

Wenn Sie jung sind und in Ihrem Leben noch grosse Träume haben wie ein Eigenheim, Selbständigkeit oder eine Auswanderung, dann brauchen Sie Flexibilität. Die finden Sie in der dritten Säule vor allem bei Banken. Wenn Sie heute bereits selbstständig sind, fehlt Ihnen möglicherweise der Risikoschutz aus der Pensionskasse. Wenn Sie ein Eigenheim haben, brauchen Sie mehr Risikoschutz als ein Mieter. Falls Sie also einen dieser grossen Schritte gegangen sind, dann finden Sie oft bei Versicherungen die passendere dritte Säule.

Wenn es um den eigentlichen Zweck der Säule 3a geht – die Altersvorsorge – liegen Banken und Versicherungen gleichauf. Die Entscheidung ist dann eine Frage der persönlichen Vorlieben. Und des minutiösen Vergleichs einzelner Anbieter aus beiden Systemen.