Prämien

Prämien steigen in der Grundversicherung 2020 um 2 bis 3 Prozent

EXPERTENMEINUNG
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Comparis prognostiziert für 2020 einen Anstieg der Grundversicherungsprämien von 2 bis 3 Prozent. Nach wie vor treiben primär die konsumierten Mengen der medizinischen Leistungen die Kosten und Prämien in die Höhe – und nicht die Preise.

Im ersten Quartal 2019 sind die Brutto-Krankenversicherungskosten laut dem Monitoring der Krankenversicherungskostenentwicklung (MOKKE) des Bundesamts für Gesundheit (BAG) um 6 Prozent gestiegen. Ohne die Rechnungen für Behandlungen des Vorjahres beträgt laut Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly der Anstieg sogar 15,4 Prozent.

Durchschnittlicher Prämienanstieg von 372 auf 383 Franken

Auf das ganze Jahr hochgerechnet dürften somit die Behandlungskosten auf rund 4’000 Franken pro versicherte Person ansteigen. Comparis rechnet für 2020 deshalb mit einem Anstieg der Grundversicherungsprämien um 2 bis 3 Prozent. Das bedeutet für Erwachsene im Durchschnitt einen Prämienanstieg von 372 auf 383 Franken pro Monat und aufs ganze Jahr bezogen Mehrkosten von 134 Franken. Schneuwly ortet zwei Hauptursachen.

Überproportionaler Kostenanstieg bei ambulanten ärztlichen Abrechnungen

Das grösste Problem sieht der Comparis-Experte bei den ambulanten ärztlichen Abrechnungen (Tarmed). Im ersten Quartal 2019 sind die mit Tarmed abgerechneten Leistungen in den Arztpraxen im Vergleich zum Vorjahr um 4,4 Prozent und in den Spitalambulatorien sogar um 17,7 Prozent gestiegen. Schneuwly kritisiert: «Der Tarmed-Dschungel lässt den Ärzten und Spitälern genug Spielraum. So können sie die besseren Tarifpositionen bei der Fakturierung nutzen und die schlechteren vermeiden.» Schneuwly fordert deshalb einen Ersatz von Tarmed durch einen einfachen Stundentarif mit Pauschalen.

Preissenkungen bei Medikamenten werden kompensiert

Auch bei den Medikamenten besteht gemäss Schneuwly grosser Handlungsbedarf. Laut einer Erhebung von Comparis wird bereits jeder fünfte Franken gegen Krebs für Medikamente ausgegeben, die von Swissmedic noch nicht zugelassen oder vom BAG noch nicht auf die Spezialitätenliste der kassenpflichtigen Medikamente gesetzt worden sind. Comparis schätzt das Gesamtvolumen solcher innovativen Gen-Therapien auf aktuell 207 Millionen Franken mit deutlich steigender Tendenz. Krankenkassen-Experte Schneuwly fordert deshalb einen Systemwechsel bei der Vergütung von der Abgeltung erbrachter Leistungen zur Vergütung des Therapieerfolgs.

Bei den etablierten Medikamenten wiederum führen laut dem Experten die regelmässigen Senkungen der Fabrikabgabepreise bedingt durch die nicht mehr zeitgemässe Margenordnung zu Umsatzeinbussen bei den Apothekern von minus 4,1 Prozent im ersten Quartal 2019. Trotz sinkender Preise und Margen steigerten demgegenüber die selbstdispensierenden Ärzte ihren Umsatz im ersten Quartal 2019 um 4,3 Prozent. «Der Vergleich mit den Apothekern zeigt, dass die Ärzte sowohl Tarifsenkungen als auch Preissenkungen bei Medikamenten mit mehr Konsultationen und mehr verkauften Medikamenten kompensieren», beobachtet Schneuwly.