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Masern: Die 14 wichtigsten Fragen und Antworten zur hoch ansteckenden Krankheit

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Bild: iStock / fstop123

Um die Masern in der Schweiz zu eliminieren, müssten laut Bundesamt für Gesundheit 95 Prozent der Bevölkerung ab dem Kleinkindsalter geimpft sein. Vielerorts in der Schweiz wird diese Impfquote aber verfehlt.

Comparis erklärt die wichtigsten Fragen und Antworten zur Virus-Erkrankung:


1. Was sind Masern?

Die Virus-Krankheit beginnt scheinbar harmlos: mit Schnupfen und Husten, entzündeten Augen und ansteigendem Fieber. Das markanteste Symptom sind die roten Flecken, die sich vom Gesicht aus über den kompletten Körper ausbreiten. Die Masern schwächen das Immunsystem des Körpers, was besonders für Patienten mit einer bereits vorhandenen Immunschwäche gefährlich werden kann. Nach fünf bis zehn Tagen ist die Krankheit meist ausgestanden.

Allerdings gibt es auch schwerere Verläufe, die zu Komplikationen führen. Zum Beispiel zu Lungenentzündungen. In seltenen Fällen endet die Erkrankung sogar tödlich.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) betont, dass das Risiko von Komplikationen viel grösser sei, als das Risiko unerwünscht schwerer Nebenwirkungen der Impfung. Nachfolgend finden Sie dazu eine Übersichtstabelle:

Unerwünschte Impferscheinungen nach MMR-Impfung pro 10'000 Geimpfte Masern-Komplikationen pro 10'000 Masernerkrankte
Immunschwäche
0
Alle Erkrankten
Hospitalisation
0,2 – 0,5
100 – 250
Mittelohrenentzündung
0
700 – 900
Lungenentzündung
0
100 – 600
Abnahme der Blutplättchen
0,3
3,3
Fieberkrämpfe
2 – 9 50 – 80
Hirnentzündung
0 – 0,01
2 – 20
Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE)*
0 0,5 – 16
Allergische Schockreaktion (Anaphylaxie)
0,01 – 0,1 
0
Todesfälle
0**
3 – 20
Autismus
0
0

Quelle: Bundesamt für Gesundheit

*Die SSPE ist eine Spätfolge einer Maserninfektion. Jahre nach der Infektion entsteht eine schleichende Hirnentzündung, die nicht heilbar ist und immer tödlich endet.

** Bis anhin ist bei immun-kompetenten Geimpften kein Todesfall aufgrund des Impfstoffs bekannt; das Risiko kann jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden.

2. Wie werden Masern übertragen?

Die Masernviren werden über die Luft (z.B. Husten und Niesen) oder durch direkten Kontakt mit Nasensekret oder Speichel erkrankter Personen übertragen. Die Krankheit zählt zu den ansteckendsten Infektionen.

3. Wie lange sind Masern ansteckend?

Ansteckend sind Infizierte bereits vier Tage vor dem Auftreten des Hautausschlags sowie vier Tage danach. Das heisst insgesamt neun Tage ist die Gefahr einer Ansteckung gross.

4. Können auch Erwachsene an Masern erkranken?

Entgegen verbreiteter Überzeugung sind die Masern keine ausschliessliche Kinderkrankheit. Dieser Ruf entstand noch während der Zeit, in der es keine Impfung gab. Damals erkrankten Kinder in der Regel vor dem zehnten Lebensjahr an Masern.

Erwachsene, die weder geimpft wurden, noch die Krankheit als Kind durchlebt haben, können die Masern bekommen. In solchen Fällen ist die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen höher als bei erkrankten Kindern.

5. Was muss ich bei Verdacht auf eine Maserninfektion tun?

Kontaktieren Sie eine Ärztin oder einen Arzt, wenn Sie oder jemand in Ihrem Umfeld unter Fieber in Kombination mit Husten, roten Flecken oder Bindehautentzündung leidet. Unter Berücksichtigung des Impfstatus der betroffenen Person werden Sie mit der Fachperson die weiteren Massnahmen treffen.


6. Wer ist bei einer Masern-Erkrankung am meisten gefährdet?

Grundsätzlich können bei jeder Person Komplikationen auftreten. Besonders gefährdet sind jedoch:

  • Patienten mit einer Immunschwäche
  • Schwangere
  • Säuglinge
  • Erwachsene ohne Impfung oder ohne Masern-Infektion in der Kindheit

7. Ist eine Masernimpfung notwendig?

Die Impfung ist die einzig wirksame Massnahme zur Prävention von Masern. Nur äusserst selten erkranken Menschen trotz Impfung an Masern. Das Bundesamt für Gesundheit weist jedoch darauf hin: «Mit der Einführung der Masernimpfung ging die Zahl der Erkrankten und der Masernkomplikationen stark zurück, was zu einer gewissen Verharmlosung der Krankheit führte.» Trotz vorhandener Impfung ist die Krankheit nicht zu unterschätzen.

Es gibt keine Medikamente zur Behandlung von Masern. Nur die jeweiligen Symptome oder auftretenden Komplikationen können medikamentös angegangen werden.

8. Ab wann empfiehlt sich die Masernimpfung bei Babys?

Gemäss Empfehlung des BAG sollte die erste Dosis eines Impfstoffs gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) im Alter von neun Monaten erfolgen, die zweite Dosis mit zwölf Monaten. Dies ist die gültige Empfehlung ab 2019. Früher wurden Säuglinge erst mit zwölf Monaten das erste Mal geimpft. Mit Ausnahme von Kindern, die in einer Krippe oder von einer Tagesmutter betreut wurden.

Da heute ein zunehmender Anteil der Säuglinge und Kleinkinder eine externe Kinderbetreuung besuchen, wird durch die Vorverlegung der Impfung der Schutz der Kinder gewährleistet.

9. Warum sollten alle ab 1964 Geborenen sich impfen lassen?

Das BAG empfiehlt allen ab 1964 Geborenen, sich impfen zu lassen, wenn sie ihren Impfstatus nicht kennen, noch nie oder erst einmal geimpft wurden.

Die Nachholimpfung erfolgt im Abstand von mindestens einem Monat. Sie schützt gegen Masern, aber auch gegen Mumps und Röteln.

Bei vor 1964 Geborenen wird davon ausgegangen, dass sie die Masern bereits hatten und daher gegen die Krankheit immun sind, da es den Impfstoff gegen Masern erst seit 1970 gibt.

10. Wer sollte sich nicht impfen lassen?

Nachfolgend einige Personengruppen, die auf eine Masernimpfung verzichten sollten:

  • Schwangere
  • Personen mit einer Immunschwäche
  • Personen mit Kortison-Therapie
  • Wer gegen Inhaltsstoffe der Impfung allergisch ist
  • Akut Erkrankte: Wer gerade krank ist, sollte die Impfung lieber um ein, zwei Wochen verschieben

11. Reicht eine einzelne Masernimpfung?

Viele Menschen sprechen auf die erste Impfung noch nicht an und entwickeln die notwendigen Antikörper gegen die Masernviren erst nach der zweiten Dosis. Wer zweimal geimpft wurde, bleibt nach derzeitigem Wissensstand lebenslang immun.

Viele Erwachsene in der Schweiz sind allerdings nur einmal geimpft, da die Masernimpfung grundsätzlich zwar seit 1976 empfohlen wird, die Impfung mit zwei Dosen jedoch erst seit 1996.

12. Kann ich mich nach Kontakt mit Masernpatienten kurzfristig impfen?

Wer Kontakt mit Masernpatienten hatte, kann sich innert drei Tagen impfen lassen. So kann man einen vollständigen oder zumindest teilweisen Schutz erhalten und das Risiko eines komplizierten Verlaufs minimieren.

Allerdings wissen viele Patienten nicht, wann sie sich wo infizierten. Darum ist es ratsam, sich nicht erst im Verdachtsfall, sondern prophylaktisch impfen zu lassen.

13. Welche Nebenwirkungen können bei der Masernimpfung auftreten?

Eine lokal begrenze Rötung, Schwellung und Schmerz an der Einstichstelle. Manchmal kommt es zu Fieber, roten Hautflecken oder einer Schwellung der Speicheldrüse. Sehr selten sind Fieberkrämpfe, extrem selten Hirnentzündungen. Frauen, die nach der Pubertät geimpft werden, klagen gelegentlich über Gelenkschmerzen.

Aktuell gibt es keine wissenschaftlichen Beweise für einen Zusammenhang zwischen der Masernimpfung und Autismus. Eine in diesem Zusammenhang gerne zitierte Studie wurde gefälscht.

Wichtig: Das Risiko von Komplikationen im Falle einer Erkrankung ist laut BAG weitaus höher als das Risiko von Nebenwirkungen.

14. Zahlt die Grundversicherung die Masernimpfung?

Die Grundversicherung übernimmt die Kosten der Impfung. Nur der Selbstbehalt muss noch bezahlt werden.