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Corona-Impfung – alle Fragen und Antworten

12.01.2021

Bild: iStock.com / simon2579

Der erste Impfstoff gegen Sars-COV-2 ist in der Schweiz zugelassen. Ist die Impfung sicher? Wie wird der Corona-Impfstoff verteilt? Comparis beantwortet die drängendsten Fragen.

Haben Sie eine Frage, die noch nicht beantwortet ist? Dann schreiben Sie uns unter coronaimpfung@comparis.ch.

Kann ich mich gegen Covid-19 impfen lassen?

Covid-19 ist die Krankheit, die vom Erreger Sars-CoV-2 ausgelöst wird. Geimpft wird genau genommen gegen das Virus, nicht gegen die Krankheit. Swissmedic hat am 19. Dezember den Impfstoff von Biontech / Pfizer zugelassen. Der Bund hat von diesem Impfstoff 3 Millionen Dosen vorbestellt. Allerdings kann der Hersteller in einer ersten Charge nur rund 100’000 Dosen liefern. Einige Kantone haben am 23. Dezember mit Impfungen begonnen. Schweizweit sind die Impfungen ab dem 4. Januar 2021 gestartet.

Geimpft werden können laut Impfempfehlung des Bundes alle Personen ab 16 Jahren. Damit der Impfstoff optimal wirkt, sind pro Person zwei Impfdosen notwendig, die im Abstand von drei Wochen verabreicht werden sollten. Die Schutzwirkung beträgt laut Swissmedic bei Erwachsenen sieben Tage nach Erhalt der zweiten Dosis etwa 90 Prozent. Das bedeutet, dass 9 von 10 geimpften Personen einen Monat nach Impfbeginn keine schweren Symptome entwickeln.

Was ist der aktuelle Stand der Forschung bei Sars-CoV-2?

Laut WHO befinden sich 172 Impfstoffkandidaten in der Entwicklung. Die meisten dieser Impfstoffkandidaten befinden sich noch in der präklinischen Entwicklungsphase. Mittlerweile werden aber auch schon 63 Impfstoffkandidaten in klinischen Studien an Menschen untersucht (Stand 8. Januar 2021).

Biontech / Pfizer 

Am 9. November haben das deutsche Unternehmen Biontech und Partner Pfizer bekannt gegeben, dass ihr Vakzin eine Erfolgsrate von 90 Prozent hat. Der Impfstoff ist in den letzten Wochen in einer Blindstudie an rund 43’500 Menschen abgegeben worden. Die Hälfte davon hat ein Placebo erhalten. In der Testgruppe sind 94 Menschen an Covid-19 erkrankt, die meisten davon in der Placebogruppe, wie dem Studienprotokoll entnommen werden kann. Beim Impfstoff BNT162b2 handelt es sich um einen RNA-Impfstoff (siehe unten). Dieser muss bei minus 70 Grad Celsius gelagert werden. Das stellt sehr hohe Anforderungen an die Lieferkette. Die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic hat für den Impfstoff am 19. Dezember die Zulassung erteilt. Der Impfstoff wird von der Armeeapotheke gelagert und an die Kantone verteilt. Eine Impfdosis kostet rund 20 Dollar. 

Moderna 

Am 16. November hat die Firma Moderna die vorläufigen Ergebnisse ihres Wirkstoffs mRNA-1273 veröffentlicht, der eine Erfolgsrate von 94,5 Prozent hat. Die Testgruppe bei diesem Vakzin umfasst 30’000 Personen. Auch hier hat die Hälfte der Freiwilligen ein Placebo erhalten. 95 Teilnehmer erkrankten, davon nur 5 in der Gruppe, in der der Impfstoff verabreicht wurde. Swissmedic hat von Moderna am 13. November ein Gesuch um Zulassung erhalten. Die Schweiz hat sich von diesem Impfstoff 4,5 Millionen Dosen vertraglich reservieren lassen. Der Impfstoff kostet zwischen 15 und 25 Dollar pro Impfdosis. Er muss im Gegensatz zum Biontech-Vakzin zwar ebenfalls bei Minusgraden geliefert werden, ist danach aber einige Zeit bei Kühlschranktemperaturen haltbar. Am 8. Dezember hat das BAG bekannt gegeben, dass man sich zusätzliche 3 Millionen Dosen gesichert hat. Somit erhält die Schweiz insgesamt rund 7.5 Millionen Dosen.

Universität Oxford / AstraZeneca 

Am 23. November hat mit dem britisch-schwedischen Pharmakonzern AstraZeneca eine dritte Firma einen Impfstoff vorgestellt, von dem es Resultate aus klinischen Versuchen am Menschen gibt. Das Vakzin ChAdOx1 (auch: AZD1222) ist gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelt worden. Es ist mit rund 70 Prozent Wirksamkeit weniger effektiv als die mRNA-Impfstoffe der Konkurrenten. Allerdings hat er auch entscheidende Vorteile: Die Kosten liegen bei nur 2.50 Dollar pro Dosis. Ausserdem ist  der Impfstoff ohne aufwändige Kühlung haltbar, was ihn nochmals günstiger in der Handhabung macht. Ausserdem ist er für Länder mit weniger gut ausgebauter Infrastruktur oder sehr langen Transportwegen besser geeignet. Anfang Oktober hat AstraZeneca in der Schweiz ein Zulassungsgesuch eingereicht. Die Schweiz hat sich Mitte Oktober bis zu 5,3 Millionen Dosen vertraglich gesichert. 

Janssen-Cilag

Die deutsche Firma Janssen-Cilag des Gesundheitskonzerns Johnson & Johnson hat bei Swissmedic als viertes Unternehmen ein Zulassungsgesuch eingereicht. Janssen hat den Antrag für den Vektor-basierten Impfstoff fast zeitgleich auch in Europa und Kanada gestellt. Der Impfstoffkandidat Ad26.COV2.S hat gegenüber den anderen Präparaten den Vorteil, dass eine einzelne Impfdosis möglicherweise bereits genügt. Bei den anderen Kandidaten müssen im Abstand von einigen Wochen zwei Dosen verabreicht werden. Zur Wirksamkeit hat Janssen-Cilag noch keine Daten veröffentlicht. 

HerstellerImpfstoffZulassungZulassung in der Schweiz
Biontech/PfizerBNT162b2

2.12.20 Grossbritannien
9.12.20 Kanada
11.12.20 USA

19.12.20
ModernamRNA-127318.12.20 USA
6.1.21 EU
12.1.21
Univ. Oxford/AstraZenecaChAdOx1 (auch: AZD1222)beantragtbeantragt
 Janssen-CilagAd26.COV2.Sbeantragtbeantragt

Einen guten Überblick bietet die Seite Infovac, wo der Forschungsstand gut dokumentiert ist.

Wie viel wird die Corona-Impfung kosten?

Der Bundesrat sieht keine Impfpflicht vor und hat entschieden, dass die Impfung von den Krankenkassen zulasten der Grundversicherung übernommen wird. Gemäss Epidemiengesetz werden die nicht von der Krankenversicherung gedeckten Kosten von Bund und Kantonen getragen. Die Impfungen werden also mit den Krankenkassenprämien und Steuern kollektiv finanziert.

Wie werden die Impfstoffe verteilt?

Die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) und das BAG haben die Impfstrategie für die Schweiz am 17. Dezember publiziert. Prioritär sollen besonders gefährdete Menschen geimpft werden, also ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen. Die geplante Reihenfolge zeigt sich wie folgt: 

  1. Besonders gefährdete Personen (ohne Schwangere)
  2. Gesundheitspersonal mit Patientenkontakt und Betreuungspersonal von besonders gefährdeten Personen
  3. Enge Kontakte (Haushaltsmitglieder) von besonders gefährdeten Personen
  4. Personen in Gemeinschaftseinrichtungen mit erhöhtem Infektions- und Ausbruchsrisiko (z.B. Behindertenheime) und deren Personal
  5. Alle anderen Erwachsenen, die sich impfen lassen möchten

Das Hauptziel der Impfung gegen Covid-19 ist es, besonders gefährdete Personen zu schützen und damit schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle zu reduzieren. So kann auch das Gesundheitssystem entlastet werden.

Kann man den so rasch entwickelten Corona-Impfstoffen vertrauen?

Bisher hat der 2019 in den USA zugelassene Ebola-Impfstoff mit einer Entwicklungszeit von rund vier Jahren den Weltrekord gehalten. Nach weniger als einem Jahr sind nun die ersten Corona-Impfstoffe zugelassen worden, ohne dass Swissmedic die Anforderungen an die Forschung und Zulassung gesenkt hat.

Erstens ist schon vor Corona an mRNA-Impfstoffen geforscht worden. Man hat also nicht bei Null begonnen. Zweitens ist die Forschung beschleunigt worden und viele Hersteller haben sich am Wettlauf mit der Zeit beteiligt, ohne die Anforderungen an Wirkung und Sicherheit zu senken. Die verschiedenen Studienphasen am Menschen sind zum Teil parallel durchgeführt worden. Weil weltweit viele Menschen mit dem Coronavirus infiziert werden, ist es für die Hersteller einfach gewesen, rasch mehr als genug Testpersonen zu finden.

Da Swissmedic das Zulassungsverfahren für Corona-Impfstoffe nicht verkürzt, sind diese so sicher wie andere Impfstoffe. Da unerwünschte Nebenwirkungen bei Impfstoffen sofort auftreten, sind negative Langzeitwirkungen nicht zu erwarten. Menschen, die auf bestimmte Hilfsstoffe allergisch reagieren, können Komplikationen bekommen. Das Risiko, durch verunreinigte Impfstoffe oder durch mangelnde Hygiene bei der Impfung die Gesundheit zu gefährden, ist angesichts der Sicherheitsstandards bei der Produktion, beim Transport und bei der Impfung sehr klein. Seit Dezember 2020 sind weltweit ein paar Millionen Menschen gegen Corona ohne grössere Zwischenfälle geimpft worden. Auch das spricht neben der strengen Zulassungsprüfung durch Swissmedic für die Corona-Imfpstoffe.

Was sind die Nebenwirkungen der Impfung?

Die in der Phase 3 zehntausenden Menschen verabreichten Impfstoffe zeigten nur leichte Nebenwirkungen. Aus den Protokollen sind übliche Beschwerden wie bei einer Grippeimpfung zu erwarten: Übelkeit, Müdigkeit, Gelenkschmerzen und eine Rötung der Einstichstelle sind möglich. Gemäss der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA sind die Nebenwirkungen bei vielen Menschen vor allem nach der zweiten Dosis aufgetreten. In sehr wenigen Fällen ist es zu allergischen Reaktionen gekommen. In diesen Fällen ist auf die Abgabe der zweiten Dosis verzichtet worden.

Kann ich gezwungen werden, mich zu impfen?

Nein. Auch mit dem neuen Epidemiegesetz gibt es keine rechtliche Grundlage für einen Impfzwang. Bund und Kantone dürfen zwar Impfobligatorien bei erheblicher Gefahr für klar definierte Personengruppen aussprechen. Gemeint sind beispielsweise Kinder, ältere Menschen oder Mitarbeitende in Säuglingsstationen. Auch mit einem Impfobligatorium kann niemand zur Impfung gezwungen werden. Allerdings verschafft ein Obligatorium Arbeitgebern die rechtliche Basis für eine Kündigung, falls ein Mitarbeitender sich nicht impfen lassen will.

Das derzeit im Parlament diskutierte Covid-19-Gesetz beschäftigt sich nicht mit dem Impfen, sondern will die Notrechtsmassnahmen des Bundesrates in ordentliches Recht überführen. Es beschäftigt sich weitestgehend mit wirtschaftlichen Fragen.

Soll ich mich gegen die Grippe impfen lassen?

Comparis beantwortet Fragen zur herkömmlichen Grippeimpfung.

Wie funktioniert eine Impfung?

Krankheiten werden nicht nur durch Viren, sondern auch von Bakterien oder sogar Parasiten ausgelöst. Durch die Einnahme oder Injektion eines Impfstoffs werden innert weniger Stunden spezialisierte Blutkörperchen alarmiert. Für die Immunabwehr sind hauptsächlich weisse Blutkörperchen zuständig. Wichtig sind alle von ihnen, doch die aktivste Rolle spielen sogenannten B-Zellen und T-Zellen.

Erster Gegenangriff

Die T-Zellen reifen im Thymus, einer Drüse hinter dem Brustbein, aus. Die T-Zellen spüren Körperzellen auf und vernichten sie. Darüber hinaus schütten sie Botenstoffe aus und steuern so weitere Reaktionen des Immunsystems. Einerseits rufen sie so Fresszellen herbei, die Eindringlinge entfernen, andererseits spielen sie eine massgebliche Rolle bei der Steuerung der B-Zellen.

Zweiter Gegenangriff

Die B-Zellen werden im Knochenmark gebildet. Wenn sie mit einem Erreger (Antigen) in Kontakt kommen, entwickeln sie sich zu Plasmazellen und produzieren Antikörper (Immunglobuline). Spezialisierte Plasmazellen können nach etwa zwei bis drei Wochen Antikörper in grosser Zahl freisetzen. Diese Antikörper binden spezifisch an den Erreger und neutralisieren ihn, sodass er nicht mehr in Zellen eindringen kann. Einmal gebildete Antikörper bleiben als Gedächtniszellen im Körper und können oft noch nach Jahren schnell und effektiv reagieren, wenn der Erreger erneut in den Körper eintritt. Der Körper ist jetzt immunisiert gegen den Erreger.

Damit das Immunsystem passende B- und T-Zellen produzieren kann, muss es lernen, die Eigenschaften eines bestimmten Erregers zu erkennen. Oft handelt es sich um spezifische Proteine auf der Oberfläche des Keims. Im Fall von Sars-CoV-2 sind es die typischen Zapfen rund um das Virus. Genau diese charakteristischen Elemente sind in unschädlich gemachter Form auch in einem Impfstoff enthalten.

Eindringlinge wiedererkennen

Haben die B- und T-Zellen einen Eindringling besiegt, behalten sie einige Gedächtniszellen auf. Dringt derselbe Erreger erneut in den Körper ein, kann dieser die passenden Zellen rasch in grosser Zahl herstellen. Die Keime werden dann so schnell vernichtet, dass sie die Krankheit nicht auslösen können. Der Körper ist immun gegen den Erreger und der Träger kann die Krankheit nicht an andere Menschen weitergeben.

Mit einer Impfung wird also das Immunsystem trainiert, eine erneute Infektion mit dem gleichen Krankheitserreger abzuwehren, indem es schnell grosse Mengen passender Antikörper produziert. Impfen ist also für das Immunsystem ungefähr das, was Sparring beim Boxen ist: realistisches Training von Angriff und Verteidigung, ohne ein blaues Auge oder gar einen Knock-out zu riskieren.

Welche Typen von Impfstoffen gibt es?

Bei Lebendimpfstoffen wird der vermehrungsfähige Erreger verabreicht. Der Unterschied zu einer richtigen Infektion ist, dass der Keim abgeschwächt ist. Der Erreger wird so verändert, dass er sich weniger schnell vermehren kann oder weniger aggressiv ist. So gewinnt das Immunsystem Zeit, um den Eindringling abzuwehren. Lebendimpfstoffe sind sehr effektiv und sorgen für eine langanhaltende Immunität. Mehr als zwei Impfdosen sind selten notwendig. Der Nachteil ist, dass Menschen mit einem geschwächten Immunsystem nicht mit Lebendimpfstoffen behandelt werden können. Auch ist die Entwicklung von Lebendimpfstoffen recht aufwändig.

Ein Beispiel für einen Lebendimpfstoff ist die Masern-Mumps-Röteln-Kombinationsimpfung (MMR).

Totimpfstoffe – oder inaktivierte Impfstoffe – enthalten den abgetöteten Krankheitserreger, der sich nicht mehr vermehren kann. Die Entwicklung dieser Impfstoffe ist einfacher und die Anwendung hat weniger Nebenwirkungen. Menschen mit geschwächtem Immunsystem dürfen mit inaktivierten Impfstoffen behandelt werden. Der Nachteil der inaktivierten Impfstoffe ist, dass die Immunreaktion deutlich schwächer ist. Deshalb sind mehrere Impfdosen notwendig oder die Impfung muss nach einigen Jahren aufgefrischt werden.

Beispiel für einen inaktivierten Impfstoff ist die Polio-Impfung. Auch die Impfung gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die von Zecken übertragen wird, ist ein inaktivierter Impfstoff.

Bei gereinigten Impfstoffen werden nicht lebende oder tote Erreger, sondern nur Bestandteile von ihnen verabreicht. Sie können das Immunsystem gezielt erregen und sie sind gut verträglich. Allerdings ist die Immunantwort weniger stark und somit sind meist mehrere Impfungen notwendig.

Beispiele für gereinigte Impfstoffe sind diejenigen gegen Tetanus, Keuchhusten oder die jährliche Grippeimpfung.

Sogenannte «Vektor»-Impfstoffe sind recht neu. Hier wird Oberflächenprotein oder genetisches Material des Erregers in ein harmloses Virus oder Bakterium eingeschleust. So reisen die Merkmale des Erregers huckepack auf einem anderen Erreger durch den Körper und lösen damit eine Immunreaktion aus.

Vektor-Impfstoffe wurden in den letzten Jahren bei der Bekämpfung von Ebola und gegen gewisse Krebsarten erfolgreich eingesetzt.

Ganz neu sind mRNA- und DNA-Impfstoffe. Die mRNA beziehungsweise DNA enthält eine Bauanleitung für einen Teil des Virus. Die Fragmente werden eingebettet in mikroskopisch kleine Öltröpfchen in den Körper injiziert. Aus der Bauanleitung stellt der Körper selbst jene Bestandteile des Erregers her, auf die das Immunsystem trainiert werden soll.

Bei mRNA- und DNA-Impfungen gilt es zu beachten, dass derartige Wirkstoffe bisher noch nie eine Zulassung erhalten haben. Klinische Studien zur Wirksamkeit werden erstmals im grossen Stil durchgeführt. Insbesondere langfristige Untersuchungen fehlen im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden komplett. DNA- und mRNA-Impfstoffe sind ein Novum und werden intensiv beobachtet.

Hat es wirklich Aluminium in Impfstoffen?

In einigem Impfstoffe sind Aluminiumsalze enthalten. Nicht enthalten sind sie in den neuen mRNA-Impfstoffen und in dem jenigen von AstraZeneca. Auch in abgeschwächten Lebendimpfstoffe hat es keine Aluminiumsalze. Andre Vakzine sind durch Hilfsstoffe – sogenannte Adjuvantien – ergänzt. Bei den Adjuvantien handelt es sich um Aluminiumhydroxid, Aluminiumphosphat und/oder Kalium- und Aluminiumsulfat. Die Hilfsstoffe haben zwei Aufgaben: Das Antigen – also der Eindringling im Körper – wird dadurch an der Injektionsstelle im Muskelgewebe festgehalten. Zusätzlich werden durch die Aluminiumsalze Immunsystemzellen angelockt. Dadurch wird die Reaktion des Körpers verstärkt und damit die Wirksamkeit des Impfstoffs verbessert.

Impfstoffe enthalten 0,125 bis 0,82 Milligramm (als Vergleich: Ein Sandkorn wiegt 0,2 Milligramm) Aluminium pro Dosis. Im Gegensatz dazu nehmen wir täglich mit der Nahrung etwa 8 Milligramm Aluminium und Aluminiumsalze zu uns. Der grösste Teil davon wird vom Körper rasch wieder ausgeschieden.

Wann darf ein Impfstoff auf den Markt?

Neue Impfstoffe durchlaufen etliche Tests, bevor sie auf den Markt gelangen dürfen. Als Erstes werden Impfstoffkandidaten in präklinischen Versuchen zunächst an Nagetieren ausprobiert, danach an Affen. Mit diesen Experimenten wird untersucht, ob der Impfstoff für die Versuchstiere ungefährlich ist und wie stark sie auf verschiedene Impfdosen reagieren.

Danach werden anhand der gewonnenen Erkenntnisse klinische Versuche an Menschen durchgeführt. Diese durchlaufen drei Phasen, während derer der Impfstoffkandidat einer immer grösseren Personengruppe verabreicht wird.

In der ersten Phase wird der Impfstoff einigen dutzend gesunden, meist jungen Menschen injiziert. Das Ziel ist es, die beste Dosis für den Wirkstoff zu finden – und natürlich, Nebenwirkungen früh zu erkennen.

In der zweiten Phase wird der Impfstoff mehreren hundert bis wenigen tausend Menschen verabreicht. Die Probanden werden mehrere Monate lang beobachtet, um die Immunantwort besser zu verstehen. In der zweiten Phase wird auch festgelegt, wie viele Impfdosen notwendig sind. Häufige Nebenwirkungen werden identifiziert, auch wenn sie schwach sind.

In der dritten Phase geht es um den Praxistest. Hier werden mehrere zehntausend bis wenige hunderttausend Menschen geimpft. Jetzt wird klar, ob und wie die Impfung bei den Probanden tatsächlich wirkt. Kommt es bei den Geimpften wirklich seltener zur Erkrankung? Wirkt der Impfstoff vielleicht nur bei einem Teil der Testgruppe? Hält die Immunität vielleicht nur einige Wochen an? Auch seltene Nebenwirkungen können erkannt werden.

Geht in der dritten Phase alles gut, erhält der Impfstoff die Zulassung der Behörden. In den USA ist das die Food and Drug Administration (FDA), in Europa die European Medicines Agency (EMA) und in der Schweiz Swissmedic. Weltweit überwacht die World Health Organization (WHO) global verteilte Impfstoffe. Hersteller und Labors werden streng überprüft. Die Zulassung wird übrigens nicht nur einmal erteilt: Jede neue Charge des Impfstoffs wird überprüft, damit die Qualität sichergestellt ist.

Eine vierte Phase beginnt nach der Lancierung eines neuen Impfstoffs. Jetzt werden Millionen Menschen geimpft und es können sehr seltene Nebenwirkungen und negative Langzeitfolgen erkannt werden.

Gibt es bei Sars-CoV-2 Unterschiede zu bisherigen Impfungen?

Ganz klar ja. Von der Entwicklung bis zur Marktreife eines neuen Impfstoffs dauerte es rückblickend im Durchschnitt zehn bis zwanzig Jahre – manchmal noch länger. Bereits bei Ebola wurde angesichts der Aggressivität des Virus ein deutlich forscheres Tempo angeschlagen. Impfstoffe gegen Ebola gelangten in nur 18 Monaten zu den Ausbruchherden in Afrika.

Im Fall des neuen Coronavirus rechnen Experten mit einem ähnlichen Zeitrahmen. In einem sind sich die Experten einig: Schneller als in 12 Monaten geht es nicht, wenn die drei Phasen bis zur Zulassung seriös durchgeführt werden sollen. Ebenfalls neu bei der Impfung gegen Sars-CoV-2 ist, dass die neuartigen mRNA- und DNA-Impfstoffe entwickelt werden. Die Schweiz etwa hat sich beim US-Hersteller Moderna 4,5 Millionen Dosen eines solchen mRNA-Impfstoffs reserviert.

Kann ich mich mehrmals mit Corona anstecken?

Eine durchgemachte Infektion mit einem Erreger kann einen Immunschutz erzeugen, der ein Leben lang anhält. Bei manchen Krankheiten geht die Immunität nach einiger Zeit verloren. Das kann je nach Erreger und Stärke der Erkrankung Wochen, Monate, Jahre oder Jahrzehnte dauern.

Anhaltspunkte gibt das erste Sars-Virus, das im Jahr 2003 in Asien ausgebrochen ist. Dort konnten Forscher bei Menschen mit einer schweren Infektion die Immunität noch 12 Jahre später belegen. Andererseits wurden im Fall von Sars-CoV-2 bei einigen Menschen ohne schwere Symptome bereits nach wenigen Wochen keine Antikörper mehr gefunden, was darauf hindeuten könnte, dass ein Impfschutz möglicherweise nicht lange anhält. Ob und wie lange eine durchgemachte Sars-CoV-2-Infektion eine erneute Infektion mit Sars-CoV-2 verhindert, untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit.

Eine zweite Gefahr sind Mutationen von Sars-CoV-2. Stand Mitte September sind fünf Fälle von Menschen gut dokumentiert, die sich erneut mit dem Corona-Virus angesteckt haben. In diesen Fällen ist das Virus-Genom verglichen worden. Forscher haben festgestellt, dass es sich dabei um verschiedene Viren-Stämme gehandelt hat.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich zwei Viren-Stämme gleichzeitig verbreiten, dürfte auf regionaler Ebene gering sein. Dazu trägt bei, dass die Infektionszahlen relativ niedrig sind. Die Wahrscheinlichkeit für die Präsenz mehrere Stämme steigt aber an, je länger Sars-CoV-2 im Umlauf ist.

Gibt es Alternativen zu einem Impfstoff?

Nein, aber es kann Zeit gewonnen werden. Geforscht wird nicht nur an einem Impfstoff gegen Sars-CoV-2. Es werden auch Medikamente und Therapien entwickelt, die die Auswirkungen von Covid-19 mildern. Wirkungsvolle Heilmittel können wertvolle Zeit verschaffen, bis Impfstoffe vorliegen – oder eventuell den Weg zur Herdenimmunität ebnen, ohne dass Millionen Menschen durch die Pandemie sterben.

Vor allem Arzneimittel, die bereits gegen andere Krankheiten zugelassen oder in der Entwicklung sind, sind von Interesse, denn diese Medikamente können schneller «umfunktioniert» werden, als dass neue Mittel entwickelt werden. Hierzu zählen unter anderem Medikamente für Lungenkranke, aber auch antivirale Medikamente, die ursprünglich gegen Grippe, Ebola oder Hepatitis C entwickelt wurden und die Vermehrung von Viren blockieren oder verhindern.

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