Gesundheit & Prävention

Impfgegner: Warum ist Impfignoranz gefährlich?

ANALYSE
|
Bild: iStock / Talaj

Hierzulande gibt es nur wenige echte Impfgegner. Aber gut ein Fünftel der Bevölkerung hält nicht alle Basisimpfungen für nötig. Das zeigt eine repräsentative Comparis-Umfrage.

Rund 60 Prozent der Deutschschweizer sind überzeugt, dass bei Kindern alle aktuell vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfohlenen Basisimpfungen durchgeführt werden sollten. 12 Prozent sind dagegen. Das zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Innofact in der Deutschschweiz im Auftrag von Comparis.


Welche Argumente haben Impfgegner?

Die Impfgegner begründen:

  • Mehr als 50 Prozent: Nur durchgestandene Krankheiten stärken das Immunsystem.
  • Ein Fünftel: Impfungen sind gefährlich.
  • Ein weiteres Fünftel begründet die Ablehnung nicht.

«Die wahre Gefahr sind aber nicht nur diese kategorischen Impfgegner, sondern die latente Impfignoranz» warnt Comparis-Gesundheits-Experte Felix Schneuwly. So findet ein Fünftel der Befragten, nur ausgewählte Basisimpfungen seien nötig. Diese Haltung vertreten vor allem die 15- bis 29-Jährigen.

Was sind Basisimpfungen?

Die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) als Basisimpfungen eingestuften und im eidgenössischen Impfplan aufgelisteten Impfungen werden als unerlässlich für die individuelle und öffentliche Gesundheit eingestuft und müssen von der Ärzteschaft ihren Patienten gemäss den Vorgaben des Schweizerischen Impfplans empfohlen werden. Basisimpfungen werden empfohlen, weil sie für die individuelle und öffentliche Gesundheit wesentlich sind und einen für die Gesundheit der Bevölkerung wichtigen Schutz bieten. Als weitere Impfkategorien gibt es die ergänzenden Impfungen sowie für Risikogruppen / Risikosituationen empfohlene Impfungen.

Warum können Impfgegner eine Gefahr sein?

«Das Problem ist: Dank dieser Haltung können sich ansteckende, potenziell lebensgefährliche Krankheiten wieder ausbreiten», so Schneuwly.

Der Grund: Je nach Krankheit muss ein Anteil von 80 bis 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Nur so entsteht eine so genannte Herdenimmunität – die Krankheit kann ausgerottet und eine Wiederverbreitung verhindert werden. Zusätzlich können nur so nicht impfbare, aber besonders gefährdete Personen (z.B. Immunsuppression) vor einer Ansteckung geschützt werden. Um das Wissen bezüglich Herdenimmunität ist es in der Schweizer Bevölkerung gemäss der Comparis-Umfrage schlecht bestellt. Nur wenige Befragte schätzen die Durchimpfungsrate richtig ein.

Was ist Herdenimmunität?

Mit einem genügend hohen Anteil an geimpften Personen hat ein Krankheitserreger kein ausreichendes Reservoir für die Verbreitung. Diese so genannte Herdenimmunität bietet somit auch Personen Schutz, die aus verschiedenen Gründen nicht geimpft werden können. Mit einer genügend hohen Durchimpfungsrate können Krankheiten in bestimmten Regionen der Welt ausgerottet werden.

Kennen Sie Ihre Impfungen?

Unsere Umfrage deckt ausserdem einen Bildungsgraben beim Wissen um eigene Impfungen auf. Bei Kinderlähmung, Masern oder Tetanus geben deutlich mehr Personen mit Hochschul- bzw. Fachhochschulabschluss eine Immunisierung an als solche mit Primar- oder Sekundarabschluss.

Für Schneuwly ist deshalb klar: «Wie bei anderen Gesundheitsthemen zeigt sich auch beim Impfen, dass offenbar Bildung die beste Gesundheitsvorsorge ist.»

Hier finden Sie eine ausführlichere Beschreibung der Comparis-Analyse zum Thema «Impfgegner und schlecht Informierte torpedieren Immunitätsschutz gegen lebensgefährlichen Krankheiten».

Einen ausführlichen Artikel zum Thema Masernimpfung finden Sie unter «Masern: Die 14 wichtigsten Fragen und Antworten zur hoch ansteckenden Krankheit».

Methodik: Die repräsentative Befragung wurde durch das Marktforschungsinstitut Innofact im Auftrag von comparis.ch im April 2019 unter 703 Personen in der Deutschschweiz durchgeführt.