Vorsorge

Freizügigkeitskonto: Was gilt es zu beachten?

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Bild: iStock / PeopleImages

Sie müssen nach einem Unternehmensaustritt ohne neuen Arbeitgeber Ihr Pensionskassengeld auf eine Freizügigkeitslösung einzahlen. Comparis zeigt auf, wie dabei vorzugehen ist und was es zu beachten gilt.


Was ist ein Freizügigkeitskonto?

Es ist ein Konto, auf das Ihr Vorsorgekapital in bestimmten Fällen überwiesen wird. Das Freizügigkeitskonto dient einzig der beruflichen Vorsorge, also der 2. Säule. Es wird mit einem Vorzugszins verzinst. Der Zins unterscheidet sich je nach Anbieter, daher lohnt sich ein Vergleich.

Gibt es einen Unterschied zur Freizügigkeitspolice?

Eine Freizügigkeitspolice deckt im Gegensatz zum Freizügigkeitskonto Risiken wie Invalidität oder Tod ab. Die Versicherungsleistungen schmälern indes den Zinsertrag. In der Regel ist der Zins daher noch tiefer als das bei einem Freizügigkeitskonto derzeit der Fall ist. Die Guthaben aus den Freizügigkeitspolicen (inkl. Zinsen) sind jederzeit vollumfänglich garantiert.

Kann ich die Gelder auch in Wertschriften anlegen?

Die meisten Anbieter bieten auch Wertschriftenlösungen mit unterschiedlich hohen Aktien- und Obligationenanteilen an. Die Rendite ist in der Regel zwar höher als bei reinen Zinskonten. Gleichzeitig steigt aber auch das Anlagerisiko. Es empfiehlt sich daher, einen Anlagehorizont von mehreren Jahren einzunehmen.

Wann brauche ich ein Freizügigkeitskonto?

Treten Sie nach dem Austritt aus der Pensionskasse Ihres alten Arbeitgebers nicht unmittelbar in eine neue ein, müssen Sie Ihr Vorsorgeguthaben auf eine Freizügigkeitslösung einzahlen. Das gilt zum Beispiel in folgenden Fällen:

  • Arbeitslosigkeit
  • Berufliche Auszeit
  • Babypause
  • Auslandaufenthalt
  • Weiterbildung

Darf ich mein Freizügigkeitsguthaben auf verschiedene Konten splitten?

Durch eine Splittung ihres gebildeten Vorsorgeguthabens auf zwei Konten verschiedener Banken senken Sie das Verlustrisiko, im Falle eines Konkurses der Bank. Ihr Vorsorgekonto ist beim einem Konkurs bis maximal CHF 100’000 abgesichert. Darüberliegende Guthaben sind nicht besonders geschützt und werden soweit möglich im Rahmen des Konkursverfahrens als Konkursdividende ausbezahlt.

Es ist nicht möglich, im Nachhinein zu splitten. Sie müssen bereits vor dem Austritt aus der Pensionskasse des alten Arbeitgebers entscheiden, ob sich für Sie zwei Konten lohnen.

Wie eröffne ich ein Freizügigkeitskonto?

Auf Ihre Anweisung hin, überweist Ihre bisherige Pensionskasse Ihr Guthaben auf eine Freizügigkeitslösung bei einem Anbieter Ihrer Wahl. Danach erhalten Sie eine Austrittsabrechnung. Von dem neuen Freizügigkeits-Anbieter erhalten Sie ein Eröffnungsschreiben mit Ihrer Kontonummer sowie eine Zahlungseingangsbestätigung.

Muss ich mein Freizügigkeitsguthaben komplett in die künftige Pensionskasse einbringen?

Beginnen Sie eine neue Anstellung, ist das Freizügigkeitskapital in die Pensionskasse des neuen Arbeitgebers einzubringen und das Freizügigkeitskonto aufzulösen.

Wo kann ich ein Freizügigkeitskonto bzw. eine -police eröffnen?

Ein Freizügigkeitskonto können Sie bei verschiedenen Vorsorgestiftungen eröffnen, die das Geld in der Regel von der ihr nahestehenden Bank anlegen lassen. Dabei lohnt es sich, die aktuellen Zinsen zu vergleichen, welche die Banken für Freizügigkeitskonten offerieren. Banken können den Zinssatz je nach Gegebenheit mehrmals jährlich anpassen. Eine Übersicht (Stand März 2019) finden Sie in der nachfolgenden Tabelle:

Anbieter Zins
UBS
0.010%
Raiffeisen
0.050%
PostFinance
0.050%
Credit Suisse
0.010%
ZKB
0.010%
Bank CLER
0.050%
Migros Bank
0.050%
Auffangeinrichtung BVG
0.100%

Quelle: Finanzmonitor

Freizügigkeitspolicen können bei Lebensversicherungen abgeschlossen werden. Der Zinssatz der Freizügigkeitsleistung wird dabei jährlich festgelegt und kann von Gesellschaft zu Gesellschaft variieren.

Kann ich mir die Freizügigkeitsleistungen auszahlen lassen?

Ihr gespartes Guthaben ist bis zu der ordentlichen Pensionierung gesperrt. Nur in wenigen Ausnahmen ist eine Auszahlung möglich. Diese sind:

  • Aufnahme von Selbstständigkeit
  • Auswanderung aus der Schweiz
  • Tod
  • Invalidität
  • Erwerb von Wohneigentum
  • Freizügigkeitsleistung ist geringer als Jahresbeitrag des Arbeitnehmers

Trifft keiner dieser Fälle ein, so müssen Sie bis mindestens fünf Jahre vor dem ordentlichen AHV-Alter mit dem Bezug warten (Frauen mit 59 Jahren, Männer mit 60 Jahren).

Falls Sie das Guthaben auch über das ordentliche Pensionierungsalter hinaus noch auf dem Freizügigkeitskonto lassen möchten, so können sie das ebenfalls höchstens fünf Jahre. Bei Frauen also bis 69 Jahre, Männer bis 70 Jahre. Das kann sich steuerlich lohnen: Denn ihr Vorsorgeguthaben ist während der Laufzeit von der Vermögenssteuer befreit. Die Zinserträge sind bis zur Auszahlung steuerfrei. Ihr Guthaben wird bei der Auszahlung separat vom übrigen Einkommen zu einem reduzierten Tarif besteuert.