Wohneigentum

Smart Home: Das Haus denkt mit

INFO
|
Clever & smart: Das «intelligente» Zuhause lässt sich zentral und über in den Räumen platzierte Bedien-Panels oder Touchscreens steuern.

Nicht nur für Freaks, Geeks und Nerds interessant: Mit cleveren Techniken zur Heimvernetzung hat man zuhause jederzeit alles im Griff – dank Internetanbindung auch von unterwegs.

Auf der Fahrt zum Flughafen kommen Zweifel: Sind wirklich alle Fenster zu? Ist die Espressomaschine etwa noch an? Was tun: umkehren und nachschauen? Nein, Gewissheit verschafft ein Blick auf die Smart Home App. Die Fenster sind geschlossen und alle Elektrogeräte aus. Auch die Alarmanlage ist eingeschaltet. Das Handy loggt sich dazu via Internet in die Smart-Home-Zentrale zu Hause ein und sendet die gewünschten Informationen aufs Display.

«Smart Home, «Smart-Living, «eHome oder «Intelligentes Wohnen sind nur einige Bezeichnungen für einen Trend, der sich immer stärker durchsetzt: Systeme, die Heizung, Belüftung, Beleuchtung, Sicherheitstechnik, Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik miteinander vernetzen und so ein «intelligentes, auch aus der Ferne steuerbares Zuhause schaffen.

Komfortabler wohnen, weniger Energie verbrauchen
Im intelligenten Haus werden alle «smarten Geräte über einen zentralen Server gesteuert. Ihr Zustand lässt sich so jederzeit am Bildschirm überprüfen. Die Smart-Home-Technik regelt Heizkörper, öffnet und schliesst die Storen und erinnert beim Verlassen der Wohnung an die eingeschaltete Herdplatte oder das brennende Licht im Bad. Wird zum Lüften ein Fenster geöffnet, dreht der elektronische Heizungsregler automatisch die Wärmezufuhr ab und nach dem Schliessen wieder auf. Das ist nicht nur komfortabel, sondern spart auch Energie – um bis zu 30 Prozent lässt sich der Verbrauch in einem Smart Home verringern, versprechen die Hersteller. Die meisten Systeme verfügen über zusätzliche Funktionen, um die Energiekosten im Blick zu behalten und Stromfresser zu entlarven.

Bedient werden die Systeme über eine Zentraleinheit und im Haus verteilte Touch-Displays oder Panels und sie lassen sich zumeist per Smartphone, Tablet-PC und Computer steuern. Je nach Smart-Home-Lösung sind die einzelnen Geräte und Sensoren über Stromleitungen, Netzwerkkabel oder Funk mit der Zentrale verbunden. Die Zentraleinheit sammelt alle Informationen und Zustände, wertet sie aus und löst daraufhin die entsprechenden Aktionen aus.

Ein Szenario: Das «intelligente Haus gaukelt während der Ferienabwesenheit vor, dass die Bewohner zu Hause sind. Zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten werden die Rollläden geöffnet und geschlossen, das Licht in verschiedenen Räumen schaltet sich ein und wieder aus. Schlägt ein Bewegungsmelder an, verschickt die Smart-Home-Zentrale eine Nachricht mit Bildern der Überwachungskameras. Sieht man tatsächlich einen Einbrecher ums Haus schleichen, bestätigt man den Alarm und augenblicklich geht ein Notruf an die Polizei raus, die Rollläden schliessen sich, im Obergeschoss schaltet sich das Licht an und die Sirene heult los.

Smart Home – Planung und Kosten
Wer einen einfachen Einstieg ins Smart Home vorzieht und per Fernbedienung nur einige Steckdosen und Lampen ein- und ausschalten sowie einzelne Heizkörper bequem vom Sessel aus regeln will, muss sich nicht an einen Experten wenden. In Baumärkten, im Elektrohandel und im Internet gibt es Produkte dieser Kategorie zur Selbstmontage für wenig Geld zu kaufen. Soll jedoch die komplette Haustechnik vernetzt und zentral gesteuert werden, führt kein Weg an einem versierten Smart-Home-Planer vorbei.

Bei einem Neubau sollte man etwa zehn Prozent der Kosten der Elektroinstallation für die Vernetzung aller Zimmer mit Netzwerkkabeln einplanen. Kostengünstiger wird es, wenn man auf Funk- und Powerline-Netze setzt: Funkverbindungen brauchen keine Kabel und Powerline nutzt die vorhandenen Stromleitungen zur Datenübertragung. Allerdings übertragen Funk- und Powerline-Netzwerke grosse Datenmengen, wie sie etwa bei Multimedia-Anwendungen anfallen, häufig nicht in der gleichen Qualität wie Kabelverbindungen.

Bei Altbauten sind anstehende grössere Renovationen eine gute Gelegenheit, intelligente Gebäudetechnik nachzurüsten und fehlende Leitungen für die Steuerung der Geräte zu installieren. Aber auch ohne Renovation muss man nicht auf Smart-Home-Systeme verzichten: Funk- und Powerline-Lösungen lassen sich fast überall nachrüsten.

Um ein Einfamilienhaus mit ferngesteuerten Storen, Licht- und Heizungssteuerung, Alarmanlage, Wettersensoren, Rauchmelder, Wasserüberwachung und vernetzten Multimediaanlagen auszustatten, sollte man mindestens 15‘000 bis 20‘000 Franken einplanen. Empfehlenswert ist, sich verschiedene Lösungen vorführen zu lassen und diese miteinander zu vergleichen, natürlich auch hinsichtlich der Kosten.

Vielzahl von nicht kompatiblen Standards
Das Problem bei Smart Home: Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Systeme, die sich nicht oder nur eingeschränkt miteinander kombinieren lassen. Für die Signalübertragung zwischen Server und Geräten sind unterschiedliche Technologien und Standards auf dem Markt und nicht jedes Gerät ist mit jedem Standard kompatibel. Hat man sich für eine Lösung entschieden, muss man dabei bleiben oder mehrere Systeme parallel laufen lassen, was den Komfort einschränken kann.

Die am meisten verbreiteten Systeme im Überblick: Digitalstrom vernetzt alle elektrischen Geräte im Haushalt über die bestehenden Stromleitungen. Die Smart-Home-Lösungen EnOcean und HomeMatic verwenden dagegen kabellose Funkverbindungen für die Gerätekommunikation. Die KNX-Technologie setzt auf ein sogenanntes Bus-System. Dabei sind alle Geräte, Sensoren, Schalter, Steckdosen usw. über eine spezielle Informationsleitung, genannt Bus, miteinander verbunden.

Mit iOS 8 hat Apple erstmals das Smart-Home-Framework vorgestellt – und mit dem neusten Update auf iOS 10 lassen sich Kamera, Lampen und dergleichen auch über Siri, die AppleWatch oder andere Apple-Geräte steuern. Apples HomeKit steht noch am Anfang seiner Entwicklung – auch wenn sich seit iOS 8 einiges getan hat. Was dem System etwa noch fehlt, ist eine grössere Auswahl an Geräten. Trotzdem: Mit HomeKit könnte Apple in den nächsten Jahren zu den Big Playern unter den Smart-Home-Anbietern gehören.

 

Wohnung finden