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Bussenkatalog Schweiz 2021: Wie teuer ist Rasen?

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Rasen ist nicht nur gefährlich, sondern kann auch sehr teuer werden. Bild: iStock / zheltikov

Das Verkehrssicherheitsprogramm Via sicura vom Bundesamt für Strassen hat die Verkehrsvorschriften bereits 2013 verschärft. Unter anderem mit strengeren Massnahmen gegen Raser sollen schwere Verkehrsunfälle verhindert werden. Die bisherige Bilanz ist positiv: Es gibt weniger Tote und Schwerverletzte auf Schweizer Strassen. Der Bussenkatalog wird in der Schweiz periodisch angepasst. Lesen Sie hier, welche Bussen aktuell anfallen.

Für die meisten Autofahrende ist die Einhaltung der Strassenverkehrsvorschriften selbstverständlich. Trotzdem gibt es immer wieder teils massive Überschreitungen, insbesondere bei den vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeiten. Mit dem Massnahmenpaket Via sicura will der Bundesrat unter anderem der Raserei auf Schweizer Strassen Einhalt gebieten. Es soll insbesondere hochgradige Temposünder von ihrem Tun abhalten und dadurch Unfälle verringern.

Laut der Verkehrsunfallstatistik des Bundesamtes für Strassen (ASTRA) gab es zum ersten Mal seit Aufzeichnung der Unfallstatistik weniger als 200 Verkehrstote und auch die Zahl der Schwerverletzten im Schweizer Strassenverkehr ist zurückgegangen. Im Jahr 2019 sind 187 Personen tödlich verunfallt – im vorletzten Jahr waren es 233. Ein Rückgang wurde vor allem bei der Anzahl getöteter Menschen bei Personenwagen und Motorrad verzeichnet. Wie in den Vorjahren gab es auch 2019 mehr schwerverunfallte E-Bike-Fahrende.

Wer gilt als Raser?

Ein sogenanntes Raserdelikt liegt vor, wenn die vorgeschriebene Geschwindigkeit wie folgt überschritten wird  als Raser gilt, wer durch vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingeht, wie gefährliches Überholen oder bei einem Rennen mit Motorradfahrzeugen, welches nicht bewilligt wurde. 

Zone Geschwindigkeitsüberschreitung
30er-Zone
ab 40 km/h
50er-Zone (innerorts)
ab 50 km/h
80er-Zone (ausserorts)
ab 60 km/h
120er-Zone Autobahn
ab 80 km/h

Als Strafmassnahme wird bei einem Raserdelikt der Führerausweis für mindestens zwei Jahre entzogen. Danach wird der Ausweis nur zurückgegeben, wenn ein positives verkehrspsychologisches Gutachten vorgelegt werden kann. Im Wiederholungsfall müssen Raser den Führerausweis gar für immer abgeben. Und: Es drohen zwischen einem und vier Jahren Gefängnis. Bei krassen Geschwindigkeitsübertretungen kann das Auto eingezogen und verwertet werden.

Baldige Änderung im Rasergesetz

Die Mindeststrafen für Raserdelikte werden in dieser Form wohl nicht mehr lange gelten. Das Parlament hat den Bundesrat beauftragt, hier den Gerichten wieder mehr Spielraum einzuräumen und die Rasermassnahmen verhältnismässiger zu gestalten. Somit sollen ungewollte Härtefälle vermieden werden. So sollen neu die Gerichte im Einzelfall die Umstände prüfen und übers Strafmass frei entscheiden. Dazu muss das Gesetz angepasst werden.  Die Vernehmlassung zu den Anpassungen wurde am 12.12.2020 beendet. Nun werden die eingegangenen Rückmeldungen ausgewertet, damit anschliessend der Bundesrat dem Parlament eine Gesetzesbotschaft übergeben kann. 

Was kosten Geschwindigkeitsüberschreitungen?

Die Bussen für Geschwindigkeitsüberschreitungen und die Toleranzmargen bei den Geschwindigkeitsmessungen sehen laut Empfehlungen des Bundes wie folgt aus (Bussen und Massnahmen können je nach Kanton variieren): 

Bussen (in Franken)

Überschreitungen Innerorts Ausserorts Autobahn
um 1–5 km/h
40.– 40.– 20.–
um 6–10 km/h
120.–
 100.– 60.–
um 11–15 km/h
 250.–  160.–  120.–
um 16–20 km/h
 Verwarnung  240.–  180.–
um 21–25 km/h
 V  Verwarnung  260.–
um 26–39 km/h
 V  V  Verwarnung
um 40–79 km/h
 R R
 V
um 80+ km/h
 R R
 R

V = Verzeigung, R = Raserdelikt

Bei einem leichten Verstoss gegen die Verkehrsregeln wird eine Verwarnung ausgesprochen. Diese ist eine Art «gelbe Karte». Es gibt noch keinen Führerausweisentzug. Verstossen Sie aber in den folgenden zwei Jahren weiter gegen die Verkehrsregeln, müssen Sie mit schwereren Konsequenzen rechnen. 

Übertretungen innerorts ab 25 km/h, ausserorts ab 30 km/h und auf der Autobahn ab 35 km/h werden im Strafregister eingetragen und sind im Strafregisterauszug für eine bestimmte Zeit festgehalten. Bei einer Verzeigung wird der Führerausweis für mindestens einen Monat entzogen. Im Wiederholungsfall wird die Dauer des Führerausweisentzugs deutlich erhöht. 

Toleranzmargen

Messverfahren bis 100 km/h 101–150 km/h ab 151 km/h
Radarmessungen
5 km/h
6 km/h
7 km/h
Lasermessungen 3 km/h
4 km/h
5 km/h
Stationäre Radarmessungen in Kurven
10 km/h
14 km/h
Moving Radar 7 km/h
8 km/h
9 km/h
Messungen mit stationären Schwellendetektoren 5 km/h
6 km/h
7 km/h
Abschnittsgeschwindigkeitskontrollen 5 km/h
6 km/h
7 km/h

Scharfe Strafen, insbesondere für Junglenkende

Für Junglenkende sieht das Schweizer Strassenverkehrsgesetz (SVG) mehr Massnahmen vor als bei erfahrenen Autofahrenden.

Bei Junglenkenden gilt beispielsweise eine Alkohol-Nulltoleranz im Gegensatz zu erfahrenen Autofahrenden (0,5 Promille). Wegen Alkohol am Steuer verlängert sich die reguläre Probezeit eines Neulenkenden um ein Jahr, sofern es sich um einen erstmaligen Führerausweisentzug handelt. Wenn der Führerausweis ein zweites Mal entzogen wird, verfällt der Führerausweis auf Probe. Dieser kann frühestens nach einem Jahr wieder beantragt werden. Dazu wird ein verkehrspsychologisches Gutachten benötigt.

Alle Vergehen und ihre möglichen Strafen sind in der Ordnungsbussenverordnung des Bundes geregelt.

Vorsicht: Es gibt einige Ordnungsbussen im Schweizer Strassenverkehr, die man häufig nicht im Hinterkopf hat oder vernachlässigt behandelt. Diese können für Junglenkende besonders schmerzlich sein: 

Weitere Ordnungsbussen im Strassenverkehr

Ordnungswidrigkeit Bussen in Franken
Nichtmitführen des Führerausweises
20.–
Überschreiten der zulässigen Parkzeit bis 2 Stunden 40.–
Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung 100.–
Nicht oder nicht gut sichtbares Anbringen der Parkscheibe am Fahrzeug
40.–
Halten auf einem Fussgängerstreifen 80.–
Nichtgewähren des Vortritts bei Fussgängerstreifen 140.–
Unnötiges Vorwärmen des Motors 60.–
Rechtsüberholen auf der Autobahn
(neue Verkehrsregel 2021)
 250.–
Missachtung von Bildung einer Rettungsgasse auf der Autobahn
(neue Verkehrsregel 2021)
 100.–
 Missachtung Reissverschlussprinzip auf der Autobahn 
(neue Verkehrsregel 2021)
 100.–

Allgemeine Rechtslage im Strassenverkehr

In der Schweiz wird zwischen drei Arten von Straftaten unterschieden:

  • Übertretungen
  • Vergehen
  • Verbrechen

Bei einer Übertretung gibt es eine Busse, bei einem Vergehen eine Geld- oder Freiheitsstrafe bis drei Jahre und bei einem Verbrechen in diesem Bereich droht eine maximale Freiheitsstrafe von mehr als drei Jahren.

Bei Vergehen und Verbrechen löst eine Verkehrsregelverletzung zwei verschiedene Verfahren aus: Einerseits ein Strafverfahren (Strafbehörden), andererseits ein Administrativmassnahmeverfahren (Strassenverkehrsamt). Diese zwei Verfahren werden gleichzeitig sowie unabhängig voneinander geführt und stützen sich auf denselben Polizeirapport. Zu einer Administrativmassnahme zählen unter anderem eine Verwarnung, Entzug des Führerausweises oder Verkehrsunterricht.

Fazit

Wer sich an das Strassenverkehrsgesetz hält, schützt nicht nur das eigene Leben und das seiner Mitmenschen, sondern schont auch das Budget.