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Bussenkatalog Schweiz 2020: Wie teuer ist Rasen?

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Rasen kann nicht nur gefährlich, sondern auch sehr teuer werden. Bild: iStock / zheltikov

Das Verkehrssicherheitsprogramm «Via sicura» vom Bundesamt für Strassen hat die Verkehrsvorschriften bereits 2013 verschärft. Mit unter anderem strengeren Massnahmen gegen Raser sollen schwere Verkehrsunfälle verhindert werden. Die bisherige Bilanz ist positiv: Es gibt weniger Tote und Schwerverletzte auf Schweizer Strassen. Der Bussenkatalog wird in der Schweiz periodisch angepasst. Lesen Sie hier, welche Bussen aktuell anfallen.

Für die meisten Autofahrer ist die Einhaltung der Strassenverkehrsvorschriften selbstverständlich. Trotzdem gibt es immer wieder teils massive Überschreitungen, insbesondere bei den vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeiten. Mit dem Massnahmenpaket «Via sicura» will der Bundesrat unter anderem der Raserei auf Schweizer Strassen Einhalt gebieten. Es soll insbesondere hochgradige Temposünder von ihrem Tun abhalten und dadurch Unfälle verringern.

Laut der Verkehrsunfallstatistik des Bundesamtes für Strassen (ASTRA) gab es zum ersten Mal seit Aufzeichnung der Unfallstatistik weniger als 200 Verkehrstote und auch die Zahl der Schwerverletzten im Schweizer Strassenverkehr ist zurückgegangen. Im Jahr 2019 sind 187 Personen tödlich verunfallt – im vorletzten Jahr waren es 233. Ein Rückgang wurde vor allem bei der Anzahl getöteten Menschen bei Personenwagen und Motorrad verzeichnet. Wie in den Vorjahren gab es auch 2019 mehr schwerverunfallte E-Bike-Fahrende.

Wer gilt als Raser?

Ein so genanntes Raserdelikt liegt vor, wenn die vorgeschriebene Geschwindigkeit wie folgt überschritten wird  als Raser gilt, wer durch vorsätzliche Verletzungen elementarer Verkehrsregeln das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingeht, wie gefährliches Überholen oder an einem Rennen mit Motorradfahrzeugen, welches nicht bewilligt wurde, teilnimmt. 

Zone Geschwindigkeitsüberschreitung
30er-Zone
ab 40 km/h
50er-Zone (innerorts)
ab 50 km/h
80er-Zone (ausserorts)
ab 60 km/h
120er-Zone Autobahn
ab 80 km/h

Als Strafmassnahme wird bei einem Raserdelikt der Führerausweis für mindestens zwei Jahre entzogen. Danach wird der Ausweis nur zurückgegeben, wenn ein positives verkehrspsychologisches Gutachten vorgelegt werden kann. Im Wiederholungsfall müssen Raser den Führerausweis gar für immer abgeben. Und: Es drohen zwischen einem und vier Jahren Gefängnis. Bei krassen Geschwindigkeitsübertretungen kann das Auto eingezogen und verwertet werden.

Was kosten Geschwindigkeitsüberschreitungen?

Die Bussen für Geschwindigkeitsüberschreitungen und die Toleranz-Margen bei den Geschwindigkeitsmessungen sehen laut Empfehlungen des Bundes wie folgt aus (Bussen und Massnahmen können je nach Kanton variieren): 

Bussen (in Franken)

Überschreitungen Innerorts Ausserorts Autobahn
um 1 - 5 km/h
40.– 40.– 20.–
um 6 - 10 km/h
120.–
 100.– 60.–
um 11 - 15 km/h
 250.–  160.–  120.–
um 16 - 20 km/h
 V  240.–  180.–
um 21 - 25 km/h
 V  V  260.–
um 26 - 39 km/h
 V  V  V
um 40 - 79 km/h
 R R
 V
um 80+ km/h
 R R
 R

V = Verzeigung, R = Raserdelikt

 

Toleranz-Margen

Messverfahren bis 100 km/h 101 - 150 km/h ab 151 km/h
Radarmessungen
5 km/h
6 km/h
7 km/h
Lasermessungen 3 km/h
4 km/h
5 km/h
Stationäre Radarmessungen in Kurven
10 km/h
14 km/h
-
Moving-Radar 7 km/h
8 km/h
9 km/h
Messungen mit stationären Schwellendetektoren 5 km/h
6 km/h
7 km/h
Abschnittsgeschwindigkeitskontrollen 5 km/h
6 km/h
7 km/h

Scharfe Strafen insbesondere für Junglenker

Für Junglenker sieht das Schweizer Strassenverkehrsgesetz (SVG) mehr Massnahmen als bei erfahrenen Autofahrern vor.

Bei Junglenkern gilt beispielsweise eine Alkohol-Nulltoleranz im Gegensatz zu erfahrenen Autofahrern (0,5 Promille). Wegen Alkohol am Steuer verlängert sich die reguläre Probezeit eines Neulenkers um ein Jahr, sofern es sich um einen erstmaligen Führerausweisentzug handelt. Wenn der Führerausweis ein zweites Mal entzogen wird, verfällt der Führerausweis auf Probe. Dieser kann frühestens nach einem Jahr wieder beantragt werden. Dazu wird ein verkehrspsychologisches Gutachten benötigt.

Alle Vergehen und ihre möglichen Strafen sind in der Ordnungsbussenverordnung des Bundes geregelt.

Vorsicht: Es gibt einige Ordnungsbussen im Schweizer Strassenverkehr, die man häufig nicht im Hinterkopf hat oder vernachlässigt behandelt. Diese können für Junglenker besonders schmerzlich sein: 

Weitere Ordnungsbussen im Strassenverkehr

Ordnungswidrigkeit Bussen in Franken
Nichtmitführen des Führerausweises
20.–
Überschreiten der zulässigen Parkzeit bis 2 Stunden 40.–
Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung 100.–
Nicht oder nicht gut sichtbares Anbringen der Parkscheibe am Fahrzeug
40.–
Halten auf einem Fussgängerstreifen 80.–
Nichtgewähren des Vortritts bei Fussgängerstreifen 140.–
Unnötiges Vorwärmen des Motors 60.–

Allgemeine Rechtslage im Strassenverkehr:

In der Schweiz wird zwischen drei Arten von Straftaten unterschieden:

  • Übertretungen
  • Vergehen
  • Verbrechen

Bei einer Übertretung gibt es eine Busse, bei einem Vergehen eine Geld- oder Freiheitsstrafe bis drei Jahre und bei einem Verbrechen in diesem Bereich droht eine maximale Freiheitsstrafe von mehr als drei Jahren.

Bei Vergehen und Verbrechen löst eine Verkehrsregelverletzung zwei verschiedenen Verfahren aus: Einerseits ein Strafverfahren (Strafbehörden), andererseits ein Administrativmassnahmeverfahren (Strassenverkehrsamt). Diese zwei Verfahren werden gleichzeitig sowie unabhängig voneinander geführt und stützen sich auf denselben Polizeirapport. Zu einer Administrativmassnahme zählen unter anderem eine Verwarnung, Entzug des Führerausweises oder Verkehrsunterricht.

Fazit

Wer sich an das Strassenverkehrsgesetz hält, schützt nicht nur das eigene Leben und das seiner Mitmenschen, sondern schont auch das Budget.