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Alkohol am Steuer: Beeinträchtigungen und drohende Strafen

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Bild: Thinkstock

Alkohol am Steuer beeinträchtigt das Fahrverhalten und wird in der Schweiz konsequent bestraft. Für Neulenker gilt seit 2014 sogar ein absolutes Alkoholverbot am Steuer.

Alkohol am Steuer ist eine der Hauptursachen für Verkehrsunfälle. Fahren unter Alkoholeinfluss sehen viele aber als Kavaliersdelikt an. Die Statistik zeigt, welches Risiko fehlbare Autofahrerinnen und -fahrer eingehen: 2019 kamen 21 Menschen wegen Unfällen unter Alkoholeinfluss ums Leben, 387 wurden dabei schwer verletzt (Quelle: ASTRA).

Nicht zu unterschätzen: Die Wirkung von Alkohol

Schon kleine Mengen Alkohol haben unmittelbare Auswirkungen und erhöhen das Unfallrisiko. Trinken Sie etwa Glühwein am Weihnachtsmarkt, hat selbst ein 90-Kilo-Mann beim zweiten Becher 0,5 Promille Alkohol im Blut. Zu viel, um noch fahren zu dürfen. Denn ab 0,5 Promille im Blut gelten Sie als fahruntüchtig.

Auswirkungen der Promille-Werte im Überblick

  • Ab 0,2 Promille sorgt Alkohol für erste Einschränkungen bei Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Reaktion. Die Risikobereitschaft steig, die Urteilsfähigkeit nimmt ab.
  • Ab 0,5 Promille beginnen erste Gleichgewichtsstörungen. Die Reaktionszeit steigt merklich. Die Einschätzung von Entfernungen sowie Nachtsicht verschlechtern sich.
  • Ab 1,0 Promille kommt es zu ersten Anzeichen von Verwirrtheit. Sprachstörungen treten auf. Das Sichtfeld verkleinert sich (Tunnelblick) und die Augen passen sich langsamer an Licht und Dunkelheit an.
  • Ab 1,6 Promille müssen Autolenker zur Fahreignungsuntersuchung. Dabei wird untersucht, ob jemand grundsätzlich noch geeignet ist, sich ans Steuer zu setzen. Das gilt auch bei Ersttätern.
  • Bei 2,0 bis 3,0 Promille treten Gedächtnislücken und Bewusstseinsstörungen auf. Sie riskieren eine akute Alkoholvergiftung mit Lähmung und sogar Atemstillstand.
  • Werte ab 4,0 Promille führen in der Regel zum Tod.

Gut zu wissen: Bei Frauen steigt der Blutalkoholgehalt schneller als bei Männern. Der Grund: Frauen weisen mehr Fett und einen geringeren Wasseranteil im Körper auf. Der Alkohol kann sich in weniger Wasser verteilen, womit auch die Alkoholkonzentration steigt. Da Frauen über geringere Mengen des alkoholabbauenden Enzyms ADH verfügen, bauen sie Alkohol auch langsamer ab als Männer. Im Schnitt kann der Körper pro Stunde rund 0,1 Promille abbauen. Beschleunigen lässt sich das nicht. Wer mit reichlich Promille ins Bett fällt, muss am Morgen mit hohen Blutalkohol-Werten rechnen.

So läuft eine Alkoholkontrolle ab

Seit 2016 wird Angetrunkenheit am Steuer nicht mehr mit einer Blutprobe, sondern mit einer Atem-Alkoholprobe überprüft. Die Grenze zur Fahruntüchtigkeit liegt neu bei 0,25 Milligramm Alkohol pro Liter Atemluft. Diese Zahl entspricht dem bisherigen Grenzwert von 0,5 Promille. Die Polizei darf jederzeit Atem-Alkoholkontrollen durchführen, selbst wenn kein konkreter Verdacht vorliegt. Blutproben hingegen darf die Polizei nur nehmen, falls sich die betroffene Person der Atemkontrolle verweigert oder die Durchführung aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist.

Gut zu Wissen: Messwerte ab 0,4 mg/l gelten vor Gericht als beweissicher. Glauben Sie der Messung trotzdem nicht, können Sie auf einer Blutprobe bestehen. Aber Vorsicht: Blutproben können Kosten von rund 400 Franken generieren!

  • Bei Werten unter 0,25 mg/l (= 0,5 Promille), darf der Fahrzeuglenkende weiterfahren. Achtung: Das gilt nicht für Personen, die dem Alkoholverbot unterstehen, wie etwa Neulenker.
  • Werte zwischen 0,25 mg/l und 0,39 mg/l (= zwischen 0,5 und 0,79 Promille) kann der oder die Getestete mit Unterschrift anerkennen. Tut er oder sie das nicht, kommt das Atem-Alkoholmessgerät ins Spiel. Die früher übliche Blutentnahme im Spital entfällt.
  • Liegt der Wert bei 0,4 mg/l oder mehr (= mehr als 0,8 Promille), führt die Polizei eine Atem-Alkoholprobe durch. Auch hier entfällt die bisher nötige Blutentnahme im Spital.

Fahren unter Alkoholeinfluss: Kein Kavaliersdelikt

Folgende Strafen und Massnahmen sieht das Gesetz vor:

  • 0,25 mg/l bis 0,39 mg/l bzw. 0,5 bis 0,79 Promille: Sofern keine weiteren Verkehrsregeln missachtet wurden, liegt eine sogenannte «leichte Widerhandlung» vor. Gebüsst wird mit einer hohen Geldbusse und Verwarnung. Wem in den zurückliegenden zwei Jahren bereits eine sogenannte Administrativmassnahme wie Führerausweisentzug auferlegt wurde, dem wird der Führerausweis für mindestens einen Monat entzogen.
  • Ab 0,4 mg/l bzw. 0,8 Promille: Hierbei handelt es sich um «Fahren in angetrunkenem Zustand», einer «schweren Widerhandlung». Bestraft werden Sie mit einer hohen Geldbusse oder Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren. Der Führerausweis wird Ihnen für mindestens drei Monate entzogen.
  • Wiederholtes Fahren unter Alkoholeinfluss: Der Führerausweis wird je nach Schwere des Vorfalls deutlich länger oder sogar unbefristet entzogen.

Übrigens: Wer mit einem Wert von 0,25 mg/l oder mehr ein Velo oder ein anderes motorloses Fahrzeug führt, muss ebenfalls mit einer Busse rechnen.

Wer unter Alkoholeinfluss einen Unfall verursacht, muss darüber hinaus mit weiteren Konsequenzen rechnen. Dazu kommen etwaige Regressforderungen der Haftpflicht- und Unfallversicherung. Je nach Schaden kann es dabei um sehr grosse Geldbeträge gehen und hohe Schulden können die Folge sein.

Alkoholverbot für Neulenker

Sind Sie Neulenker mit einem Führerausweis auf Probe, unterstehen Sie dem Alkoholverbot. Liegt bei Ihnen ein Wert von mindestens 0,05 mg/l oder 0,1 Promille vor, bekommen Sie zusätzlich zu den regulären Sanktionen folgende Strafen auferlegt:

  • Bei erstmaligem Führerausweisentzug verlängert sich die Probezeit um ein Jahr.
  • Bei Entzug des Führerausweises wegen einer zweiten Zuwiderhandlung verfällt der Führerausweis auf Probe. Ein neuer Ausweis lässt sich frühestens nach Ablauf eines Jahres mit einem verkehrspsychologischen Gutachten beantragen.

Leistungskürzungen bei Unfall unter Alkoholeinfluss

Verstossen Sie grobfahrlässig gegen die Verkehrsregeln und verursachen dabei einen Schaden, kann das zu Leistungskürzungen führen. Konkret: Die Autoversicherung kann die Kosten für den Schaden von Ihnen zurückverlangen (Rückgriffs- oder Regressrecht). Zu den grobfahrlässigen Verstössen gehört unter anderem auch Alkohol am Steuer.

Aufgepasst: Manche Autoversicherungen bieten gegen einen geringen Aufpreis einen Grobfahrlässigkeitsschutz an. Diese Versicherung garantiert, dass Schäden auch bei grobfahrlässig verursachten Unfällen gedeckt sind. Dieser Schutz gilt aber nicht bei Alkohol sowie Drogen am Steuer oder bei massiver Geschwindigkeitsübertretung!

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