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Wie werden Sie als Ausländer selbstständig in der Schweiz?

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| von Leo Hug |
Bild: iStock / gpointstudio

Personen aus der EU oder einem EFTA-Land profitieren in der Schweiz von der Personenfreizügigkeit. Ausländische Firmengründer aus anderen Staaten werden nur beschränkt zugelassen.

Bis zu maximal 90 Tagen in der Schweiz aktiv

Selbstständige Dienstleister aus der EU / EFTA unterliegen dem Meldeverfahren, sofern sie nicht länger als 90 Arbeitstage pro Jahr in der Schweiz tätig sind. Für die Aufnahme der Arbeit genügt eine Meldung mit einem Online-Formular in der Regel bis spätestens acht Tage vor Arbeitsbeginn.

Langfristige geschäftliche Tätigkeit in der Schweiz

Bei einer längerfristigen geschäftlichen Tätigkeit in der Schweiz müssen Staatsangehörige von EU und EFTA-Staaten bei einem kantonalen Migrationsamt ein Gesuch für eine selbstständige Tätigkeit stellen. Mit dem Nachweis einer selbstständigen Tätigkeit haben Sie Anspruch auf eine Aufenthalts- (EU- bzw. EFTA-Staaten) bzw. Niederlassungsbewilligung (alle anderen Staaten). Diese erhalten Sie nach erfolgter Anmeldung bei der Wohngemeinde.

Für das Betreiben einer Aktiengesellschaft oder eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) gilt dabei: Sie muss durch eine Person mit Wohnsitz in der Schweiz vertreten werden. Die Vertretung kann auch durch einen Verwaltungsrat oder Direktor erfolgen.

Wohnen Sie bereits in der Schweiz und haben sie eine B-EU/EFTA-Bewilligung? Dann dürfen Sie jederzeit eine selbstständige Tätigkeit aufnehmen. Sie müssen jedoch den Wechsel vom Angestelltenverhältnis zur Selbstständigkeit der zuständigen Einwohnerkontrolle melden.

Angehörige von Nicht-EU/EFTA-Staaten benötigen für eine selbstständige Tätigkeit eine Niederlassungsbewilligung C.

Verpflichtungen von Selbstständigerwerbenden

AHV/IV

Selbstständig erwerbende Einzelpersonen (d. h. ohne AG oder GmbH) müssen sich bei der AHV anmelden. Im Unterschied zu Angestellten bezahlen selbstständig Erwerbende ihre Sozialversicherungsbeträge vollständig selber. Sind Sie nur von einem einzigen Auftraggeber abhängig? Dann kann die AHV die Anerkennung als Selbstständiger verweigern.

Auflagen ab 100'000 Franken Umsatz

Selbstständige mit 100'000 Franken Umsatz und mehr sind mehrwertsteuerpflichtig. Selbstständige Einzelpersonen ohne AG oder GmbH benötigen ab 100'000 Franken Umsatz einen Eintrag als Einzelfirma im Handelsregister.

Versicherungen für Selbstständigerwerbende

In der Schweiz müssen selbstständig Erwerbende in den meisten Vorsorge- und Versicherungsfragen selbst entscheiden, wie sie mit diesem Risiko umgehen. Einzige Ausnahme sind AHV und Krankenversicherung.

AHV/IV

Selbstständige sind verpflichtet, sich bei der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) und der Invalidenversicherung (IV) zu versichern sowie Beiträge an die Erwerbsersatzordnung (EO) zu leisten. Die EO finanziert unter anderem Mutterschaftsentschädigungen und Erwerbsausfälle von Militärdienstleistenden.

Krankheit

Der zweite obligatorische Versicherungsbereich ist das Gesundheitswesen. Alle in der Schweiz wohnhaften Personen müssen eine Grundversicherung bei einer Krankenkasse abschliessen. Dabei können sie zwischen unterschiedlichen Krankenkassen wählen. In der Grundversicherung ist das Angebot bei allen Krankenkassen gleich. Die Prämien sind jedoch unterschiedlich. Ein vorgängiger Prämienvergleich lohnt sich.

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Unfallrisiko

Im Weiteren müssen selbstständig Erwerbende sich um das Unfallrisiko kümmern. Selbstständigerwerbende und ihre nicht obligatorisch versicherten mitarbeitenden Familienmitglieder können sich freiwillig gegen Unfälle versichern. Der Abschluss kann bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt SUVA oder einem privaten Unfallversicherer erfolgen. Mit diesen Versicherungspolicen werden nicht nur Spital- und Heilungskosten sondern auch ein Unfalltaggeld von 80 Prozent des versicherten Lohnes und im Invaliditätsfall eine lebenslange Invalidenrente abgedeckt.

Krankentaggeld

Bei Krankheit übernimmt die Grundversicherung der Krankenkasse zwar die Heilungskosten. Doch für Lohnfortzahlungen müssen sich Selbstständigerwerbende selbst organisieren. Den entsprechenden Versicherungsschutz bietet die Krankentaggeldversicherung. Sie stellt die Lohnfortzahlung von der Zeit des Ausbruchs der Krankheit bis zu den Zahlungen der Invalidenversicherung nach zwei Jahren sicher.

Haftpflichtversicherung

Selbstständig Erwerbende haften für Schäden aus ihrer Berufstätigkeit. Darum drängt sich eine Betriebshaftpflichtversicherung auf. Ergänzend dazu kann eine Betriebsrechtsschutzversicherung zur Abwehr von unberechtigten Forderungen abgeschlossen werden.

Sachversicherungen

Falls Sie für die Ausübung Ihrer Tätigkeit eigene Arbeitsräume brauchen, benötigen sie eine Versicherung zur Deckung von Diebstahl, Glasbruch oder von Feuer- und Wasserschäden. Schäden an Gebäuden oder Anlagen können zu Zwangspausen in der Produktion führen. Für solche Fälle kann der Abschluss einer Betriebsunterbrechungsversicherung erwogen werden.

Altersvorsorge

Selbstständige müssen selbst für ihre Finanzierung im Alter sorgen. Die AHV-Rente sichert nur die Existenz. Für die Fortführung der gewohnten Lebenshaltung benötigen Sie zusätzliche Vorsorgegelder. Als Selbstständigerwerbender können Sie sich freiwillig einer Vorsorgeeinrichtung der 2. Säule anschliessen, sofern Ihr Einkommen mindestens 21'330 Franken beträgt (Stand 2019). Als Alternative zur 2. Säule haben Sie die Möglichkeit, jährlich bis zu 20 Prozent Ihres Einkommens bzw. maximal 34'128 Franken (Stand 2019) in die steuerlich begünstigte gebundene Vorsorge 3a einzuzahlen.