Besonderheiten in der Schweiz

Wissenswertes zu Kantonen, Arbeit und Geld


Sie haben den Job in der Schweiz? Lesen Sie hier, welche Sozialleistungen Ihnen zustehen, wie Sie zu einem Schweizer Bankkonto kommen, wieso Sie Quellensteuer zahlen müssen und was es mit dem «Kantönligeist» auf sich hat.

Die Kantone und ihre Unterschiede


 

Der Föderalismus ist eines der Grundprinzipien des 1848 gegründeten Schweizer Bundesstaates. Deshalb sind die 26 Gliedstaaten der Schweiz – die sogenannten Kantone – sehr souverän. So hat jeder Kanton eine eigene Verfassung und eigene Behörden. Kantone sind vergleichbar mit den Bundesländern in Deutschland.

Das Ausmass ihrer Unabhängigkeit vom Staat und der behördlichen, gesetzlichen, preislichen und nicht zuletzt auch der kulturellen Unterschiede dürfte aber viele Zuwanderer überraschen. Der überall erkennbare und teilweise bis ad absurdum geführte Föderalismus sowie auch die Einstellung der Kantonsbewohner zueinander bezeichnen die Schweizer gerne als «Kantönligeist».

 

Jeder Kanton oder jede Kantonsregion pflegt übrigens einen eigenen Dialekt zu sprechen. Gewöhnen Sie sich daran und machen Sie sich beliebt, indem sie sie voneinander unterscheiden können. Ausgedehnte Diskussionen über die Dialekte gehören zu einem gemütlichen interkulturellen Schweizer Abend dazu.

 

Es gibt noch weitere kantonale Unterschiede. Achten Sie unter anderem auf folgende Faktoren bei der Wahl Ihres neuen Wohnorts:

 

  • Höhe der Steuer, bzw. Quellensteuer
  • Höhe der Krankenkassenprämien
  • Lebenshaltungskosten, insbesondere Höhe der Wohnungsmieten
  • Bestimmungen für Einfuhr von Kampfhunden

 

 Kantone und Sprachregionen der Schweiz

Zu erwartende Leistungen des Arbeitgebers


 

Diese 4 Sozialleistungen dürfen Sie von Ihrem Arbeitgeber erwarten, weil gesetzlich vorgeschrieben:


  • Bezahlte Ferientage (mind. 4 Wochen)
  • Bezahlte Feiertage (unterscheidet sich von Kanton zu Kanton)
  • Bezahlte Krankheitstage
  • Familienzulagen

Nicht gesetzlich vorgeschrieben ist der 13. Monatslohn.


Grundsätzlich geniesst jeder Arbeitnehmer in der Schweiz einen guten Versicherungsschutz. Wer zum Beispiel in der Schweiz mehr als 8 Stunden pro Woche bei einem einzigen Arbeitgeber angestellt ist, wird von diesem automatisch gegen Unfall versichert (UVG-versichert). Der Arbeitgeber kann zudem seine Arbeitnehmer freiwillig gegen Krankheitsausfall versichern. Die Lohnzahlung bei Krankheit ist im Normalfall nur während einigen Wochen geschuldet, weshalb viele Gesamtarbeitsverträge den Abschluss einer Taggeldversicherung vorschreiben.


Zusätzliche Sozialleistungen, die der Arbeitgeber an Versicherungen abgibt und die vom Lohn abgezogen werden sind:

  • Alters- und Invalidenvorsorge AHV/IV/EO; entspricht 5,15 Prozent des Lohnes
  • Arbeitslosenversicherung ALV; entspricht 1,1 Prozent des Lohnes
  • Berufliche Altersvorsorge BVG; je nach Alter und Geschlecht zwischen 7 und 18 Prozent des Lohnes

Der Schweizer Lohnausweis

Das berühmte Schweizer Bankkonto



Jede volljährige Person kann ein Bankkonto eröffnen. Am besten eignet sich dafür ein persönliches Treffen mit dem Kundenberater einer Bank. Werfen Sie vorher einen Blick auf die Zinsen und Konditionen der Banken.

 

Das Eröffnen eines Schweizer Bankkontos nur über das Internet ist aus rechtlichen Gründen (noch) nicht möglich. Zum Termin mitnehmen sollten Sie:

  • Amtlicher Ausweis: Die Bank muss die Identität des Kunden überprüfen
  • Nachweis der Herkunft Ihres Vermögens: Aufgrund der Bekämpfung von Geldwäscherei ist jede Bank verpflichtet, die Herkunft der Gelder des Antragstellers abzuklären. Bei zweifelhafter Herkunft behält sich jede Bank das Recht vor, einen Kunden abzulehnen.

 

Gut zu wissen:

Anders als in Deutschland, gibt es in der Schweiz keine automatischen Dispositionskredite. Sie können mit der Bank einen Dispokredit vereinbaren. Dieser lohnt sich in der Regel jedoch nur, wenn Sie Ihr Konto kurzfristig überziehen müssen.

 

Das Besondere an einem Schweizer Bankkonto ist nach wie vor das «Bankgeheimnis». Das heisst: Banken dürfen ohne gerichtliche Anweisung keine Auskünfte über Bankkunden geben.

Quellensteuer



Alle ausländischen Arbeitskräfte, die keine Niederlassungsbewilligung C besitzen, sind quellensteuerpflichtig. Das heisst, ihre Abgaben an Bund, Kantone und Gemeinden werden direkt vom Arbeitgeber vom Lohn abzogen und an die Steuerverwaltung überwiesen. Dieser Betrag ist je nach Kanton unterschiedlich hoch. Inhaber der Bewilligung C müssen jedoch eine eigene Steuererklärung ausfüllen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV).

Mit dem Quellensteuer-Rechner von comparis.ch können Sie zudem online Ihren jeweiligen Steuersatz ganz einfach ausrechnen und die Kantone schweizweit vergleichen.

 

Gut zu wissen:

Auch Quellensteuer kann zurückgefordert werden. Die Art der Abzüge sowie deren Höhe unterscheiden sich von Kanton zu Kanton. Erkundigen Sie sich also am besten bei Ihrer jeweiligen Steuerbehörde. Absetzbar können zum Beispiel Weiterbildungen, Vorsorge, Unterhaltsleistungen oder Spenden sein.

Altersvorsorge



Die Altersvorsorge besteht aus dem sogenannten 3-Säulen-System:


1. Säule – Staatliche Vorsorge

  • Die erste Säule sichert die Existenz im Alter und muss von allen einbezahlt werden.
  • Sie wird direkt vom Lohn abgezogen (6,25 Prozent). Sie umfasst die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), die Invalidenversicherung (IV) sowie allfällige Ergänzungsleistungen (EL).

2. Säule – Berufliche Vorsorge
  • Obligatorisch für alle, die einen Job haben.
  • Sie sichert  – als Ergänzung zur ersten Säule – die Lebenshaltungskosten.
  • Sie wird auch direkt vom Lohn abgezogen (7 bis 18 Prozent, je nach Alter und Geschlecht).
  • Auch bekannt als «BVG» oder umgangssprachlich «Pensionskasse».

3. Säule – Private Vorsorge
  • Mit privaten Ersparnissen können Sie freiwillig Ihre Rente aufbessern, sie ergänzt die erste und zweite Säule.
  • Man unterscheidet zwischen der Säule 3a, der sogenannten «gebundenen Vorsorge» und der Säule 3b, der «freien Vorsorge».

Gut zu wissen:

In die Säule 3a einzuzahlen bringt steuerliche Vorteile, da Sie diese Einzahlungen von Ihrem jährlichen Einkommen abziehen können. comparis.ch bietet einen Vergleich von Säule-3a-Konten an.

Arbeitsbewilligung


 

Zuwanderer aus EU- / EFTA-Staaten brauchen keine Arbeitsbewilligung. Es gibt Ausnahmen: Übergangsbestimmungen gelten für potenzielle Arbeitnehmer aus Bulgarien, Rumänien und Kroatien.

Aus Drittstaaten werden eingeschränkt gut qualifizierte Arbeitskräfte zugelassen.

 

Weitere Informationen zu den Übergangsbestimmungen für neue EU-Bürger, den Bedingungen für Drittstaaten-Angehörige und den zuständigen Migrationsbehörden finden Sie auf der Homepage des Eidgenössischen Staatssekretariats für Migration (SEM).

Aufenthaltsbewilligung


 

EU- und EFTA-Bürger haben einen Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung, sofern sie in der Schweiz arbeiten und einen Arbeitsvertrag haben. Häufig regelt der Arbeitgeber die dafür erforderlichen Formalitäten. Für Zuwanderer aus Bulgarien, Rumänien und Kroatien gelten noch Übergangsbestimmungen. Es gibt unterschiedliche Arten der Aufenthaltsbewilligung:

  • L-Bewilligung: Kurzaufenthaltsbewilligung, bis zu einem Jahr gültig
  • B-Bewilligung: Aufenthaltsbewilligung, bis zu fünf Jahren gültig
  • C-Bewilligung: Niederlassungsbewilligung, unbeschränkt gültig

 

Mehr Informationen zu den Bewilligungen und Bestimmungen für Drittstaaten-Angehörige finden Sie auf der Homepage des Eidgenössischen Staatssekretariats für Migration (SEM).

 

Gut zu wissen:

Ausländer können sich 3 Monate als Tourist in der Schweiz ohne spezielle Genehmigung bewegen. Im Normalfall können sie als Stellensuchende nach Ablauf dieser 3 Monate eine L-Bewilligung beantragen, sie haben allerdings keinen Anspruch auf Sozialversicherung.



Der Lohnausweis ist ein gesamtschweizerisch gültiges Formular in Deutsch, Französisch und Italienisch. Es bescheinigt sämtlicher Lohnbestandteile und Spesen. Der gleiche Lohnausweis wird auch als Rentenbescheinigung genutzt. Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet, dem Arbeitnehmer Ende des Jahres einen Lohnausweis auszustellen.


Bei quellensteuerpflichtigen Arbeitnehmern wird die Quellensteuer unter Punkt 12 auf dem Lohnausweis vermerkt. Damit Sie keine Mühe haben, Ihren Lohnausweis zu interpretieren, sind nachfolgend die wichtigsten Ziffern kurz erklärt:


  • 1. Lohn / Rente: Sämtliche Leistungen des Arbeitgebers, soweit sie nicht separat unter einer der Ziffern 2 bis 7 aufgeführt werden
  • 8. Bruttolohn total / Rente: Das Total der Einkünfte gemäss den Ziffern 1 bis 7 vor Abzug der Sozialversicherungsbeiträge, Quellensteuern usw.
  • 9. Beiträge AHV/IV/EO/ALV/NBUV: Genauer Betrag der Abzüge für Sozialleistungen wie AHV (Alters- und Hinterlassenenversicherung), IV (Invalidenversicherung) oder ALV (Obligatorische Arbeitslosenversicherung)
  • 10. Berufliche Vorsorge: Abgezogener Beitrag an steuerbefreite Einrichtungen der kollektiven beruflichen Vorsorge (2. Säule)
  • 11. Nettolohn: Massgebender Nettolohn, der ermittelt wird, indem vom Bruttolohn (Ziffer 8) das Total der Abzüge (Ziffer 9 und 10) abgezogen wird.
  • 13. Spesenvergütung: Vom Arbeitgeber ausgerichtete Entschädigungen für Auslagen, die dem Arbeitnehmer im Rahmen seiner dienstlichen Tätigkeit, zum Beispiel auf Geschäftsreisen, entstanden sind und nicht Bestandteil des Bruttolohnes sind.

Eine detaillierte Beschreibung aller Ziffern finden Sie in der Wegleitung zum Ausfüllen des Lohnausweises der Schweizerischen Steuerkonferenz (SSK) und der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV):