Steuern

Steuererklärung 2019: Wo lohnt sich frühes Steuerzahlen?

ANALYSE
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Vergleichen lohnt sich: Gibt es bei der Bank oder beim Kanton bzw. beim Bund mehr Zinsen? Bild: iStock / kupicoo

Steuern früh begleichen kann sich lohnen – denn einige kantonale Steuerverwaltungen zahlen höhere Zinsen als die Banken. Im tiefen Zinsumfeld rechnet es sich kaum, Geld auf dem Banksparkonto zu horten.

Alle Jahre wieder und für viele ein Graus – die Steuerrechnung. Doch gerade in Corona-Zeiten kann es sich lohnen, die Steuern frühzeitig zu überweisen. Und wer knapp bei Kasse ist, muss in den meisten Kantonen keine Verzugszinsen fürchten.

Kantone verzichten auf Verzugszins wegen Corona-Krise

Durch die Corona-Krise sind viele Arbeitnehmende von Kurzarbeit betroffen. Das bedeutet ein geringeres Einkommen und schwindende Sparmöglichkeiten. Grosse Ausgabenposten wie etwa die Begleichung der Steuerrechnung belasten die Haushaltskasse zusätzlich. Um die Steuerzahler zu entlasten, verzichten viele Kantone und der Bund auf die Verzugszinsen bis Ende 2020.

Sie finden eine genaue Auflistung der Zinsen für Vorauszahlung und die Verzugszinsen der einzelnen Kantone in der folgenden Tabelle:

Kanton Zins für Vorauszahlung Verzugszins
Aargau 0,100% 0,000% bis Ende 2020
Appenzell Ausserrhoden 0,500% 0,000% bis Ende Schlussabrechnung 2020
Appenzell Innerrhoden 1,000% 4,500%
Basel-Landschaft 0,200% 0,000% bis Ende 2020
Basel-Stadt 0,100% 3,500%
Bern 0,500% 0,000% bis Ende 2020
Freiburg 0,000% 3,000%
Genf 0,100% 0,000% bis Ende 2020
Glarus* 0,000% 0,000% bis Ende 2020
Graubünden 0,000% 0,000% bis Ende 2020
Jura 0,000% 1.1.20 - 29.02.20 5,000%; 1.3.20 - 31.08.20 0,000%; 1.9.20 - 31.12.20 5,000%
Luzern 0,000% 0,000% bis Ende 2020
Neuenburg 0,000% 0,000% bis Ende Juni
Nidwalden 0,000% 0,000% bis Ende 2020
Obwalden 0,100% 0,000% bis Ende Schlussabrechnung 2020
Schaffhausen 0,100% 0,000% bis Ende 2020
Schwyz** 0,000% 0,000% bis Ende 2020
Solothurn 0,000% 0,000% bis Ende 2020
St. Gallen 0,250% 4,000%
Tessin 0,100% 0,000% bis Ende 2020
Thurgau 0,200% 3,000%, Erlass der Verzugszinsen im Einzelfall
Uri 0,250% 0,000% bis Ende 2020
Waadt 0,000% 0,000% bis Ende 2020
Wallis 0,000% 0,000% bis Ende 2020
Zug 0,000% 0,000% bis Ende 2020
Zürich 0,250% 0,250% bis Ende 2020
Direkte Bundessteuer 0,000% 0,000% bis Ende 2020

*Es wird ein Skonto von 0,25 Prozent für Steuerzahlungen bis zum 30. Juni 2020 gewährt.

**Es wird ein Skonto von 0,5% für Steuerzahlungen bis zum 30. Juni 2020 gewährt.

Beispiel: Halten Sie 10'000 Franken auf einem Sparkonto, bekommen Sie etwa einen Zins von 0,05 Prozent gutgeschrieben. Dies entspricht 5 Franken. Was Sie auf ein reguläres Sparkonto bei den grössten Schweizer Banken als Zinsen erhalten, sehen Sie in dieser Tabelle:

Zinsen von regulären Sparkonti der grössten Banken

Bank Zinssatz
Credit Suisse 0,010%
Migros Bank 0,010%
Postfinance 0,025%
Raiffeisen 0,050%
UBS 0,000%
Valiant 0,010%
Zürcher Kantonalbank 0,010%

Meist höhere Zinsen bei Steuerverwaltungen

Steuerverwaltungen zahlen teils deutlich mehr Vergütungszins als die Banken.

Beispiel: Im Kanton Bern können Sie wieder von einem Zinssatz von 0,5 Prozent (Stand: 2020) profitieren, wenn Sie die Steuern frühzeitig einzahlen. Keine der oben genannten Banken gewähren so viel Zins.

Über die Jahre haben die Steuerverwaltungen ihre Vergütungszinsen aber nach unten angepasst, um sich gegen zu hohe Vorauszahlungen zu schützen. Denn auch ihre Konten werden mit einem Negativzins belastet. Gab es früher noch Zinsen von bis zu zwei Prozent, sind einige Kantone wie zum Beispiel Luzern bereits bei der Nullgrenze angelangt. Es lohnt sich deshalb, die Regelungen zu den Zinsen für Vorauszahlungen genau anzuschauen, bevor man etwas zahlt.

Welche Zinsen gibt es bei Steuern?

Grundsätzlich gibt es drei Zinsarten in Verbindung mit der Steuerrechnung.

Verzugszins

Sowohl auf Stufe Bund als auch auf Stufe Kanton werden nach Ablauf der Zahlungsfrist Verzugszinsen belastet. Der Verzugszins greift, wenn das Geld 30 Tage nach Erhalt der definitiven Steuerrechnung nicht bei der Steuerverwaltung eingetroffen ist. Für das Steuerjahr 2020 haben diverse Kantone aufgrund der wirtschaftlich angespannten Situation den Verzugszins auf Null gesetzt oder stark reduziert (siehe Tabelle, oben). Dabei handelt es sich aber um eine temporäre Massnahme.

Ausgleichszins

Die Mehrheit der Kantone verwendet zudem den sogenannten Ausgleichszins. Der kann positiv oder negativ sein. Dazu ein Beispiel: Angenommen die provisorische Steuerrechnung für das laufende Jahr beträgt 10’000 Franken. Sie begleichen die Rechnung bis Ende September. Beträgt die definitive Steuerrechnung bloss 8’000 Franken, wird die Differenz zu Ihren Gunsten verzinst, und zwar von Ende September bis zum Erhalt der definitiven Steuerrechnung. Ist die definitive Steuerrechnung höher, beispielsweise 12’000 Franken, wird die Differenz zu Ihren Lasten verzinst.

Vergütungszins

Der Erhalt der provisorischen Steuerrechnung ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Gewisse schicken die provisorische Steuerrechnung bereits im Januar, andere erst im Juni. Sie können den ungefähren Steuerbetrag aber bereits Anfang Jahr einzahlen. Das Steueramt verzinst den eingezahlten Betrag bis Ende September. Aufgepasst: Sie können nicht beliebig viel im Voraus einzahlen. Das Steueramt retourniert zu hohe Beträge umgehend.