Vorsorge

Frühpensionierung: (So) Kann ich mir das leisten?!

TIPPS
|
Von einer Frühpensionierung mit Reisen, Erholung und Spass träumen die meisten. Nur wenige können sich aber diesen Luxus leisten. Bild: iStock.com/Jacob Ammentorp Lund

Nach einem langen Arbeitsleben träumen viele Berufstätige von der Rente mit 58. Doch nur wer seine Finanzen rechtzeitig auf Kurs bringt, kann sich diesen Traum erfüllen. Comparis erklärt, wie man sich auf einen sorglosen Vorruhestand vorbereitet.

Reisen statt rackern, Spass mit den Enkeln statt Stress mit dem Chef: Jeder dritte berufstätige Schweizer träumt davon, ein paar Jahre früher aus dem Hamsterrad auszusteigen. Das ordentliche Rentenalter beginnt in der Schweiz für Frauen mit 64 und für Männer mit 65 Jahren. Schon beim regulären Renteneintritt kommt es aufgrund gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklungen zu bedenklichen Vorsorgelücken. Wer sich eher – frühestens nach Vollendung des 58. Lebensjahres – pensionieren lassen möchte, muss umso besser vorsorgen. Die finanziellen Folgen sind gravierend.

Frühpension: Weniger Rente, höhere AHV-Beiträge

So reizvoll die Vorstellung auch sein mag: Eine Frühpensionierung ist kostspielig, weil... 

  • das bisherige Einkommen wegfällt;
  • das Einkommen bei der Berechnung der AHV- und der Pensionskassenrente fehlt;
  • das eingezahlte Kapital bei einem früheren Ausstieg länger reichen muss.

Die Folge: Die Rente ist bei einer Frühpensionierung deutlich geringer als bei einem regulären Start in den Ruhestand. Die AHV-Rente (frühestens zwei Jahre vor dem regulären Pensionsalter möglich) reduziert sich um 6,8 Prozent pro Jahr. Bei der Pensionskasse ist es ähnlich viel.

Doch nicht nur das. Die AHV-Beiträge müssen bis zum Erreichen des ordentlichen Pensionierungsalters gezahlt werden, dies auf Basis des Vermögens sowie des 20-fachen des jährlichen Renteneinkommens. Das kann ordentlich ins Geld gehen (zwischen rund 500 und 24'000 Franken). Wollen Frührentner ihren gewohnten Lebensstandard halten, hilft nur eins: frühzeitiges und systematisches Sparen. 

Rechtzeitig über die Bücher gehen

Spätestens mit rund 50 Jahren sollte man die eigene Vermögens- und Einkommenssituation unter die Lupe nehmen. Der zu erwartenden Rente (v.a. AHV und Pensionskasse) sollte man die geschätzten Ausgaben im Rentenalter gegenüberstellen. Dazu erstellt man am besten ein Budget für die Zeit als Rentner. Dieses sollte auch veränderte Lebenshaltungskosten wie z.B. den Wegfall des Arbeitsweges, eine kleinere Wohnung aber auch höhere Reise- und Gesundheitskosten berücksichtigen.

Viele unterschätzen das erforderliche finanzielle Polster. Liegen die Ausgaben nach der Pensionierung z.B. monatlich 2'000 Franken über den Einnahmen? Dann benötigen Sie bei einer Rendite von einem Prozent und einer Restlebenserwartung von 20 Jahren rund 400'000 Franken extra! Eine derartige Summe in der verbleibenden Zeit anzusparen ist für viele Gehaltsstufen kaum realistisch. Um als Früh- oder auch Teilpensionär (siehe letzter Abschnitt) seine Rente zumindest teilweise aufzubessern, gibt es verschiedene Optionen.

Rentenlöcher rechtzeitig stopfen: So geht’s

Einkauf in die Pensionskasse

Eine gute Möglichkeit, das Altersguthaben zu erhöhen, sind freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse (auch berufliche Vorsorge oder 2. Säule). Diese dürfen direkt vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Auch auf die Erträge entfallen während der Sparphase keine Steuern. Am besten ist es, wenn man die Einzahlungen in die PK über mehrere Jahre verteilt. Die Auszahlung ist frühestens mit 58 möglich (Details dazu siehe PK-Reglement). Sie erfolgt je nach Wunsch des Versicherten entweder einmalig oder über eine lebenslange Rente. Beides hat Vor- und Nachteile.

Tipp 1: Rente oder Kapital? Der einmalige Bezug des Kapitals ist auf lange Sicht interessanter, weil das PK-Kapital tiefer besteuert wird. Ausserdem geht der nicht verbrauchte Teil im Todesfall an Ihre Kinder. Die lebenslange Rente unterliegt dagegen zu 100 Prozent der Einkommenssteuer. Der überlebende Ehepartner erhält davon aber nur 60 Prozent, Ihre Nachkommen gehen leer aus. Das wiederum spricht für den Kapitalbezug. Allerdings: Da man das Geld selber anlegen muss, ist er risikoreicher als die Rente. Je nach Pensionskasse und persönlichen Bedürfnissen lassen sich auch beide Varianten kombinieren.

Tipp 2: Vorbezug kostet. Frühpensionäre müssen damit rechnen, bei der Pensionskasse einen niedrigeren Umwandlungssatz zu erhalten. Hierbei geht es um den Prozentsatz des in der PK angesparten Vermögens, der einem Versicherten nach der Pensionierung pro Jahr ausbezahlt wird. Beispiel: Ein Guthaben von 100'000 Franken ergibt beim aktuellen Umwandlungssatz von 6,8 Prozent eine Rente von 6'800 Franken pro Jahr. Als Faustregel gilt: Jedes Vorbezugsjahr verringert den Umwandlungssatz um 0,2 Prozentpunkte. Zukünftige Frührentner sollten hier genau nachfragen, mit welcher Rente sie bei welchem Pensionseintritt rechnen können.

Säule 3a: Weniger Steuern, höhere Zinsen

Um ihre Vorsorgelücke aus der 1. und 2. Säule (AHV und Pensionskasse) zu schliessen, können Erwerbstätige in die Säule 3a investieren. Dazu zahlen sie pro Jahr einen bestimmten Betrag auf das Vorsorgekonto 3a bei einer Bank oder Versicherung ein. Vorteil: 3a-Gelder dürfen vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden.

Früh anfangen lohnt sich: So profitieren Sie auch vom Zinseszinseffekt. Angestellte dürfen bis zu 6'768 Franken pro Jahr einzahlen, Selbstständigerwerbende maximal 20 Prozent des jährlichen Einkommens, resp. bis zu 33'840 Franken pro Jahr. (Stand: 2018)

Man spricht bei der Säule 3a auch von der gebundenen Vorsorge, da das Kapital bis zur Pensionierung nicht verwendet werden darf (Ausnahmen u.a. beim Erwerb von selbstbewohntem Wohneigentum, Wegzug aus der Schweiz oder Wechsel in die selbstständige Erwerbstätigkeit). Sie dürfen hier also nur frei verfügbare Mittel einzahlen, die sie längerfristig nicht benötigen.

Tipp 3: Bei 3a-Konten erhält man einen höheren Zinssatz als auf einem üblichen Sparkonto (siehe 3.-Säule-Produkte von Versicherungen und Banken). Doch aufgepasst: Die Banken verzinsen die 3a-Konten unterschiedlich hoch. Ein halbes Prozent mehr oder weniger Zins kann über ein Arbeitsleben je nach Zinsniveau mehr als 40'000 Franken Unterschied ausmachen. Wer sparen will, sollte unbedingt die 3a-Zinsen unter die Lupe nehmen.

Tipp 4: Ein 3a-Konto lässt sich nur gesamthaft auflösen. Weil die Auszahlung je nach Höhe des Kapitals progressiv besteuert wird, lohnt es sich, mehrere 3a-Konten einzurichten. Sinnvoll sind bis zu fünf 3a-Konten, die man ab Alter 59 (Frauen) bzw. 60 (Männer) gestaffelt über fünf Jahre auflösen kann. Frührentner können so ihre Einkommenslücke füllen und dabei noch Tausende von Franken an Steuern sparen.

Gut zu wissen: Weit über 110 Mrd. Franken haben Schweizer in der dritten Säule angespart. Das sind mehr als 10 Prozent aller Beiträge im Schweizer Vorsorgesystem.

Freier Vermögensaufbau

Alternativ oder auch ergänzend zur 2. oder 3. Säule können zukünftige Frührentner natürlich auch ungebundenes Vermögen aufbauen. Hierfür eignen sich je nach Zinsumfeld z.B. Sparkonten, Wertschriften (z.B. gebührensparende Indexfonds) oder eine steuerlich vorteilhafte Einmaleinlage bei einer Versicherung. Hier gilt es, möglichst frühzeitig einen monatlichen Sparbetrag festzusetzen, diszipliniert einzuzahlen und möglichst nicht anzutasten. Vorteil: Wer genügend Vermögen gespart hat, braucht für die Finanzierung der Frühpensionierung AHV, Pensionskasse oder die Auszahlung der Säule 3a nicht vorzuziehen.

Einkommenslücken ersetzen

Wer nicht ausreichend für die Frühpensionierung vorgesorgt hat, dem bleibt nur, das fehlende Einkommen zu ersetzen. Einige Arbeitgeber lindern finanzielle Einbussen durch Überbrückungsrenten oder Abgangsentschädigungen. Fragen Sie hier rechtzeitig nach.

Je nach aktuellem Zinsumfeld kann auch die Aufstockung der Hypothek eine Option sein, um allfällige Finanzlücken zu füllen. Die Belehnung darf bei der Pensionierung allerdings nicht mehr als 65 Prozent und auch nicht mehr als ein Drittel des Einkommens als Rentner bei einem angenommenen Hypothekarzins von 5 Prozent betragen. 

Gute Alternative: Teilpensionierung

Trotz grösster Disziplin ist es nicht immer möglich, den nötigen finanziellen Puffer für eine sorglose Frühpensionierung anzusparen. Eine realistischere Variante auch für mittlere Einkommen ist dagegen die Teilpensionierung. Sie kann entweder in einem oder mehreren Schritten erfolgen. 

Die Vorteile:

  • Auch ein z.B. halbes Einkommen reicht in der Regel noch aus, die AHV-Beiträge zu zahlen.
  • Der teure AHV-Vorbezug ist meist unnötig, da Arbeitseinkommen und PK-Rente für den Lebensunterhalt reichen.
  • Teilpensionäre können ihre eigenen AHV-Beiträge senken und den Lebenspartner von der Beitragspflicht entbinden.

Wer mag und dazu in der Lage ist, kann auch früher in Teilzeit gehen, dann aber über das 65. Lebensjahr hinaus arbeiten. Etliche grosse Firmen in der Schweiz fördern diese Form der Teilzeitbeschäftigung. Erkundigen Sie sich rechtzeitig bei Ihrem Arbeitgeber.