Vorsorge

Was tun, wenn ich kurz vor der Pensionierung den Job verliere?

TIPPS
| von Leo Hug |
Bild: iStock / elenaleonova

Den Job kurz vor der Pensionierung zu verlieren, kann einschneidende Auswirkungen auf die persönliche Vorsorge haben. Mit einer umsichtigen Planung können die Folgen zumindest teilweise abgefedert werden.

Es schmerzt, wenn auf der Zielgeraden zur Pensionierung die Kündigung ins Haus flattert. Eine klare Auslegeordnung erleichtert es dir, die möglichen Massnahmen zu ergreifen:

1. War die Kündigung rechtens?

Überprüfe, ob deine Entlassung rechtens war. Eine Kündigung allein aufgrund des Alters wäre missbräuchlich. Erfolgt die Kündigung aus anderen Gründen, sind die Arbeitgeber bei älteren Mitarbeitern - wozu in der Regel alle Angestellten ab 55 Jahren zählen - einer erhöhten Fürsorgepflicht unterstellt. Liegt ein Missbrauch vor, kannst du eine Entschädigung von maximal einem halben Jahreslohn fordern. Für die Durchsetzung dieser Forderung musst du spätestens 180 Tage nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses beim Gericht Klage einreichen und dort beweisen, dass ein Missbrauch vorliegt.

2. Welche Form von Abgangsentschädigung?

Bei Unternehmens-Restrukturierungen erhalten ältere Mitarbeiter oft Abgangsentschädigungen, um den vorzeitigen Berufsausstieg finanziell abzufedern. Das kann ein Beitrag in die Pensionskasse oder eine Abgangsentschädigung in bar sein. Eine Abfindung in bar ist steuerlich weniger interessant als ein Pensionskassenbeitrag.

3. Arbeitslosengeld beanspruchen!

Ab dem 55. Altersjahr hast du bei Stellenverlust Anspruch auf maximal 520 Taggelder aus der Arbeitslosenkasse. Das entspricht zwei Jahren. Um Arbeitslosengeld zu erhalten, musst du dich sofort beim zuständigen Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) melden. Über deine weiteren Pflichten informiert dich das zuständige RAV.

4. Vorbezug der AHV-Rente?

Die AHV-Altersrente kann bereits zwei Jahre vor dem ordentlichen Pensionsalter bezogen werden. Also Frauen ab 62 und Männer ab 63 Jahren. Der Vorbezug ist allerdings mit einer lebenslänglichen Rentenkürzung von 6,8 Prozent je vorbezogenem AHV-Rentenjahr verbunden. Zudem müssen bis zum Erreichen des ordentlichen Rentenalters weiterhin AHV-Beiträge einbezahlt werden. Diese berechnen sich nach Vermögen und dem 20-fachen jährlichen Renteneinkommen.

5. Pensionskassenguthaben als Rente oder Kapital beziehen?

Überlege, was mit deinem Pensionskassenguthaben geschehen soll. In den meisten Pensionskassen liegt das frühestmögliche Pensionierungsalter bei 58 oder 60 Jahren. Bist du schon älter, ist eine vorzeitige Pensionierung möglich. Dann hast du die Wahl zwischen einer Rente, Kapitalbezug oder einer Kombination davon. Bei vorbezogener PK-Leistung musst du aber mit einer Kürzung des Arbeitslosengeldes rechnen.

6. Vorsorgevermögen auf Freizügigkeitskonto überweisen?

Willst du das volle Arbeitslosengeld beziehen, musst du das Pensionskassenguthaben auf ein oder zwei Freizügigkeitskonten überweisen lassen. Dieses Geld kannst du bei einer Neueinstellung in die dortige Pensionskasse einbringen. Andernfalls musst du es als Kapital beziehen. Der Bezug aus Freizügigkeitsstiftungen muss spätestens fünf Jahre nach Erreichen des ordentlichen Pensionierungsalters erfolgen. Freizügigkeitsstiftungen zahlen keine Renten aus.

7. Sicherung einer späteren Rente durch die Stiftung Auffangseinrichtung BVG?

Eine Alternative zu den Freizügigkeitskonten ist die direkte Überweisung des Pensionskassenguthabens in die Stiftung Auffangeinrichtung BVG. Dort kannst du auch ohne Anstellung weiter Beiträge an die berufliche Vorsorge leisten und das Geld später auch in Form einer Rente beziehen. Die Einzahlung in die Auffangeinrichtung muss innert drei Monaten nach dem Ausscheiden aus der bisherigen Pensionskasse erfolgen.

Wer die Stelle kurz vor dem ordentlichen Pensionierungsalter verliert, muss unterschiedliche Vorsorgelemente schnell neu sortieren. Ihre gegenseitige Abstimmung ist komplex. Hinzu kommen nicht institutionelle Faktoren wie die private Vermögenslage, steuerliche Erwägungen, die Lebenserwartung oder der Altersunterschied zum Ehepartner, die ebenfalls zu berücksichtigen sind. Darum empfiehlt sich in dieser heiklen Situation der Beizug einer unabhängigen Beratung.

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