Recht & Gesetz

Waren im Ausland bestellen: Welche Zollgebühren kommen auf mich zu?

INFO
|
Teure Überraschung, wenn das Paket aus dem Ausland eintrifft. Bild: iStock / alvarez

Die Corona-Krise macht das Online-Shopping im Ausland verlockender. Doch undurchsichtige Zollgebühren machen das Schnäppchen-Paket schnell zur Kostenfalle.

Man muss nicht das Haus verlassen und es ist günstig: Waren im Ausland online bestellen und per Post in die Schweiz schicken lassen. Aber beim Päckli-Import sollten Konsumenten genauer hinschauen. Es können nämlich Zoll- und Bearbeitungsgebühren für die Zollabfertigung anfallen, da grundsätzlich jede Sendung aus dem Ausland zoll- und mehrwertsteuerpflichtig ist – so wird das vermeintliche Schnäppchen plötzlich teurer als gedacht.

Welche Zusatzgebühren können bei einem Paket aus dem Ausland anfallen?

  • Schweizer Mehrwertsteuer
  • Zollgebühren
  • Bearbeitungsgebühren für die Zollabfertigung durch Post und Spediteure

Wann bezahle ich keine Zollgebühren?

Keine Zoll- und Mehrwertsteuerbeträge werden fällig, wenn der zu bezahlende Betrag unter 5 Franken pro Zolldeklaration liegt, wobei Zoll- und Mehrwertsteuerabgaben separat zu betrachten sind. Ausserdem sind Geschenksendungen von Privatpersonen, die im Ausland leben, an Privatpersonen in der Schweiz bis zu einem Warenwert von 100 Franken abgabefrei.

Wann muss ich Zollgebühren bezahlen?

In folgenden Fällen werden Zollgebühren fällig:

Wert über 65 Franken

Liegt der Warenwert bei 65 Franken oder mehr, beträgt der berechnete Betrag bei einem Mehrwertsteuersatz von 7,7 Prozent mehr als 5 Franken – d.h. Zollgebühren werden fällig.

Bücher im Wert von mindestens 200 Franken

Bei Büchern werden Zollgebühren aufgrund des verminderten Mehrwertsteuersatzes von 2,5 Prozent erst bei einem Warenwert ab 200 Franken fällig.

Wichtig: Die Mehrwertsteuer berechnet sich nach dem Warenwert einschliesslich der Transportkosten, Zollabgaben und Bearbeitungsgebühren. Seit dem 01.01.2019 sind alle ausländischen Versandhändler, die mit ihren Sendungen in der Schweiz mehr als 100'000 Franken Umsatz erzielen, mehrwertsteuerpflichtig. Die Lieferungen gelten dann als Inlandlieferungen.

Tabakfabrikate und alkoholische Getränke

Für Tabakfabrikate und alkoholische Getränke ist in jedem Fall eine Verzollung nötig.

Wie hoch sind die Zollgebühren?

Die Zollgebühren werden durch die Post verrechnet. Die Höhe hängt von der Herkunft und dem Warenwert der Sendung ab. Für Pakete aus Deutschland, Frankreich, Österreich oder Italien beträgt die Grundgebühr bei der Schweizerischen Post 11.50 Franken – für Pakete aus anderen Ländern 16 Franken.

Hinzu kommt ein Zuschlag von 3 Prozent des Warenwertes. Maximal werden den Käufern seitens der Post Verzollungsgebühren in der Höhe von 70 Franken in Rechnung gestellt.

Wie kann ich Zollgebühren sparen?

Entlang der Grenze können Sie auf deutscher Seite eine Reihe von Paketshops finden, die Ihre Pakete entgegennehmen. Konsumenten können das Paket dort persönlich abholen und in die Schweiz einführen.

Der grosse Vorteil solcher Paketshops: Sie können Produkte bis zu einem Gesamtwert von 300 Franken mehrwertsteuerfrei einführen. Allerdings gibt es bei verschiedenen Produkten Einschränkungen, die Sie kennen sollten.

Zalando und LaRedoute umgehen mit ihren Lagerhallen in der Schweiz die Zollkosten für Kunden. Der englische Kleiderversand Asos.com übernimmt für die Schweizer KonsumentInnen die Zollkosten.

Auch Amazon tut den Schweizer Kunden einen Gefallen: Die deutsche Mehrwertsteuer steht zwar im Anzeigepreis des Artikels, sobald man jedoch die Schweizer Lieferadresse angibt, wird der Preis mit der Schweizer Mehrwertsteuer neu berechnet. Das lohnt sich, denn: Die deutsche Mehrwertsteuer liegt meist bei 19 Prozent, die Schweizer Mehrwertsteuer hingegen oft bei nur 7.7 Prozent.

Hier gibts weitere Tipps, wie Sie sich die deutsche Mehrwertsteuer zurückerstatten lassen können.

Wie funktioniert der Zoll für Paketstationen?

Plattformen wie meineinkauf.ch oder grenzpaket.ch nehmen in Deutschland Pakete entgegen, die sonst nicht in die Schweiz geliefert werden oder in der Schweiz viel teurer verkauft werden, und verschicken diese Pakete dann in die Schweiz an die Konsumenten.

Als Lieferadresse geben Sie die deutsche Adresse der jeweiligen Plattform an – bezahlen sollten Sie im Idealfall via Kreditkarte oder per Sofort-Überweisung. Ihre Ware wird dann fertig verzollt und versteuert zu Ihnen nach Hause geliefert. Das heisst, dass Sie nicht für die Zollgebühren aufkommen müssen. Die deutsche Mehrwertsteuer bekommen Sie jedoch nicht zurückerstattet. Ebenfalls verlangen diese Plattformen eine Servicegebühr und verrechnen je nach Gewicht und Menge noch zusätzliche Kosten. Die Preisliste von Meineinkauf finden Sie hier und hier finden Sie die Preisliste von Grenzpaket.

Wie sieht es bei Wish oder AliExpress aus?

Aliexpress und Wish sind Plattformen, die bekannt sind für direkt aus China importierte Produkte zu tiefen Preisen. Für die Konsumenten auf Wish und AliExpress setzen sich die Zollgebühren gleich zusammen, obwohl die Ware aus China stammt. Da also die Gebühren erst über 65 Franken anfallen, bietet es sich an, mehrere Bestellungen zu machen und sich diese einzeln zu schicken. Das ist gut für das Portemonnaie, schadet dafür allerdings der Umwelt.

Weil im Bereich der Elektronik bis zu 90 Prozent aller Komponenten aus China kommen, trifft die Corona-Krise die globalisierte Welt stark. Die Transportkapazitäten sind zurzeit sehr tief, da kaum Flüge durchgeführt werden. Auf dem Portal Wish und Aliexpress werden teilweise schon Lieferzeiten von mehreren Wochen angekündigt.

Haben Sie weitere Fragen zur Verzollung?

Bei weiteren Fragen zu Verzollungen von Postsendungen empfehlen wir Ihnen, das FAQ der Post zum Zoll durchzulesen oder die Post unter der Telefonnummer 0848 639 639 zu kontaktieren.