Elektromobilität

E-Scooter & Co: Was kostet Mikromobilität wirklich?

INFO
| von Andrea Auer |
Bild: iStock.com / PatriciaEnciso

Viele Anbieter, unterschiedliche Preise sowie unterschiedliche Ausleih- und Abrechnungssysteme: Die Sharing-Landschaft von Velo-, E-Bike- und E-Trottinett ist undurchsichtig. Comparis hat für Sie das Angebot aus den zehn grössten Schweizer Städten anhand von zwei Streckenprofilen analysiert.

Welche Verleihsysteme gibt es?

Velo-, E-Bike- und Elektrotrottinett-Anbieter arbeiten mit drei unterschiedlichen Verleihmodellen. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick: Verleihsysteme von Sharing-Anbietern

System

Beschreibung

Wie finde ich das Gefährt?

Anbieter

Stationsgebunden «roundtrip»:

Fahrzeug muss an gleicher Station zurückgebracht werden, an der es ausgeliehen wurde

Online oder per App

Scoobox

Stationsgebunden «one-way»:

Fahrzeug kann an einer Station abgeholt und an einer beliebigen Station zurückgebracht werden.

Online oder per App

Publibike, Nextbike, Velospot, Genèveroule

Freefloating

Fahrzeug kann an einem beliebigen Standort ausgeliehen und abgestellt werden.

Per App

Bird, Circ, Tier, Pick-e-Bike, Smide, Voi,

Anbieter von schnellen E-Bikes (bis 35 km/h) sowie E-Trottinett-Verleiher funktionieren in der Regel nach dem Freefloating-System. Nur Scoobox in Basel (E-Trottinett) muss an der gleichen Station abgegeben werden, wo es abgeholt wurde. Somit eignet sich der Anbieter nur für Rundfahrten. Klassische Velos sind in der Regel ebenfalls stationsgebunden. Allerdings können die Fahrzeuge an verschiedenen Stationen geliehen und zurückgegeben werden.

Unser Tipp: Auf den ersten Blick mag das Freefloating-System flexibler erscheinen. Dennoch bietet es gegenüber den stationsgebundenen Anbietern nicht nur Vorteile. Je nach Verleiher sind mehr oder weniger Fahrzeuge in Ihrer Stadt verfügbar, so dass Sie unter Umständen länger nach einem Gefährt suchen müssen. Überlegen Sie sich vor der Registrierung, ob Sie in Ihrer Stadt bereits genügend Fahrzeuge des entsprechenden Anbieters entdeckt haben.

Elektroroller: Wie teuer ist welcher Anbieter?

Fünf Anbieter von Elektrorollern (E-Scooter genannt) rollen heute teilweise durch die Städte Basel, St. Gallen, Winterthur und Zürich. Voi verlangt für eine Fahrt von 7 Minuten (ca. 1,5 Kilometer) 2.75 Franken. Tier und Circ sind mit 3.45 Franken für die analysierte Strecke rund 70 Rappen teurer als der günstigste Anbieter. Am meisten bezahlen Bird-Kunden mit 4.15 Franken. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Grundtarife sowie die Preise für zwei vorgegebene Streckenprofile.

Kostenübersicht E-Trottinett-Verleiher in Schweizer Städten

Anbieter

Verleihsystem

Grundtarif

Preis Kurz-strecke *

Preis mittlere Strecke **

Monats-abo

Jahres-
abo

Stadt

Bird

Freefloating

CHF 1.– zum Entsperren
+ CHF 0.45 / angefangene Min.

CHF 2.80

CHF 4.15

Nein

Nein

Winterthur, Zürich


Tier

Freefloating

CHF 1.– zum Entsperren
+ CHF 0.35 / abgelaufene Min.

CHF 2.40

CHF 3.45

Nein

Nein

Basel, Winterthur, Zürich

Circ

Freefloating

CHF 1.– zum Entsperren

+ CHF 0.35 / Min.

CHF 2.40

CHF 3.45

Nein

Nein

Basel, Winterthur, Zürich

Voi

Freefloating

CHF 1.– zum Entsperren
+ CHF 0.25 / Min.

CHF 2.00

CHF 2.75

Nein

Nein

Winterthur, St. Gallen

Scoobox

Stationsgebunden «Roundtrip»

CHF 3.– / 30 Min.

CHF 3.00

CHF 3.00

Nein

Nein

Basel

Wer sehr viel mit einem solchen E-Trottinett unterwegs ist, für den lohnt sich unter Umständen auch ein Kauf eines solchen E-Flitzers.

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Wie rechnen E-Trottinett-Anbieter ab?

So unterschiedlich die Preise, so unterschiedlich gestalten sich auch die Abrechnungsarten. Beim E-Trottinett-Verleiher Tier bezahlen Sie die Minute erst nach Vollendung. Konkurrent Bird dagegen verlangt bereits für jede angebrochene Minute den vollen Minutentarif.

Das bedeutet: Eine Fahrtzeit von exakt vier Minuten kostet bei Bird 2.80 Franken. Dauert die Fahrt eine Sekunde länger, werden 3.25 Franken fällig. Anbieter Tier verlangt indes für eine Fahrtdauer bis 4 Minuten 59 Sekunden 2.20 Franken. Bei Circ und Voi bezahlen Sie jeweils für die tatsächliche Ausleihdauer. Wiederum anders rechnet der stationsgebundene E-Trottinett-Anbieter Scoobox mit Standorten in Basel. Der Verleiher verlangt jeweils 3 Franken für 30 Minuten.

Wichtig zu wissen: Beim teuersten Anbieter Bird müssen Sie vor der Bezahlung ein Guthaben von mindestens 10 Franken aufladen. Bei den übrigen Anbietern können Sie Ihre Kreditkarte hinterlegen und losfahren. Der zu bezahlende Betrag wird nach der Fahrt direkt belastet.

Wie hoch ist die Miete von E-Bikes?

E-Bikes stehen Ihnen in fünf der zehn grössten Schweizer Städten zur Verfügung: Basel, Bern, Lausanne, Lugano und Zürich. Wenn Sie sich für ein «schnelles» E-Bike mit einer Maximalgeschwindigkeit von 35 Kilometern pro Stunde mit Tretunterstützung entscheiden, fahren Sie in der Regel günstig. Smide und Pick-e-Bike verlangen für eine siebenminütige Fahrt 1.75 Franken.

Neben Smide und Pick-e-Bike bietet auch Publibike Elektrovelos an. Allerdings sind Sie damit mit einer Maximalgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde (inkl. Tretunterstützung) etwas langsamer unterwegs. Und dennoch sind Elektro-Publibikes mit 4.50 Franken für eine mittlere Strecke etwas teurer als die schelle Konkurrenz. Erst ab einer längeren Fahrzeit von über 18 Minuten lohnt sich aus finanzieller Sicht ein Umstieg von einem «schnellen» Anbieter auf die E-Flitzer von Publibike.

Kostenübersicht E-Bike-Verleih in Schweizer Städten

Anbieter

Verleihsystem

Grundtarif

Preis Kurz-strecke *

Preis mittlere Strecke **

Monats-
abo

Jahres-abo

Stadt

Smide

freefloating

CHF 0.25 / Min.

CHF 1.00

CHF 1.75

Ja

Ja

Bern, Zürich

Publibike E-Bike

stationsgebunden «one way»

CHF 4.50 / 30 Min.
(ab 31. Min.
+ CHF 0.10 / Min.)

CHF 4.50

CHF 4.50

Ja
Ja

Bern, Lausanne, Lugano, Zürich

Pick-E-Bike

freefloating

CHF 0.25 / Min

CHF 1.00

CHF 1.75

Nein

Nein

Basel

Wie teuer ist das Ausleihen von Velos?

So unterschiedlich die Städte, so divers ist auch das Velo-Sharing-Angebot. In Bern, Lausanne, Lugano und Zürich fahren Sie mit Rädern von Publibike, der Luzerner Anbieter heisst Nextbike und Velospot-Fahrräder stehen in Biel und Genf. In der Stadt am Lac Léman steht Ihnen neu ausserdem zwischen April und Oktober ein App-basiertes Verleihsystem von Genèveroule zur Verfügung.

Bei Publibike bezahlen Sie ohne Abo 3 Franken für die ersten 30 Minuten. Ab der 31. Minute kommen jeweils pro Minute 5 Rappen dazu. Nextbike rechnet pro Stunde ab. Nutzer ohne Abo bezahlen demnach 2 Franken pro Stunde. Der Service von Nextbike ist für Einwohner der Stadt Luzern kostenlos.

Genèveroule (Service über die App Donkey Republic) verleiht Velos an alle Kunden für die Zeit von vier Stunden gratis. Allerdings ist die Flexibilität, von A nach B zu gelangen, mit nur elf Stationen eingeschränkt. Velospot bietet aktuell noch keine Stundentarife, sondern nur Tageskarten für 10 Franken und ist somit für kürzere Fahrten teuer. Verschaffen Sie sich anhand der nachfolgenden Tabelle einen Überblick:

Kosten für Velo-Verleihsysteme in Schweizer Städten

Anbieter Verleihsystem Grundtarif Preis Kurz-strecke * Preis mittlere Strecke ** Monatsabo Jahresabo Stadt
Publibike Velo
stationsgebunden «one way»
CHF 3.– / 30 Min (+ CHF 0.05 / Min)
CHF 3.00
CHF 3.00
Ja
Ja
Bern, Lausanne, Lugano, Zürich
Nextbike
stationsgebunden «one way»
CHF 2.– / h
CHF 2.00
CHF 2.00
Nein
Ja
Luzern
Velospot
stationsgebunden «one way»
CHF 10.– / 24h
CHF 10.00
CHF 10.00
Nein
Ja
Biel, Genf
Genèveroule (Donkey Republic)
stationsgebunden «one way»
gratis (ab +4 h jeweils CHF 2.– / h)
Gratis
Gratis
Nein
Nein
Genf

Ab wann lohnt sich ein Abo?

Verschiedene Velo- und E-Bike-Vermieter bieten Kunden ein Abosystem auf Monats- und/oder Jahresbasis an. Ausnahmen sind Pick-e-Bike in Basel und Genèveroule in Genf. Beim Citybike von Publibike lohnt sich ein Monatsabonnement (CHF 9.–) bereits ab 3 Fahrten pro Monat, das Jahresabo (60.–) ab 20 Fahrten pro Jahr. Bei den Publibike-E-Bikes lohnt sich das Monatsabo (CHF 29.–) ab 7 Fahrten im Monat und das Jahresabonnement (CHF 290.–) ab 65 Fahrten im Jahr.

Bei Nextbike ist die Preisgestaltung etwas komplexer. Das Jahresbo kostet 50 Franken im Jahr und beinhaltet zwei Ausleihen am Tag für je 60 Minuten. Das heisst, dass sich ein Nextbike-Jahresabo je nach Gebrauch nach mindesten 13 bis maximal 26 Tagen auszahlt. Ersteres gilt bei zwei Mal ausleihen, letzteres bei einem Gebrauch am Tag.

Beim E-Bike Anbieter Smide gestaltet sich die Rechnung folgendermassen: Nutzt man das Fahrzeug täglich, lohnt sich das Monatsabo für 44 Franken bereits ab einer Fahrzeit von rund eineinhalb Minuten. Wer nicht an allen Tagen davon gebraucht macht und beispielsweise lediglich damit zur Arbeit und zurück fährt, für den zahlt sich das Monatsabo ab 10 Minuten pro Tag (bei 18 Arbeitstagen im Monat) aus.

Für E-Scooter können Sie aktuell keine Abos abschliessen.

Unser Tipp für alle Tempoliebhaber: Als Smide-Abonnent können Sie sich das E-Bike bis 45 Kilometer pro Stunde freischalten lassen. Vergessen Sie aber nie, einen Helm zu tragen! Dieser ist ab einer Geschwindigkeit von über 25 Kilometern pro Stunde nämlich Pflicht.

* gängige Kurzstrecke 700 m oder 4 Min. Fahrzeit; ** mittlere Strecke 1500 m oder 7 Min. Fahrzeit. Stand Analyse: August 2019

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