Zusatzversicherung

Ab wann rechnet sich eine Zusatzversicherung?

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Ab wann es sich lohnt, über eine Zusatzversicherung nachzudenken.
Gerahmt, dezent oder lieber auffällig – wer in die Schaufenster der Optikergeschäfte blickt, den locken viele modische Modelle. Bis der Blick auf die Preisschilder fällt. Dann kommt die Frage auf, ob sich die Krankenkasse an diesem Betrag beteiligen würde. Denn im Schnitt zahlen Schweizer alle drei Jahre für eine Sehhilfe 600 Franken, die jeder Zweite benötigt. 

Brille von der Krankenkasse

Gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) beträgt die Schweizer Durchschnittsprämie im Jahr 2017 447.28 Franken im Monat. Ein Beitrag, bei dem man eine Übernahme oder zumindest eine Beteiligung für die neue Brille annehmen könnte. Doch 2011 strichen die Krankenkassen den Brillenträgern ihren bis dato gewährten Zuschuss von 180 Franken alle fünf Jahre. 

Lediglich bei medizinisch bedingten Fällen verursacht durch Diabetes, Trübung der Augenlinse, Augenmuskelstörung, Schwachsichtigkeit, Medikamenteneinnahme oder bei Augenoperationen wie beispielsweise Grünen Star übernimmt die Grundversicherung pro Augenseite 180 Franken einmal jährlich. 

Beteiligung von der Zusatzversicherung? 

Wer nicht zu diesen Spezialfällen gehört und über 18 Jahre alt ist, muss für seine benötige Brille oder Kontaktlinse selbst aufkommen. Es sei denn, er hat eine Zusatzversicherung abgeschlossen. Je nach Anbieter bezuschusst diese mit 150 bis 300 Franken pro Jahr die benötigte Sehhilfe. Eine reine Brillen- und Linsenzusatzversicherung gibt es allerdings nicht, so dass man diese Sonderdeckung immer im Paket mit anderen Leistungen wie beispielsweise Fitnessabo, Alternativmedizin bis hin zu Mutterschaftskursen abschliesst. Wer ein solch umfassendes Paket ausschliesslich im Hinblick auf den Kostenbeitrag für Sehhilfen abschliesst, für den lohnt sich die Zusatzversicherung meist nicht. Allerdings lässt sich die Rechnung auch anders aufstellen: Wer sich breit absichern möchte, der profitiert bei diesen Zusatzversicherungspaketen von einem gut ausgestatteten Leistungspaketstrauss, bei dem die neue Brille gleich mit dabei ist. 

Wofür eine Zusatzversicherung noch sinnvoll ist

Zusatzversicherungen ergänzen die obligatorische Grundversicherung genau dort, wo diese keine oder nur ungenügende Leistungen erbringt. Wer Leistungen für Brillen und Kontaktlinsen im Paket mit anderen Leistungen absichern mag, wird bereits ab 10 Franken monatlich fündig. 

Comparis-Tipp: Wählen Sie für die Grundversicherung eine günstige Krankenkasse und sichern Sie ihre zusätzlichen Bedürfnisse über eine Zusatzversicherung ab.

Trennung von Grund- und Zusatzversicherung

Die Grundversicherung und Zusatzversicherungen müssen nicht zwingend bei der gleichen Krankenkasse abgeschlossen werden. 

Wer bereits eine Zusatzversicherung besitzt und wenn diese die Prämien erhöht, kann diese wechseln. Je nach Kasse ist das innerhalb von 25 bis 30 Tagen nach Mitteilung der Prämienerhöhung möglich, bei einigen erst bis zum Ablauf der Versicherungsperiode zum Jahresende.

Wurde die Zusatzversicherung bei derselben Krankenkasse abgeschlossen wie die Grundversicherung und man möchte letztere kündigen, der braucht um seine Zusatzversicherung nicht zu fürchten. Die Krankenversicherer dürfen die Zusatzversicherungen nicht kündigen, nur weil ein Versicherter seine Grundversicherung gekündigt und zu einer anderen Kasse gewechselt hat. Erlaubt ist aber ein Zuschlag auf die Zusatzversicherung, um die höheren Administrationskosten zu decken. Möglich ist auch, dass die Kasse, bei der man zusatzversichert ist, eine bisher gewährte Vergünstigung (Familienrabatt, Kollektivrabatt) streicht. Allerdings wenden nur wenige Kassen dies an.

Aufnahme in Zusatzversicherung

Wechseln sollte man aber erst dann, wenn man von der neuen Kasse vorbehaltlos aufgenommen wurde. Denn im Gegensatz zu der Grundversicherung kann eine Krankenkasse den Eintritt in eine Zusatzversicherung verweigern. Die Entscheidung darüber hängt massgeblich von der Gesundheitsdeklaration (Fragen zu Erkrankungen und Behandlungen der letzten Jahre) ab, die der Antragsteller für eine Zusatzversicherung wahrheitsgemäss ausfüllen muss. 

Der beste Zeitpunkt

Zudem gibt es bei den meisten Zusatzversicherungen Altersgrenzen, welche je nach Produkt und Kasse unterschiedlich sein können. Typischerweise liegen sie zwischen 50 und 70 Jahren. Ab diesem Alter kann eine Versicherung für Zusätze nicht mehr oder nur mit Vorbehalten abgeschlossen werden. 

Zu gesund für eine Zusatzversicherung

Wieso Geld ausgeben, wenn man gesund ist? Doch gerade dann ist es am besten, eine Zusatzversicherung abzuschliessen. Denn so minimiert man das Risiko, bei der Gesundheitsprüfung abgelehnt zu werden. Zudem könnte man die Zusatzversicherung wie eine Art Lebensversicherung ansehen, die auch im Alter finanzierbar ist. Deshalb gilt „Je früher, desto besser“. Gerade, wer gesund ist und es bleiben möchte, der kann sogar noch von gesundheitsfördernden Massnahmen bei der Zusatzversicherung profitieren.

Zu überlegen ist auch, ob man Kinder und Jugendliche absichern mag. Denn die Kurzsichtigkeit nimmt weltweit stark zu. In Asien sind bereits 80 Prozent der Jugendlichen betroffen. Zwar fehlen für die Schweiz Zahlen, aber auch hier steigt die Zahl der Betroffenen an. Zwar sind Brille und Sehhilfen der Kinder und Jugendlichen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr in der Grundversicherung abgesichert, allerdings limitiert auf 180 Franken pro Jahr unter der Bedingung, dass ein augenärztliches Rezept ausgestellt worden ist. Zu beachten ist auch hier, dass Sehhilfenbeiträge wie andere Versicherungsleistungen behandelt werden. Neben dem gesetzlichen Selbstbehalt von 10 Prozent ist auch die Abgeltung der individuellen Franchise zu berücksichtigen. Beispiel: Hat das Kind oder der Jugendliche eine Franchise gewählt, die höher als null Franken ist, zahlt man bis zur gewählten Franchise, zum Beispiel von 300 Franken, die Brille selbst.

Comparis-Empfehlung: Für Kinder und Jugendliche lohnt sich eine Franchise von null Franken, da der Rabatt auf eine höhere Franchise gering ist und Kinder relativ häufig zum Arzt gehen. 

Wer künftig an den Auslagen der Optikerläden vorbei schlendert und mit einem neuen Modell liebäugelt, den locken die Preise mit einer Zusatzversicherung im Rücken nun auch hinein.