Prämien

1,2 Millionen Versicherte könnten 2019 ihre Prämien zwischen 40 und 53 Prozent senken

ANALYSE
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Video: comparis.ch

Erwachsene zahlen in der Schweiz im Schnitt jährlich 4'715 Franken für die Grundversicherung. Die Prämien steigen zwar 2019 durchschnittlich nur um 1,2 Prozent. Aber 1,2 Millionen Erwachsene könnten mit einem Wechsel von Kasse, Franchise und allenfalls Modell stattdessen ihre Prämienbelastung um 40 Prozent und mehr senken. Spitzenreiter ist der Kanton Appenzell Innerrhoden mit einem Sparpotenzial von über 53 Prozent bzw. 2'264 Franken. Das zeigt eine Analyse des Vergleichsdienstes comparis.ch.

Die unterdurchschnittliche Prämienerhöhung bei der Grundversicherung von 1,2 Prozent für 2019 hat für Erleichterung gesorgt. Weder die durchschnittliche noch die individuelle Prämienerhöhung sagen jedoch etwas über das tatsächliche Sparpotential aus. Die Analyse der Krankenkassenprämien 2019 durch comparis.ch zeigt: Allein bei den marktführenden Kassen in der Schweiz könnten 1,2 Millionen Versicherte ihre Prämien 2019 nahezu halbieren. 

Das ist erklecklich, denn: Mit einem durchschnittlichen Betrag von 4'715 Franken pro Jahr sind die Grundversicherungsprämien ein bedeutender Budgetposten für die Schweizerinnen und Schweizer. Spitzenreiter beim Sparpotenzial ist der Kanton Appenzell Innerrhoden: Hier können die Standardversicherten von CSS 2019 mit einem Wechsel ins Concordia-Hausarztmodell und mit einer Erhöhung der Franchise von 300 auf 2'500 Franken über 53 Prozent bzw. 2'264 Franken sparen.

1,2 Million Grundversicherte könnten 40 Prozent und mehr Prämien sparen

Grundsätzlich können 1,2 Millionen erwachsene Grundversicherte in der Schweiz gemäss der Comparis-Analyse nächstes Jahr 40 Prozent und mehr Prämien sparen, indem sie von einem der Marktführer im eigenen Kanton zu einer der fünf günstigsten Kassen wechseln, gegebenenfalls ihr Modell anpassen und die Franchise von 300 auf 2'500 Franken erhöhen. Das gilt keineswegs nur für Versicherte mit einem Standardmodell. Auch gut 442’000 Versicherte mit einem alternativen Versicherungsmodell können dieses Sparpotenzial realisieren. 411’333 weitere Personen können sogar ohne einen Kassenwechsel 40 Prozent und mehr sparen. Das betrifft vor allem im Standardmodell Grundversicherte mit einer 300-Franken-Franchise.

Bei Franchise von 300 Franken sind mehr als 20 Prozent tiefere Prämien möglich

Es gibt für viele Versicherte triftige Gründe, auf einen gleichzeitigen Wechsel von Modell, Franchise oder gar Kasse zu verzichten. Trotzdem liesse sich ein Einsparpotenzial zwischen 20 und 40 Prozent realisieren; so etwa bei über 309'000 Personen mit einem Wechsel von Kasse und Modell bei Beibehaltung einer Franchise von 300 Franken. Weitere rund 15’000 Versicherte würden allein durch einen Wechsel der Krankenkasse oder durch einen Modellwechsel beim eigenen Versicherer die Prämienkosten um 20 Prozent und mehr senken.

«Die Krankenkassenlandschaft ist ständig in Bewegung. Deshalb lohnt es sich, jedes Jahr die Prämien zu vergleichen, auch wenn man bereits alternativ versichert ist», sagt Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly. Gerade für alternativ Versicherte sei es sinnvoll zu prüfen, bei welchen Kassen ihr Hausarzt ebenfalls in einem vergünstigten Modell gelistet sei.

Hausarztversicherte profitieren besonders von einem Kassenwechsel

Bei den bereits alternativ versicherten Personen lohnt sich besonders für Hausarztversicherte mit einer 300-Franken-Franchise ein Blick über den Tellerrand hinaus. Hier ist mit einem Wechsel zu einer der fünf günstigsten Kassen im Kanton eine maximale Senkung der Prämienbelastung von 20,5 Prozent möglich; nämlich in Neuenburg bei einem Wechsel von Sanitas zu Assura. Aber auch andernorts senkt ein Kassenwechsel die Prämienlast massiv. In Zürich sparen zum Beispiel Hausarztversicherte bei Swica mit einem Wechsel zum Assura Hausarztmodell 16 Prozent Prämien bzw. 859 Franken. Genfer sparen bei einem Wechsel von Avenir zu Assura 18 Prozent und Baselstädter 19 Prozent mit einem Wechsel von Vivao Sympany zu Assura.

Bei der eigenen Kasse ist oft das HMO-Modell am günstigsten

Mit einem Modellwechsel lässt sich auch bei der eigenen Kasse kräftig sparen. Bei den Marktführern sparen Standardversicherte mit dem Wechsel zum HMO-Modell am meisten. Schweizweit am meisten sparen Swica-Standardversicherte mit einer 300-Franken-Franchise mit dem Wechsel zum HMO-Modell in den Kantonen Basel-Stadt, Zürich, Basellandschaft, Appenzell Innerrhoden und in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen, Solothurn, Tessin und Zug.

Nicht nur der Preis zählt, sondern auch die Servicequalität

«Allerdings sollte bei der Kassenwahl nicht nur der Preis zentral sein. Versicherte sollten bei einem Wechsel im Speziellen auch auf die Zufriedenheit der Kunden mit den Anbietern achten», so Schneuwly. Hierzu lohne sich ein Blick auf die Kundenzufriedenheitsnote. «Die Versicherungsdeckung der Grundversicherung ist gesetzlich vorgegeben und bei jeder Kasse gleich. Aber die Servicequalität kann sehr unterschiedlich sein», so der Comparis-Experte. Das beschränke sich nicht nur auf das Vorhandensein einer Hotline oder von Filialen. «Bei vielen günstigeren Kassen gilt das Prinzip des «tiers garant» für ambulante Leistungen.» Das heisst: Versicherte müssen den Rechnungsbetrag für jede medizinische Pflichtleistung vorschiessen.