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Sabbatical: So sorgen Sie während der Auszeit für Sicherheit

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Einfach mal zurücklehnen und zu neuen Abenteuern aufbrechen. Bild: iStock.com / martin-dm

Niemand auf der Welt macht so viele Sabbaticals wie die Schweizer. Ob für eine Weltreise, um endlich ein Buch zu schreiben oder um den Mutterschaftsurlaub zu verlängern: Über 30 Prozent haben schon eine Auszeit vom Job genommen. Das geht nicht ohne gründliche Planung. Hier erfahren Sie, woran Sie denken müssen und wie Sie sich absichern.

Nur die wenigsten Angestellten haben genug Ferientage, um zwei bis sechs Monate frei zu nehmen. Für eine längere Auszeit bieten sich deshalb zwei Varianten an:

Kündigung

Sie kündigen Ihren jetzigen Arbeitsvertrag. Nach der Auszeit beginnen Sie dann einen neuen Job.

Unbezahlter Urlaub

Sie vereinbaren mit Ihrem Arbeitgeber, dass der Arbeitsvertrag ausser Kraft gesetzt wird.

In beiden Fällen folgt: Während der Auszeit beziehen Sie keinen Lohn. Sie erwerben keine neuen Ferienansprüche und auch keinen Anspruch auf einen Teil des 13. Monatslohns.

Ohne Lohnzahlung entfallen auch einige Versicherungen. Darum müssen Sie sich aktiv um eine ausreichende Absicherung kümmern.

Während der Auszeit: Medizinische Behandlung

Ob Sie auf Reisen gehen oder in der Schweiz bleiben: Medizinische Behandlungen sind überall teuer. Welchen Schutz brauchen Sie während Ihres Sabbaticals?

Krankenversicherung

Bei einem Sabbatical in der Schweiz können Sie bei Ihrer Krankenkasse bleiben. Auch im Ausland sind Sie mit der obligatorischen Grundversicherung geschützt. Aber auch gut genug? Lesen Sie hier, wann eine zusätzliche Reiseversicherung Sinn macht.

Unfallversicherung

In den ersten 31 Tagen nach dem letzten regulären Arbeitstag sind Sie automatisch weiter über Ihre Firma unfallversichert. Voraussetzung ist, dass Sie mehr als acht Stunden pro Woche bei Ihrem Arbeitgeber gearbeitet haben. 

Danach müssen Sie sich selbst um die Unfalldeckung kümmern. Fragen Sie Ihren Arbeitgeber oder seine Unfallversicherung nach einer sogenannten Abredeversicherung. So können Sie maximal sechs Monate lang in der Unfallversicherung bleiben. 

Dauert ihr Sabbatical länger als die maximal mögliche Abdeckung durch die Abredeversicherung, schliessen Sie bei Ihrer Krankenkasse zusätzlich die Unfalldeckung mit ein.

Nach der Auszeit: Absicherung beim Wiedereinstieg

Krankentaggeld

Während eines unbezahlten Urlaubs haben Sie keinen Anspruch auf eine Lohnfortzahlung durch Ihren Arbeitgeber bzw. ein Krankentaggeld. Falls ihr Arbeitgeber eine kollektive freiwillige Krankentaggeldversicherung abgeschlossen hat, können Sie diese nach der Aufgabe der Stelle als Einzelversicherung weiterführen. Diese beginnt ab Ihrem letzten Arbeitstag zu laufen. Wägen Sie Kosten und Nutzen sorgfältig ab.

Invalidität

Die Krankentaggeldversicherung zahlt längstens 720 Tage nach dem letzten Arbeitstag. Wer dann noch immer nicht arbeiten kann, gilt als invalid. An die öffentliche Invalidenversicherung zahlen Sie während der Auszeit zwar nur geringe Beiträge. (Zusammen mit der AHV, siehe später in diesem Beitrag.) Leistungen gibt es trotzdem.

Die Leistungen aus der IV allein reichen in der Regel nicht für den Lebensunterhalt. Darum ist das Invaliditätsrisiko zusätzlich auch in der zweiten Säule abgesichert. Falls Sie aufgrund einer Kündigung nicht mehr in der Pensionskasse Ihres Arbeitgebers versichert sind, sollten Sie eine zusätzliche private Erwerbsunfähigkeitsversicherung erwägen.

Arbeitslosigkeit

Wenn Sie gekündigt haben und eine Stelle suchen, können Sie sich arbeitslos melden. Dazu müssen Sie innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens zwölf Monate als Angesteller gearbeitet und Beiträge an die Arbeitslosenversicherung gezahlt haben.

Lange nach der Auszeit: Folgen für die Altersvorsorge?

Beachten Sie auch während Ihrer Auszeit die Pflichten und Möglichkeiten bezüglich der Altersvorsorge:

AHV

Der Mindestbeitrag für Nichterwerbstätige an die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) beträgt heute (2018) pro Jahr 478 Franken. Bei einem unbezahlten Urlaub über einige Monate ist dieser Beitrag bereits durch die bezahlten Monate gedeckt. 

Bei einem längeren unbezahlten Urlaub bzw. einer Kündigung müssen Sie sich bei der Sozialversicherungsanstalt (SVA) Ihres Kantons als nichterwerbstätig melden. Beitragslücken können bis maximal fünf Jahre nachgezahlt werden. (Die Meldung gilt auch für die IV, die EO und die ALV.)

Säule 3a

Fall 1: Angestellte und Selbständigerwerbende dürfen in die Säule 3a einzahlen, wenn sie im jeweiligen Jahr ein AHV-pflichtiges Einkommen erzielen. Wer z.B. von Oktober 2018 bis Dezember 2019 ein Sabbatical nimmt, darf sowohl in 2018 als auch in 2019 in die Säule 3a einzahlen. Und das, obwohl sein Sabbatical mehr als ein Jahr dauert. Denn er/sie hat in beiden Jahren ein AHV-pflichtiges Einkommen erzielt. Zahlen Sie jedoch rechtzeitig ein, da die jährlich erlaubten Einzahlungen nicht in einem späteren Jahr nachgeholt werden können.

Fall 2: Wenn das Sabbatical ein volles Kalenderjahr dauert und die Person in diesem Jahr kein AHV-pflichtiges Einkommen erzielt, gilt es den minimalen AHV-Beitrag (480 Franken) zu bezahlen. Damit vermeiden Sie durch beitragsfreie Jahre AHV-Rentenkürzungen zu bekommen. In die Säule 3a kann man ohne Erwerbseinkommen nicht einzahlen.  

Pensionskasse

Der Versicherungsschutz bei Invalidität und Tod endet normalerweise einen Monat nach der letzten Lohnzahlung. Fragen Sie aber Ihren Arbeitgeber oder seine Pensionskasse, ob Sie auch während Ihres unbezahlten Urlaubs weiter bei der Pensionskasse bleiben können.

Ein Nachteil bei schmalem Budget: Die Sparbeträge werden während der Auszeit oft höher. Meist müssen Sie nämlich zusätzlich den Arbeitgeberanteil selber zahlen. (Versäumte Sparbeträge könnten Sie in der zweiten Säule durchaus auch später über einen Einkauf nachholen.)

Der grosse Vorteil: Der Risikoschutz bleibt erhalten – und das meist günstig. Bei manchen Pensionskassen können Sie den Risikoteil separat weiterführen. Fragen Sie danach. 

Frühzeitig mit der Planung beginnen

Sabbaticals lassen sich einfacher absichern, wenn sie nur einige Monate dauern. Zumindest über AHV, IV und ALV müssen Sie sich dann nur wenig Gedanken machen.

Die besten und einfachsten Lösungen ergeben sich, wenn Ihr Arbeitgeber und seine Versicherungen mitspielen. Beginnen Sie deshalb frühzeitig mit der Planung und sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber, am besten schon ein Jahr vor der Auszeit. 

Finden Sie mit Ihrem Arbeitgeber keine passende Lösung, dann können Sie immer noch künden und alles selber organisieren.

Welchen Weg auch immer Sie wählen: Die Spezialisten unseres Partner-Services Optimatis beraten Sie gerne bei den Details. Fragen Sie hier Ihre Beratung an.

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