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Besser hören und sehen: Wer übernimmt die Kosten?

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Brillen und Hörgeräte können sehr teuer werden – doch zahlt die Krankenkasse? Bild: iStock.com / AIMSTOCK

Die obligatorische Grundversicherung zahlt Brillen und Hörgeräte nur unter bestimmten Voraussetzungen. In manchen Fällen springen IV oder AHV ein. Eine Zusatzversicherung kann sich lohnen. Comparis gibt einen aktuellen Überblick.

Besser sehen

Mehr als zwei Drittel aller Schweizer tragen eine Brille oder Kontaktlinsen, ab dem 65. Lebensjahr sind es gar rund 90 Prozent. Doch wer übernimmt die Kosten? 

Die obligatorische Grundversicherung bezahlt an Brillengläser und Kontaktlinsen nur unter folgenden Voraussetzungen einen Anteil:

  • Bei Kindern bis zum vollendeten 18. Lebensjahr mit einem Beitrag von maximal 180 Franken im Jahr abzüglich Franchise und Selbstbehalt. Nötig ist eine Verordnung vom Augenarzt.
  • In krankheitsbedingten Fällen verursacht durch Diabetes, Grauem Star (Katarakt), Augenmuskelstörung, Schwachsichtigkeit oder Medikamenteneinnahme sowie bei Augenoperationen wie beispielsweise bei Grünem Star (Glaukom) bezahlt die Grundversicherung den jeweils genehmigten ambulanten oder stationären Tarif.

Die Grundversicherung zahlt also nur in speziellen Fällen. Umso wichtiger ist es, dass Sie nicht auch noch zu hohe Versicherungsprämien bezahlen:

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Über diesen Versicherungsschutz hinaus gibt es eine ambulante Zusatzversicherung für die Deckung von Brillengläsern oder sogar -gestellen. Allerdings: Es gibt keine reinen Brillen-Versicherungen, sondern nur Paketlösungen, die u.a. auch Sehhilfen umfassen. Die Kosten für die Pakete liegen meist deutlich über den jährlichen Versicherungsleistungen von 150 bis 200 Franken.

Worauf Sie beim Abschluss einer Zusatzversicherung achten sollten, erfahren Sie hier.

Auch Augenlaserbehandlungen deckt die Grundversicherung nur unter bestimmten Voraussetzungen, z.B. bei einem sehr grossen Fehlsichtigkeitsunterschied zwischen beiden Augen. Auch für diese Behandlung lassen sich jedoch Zusatzversicherungen abschliessen, die u.U. bis zu 1'000 Franken vergüten.

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Nicht jede Fehlsichtigkeit lässt sich mit einer Sehhilfe korrigieren. Augenkrankheiten wie der Graue Star (Katarakt) machen früher oder später eine Operation erforderlich. Dabei wird die getrübte natürliche Linse durch eine künstliche ersetzt.

Erkrankt ein Patient am Grünen Star (Glaukom), ist ebenfalls eine schnelle Behandlung notwendig. Der Augeninnendruck drückt auf den Sehnerv und kann zur Erblindung führen, wenn er nicht gesenkt wird. Meist lässt sich dies durch Augentropfen oder Laserbehandlung erreichen. In einzelnen Fällen ist jedoch eine Operation unumgänglich.  

Diese Eingriffe werden von der Krankenkasse grundsätzlich bezahlt. Kosten für Starbrillen oder Kontaktlinsen nach Staroperationen sind von der Invalidenversicherung vergütbare Krankheits- und Behinderungskosten. 

Holen Sie vor der OP eine Kostengutsprache bei Ihrer Krankenkasse ein. Das gilt besonders für eine stationäre Behandlung. Eine solche wird nur bei Vorliegen eines eindeutigen medizinischen Grundes gedeckt. Auch die Wahl des Linsenimplantats hat finanzielle Folgen: Die Grundversicherung zahlt nur für Standardlinsen, nicht für solche mit Zusatzfunktionen (asphärisch, torisch, multifokal).

Sie müssen am Auge operiert werden und möchten sich bestmöglich versorgen lassen? Dann informieren Sie sich über geeignete Augenkliniken:

Besser hören

Rund jeder zehnte Schweizer gibt in Befragungen an, Hörprobleme zu haben. Weniger als die Hälfte der Betroffenen (41 Prozent) trägt jedoch ein Hörgerät. Dabei raten Fachleute zu einer möglichst frühen Anschaffung. Wer zu lange wartet, dem drohen Risiken wie sozialer Rückzug, Depressionen oder gar der Abbau geistiger Fähigkeiten.

Doch ein Hörgerät ist nicht günstig. Es kostet je nach Ausführung zwischen 600 und mehreren Tausend Franken. Idealerweise werden beide Ohren versorgt. Das verdoppelt die Kosten nochmals. Doch wer zahlt?

Hörgeräte gehören nicht zu den sogenannten Hilfsmitteln, die von der Krankenkasse im Rahmen der Grundversicherung vergütet werden. Sie sind nicht Bestandteil der Mittel- und Gegenständeliste (MiGel).

Dennoch bleiben Menschen mit einer Hörschwäche nicht alleine auf den Kosten sitzen. Für Anschaffung, Betreuung und Unterhalt von Hörgeräten sind die Sozialversicherungen (IV/AHV) zuständig.

Wann zahlt die Invalidenversicherung (IV)?

Bei einem Hörverlust von mindestens 20 Prozent im erwerbsfähigen Alter (Anspruch alle 6 Jahre).

Wann zahlt die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV)?

Nach der Pensionierung und bei einem Hörverlust von mindestens 35 Prozent (Anspruch alle 5 Jahre).

Was zahlen IV und AHV...?

... für Hörgeräte IV AHV
bei einem Hörgerät 840 Franken* 630 Franken
bei zwei Hörgeräten

1650 Franken*

630 Franken**
... für Batterien (p.a.)
einseitige Versorgung 40 Franken 0 Franken
beidseitige Versorgung 80 Franken 0 Franken
... für Reparaturen
Elektronik 200 Franken 0 Franken

* Für Kinder und Jugendliche zahlt die IV bis zu 2’830 Franken für ein Hörgerät, 4’170 Franken für zwei Hörgeräte (Anspruch alle 6 Jahre).

** WICHTIG: Ab Mitte 2018 beträgt die AHV-Pauschale für zwei Hörgeräte 1'237.50 Franken. 

Tipp: Manche Hörgeräteanbieter übernehmen aus Marketinggründen die Differenz zur erhöhten AHV-Pauschale. Informieren Sie sich bei Ihrem Akkustik-Fachgeschäft besonders wenn Sie kurz vor der Pensionierung stehen. In diesem Fall profitieren Sie noch von dem höheren IV-Beitrag, der auch über die Pensionierung hinaus bestehen bleibt (Besitzstandswahrung).

Eine Zusatzversicherung kann sich lohnen

Die AHV-Pauschale von 630 Franken soll 75 Prozent der Kosten für ein einfaches und zweckmässiges Hörgerät samt Anpassung und Unterhalt decken. Bei durchschnittlichen Kosten von 2'500 Franken pro Hörgerät und Service bleiben Betroffene aber auf Tausenden von Franken sitzen. Auch hier kann der Abschluss einer ambulanten Zusatzversicherung Sinn machen, die Hilfsmittel wie Hörgeräte aber auch Schuheinlagen und Blutdruckmessgeräte bezuschusst. 

Das Angebot an ambulanten Zusatzversicherungen ist gross. Nicht immer lassen sich Einzelleistungen wie Zuzahlungen für Sehhilfen oder Hörgeräte miteinander kombinieren. Umso wichtiger ist es, die Einzelkomponenten wie auch die Prämien genau miteinander zu vergleichen.

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