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Wohnungsnot: Das denken Schweizer über Massnahmen

Zwei Comparis-Umfragen zeigen: Die Wohnungsnot in der Schweiz ist spürbar. Die Lösungsansätze von Experten und Bevölkerung unterscheiden sich aber.

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Magdalena Soll

01.06.2026

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Blick aus der Vogelperspektive auf die Stadt Dübendorf

iStock / Michael Derrer Fuchs

1.Die Schweiz leidet unter Wohnungnot 
2.Welche Lösungen gegen Wohnungsmangel gibt es?
3.Trotz Wohnungsmangel: Lösungen unerwünscht 
4.Städter und Junge sind bereit für höhere Häuser 
5.Fazit: soziales Spannungsfeld in der Wohnpolitik 

1. Die Schweiz leidet unter Wohnungnot 

Eine repräsentative Comparis-Umfrage im November 2025 zeigt: Die Wohnungsnot bleibt in der Schweiz ein wichtiges Alltagsthema. 59 Prozent der erwachsenen Bevölkerung nehmen in ihrer Region einen Mangel an verfügbarem Wohnraum wahr. In den Städten sind es sogar 66 Prozent.

Eine ähnliche repräsentative Comparis-Umfrage im März 2026 bestätigt, dass mehr als die Hälfte aller Personen in der Schweiz die Wohnungsnot wahrnehmen. Besonders Befragte aus der Deutschweiz und der Romandie nehmen die Wohnungsnot war.

2. Welche Lösungen gegen Wohnungsmangel gibt es?

Gegen den Wohnungsmangel gibt es verschiedene Lösungsansätze. Dazu zählen:

  • Bauen von höheren Gebäuden (z. B. mehr als sechs Stockwerke)

  • Dichtere Bebauung (z. B. kleinere Abstände zwischen Häusern und weniger Grünflächen)

  • Schaffung von neuen Bauzonen (z. B. auf aktuellen Landwirtschafts- oder Grünflächen)

3. Trotz Wohnungsmangel: Lösungen unerwünscht 

Obwohl eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung den Wohnungsmangel spürt, sind gemäss der Umfrage vom November 2025 bauliche Massnahmen zur Lösung dieses Problems unbeliebt:  

  • 50 Prozent der Befragten lehnen den Bau höherer Gebäude (mehr als 6 Stockwerke) in ihrer Gemeinde ab.  

  • 68 Prozent sprechen sich gegen eine dichtere Bebauung mit weniger Grünflächen und geringeren Abständen aus. 

  • 66 Prozent lehnen neue Bauzonen auf Kosten von Landwirtschafts- oder Grünflächen ab.  

  • Lediglich die Einschränkung von Einsprachen findet eine relative Mehrheit: 47 Prozent der Befragten sind dafür, 43 Prozent dagegen. 

Die Umfrage zeigt, dass die Schweiz zwar mehr Wohnraum braucht, aber nicht weiss, woher dieser kommen soll. Wir wollen mehr Wohnhäuser – aber weder höher noch dichter bauen, weder Grünflächen antasten noch Einsprachen reduzieren.

Portraitbild von Comparis-Immobilien- und Finanz-Experte Harry Büsser
Harry BüsserComparis-Immobilienexperte

Gender-Gap: Frauen nehmen Wohnungsnot wahr, aber lehnen Massnahmen dagegen ab 

Die Grafik zeigt: Obwohl Männer und Frauen die Wohnungsnot nahezu gleich stark wahrnehmen (59 Prozent vs. 58 Prozent), unterscheiden sich ihre Haltungen zu möglichen Massnahmen deutlich:  

Frauen tragen oft die Hauptlast für Familie und Nachbarschaft – Veränderungen im Wohnumfeld werden daher wohl stärker als Verlust von Lebensqualität wahrgenommen. Männer denken hier anscheinend pragmatischer und sind eher bereit, Kompromisse einzugehen – und sie tragen vielleicht auch noch immer eher die Finanzlast der Mieten.

Portraitbild von Comparis-Immobilien- und Finanz-Experte Harry Büsser
Harry BüsserComparis-Immobilienexperte

Beliebt sind vor allem preisgünstiger Wohnraum und Kostenkontrolle

Laut der Umfrage vom März 2026 sehen Schweizerinnen und Schweizer eine Lösung des Wohnungsmangels in einer Förderung von günstigem Wohnraum und Genossenschaftswohnungen. Eine weitere beliebte Lösung ist die Begrenzung von Mietpreisen und die Kostenkontrolle.

Gemäss Comparis-Immobilienexperte Harry Büsser birgt staatlich geförderter Wohnraum allerdings auch Gefahren:

  1. Schlimmstenfalls profitieren nicht diejenigen von gefördertem Wohnraum, die ihn benötigen. Es besteht die Gefahr, dass der geförderte Wohnraum an Personen mit Kontakten geht.

  2. Steuerfinanzierte Wohnförderungen könnten private Investitionen verdrängen.

Laut Büsser lohnt sich eine differenzierte Sicht auch bei der Mietpreisbegrenzung.

Viele Befragte wollen damit wohl vor allem ausdrücken, dass Wohnen bezahlbar bleiben soll und Regeln gegen überrissene Mietpreise besser durchgesetzt werden sollen. Gleichzeitig gilt: Wenn Regulierung Investitionen in Neubauten stark bremst, verschärft das die Knappheit mittelfristig eher, als dass sie sie löst.

Portraitbild von Comparis-Immobilien- und Finanz-Experte Harry Büsser
Harry BüsserComparis-Immobilienexperte

4. Städter und Junge sind bereit für höhere Häuser 

Den Wohnungsmangel spüren gemäss der Umfrage vom November 2025 junge Personen im Alter von 18 bis 35 Jahren sowie die städtische Bevölkerung am stärksten. In diesen beiden Gruppen ist auch die Zustimmung zu baulichen Massnahmen am höchsten: 52 Prozent der jungen Befragten wären bereit, höher zu bauen. Unter den Städterinnen und Städtern sind es sogar 54 Prozent

Die Umfrage von März 2026 bestätigt, dass junge Personen und die städtische Bevölkerung am meisten vom Wohnungsmangel betroffen sind:

  • Insgesamt haben 29 Prozent der Befragten in den letzten 24 Monaten Mühe gehabt, eine passende Wohnung zu finden oder zu behalten.

  • In den Städten fiel 32 Prozent in den letzten zwei Jahren die Wohnungssuche schwer. Auf dem Land waren es nur 25 Prozent.

  • 44 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 35 Jahren hatten in den letzten 24 Monaten Schwierigkeit bei der Wohnungssuche.

Ausserdem macht sich ein Fünftel aller Befragten Sorgen darum, dass ihnen die Wohnung gekündigt wird.

Wohnungsnot ist längst nicht mehr nur ein Thema für Personen die gerade umziehen wollen. Wenn jeder fünfte Erwachsene Angst hat, die eigene Bleibe zu verlieren, geht es fundamental um Sicherheit, Planbarkeit und letztlich um Lebensqualität.

Portraitbild von Comparis-Immobilien- und Finanz-Experte Harry Büsser
Harry BüsserComparis-Immobilienexperte

5. Fazit: soziales Spannungsfeld in der Wohnpolitik 

Laut Comparis-Finanzexperte Harry Büsser steht die Schweiz vor einer Zukunft mit hoher Nachfrage nach Wohnraum, geringer Bautätigkeit und grossen politischen Hürden.  

Gleichzeitig ist nicht absehbar, ob bauliche Lösungen der Wohnungsnot künftig auf mehr Zustimmung stossen. Die Massnahmen sind ähnlich unbeliebt wie in der früheren Umfrage vom Mai 2025. Nur bei der Schaffung neuer Bauzonen zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied: Aktuell stimmen 30 Prozent zu, während es 2025 noch 25 Prozent waren. 

Politik und Bauherren brauchen Geduld, Mut – und gute Argumente. Vor allem gegenüber Frauen und in ländlichen Regionen. Nun müssen wir uns entscheiden: Wollen wir die Wohnungsnot ernsthaft bekämpfen oder nur darüber reden? Ohne höher zu bauen und ohne schnellere Baubewilligungsverfahren wird sich die Wohnungsnot verschärfen.

Portraitbild von Comparis-Immobilien- und Finanz-Experte Harry Büsser
Harry BüsserComparis-Immobilienexperte

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Die erste repräsentative Befragung wurde durch das Marktforschungsinstitut Innofact im Auftrag von comparis.ch im November 2025 unter 1’039 erwachsenen Personen in allen Regionen der Schweiz durchgeführt. 

Die zweite repräsentative Befragung wurde durch das Marktforschungsinstitut Innofact im Auftrag von comparis.ch im März 2026 unter 1'034 Erwachsenen in allen Regionen der Schweiz durchgeführt. 

Repräsentativität bedeutet, dass die Teilnehmenden einer Umfrage die gesamte Zielgruppe gut widerspiegeln. Das heisst, wichtige Merkmale wie Alter, Geschlecht oder Wohnregion sind ähnlich verteilt wie in der ganzen Bevölkerung. So kann man die Ergebnisse besser auf alle übertragen.

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Dieser Artikel wurde erstmals produziert am 19.06.2025

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