Mietrecht: Darf ich auf dem Balkon grillieren?

Tipps, um den Nachbarn nicht zur Weissglut zu bringen

Grillieren auf dem Balkon ist erlaubt – aber Rücksicht ist geboten, wenn die Nachbarn erheblich gestört werden könnten.

Dichte Rauchschwaden wabern über das Geländer, der blutige Saft rohen Fleisches tropft behäbig in die heisse Glut während der Geruch von Gebratenem sich immer stärker ausweitet. Aber ist grillieren auf dem Balkon überhaupt erlaubt? Laut Mieterverband ja, sofern man auf die Nachbarn Rücksicht nimmt. Was aber heisst das ganz genau?

Im Sommer heizen die Schweizer fast jeden zweiten Tag den Grill an. So beliebt grillieren auch sein mag, kann das dem Nachbarn oft gar nicht schmecken. Laut Schweizer Mieterverband ist "ein generelles Grillverbot auf dem Balkon nicht haltbar", aber es muss die Rücksichtspflicht auf andere Mieter gewahrt werden. Wie aber funktioniert rücksichtsvolles Grillieren auf dem Balkon, der Terrasse oder dem Gartensitzplatz?

 

Rechtlicher Rahmen mit Spielraum

"Übermässige Immisionen" sind untersagt. Wer also seinen Nachbarn über lange Zeit zuqualmt oder nach 22 Uhr grilliert, muss mit Streit rechnen. Bei der Gesetzesauslegung gibt es allerdings einen erheblichen Ermessensspielraum: Es kommt darauf an, wie lange, wie oft und wie qualm-intensiv grilliert wird. "Sämtliche Verbote in der Hausordnung oder im Mietvertrag müssen auf Sachlichkeit beruhen" und dürfen nicht "zu fest in das Privatleben der Mieter eingreifen", so der Mieterverband. Möchte man Ärger aber von vornherein aus dem Weg gehen, verzichtet man besser auf den geliebten Holzkohlegrill und stellt auf Gas- oder Elektrogrill um, wie es so manche Hausordnung fordert. 

Mit oder ohne Qualm: Holzkohle- oder Elektrogrill?

Der grösste Nachteil beim Holzkohle-Grill ist der mitunter starke, beissende Rauch, der die Nachbarn sicherlich stört. Deutlich weniger davon produziert der so genannte "vertikale Grill", bei dem das Grillgut neben der Glut hängt. Und auch der "rauchfreie" Grill ist eine Alternative – der Lotusgrill zum Beispiel: Eine batteriebetriebene Lüftung sorgt für ein schnelles Aufheizen der Kohle und es gibt praktisch keine Rauchemissionen.

Rauchfrei-Tipps zum Grillieren auf dem Balkon oder der Terrasse

Wenn schon Holzkohle, dann so: Damit nicht unnötig viel Fleischsaft in die Glut tropft und noch mehr Qualm entsteht, sollte man das Fleisch mit der Zange wenden, anstatt es mit der Gabel zu piesacken. Bier macht sich zwar geschmacklich gut auf Grillfleisch, dem Nachbarn zuliebe sollte man es trotzdem besser austrinken, anstatt es über das Grillgut zu giessen. Damit verhindert man lästigen Ascheflug. Aus dem gleichen Grund sollte auch wenig Öl und Marinade auf die Kohle tropfen.

Zusammengefasst steht ein friedlicher Grillsommer bevor, wenn Grilleure diese Ratschläge beherzigen:

  • Rücksichtspflicht beachten
  • Am besten Elektro-, Gas- oder vertikale Grills verwenden
  • Wenn Holzkohle: Fleisch mit der Zange wenden und
  • kein Bier, Öl oder Marinade in die Glut tropfen lassen
  • Grillgesellschaft nach 22 Uhr in die Innenräume verlegen 

 

» Wohnung mit Balkon finden

 


Fachredaktion

Kommentar schreiben



  • Grillierverbot ja

    Die Belästigung ist vergleichbar mit der Verbrennung von Grünabfall.

    Bewertung

    falkepit antworten


  • Grillieren

    wie ist es aber mit den in Mode gewordenen Feuerschalen. Da wird nämlich nicht grilliert sondern nur geraucht. Man lässt es einfach brennen sozusagen als Ersatz für das Lagerfeuer.

    Bewertung

    Franz Vogel antworten


  • Grillieren erlaubt oder nicht

    Als Stockwerkeigentümer bin ich die Meinung, dass es abhängig ist was im STWE-Reglement steht. Darin befindet sich ein Artikel 10.2 mit folgendem Inhalt: "Verboten ist jede Benützungsart, die mit der im Begründungsakt des Stockwerkeigentums für die betreffende Stockwerkseinheit vorgesehenen Zweckbestimmung offensichtlich im Widerspruch steht. Verboten ist in jedem Fall alles, durch das die Liegenschaft oder Leben und Gesundheit ihrer Bewohner geschädigt oder gefährdet wird. Ich glaube nicht, dass man den Rauch (von Gas-, Kohlen oder elektrischen Grillgeräte) Gesund nennen kann. Von den Geruchsbelästigungen nicht zu sprechen, wenn man gerade sein Balkon benutzt (das verlassen werden muss), ein Schlaffzimmerfenster gerade noch geöffnet ist und somit dieser Raum (ganze Wohnung) sich mit Fleischgestank füllt. Vielleicht sogar die Wohnung mit blauen Rauch füllt und verlassen werden muss. Es gibt ein Gesetz, Luftreinhaltenabkommen, obwohl (leider) sicher nicht für Grillgeräte gedacht.

    Bewertung

    Dirk Hammer antworten


  • Mieterverband?

    Der Vollständigkeit sei einfach wieder einmal erwähnt, dass nicht der Mieterverband festlegt was gilt und zulässig ist. In Sachen Mietrecht ist dafür das Parlament, und für die Anwendung der Gesetze sind die Gerichte zuständig. Der Mieterverband darf sich durchaus zu einzelnen Themen äussern. Es bleibt aber eine Parteistellungnahme.

    Bewertung

    Derrick Schneider antworten


  • Mieterverband?

    Der Vollständigkeit sei einfach wieder einmal erwähnt, dass nicht der Mieterverband festlegt was gilt und zulässig ist. In Sachen Mietrecht ist dafür das Parlament, und für die Anwendung der Gesetze sind die Gerichte zuständig. Der Mieterverband darf sich durchaus zu einzelnen Themen äussern. Es bleibt aber eine Parteistellungnahme.

    Bewertung

    Derrick Schneider antworten


  • Grill-Rauch vom Nachbarn in seiner Wohnung

    viele nehmen leider null Rücksicht! Schade!! Jeder sollte sich ein wenig in die anderen Mitmieter einfühlen. Rauch vom grillierenden Nachbarn in der ganzen Wohnung nervt! Wenn man Vegetarier ist, ist es sogar abscheulich!

    Bewertung

    Rauch stört! antworten


  • Alle sollen Rücksicht nehmen...

    nur ich nicht. Rücksicht ist auch, dem Nachbarn sein Grillieren zu gönnen, wenn er es mag. Ihr könnt nicht verlangen, dass alle eure Nachbarn immer aufs Grillieren verzichten, weils euch stört. Rücksicht nehmen ist ein Geben und Nehmen..

    Bewertung

    geben&nehmen antworten


  • wenn man es richtig macht

    sollte es auch niemanden stören. Jede/r soll und darf sein Privatleben haben und sich nicht Sachen aufzwängen oder aufschwätzen lassen die nich sein sollten. Oder wie ist es mit dem Lärm der Nachbarn bestellt? Sicher muss und soll man auch ein bisschen Rücksicht nehmen, aber mit etwas gesundem Menschenverstand. Ich selber wohne auch in einer Mietwohnung (Block) und hier ist es offiziell durch die Hausverwaltung sogar erlaubt dass man auch einmal ein Fest machen darf, empfohlen wird jedoch dass man wenn immer wie möglich den oder die Nachbarn darüber informiert. Hier funktioniert das prima.

    Bewertung

    Roland antworten


  • wenn man es richtig macht

    sollte es auch niemanden stören. Jede/r soll und darf sein Privatleben haben und sich nicht Sachen aufzwängen oder aufschwätzen lassen die nich sein sollten. Oder wie ist es mit dem Lärm der Nachbarn bestellt? Sicher muss und soll man auch ein bisschen Rücksicht nehmen, aber mit etwas gesundem Menschenverstand. Ich selber wohne auch in einer Mietwohnung (Block) und hier ist es offiziell durch die Hausverwaltung sogar erlaubt dass man auch einmal ein Fest machen darf, empfohlen wird jedoch dass man wenn immer wie möglich den oder die Nachbarn darüber informiert. Hier funktioniert das prima.

    Bewertung

    Roland antworten


  • Grillen durch Mieter

    Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass Mieter Rechte hätten. Keine Sorge, Ihr müsst als Vermieter kein Grillen dulden, auch rauchfreies nicht. Per Einschreiben abmahnen, Verbot der übermässigen Rauch- und Geruchsbelästigung aussprechen (lässt sich ohnehin nicht beweisen), Kündigung im Wiederholungsfall androhen. Wenn Ihr im Stockwerkeigentum seid, um so besser. Die anderen Eigentümer gewinnt Ihr leicht auf Eure Seite. In dem meisten Fällen wird Euer Mieter sauer aufs Grillen verzichten. Sowohl die Schlichtungsstelle als auch die Gerichte werden auf Eurer Seite sein, sollte der naive Mieter sich doch rechtlich wehren wollen. Und nebenbei tut Ihr sogar was Gutes, wenn Ihr dem Mieter den Weg zum asketischen Lebensstil zeigt. Und wenn dieser partoux nicht will, es gibt genug Mieter, die mucksmäuschenstill sind, keine Kinder haben, nie Grillen oder Besuch empfangen und den Fernseher nie anmachen. Alles dafür, dass Ihr Eure verdiente Ruhe und sauber laufende Mieteinnahmen habt :-)!

    Bewertung

    Der Architekt antworten



« Zur Übersicht News

Login

Abbrechen

Sie sind ein neuer Benutzer: Registrieren

Passwort vergessen?