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Lärmbelästigung: Wie viel Lärm muss ich aushalten?

TIPPS
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Zuhause kann es schon mal lauter hergehen. Doch welchen Lärm muss der Nachbar dulden? Bild: iStock / Imgorthand

Alltagsgeräusche gehören zum Leben dazu. Mit welchem Lärm Sie leben müssen, welche Reglements greifen und wie Sie den Gang zum Gericht vermeiden, zeigt Ihnen comparis.ch.

Lärm hat ein hohes Konfliktpotenzial. Doch was ist Lärm eigentlich? Wann ist er erlaubt und wann nicht?

Ein allgemeingültiges Gesetz zum Thema Lärmbelästigung existiert nicht. Lärmbestimmungen gibt es hingegen viele: in den Reglements von Stockwerkeigentümergemeinschaften und den Hausordnungen, im Zivilgesetzbuch sowie den Polizei- und Gemeindereglements.

Übermässigen Lärm vermeiden

Für ein friedliches Miteinander gilt die Regel: unnötigen Lärm vermeiden und zulässigen Lärm tolerieren – und das nicht nur während der Ruhezeiten.

Während das Geschrei eines Babys und das Weinen eines Kleinkinds zulässig sind, gilt ständiges Hüpfen von Kindern oder Rollschuhfahren in der Wohnung als unnötiger Lärm. Zieht in die Wohnung über Ihnen ein neuer Nachbar ein, ist der Lärm durch das Aufstellen der Möbel tagsüber zu tolerieren. Rückt und schiebt er allerdings ständig sein Mobiliar durch die Wohnung, müssen Sie das nicht hinnehmen. Fällt Ihrem Nachbarn aus Versehen die Tür etwas härter ins Schloss, ist das in Ordnung. Schlägt er die Tür allerdings permanent zu, fällt dies in die Kategorie «übermässiger Lärm».

«Übermässig» ist ein unbestimmter Gesetzesbegriff. Was konkret zumutbar – also nicht «übermässig» – ist, entscheidet in einer Streitsache ein Gericht. Jeder Fall muss einer einzelnen Beurteilung hinsichtlich Intensität und Dauer des Lärmes unterzogen werden.

Der Richter urteilt dabei gemäss einer Interessenabwägung. Das heisst: Er muss ohne Bezug auf das persönliche Empfinden der Parteien herausfinden, wie ein Durchschnittsmensch in der Situation den Lärm empfinden würde. Nicht nur Lärm, sondern auch Gerüche oder negative Immissionen wie Lichtentzug oder Beeinträchtigung der Aussicht durch eine Mauer oder Bäume fallen in diese Kategorie.

Ruhezeiten einhalten

Etwas greifbarer sind die Verordnungen der Polizei und Gemeinde über die Zeiten, in denen Lärm untersagt ist. Stockwerkeigentümer halten dies in der Regel in der Hausordnung fest. Als Nachtruhe gilt vielerorts die Zeit zwischen 22 und 6 Uhr. Seien es Gespräche oder Musik: Geräusche sind nachts nur in Zimmerlautstärke erlaubt. Eine zusätzliche Ruhezeit ist meist der Zeitraum von 12 bis 13 Uhr mittags.

Sollten Sie zum Beispiel eine Party feiern, die voraussichtlich nicht um 22 Uhr endet, dann informieren Sie Ihre Nachbarn besser vorab. Gleiches gilt für Lärm in der Mittagszeit, der sich nicht vermeiden lässt. Dieser kann zum Beispiel durch Handwerker hervorgerufen sein. Durch Vorabinformation der Nachbarn signalisieren Sie, dass Ihnen Vorschriften und Hausordnung nicht egal sind. 

Tierischer Lärm

Ein heikles Thema in Sachen Lärm sind Tiere. Sei es das Gebell des Nachbarhundes oder das Gezwitscher vom Kanarienvogel auf dem Nachbarbalkon: Haustiere werden laut Zivilgesetzbuch als Nachbarn behandelt und beurteilt. Bellt ein Hund lediglich, wenn es an der Tür läutet, dürfte das ein Richter im Streitfall wahrscheinlich nicht als übermässige Belästigung werten. Anders stellt es sich dar, wenn der Hund über Stunden oder regelmässig in der Nacht bellt. Da haben Herrchen und Frauchen meist schlechte Karten. Es kann sogar zur Wegnahme des Hundes kommen. In den meisten Fällen versuchen Gerichte, einen Kompromiss zu finden – etwa, dass der Vogel nur zu einer bestimmten Uhrzeit auf dem Balkon trällern darf.

Mehr Infos und Urteile zum Thema Tiere und Lärm liefert das Onlineportal lärm.ch.

Rücksicht statt Radau

Die wichtigsten Zutaten für ein friedliches Miteinander stehen allerdings in keinem Gesetzesbuch oder Reglement: Toleranz und Rücksichtnahme. Bei Nachbarn, für die diese Tugenden Fremdwörter sind, hilft nur ein offenes Gespräch. Zwar haben Sie das Recht, bei Ruhestörungen die Polizei zu alarmieren. Dies sollten Sie in der Regel aber erst bei wiederholter Lärmbelästigung tun. Oftmals können im freundlichen Dialog mit den Nachbarn Missverständnisse aus dem Weg geräumt und Kompromisslösungen gefunden werden. Das spart letztendlich auch den Gang zum Gericht – und damit viel Zeit, Geld und Nerven.

 

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