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Wann erhalte ich Ergänzungsleistungen?

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Bild: iStock / kasto80

Ergänzungsleistungen kommen zum Zug, wenn Sie die Kosten für den minimalen Lebensstandard nicht mehr selber bezahlen können. Bei einer Pflegebedürftigkeit kann das schnell geschehen.

Zum Ratgeber: Leben im Alter

Was sind Ergänzungsleistungen?

Gemäss der Bundesverfassung müssen die AHV- (Alters- und Hinterlassenenversicherung) und IV-(Invalidenversicherungs-)Renten das Existenzminimum decken. AHV- und IV-Rentner in der Schweiz, die ihren minimalen Lebensstandard nicht finanzieren können, haben rechtlichen Anspruch auf Ergänzungsleistungen (EL). Fast die Hälfte der IV-Rentner und rund zwölf Prozent der AHV-Bezügern erhalten Zuschüsse aus den Ergänzungsleistungen. Die Tendenz ist steigend.

EL sind keine Fürsorgeleistungen oder Almosen, sondern eine Versicherungsleistung des Sozialsystems der Schweiz. EL müssen im Gegensatz zur Sozialhilfe nicht zurückgezahlt werden. Auch können Verwandte dafür nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

Wer hat Anspruch auf Ergänzungsleistungen?

Voraussetzung für den Anspruch auf Ergänzungsleistungen sind ein Wohnsitz in der Schweiz und der Bezug einer Rente:

  • AHV- oder IV-Rente
  • Hilflosenentschädigung der IV (nach Vollendung des 18. Lebensjahres)
  • Taggelder der IV (während mindestens 6 Monaten)
  • Witwen-, Wittwer- oder Waisenrente

Bürger aus Nicht-EU/EFTA-Staaten mit Wohnsitz in der Schweiz erhalten Ergänzungsleistungen erst, nachdem sie eine bestimmte Zeit in der Schweiz gelebt haben. Für Angehörige von Nicht-EU/EFTA-Staaten mit einem Staatsvertrag oder Flüchtlinge sind das fünf Jahre, für Angehörige von Staaten ohne Staatsvertrag sind es zehn Jahre.

Welche Leistungen können erwartet werden?

Sind bei Ihrer provisorischen Berechnung die Ausgaben höher als die Einnahmen, sollten Sie sich für die Ergänzungsleistungen anmelden. Bei der Vergütung gibt es zwei Kategorien von Ergänzungsleistungen, nämlich

  • regelmässige monatliche Beiträge
  • Beiträge für ungedeckte Krankheits- und Behinderungskosten.

Regelmässige monatliche Beiträge

Die monatlichen Beiträge werden zusammen mit Ihrer AHV- oder IV-Rente ausbezahlt. Die Höchstbeiträge sind kantonal unterschiedlich. Sie errechnen sich aus der Differenz zwischen den anerkannten Ausgaben und den anrechenbaren Einnahmen.

Als anerkannte Ausgaben gelten:

  • Berufsauslagen
  • Kosten für Gebäudeunterhalt und Hypothekarzinsen
  • Pauschalbeträge für die obligatorische Krankenversicherung (kantonal unterschiedlich)
  • Beiträge an die AHV, IV und EO
  • Alimente
  • Ausgaben für allgemeinen Lebensbedarf, der Mietzins und die Nebenkosten der Wohnung, wenn Sie zu Hause leben
  • Wenn Sie im Heim oder Spital leben: die Tagestaxe und persönliche Auslagen etwa für Kleider, Körperhygiene, Zeitungen, Steuern

Als anrechenbare Einnahmen gelten:

  • Renten der beruflichen Vorsorge (AHV, IV, MV, UV)
  • Einkünfte aus Vermögen (Zinsen, Miete, Pacht, Nutzniessung)
  • Mietwert der Wohnung
  • Alimente
  • Taggelder der Krankenkasse, IV, ALV, UV
  • Leistungen von Arbeitgebern
  • Erwerbseinkommen (bei IV-Taggeldbezügern)
  • Ein Teil des Vermögens (bei Alleinstehenden beträgt die Freivermögensgrenze 37‘500 und bei Ehepaaren 60‘000 Franken)

Nicht als anrechenbare Einnahmen gelten:

Eine provisorische Schätzung der regelmässigen Beiträge kann im EL-Rechner berechnet werden.

Beiträge für ungedeckte Krankheits- und Behinderungskosten

Zusätzlich zu den monatlichen Leistungen zahlt die EL auch Beiträge für ungedeckte Krankheits- und Behinderungskosten, wenn solche anfallen. Dazu zählen:

  • Zahnarztrechnungen,
  • Ausgaben für Pflege und Betreuung,
  • ärztlich verordnete Erholungs- und Badekuren,
  • notwendige Hilfsmittel und Transporte zum nächsten medizinischen Behandlungsort.

Zudem beteiligt sich die EL pro Jahr mit bis zu 1'000 Franken an der Franchise und dem Selbstbehalt der obligatorischen Krankenversicherung.

Die jährlichen Höchstbeträge für ungedeckte Krankheits- und Behinderungskosten betragen für Alleinstehende 25'000 Franken, für Ehepaare 50'000 Franken und für Bewohner eines Heimes 6'000 Franken. In einigen Kantonen liegen die Maximalbeträge höher. Die Beträge sind aber immer nur so hoch wie die effektiven Kosten und werden nur ausbezahlt, wenn keine andere Versicherung (Krankenkasse, Unfallversicherung, Haftpflichtversicherung, AHV- oder IV) die Kosten übernimmt.

Wie und wo können Sie Ergänzungsleistungen beantragen?

Ergänzungsleistungen erhalten Sie nicht automatisch. Sie müssen sie beantragen. Zudem werden Ergänzungsleistungen nie rückwirkend bezahlt, sondern frühestens ab dem Monat, in dem Sie den Antrag stellen. Stellen Sie deshalb Ihren Antrag so früh wie möglich.

Normalerweise können Sie den Antrag in der Wohngemeinde oder als Heimbewohner in der ehemaligen Wohngemeinde stellen. Lassen Sie sich dabei nicht verwirren: die zuständigen Stellen heissen je nach Gemeinde oder Kanton anders, etwa «EL-Stelle», «AHV-Zweigstelle», «Ausgleichskasse», «Sozialversicherungsanstalt» oder «-zentrum». Eine Liste der zuständigen EL-Stellen finden Sie hier.

Und noch ein Hinweis: Wer Ergänzungsleistungen bezieht ist von der Gebührenpflicht für Radio und TV befreit. Reichen Sie dazu bei der SERAFE AG das Bestätigungsschreiben des EL-Bezuges ein.