Vorläufiges Ende der Hypothekar-Tiefstzinsen

Comparis-Hypotheken-Barometer im vierten Quartal 2013


Die Zinsen für Festhypotheken sind 2013 kräftig gestiegen. Die Schuldner setzen sich darum einen kürzeren Finanzierungshorizont und wünschen eher mittelfristige Laufzeiten. So können sie ihr Eigenheim noch mit einem Zins finanzieren, der unter der psychologischen Schmerzgrenze von 2 Prozent liegt. Fast jede dritte nachgefragte Festhypothek hat eine mittelfristige Laufzeit. Das zeigt das Comparis-Hypotheken-Barometer fürs vierte Quartal 2013.

Zürich, 15. Januar 2014 – «Waren das noch Zeiten», könnten sich manche Hypothekarschuldner sagen, wenn sie an das Jahr 2012 denken. Die Zinsen bewegten sich damals monatelang in rekordtiefen Sphären. Das hat sich im Jahr 2013 geändert. Die Festhypotheken sind deutlich teurer geworden. Ihr Preis hat sich auf einem Niveau eingependelt, das bis zu 35 Prozent höher liegt als vor Jahresfrist. Dies geht aus dem Hypotheken-Barometer hervor, das der Internet-Vergleichsdienst comparis.ch quartalsweise veröffentlicht.

Zehnjährige Festhypotheken: von 2,0 auf bis zu 2,7 Prozent
Der Zinsanstieg im Jahr 2013 erfolgte in zwei Etappen (Grafik 1). Die Richtzinsen für zehnjährige Festhypotheken stiegen zunächst Anfang Jahr von 2,0 auf 2,3 Prozent. Dann kletterten sie ab der Jahreshälfte weiter und erreichten im Herbst Höchstwerte um 2,7 Prozent. Auf diesem Niveau stabilisierten sie sich im vierten Quartal, wie die Zinskurve zeigt (Grafik 2).

Grafik 1 (Quelle: comparis.ch)

Grafik 2 (Quelle: comparis.ch)

Die fünfjährigen Festhypotheken zeigen eine ähnliche Entwicklung, natürlich auf tieferem Niveau.
Die Zinsen für einjährige Festhypotheken betrugen fast das ganze Jahr hindurch 1,4 Prozent. Die variablen Hypotheken kosteten immer ungefähr gleich viel, nämlich 2,7 Prozent Zins.

Geldpolitische Entscheidungen wirken nach
«Der Zinsanstieg im Jahr 2013 war geprägt von wegweisenden Entscheidungen in der Geldpolitik», sagt Stefan Rüesch, Banken-Experte von comparis.ch. Dazu gehören die Ankündigung des Kapitalpuffers in der Schweiz und Aussagen der amerikanischen Notenbank, die langfristig auf ein Ende der bisherigen Gelddruck-Politik hinwiesen. «Konkret haben drei Faktoren zum Zinsanstieg geführt. Erstens reichten die Banken die durch die regulatorischen Vorgaben gestiegenen Kapitalkosten an die Kunden weiter, zweitens weiteten sie ihre Margen aus und drittens schraubten die im Sommer noch vagen Einschätzungen der zukünftigen internationalen Geldpolitik die Zinserwartungen gerade für längere Hypotheken in die Höhe», sagt Rüesch. Ende 2013 haben sowohl die Schweizerische Nationalbank als auch die US-Notenbank weitere geldpolitische Massnahmen angekündigt, welche das Schicksal der Hypothekarnehmer in näherer Zukunft mitbestimmen werden und tendenziell zu einer Stabilisierung der Zinsen auf dem höheren Niveau führen.

So sind die Hypotheken zwar teurer geworden. Nach wie vor gibt es aber Laufzeiten, deren Preis noch unter der psychologischen Schwelle von 2 Prozent Zins liegt. Dies ist auch ein Grund für markante Verschiebungen in der Nachfrage. In der Hypotheken-Börse haben nämlich mittelfristige Festhypotheken (vier bis sechs Jahre Laufzeit), deren Richtzinsen im Durchschnitt des vierten Quartals zwischen 1,6 und 2,0 Prozent betrugen, deutlich an Beliebtheit zugelegt (Grafik 4). Bereits im dritten Quartal hatte sich ihr Anteil an sämtlichen Festhypotheken von 16 auf 25 Prozent vergrössert. Im vierten Quartal betrafen bereits 31 Prozent aller Anfragen nach einer Festhypothek eine mittelfristige Laufzeit.

Grafik 3 (Quelle: comparis.ch)

Grafik 4 (Quelle: comparis.ch)

Demgegenüber haben die langfristigen Modelle (sieben bis zehn Jahre) an Beliebtheit eingebüsst. Ihr Anteil sank erneut, und zwar von 70 auf 63 Prozent. «Der Trend der Langfristigkeit ist wohl klar abnehmend – ob dies nur als Überreaktion der Kunden zu werten ist, bleibt abzuwarten», sagt Banken-Experte Stefan Rüesch. Wer nun aber komplett auf Kurzfristigkeit setzt und eine Libor-Hypothek abschliesst, sollte aufpassen. Denn er oder sie muss sich darauf gefasst machen, dass in den nächsten Jahren auch die Libor-Zinsen ansteigen können.

Vorsicht vor den tiefen Libor-Zinsen
Das ist kein Problem, solange sich der Anstieg der Libor-Zinsen im Rahmen einer Festhypothek bewegt, also bei einem Zinssatz von 2 bis 3 Prozent. Teuer wird es aber, wenn der Libor noch höher steigt. «Wer heute denkt, er könne bei einem starken Anstieg der Libor-Zinsen einfach auf eine günstige Festhypothek umsteigen, könnte sich täuschen. Wenn nämlich der Libor-Zins in die Höhe klettert, werden zu dem Zeitpunkt auch die Festhypotheken markant teurer sein» erklärt Rüesch. Mit anderen Worten: «Wer beschränkten Spielraum hat oder ruhig schlafen möchte, sollte heute eine Festhypothek mit mittleren oder gar längeren Laufzeigen bevorzugen – historisch gesehen befinden wir uns schliesslich immer noch in einer Tiefzinsphase», so der Comparis-Experte.

Datengrundlage von comparis.ch
Die Angaben zu den Zinssätzen sowie zu den Zinskurven basieren auf den Richtzinssätzen von rund 65 Kreditinstituten, welche täglich aktualisiert und im Zinsüberblick von comparis.ch publiziert werden. Für die nachgefragten Laufzeiten werden die Finanzierungsgesuche ausgewertet, welche Kreditsuchende in der Hypotheken-Börse von comparis.ch platzieren. Die Erfahrung zeigt, dass in den meisten Fällen die Zinsen der Hypothekarofferten unter den offiziellen Richtsätzen liegen.

Das nächste Hypotheken-Barometer erscheint Anfang April 2014.

 

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