Versicherung

Leistungskürzungen im Schadensfall

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Bild: iStock / Askolds

Ein Unfall ist schnell geschehen. Gut, sind Sie versichert. Doch mitunter zahlt die Versicherung den Schaden nicht oder nur teilweise. Lesen Sie hier, wann Sie damit rechnen müssen.

Was fällt unter Grobfahrlässigkeit?

Wenn Sie einen Schaden verursachen, weil Sie grobfahrlässig gegen Verkehrsregeln verstossen haben, so kann die Autoversicherung die Kosten für den Schaden von Ihnen zurückverlangen (Rückgriffs- oder Regressrecht). Zu den grobfahrlässigen Verstössen gehören unter anderem:

  • das Überfahren der Sicherheitslinie und eines Stoppsignals;
  • bei Rot über eine Kreuzung fahren;
  • zu schnelles Fahren;
  • Alkohol am Steuer;
  • die Einnahme von Drogen und Medikamentenmissbrauch.

Manche Autoversicherungen bieten gegen einen geringen Aufpreis einen Grobfahrlässigkeitsschutz. Andere bieten zwar keinen expliziten Grobfahrlässigkeitsschutz an, entscheiden aber je nach Situation, wie grobfahrlässig der Unfallverursacher gehandelt hat. Als Massstab für die Grobfahrlässigkeit gilt oft der Entscheid, ob die Behörden einem Lenker nach dem Unfall den Ausweis entziehen oder nicht. Aber aufgepasst: Dieser Schutz gilt nicht bei Alkohol oder Drogen am Steuer oder bei massiver Geschwindigkeitsübertretung!

Fallstricke lauern auch bei der mutwilligen Beschädigung durch Dritte. Diese sind zwar durch die Teilkaskoversicherung abgedeckt. Wenn Sie Ihren fahrbaren Untersatz aber z.B. an einer Stelle parkiert haben, an der eine Demonstration stattfindet und das Fahrzeug dabei zu Schaden kommt, kann die Versicherungsgesellschaft die Regulierung des Schadens verweigern. Denn sie stuft parkierte Autos bei Krawallen oft als Fahrlässigkeit ein.

Fahren Sie nicht barfuss

Dieses Thema ist ein Dauerbrenner: Mit steigenden Temperaturen wächst das Bedürfnis, möglichst wenig Kleidung am Leib zu haben – auch an den Füssen. Wer sich jedoch in Flip-Flops oder gar barfuss ans Steuer setzt, riskiert Ärger mit seiner Versicherung. Verboten ist das Fahren ohne Schuhe oder in Badeschlappen zwar nicht – bei einem Unfall kann es aber teuer werden. Das gilt im Übrigen auch bei anderem ungeeigneten Schuhwerk, wie Stöckelschuhen oder Skischuhen.

Artikel 31 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG) verlangt nämlich, dass der Führer das Fahrzeug ständig so beherrschen muss, dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann. Solange alles gut geht, sind Flip-Flops und Barfussfahrten also kein Problem, auch nicht bei einer Polizeikontrolle. Doch mit Badeschlappen oder barfuss rutscht der Fuss leichter vom Pedal. Ist also ungeeignetes oder fehlendes Schuhwerk die Unfallursache, muss der Autofahrer mit einer Strafanzeige und einem möglichen Ausweisentzug rechnen.

Die Autoversicherung prüft ebenfalls, ob der Unfall durch grobe Fahrlässigkeit verursacht wurde. In diesem Fall kann der Versicherer die Leistungen der Vollkaskoversicherung kürzen oder in der Haftpflichtversicherung auf den Versicherten zurückgreifen, so dass dieser einen Teil des Schadens selbst tragen muss.

Nichteinhalten vertraglicher Bedingungen

Mit dem Abschluss des Versicherungsvertrages akzeptieren Sie die vertraglichen Bedingungen. Ein Verstoss gegen diese Bedingungen kann im Schadenfall zur Folge haben, dass die Versicherung den Schaden nicht vollumfänglich übernimmt.

Knackpunkt freie Garagenwahl

Ein Beispiel ist die freie Garagenwahl. Bei einer Police ohne freie Garagenwahl bestimmt die Versicherung für die Reparatur eine Garage in Ihrer Nähe. Dadurch wird die Prämie günstiger. Sollten Sie sich dann doch für eine andere Garage entscheiden, müssen Sie im Schadenfall mit einem erhöhten Selbstbehalt rechnen.

Ebenso verhält es sich mit anderen vertraglichen Abmachungen. Im Zweifelsfall werfen Sie einen genauen Blick auf Ihre Police – dann sind Sie vor unliebsamen Überraschungen sicher.

Augenmass beim Tuning

Sportauspuff, Chiptuning, ausgefallene Frontspoiler – wer sein Auto zu einem unverwechselbaren Unikat machen möchte, hat nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Allerdings nur theoretisch. Praktisch findet die Modifikationslust ihre Grenzen an geltenden gesetzlichen Vorgaben.

Gemäss Art. 34 der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge besteht für Halter von getunten Fahrzeugen eine ausserordentliche Prüfungspflicht. Vor der Weiterverwendung muss das zuständige Strassenverkehrsamt die Änderungen am Auto abnehmen und im Fahrzeugausweis eintragen. Dadurch sind Sie vor Konsequenzen geschützt. Ansonsten müssen Sie mit einer Busse oder gar der Konfiszierung des Fahrzeugs rechnen.

Die Prüfung hat aber nicht nur polizeiliche oder behördliche Relevanz – sie ist auch versicherungstechnisch wichtig. Wer nämlich die gesetzlichen Vorgaben für die Fahrzeugausrüstung nicht befolgt und einen Unfall baut, dem kann die Haftpflichtversicherung im Extremfall die Leistung empfindlich kürzen oder sogar komplett verweigern. Die Versicherung kommt dann zwar für den Schaden auf, fordert das Geld aber vom Autohalter zurück (Regress).

In der Kaskoversicherung gelten sämtliche Tuningteile als Zubehör. Standardmässig schliessen die Versicherungen 10 Prozent des Katalogpreises in die Deckung ein. Wer viel Geld in die Auto-Optimierung investiert, muss das unbedingt der Versicherung melden. Dadurch werden zwar höhere Prämien fällig, der Vorteil ist jedoch klar: Sie riskieren keine Unterdeckung und müssen im Schadensfall nicht mit Leistungskürzungen rechnen. Um böse Überraschungen bei der Abnahme oder im Schadenfall zu vermeiden: Informieren Sie sich im Vorfeld über die allfälligen Auflagen, wie auch über die möglichen Kosten bei der zuständigen Behörde und kommunizieren Sie Änderungen in jedem Fall Ihrer Versicherung. In Zweifelsfällen kontaktieren Sie direkt das zuständige Strassenverkehrsamt bzw. Ihre Autoversicherung.