Versicherung

Obligatorische Autohaftpflichtversicherung: Fast doppelt so hohe Prämien je nach Anbieter

ANALYSE
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Bild: iStock / Solovyova

Bei der Autohaftpflichtversicherung sind die Leistungen gesetzlich vorgeschrieben. Dennoch zeigt eine Comparis-Analyse Prämienunterschiede für einen VW Golf von bis zu 91 Prozent.

Autofahrer können bei der obligatorischen Autohaftpflichtversicherung massiv sparen. Das zeigt die Analyse der Nettoprämien bei elf Schweizer Versicherern.

Was ist die obligatorische Autohaftpflichtversicherung?

Die Autohaftpflichtversicherung ist für Autobesitzer Pflicht. Sie deckt neben Sach- oder Personenschäden auch Vermögensschäden (z.B. Lohnausfall) an Dritte (Mitfahrer, Velofahrer, Fussgänger usw.). Weiter sind Kosten zur Abwehr von unbegründeten Ansprüchen enthalten (z.B. Anwaltskosten). Die Deckung ist gesetzlich vorgeschrieben und muss mindestens 5 Millionen Franken betragen. Üblicherweise wird eine Deckungssumme von 100 Millionen Franken angeboten.

Wie gross sind die Preisunterschiede bei der obligatorischen Autohaftpflichtversicherung?

Preisunterschiede bei Männern

Bei männlichen Autofahrern bestehen die grössten Preisunterschiede: Generali und Die Mobiliar* verlangen für eine Autohaftpflichtversicherung 530 Franken. Das ist rund 91 Prozent mehr als bei Smile.direct. Der Direktversicherer verlangt 278 Franken.

Preisunterschiede bei Frauen

Für Frauen beträgt der Preisunterschied rund 80 Prozent; mit einer Prämie von 510 Franken bei Generali und 504 Franken bei Die Mobiliar gegenüber 284 Franken bei Smile.direct.

Preisunterschiede bei Junglenkern

Auch für Junglenker sind die Prämienunterschiede gross. Unter 25-jährige Männer bezahlen bei Zurich** 770 Franken und damit 79 Prozent mehr als bei Axa mit 431 Franken.

Auch Junglenkerinnen können je nach Anbieter bis zu 81 Prozent sparen. Teuerster Anbieter ist auch hier Zurich mit 745 Franken. Axa veranschlagt demgegenüber für dieselbe Leistung 411 Franken.

Das Klischee von teureren Prämien für Männer bestätigt sich nicht immer. Das gilt besonders für Junglenker. Bei Generali zahlen Junglenkerinnen mehr als junge Männer; nämlich 17 Prozent.

Grosse Preisunterschiede zwischen Direktversicherern

Wer eine Direktversicherung wählt, fährt nicht automatisch günstig. Die Preisunterschiede zwischen den Online-Versicherern sind gross.

Junglenkerinnen bezahlen bei Dextra 40 Prozent weniger als bei Elvia. Bei jungen Männern beträgt der Unterschied vom günstigsten Direktversicherer Dextra zu Elvia immerhin 23 Prozent. Auch für ältere Autofahrer und -fahrerinnen bestehen Preisunterschiede von gut 25 Prozent.

Wieso gibt es Preisunterschiede bei der obligatorischen Autohaftpflichtversicherung?

Comparis Mobilitätsexpertin Andrea Auer begründet die Preisunterschiede hauptsächlich mit den unterschiedlichen Unternehmensstrategien: «Die Versicherer setzen denselben Autolenker auf unterschiedliche Bonusstufen». Das gelte im Besonderen für Junglenker. Allerdings bedeute eine tiefe Bonusstufe nicht zwingend eine günstige Prämie.

«Autofahrer sollten bei der Wahl der Autohaftpflichtversicherung zudem unbedingt auf die eigenen Bedürfnisse achten», so Auer. Bei Direktversicherern gäbe es etwa keine Agenturen oder Papierrechnungen mehr. «Wer ein Treffen mit dem Versicherungsberater wünscht, fährt mit einem teureren Angebot womöglich besser», sagt Auer.

Wie können Sie bei der obligatorischen Autohaftpflichtversicherung sparen?

Damit auch Sie in der obligatorischen Autohaftpflichtversicherung sparen können, lohnt es sich, jährlich die eigenen Bedürfnisse und Prämien zu überdenken und Preise zu vergleichen.

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Methodik

comparis.ch hat im Februar/März 2019 bei den 11 Versicherern Allianz Suisse, Axa, Basler Versicherung, Dextra, Elvia, Generali, Helvetia, Die Mobiliar, Smile.direct, Vaudoise und Zurich jeweils für vier vordefinierte Fahrerprofile Offerten für eine obligatorische Autohaftpflichtversicherung für einen VW Golf 1.4 TSI, (Typenschein: 1VD562, aktueller Kilometerstand: 100’000 km, Neupreis: 35’400 Franken, 1. Immatrikulation: 1. Juli 2011, Fahrleistung 11’000 km pro Jahr) angefragt und verglichen. Die Fahrerprofile definierten sich über folgende Merkmale:

Profil 3 und 4 (Mann Ü30 bzw. Frau Ü30): Geburtsdatum: 01.01.1984 / Datum Führerschein 01.01.2004 / Nationalität CH / Selbstbehalt CHF 0.

Des Weiteren galt für alle vier Profile folgende Deckung: 100 Millionen Franken Versicherungssumme (marktübliche Deckungssumme). Keine weiteren Zusatzdeckungen wie Bonusschutz oder Grobfahrlässigkeit. Keine Schäden, Ablehnungen oder Sanierungen bei Vorversicherern. Versicherungsnehmer ist häufigster Lenker.

*Die Mobiliar: Mit eingeschlossen ins Angebot ist eine nicht abwählbare 24-Stunden-Assistance, Rechtsschutz.

**Zurich: Mit eingeschlossen ins Angebot ist ein nicht abwählbarer Schadenfreiheitsbonus: Nach drei schadenfreien Jahren werden 10 Prozent der einbezahlten Prämien zurückerstattet.