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7 Fettnäpfchen beim Crowdlending

TIPPS
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Auch beim Crowdlending gilt: Ein Vergleich der Angebote lohnt sich. Bild: iStock / PeopleImages

Crowdlending wird immer beliebter. Aber Obacht: Hat diese Art des Privatkredits wirklich nur Vorteile? Comparis beleuchtet sieben Fettnäpfchen, auf die es zu achten gilt.

1. Crowdlending ist nicht zwingend günstig

In der Regel sind die anfallenden Zinskosten beim Crowdlending tiefer als jene eines klassischen Privatkredits. Zumindest wird dies in der Kommunikation jeweils als grosser Vorteil herausgestrichen. Doch dies muss nicht immer so sein. Je nach Auktionsverfahren beim Crowdlending kann der Zins unterschiedlich hoch ausfallen. Demgegenüber offerieren Banken jeweils einen Zins in einer Bandbreite von 4.4 und 9.9 Prozent. Ein prüfender Blick ist deshalb immer ratsam. Genauso wie ein Vergleich der unterschiedlichen Crowdlending-Anbieter.

2. Crowdlending hat versteckte Gebühren

Normalerweise weisen Crowdlending-Anbieter in der Kommunikation die Nominalzinsen des Kredits aus. Hinzu kommen jeweils Gebühren für die Nutzung der Online-Plattform der Anbieter. Dies verteuert den Kredit und sollte in der Gesamtrechnung berücksichtigt werden. Den klassischen Privatkreditanbietern, welche alle dem Konsumkreditgesetz (KKG) unterstellt sind, wird vorgeschrieben, den Zins inklusive aller Gebühren und sonstigen Kosten auszuweisen.

3. Versicherungsschutz kostet zusätzlich

Einige klassische Anbieter versichern Privatkreditkunden bei Arbeitsunfähigkeit oder Tod kostenlos. Diese sinnvolle Absicherung kostet bei den meisten Crowdlending-Anbietern extra.

4. Ohne KKG entfällt derzeit ein wichtiger Schutz

Klassische Privatkreditanbieter unterstehen dem Konsumkreditgesetz (KKG). Davon profitieren die Kunden, weil das KKG den Konsumenten vor Überschuldung schützt. Demgegenüber sind Crowdlending-Anbieter derzeit nicht dem KKG unterstellt. Dadurch entfällt ein wichtiger Schutzmechanismus und die Möglichkeit einer Überschuldung steigt. Deshalb wird das KKG derzeit angepasst. Die Referendumsfrist läuft Anfang Oktober 2018 ab. In der revidierten Version wäre dann auch Crowdlending dem KKG unterstellt.

Info: Das Bundesgesetz über den Konsumkredit (KKG) ist ein in der Schweiz geltendes Bundesgesetz zur Erhöhung des Schutzes des Kreditnehmers vor Überschuldung.

5. Crowdlending ist ein längerer Prozess

Einen Privatkredit zu beantragen ist per se kein schneller Prozess. Denn die Prüfung der Anfrage folgt klaren gesetzlichen Vorgaben: Es werden Informationen und Unterlagen benötigt, Verträge müssen erstellt und vom Kunden akzeptiert werden und es muss am Ende eine 14-tägige Wartefrist bis zur Auszahlung abgewartet werden. Im Vergleich zum klassischen Privatkredit kann dieser Prozess beim Crowdlending länger ausfallen, da ja der Kreditbetrag im Rahmen eines Auktionsverfahrens durch die Crowd aufgebracht werden muss.

6. Crowdlending verhindert nicht automatisch einen ZEK-Eintrag

Wird ein Privatkredit auf dem klassischen Weg beantragt und der Antrag abgelehnt, hat dies einen Eintrag bei der Zentralstelle für Kreditinformationen (ZEK) zur Folge. Eine Kreditablehnung bleibt zwei Jahre registriert und erschwert die Kreditsuche, da diese in jede zukünftige Kreditprüfung einfliesst. Aber Vorsicht: Teilweise arbeiten auch Crowdlending-Anbieter mit der ZEK zusammen. Dann schützt Crowdlending nicht automatisch vor einem ZEK-Eintrag.

7. Crowdlending ist keine optimale Lösung bei grossem Geldbedarf

Typisch für Crowdlending sind eher tiefe Kredite mit einer kürzeren Laufzeit. Oftmals ist es mit Crowdlending deshalb für Privatpersonen schwierig, hohe Kredite mit langen Laufzeiten zu erhalten. Ein Grund dafür: Die so genannte 20er-Regel. Diese besagt, dass ein Kredit nicht von mehr als 20 Kreditgebern finanziert sein darf. Ein Rechenbeispiel: Bei einem Kredit in der Höhe von 100'000 Franken braucht es also 20 Anleger, welche alle mindestens 5'000 Franken einbringen. Für einen einzelnen Anleger als viel Geld. Diese 20er-Regel entfällt in Zukunft jedoch mit der Revision des KKG (vgl. Punkt 4). Dann dürfen Crowdlending-Anbieter Kredite von mehr als 20 Gläubigern vermitteln. In der Regel hat der klassische Privatkredit gegenüber dem Crowdlending Vorteile, je höher der Kredit sein soll. Insbesondere weil die Unsicherheit, ob das Crowdlending zustande kommt, entfällt.

Zusätzlich gilt es beim Crowdlending folgendes zu berücksichtigen: Der Crowdlending-Prozess ist aufwändig. Denn während dem Crowdlending-Prozess, insbesondere der Auktion, müssen je nach Plattform immer wieder Anfragen der potenziellen Geldgeber beantwortet werden. Das kann zu einem signifikanten Mehraufwand führen. Zudem ist der Kontakt zu mehreren Kreditgebern beim Crowdlending automatisch aufwändiger als der Kontakt mit einem Privatkredit-Anbieter. Im Gegensatz zum klassischen Privatkreditantrag ist Crowdlending zudem quasi-öffentlich. Diskretion wird dementsprechend weniger grossgeschrieben.

Wer sich nicht abschrecken lässt: So funktioniert Crowdlending.