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Kreditkarte versus Privatkredit: Wann eignet sich welche Finanzierungsform?

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Bei kleineren Einkäufen ist die Kreditkarte praktisch – bei grösseren Beträgen lohnt sich ein Privatkredit. Bild: iStock / pixelfit

Ob mit Kreditkarte oder Privatkredit: Mit einem Kauf auf Kredit lassen sich persönliche Träume schnell verwirklichen. Was Sie wissen sollten.

Sei es für die Möblierung der neuen Wohnung, eine berufliche Weiterbildung oder die nächste Urlaubsreise: Traumverwirklichung auf Kredit hat seinen Reiz. Die gängigsten Kreditformen dafür sind Privatkredit und Kreditkarte. Was sollte man über diese zwei Schuldenarten wissen, und wann sind sie sinnvoll?

Bei Kreditkarten denken wohl die meisten zuerst an ein praktisches Zahlungsmittel für den Einkauf im Supermarkt. Was jedoch viele nicht wissen: Kreditkartenunternehmen bieten oft auch eine Kreditoption an, die es ihren Kunden erlaubt, einen offenen Saldo in mehreren Raten abzuzahlen. Dabei wird ein Zins berechnet. Zur Aktivierung dieser Teilzahlungsoption muss der Kunde einen Antrag stellen, der anschliessend von dem Kreditkartenanbieter geprüft wird. Die maximale Kredithöhe wird durch die persönliche Ausgabelimite vorgegeben, die bei Standardkarten, je nach Kreditfähigkeit des Kunden, üblicherweise zwischen 2'000 und 5'000 Franken, höchstens aber bei 15'000 Franken liegt.

Vorteil der Kreditkarte: maximale Flexibilität

Die Teilzahlungsoption der Kreditkarte bietet enorme Flexibilität. Ist sie einmal aktiviert, kann der Nutzer jederzeit sofort auf den Kredit zurückgreifen und muss nicht zuerst warten, bis das Geld auf sein Konto überwiesen wird. Darüber hinaus kann er weitgehend selbst darüber entscheiden, wann und in welchen Raten er den offenen Saldo begleicht. Lediglich eine niedrige monatliche Mindestzahlung – in der Regel 5 Prozent des Rechnungsbetrags, mindestens aber 50 bis 100 Franken – ist obligat. Eine Zahlungsfrist, wie beim Privatkredit die Laufzeit, gibt es nicht. Solange der Kunde seine persönliche Kartenlimite nicht überschreitet, kann er die Rückzahlung seiner Schulden im Prinzip also beliebig lange hinauszögern. Die Teilzahlungsoption erfordert daher ein hohes Mass an Disziplin und Eigenverantwortung. Sind gleich mehrere Karten im Einsatz, können Überblick und Kontrolle schnell verlorengehen.

Privatredit auch für grössere Summen geeignet

Mit einem Privatkredit lassen sich deutlich kostspieligere Anschaffungen finanzieren als mit der Kreditkarte. Er beläuft sich in der Regel auf 1'000 bis 80'000 Franken und kann für jeden beliebigen privaten Zweck verwendet werden. In Ausnahmefällen werden Kredite gar bis zu einer Summe von 250'000 Franken vergeben. Diese sind jedoch nicht mehr vom Konsumkreditgesetz geschützt. Voraussetzung für die Gewährung eines Privatkredits ist eine erfolgreiche Bonitätsprüfung, bei der die Kreditfähigkeit und Kreditwürdigkeit des Kunden bewertet werden. Dabei werden seine gesamte Finanzlage, seine Zahlungsmoral in der Vergangenheit sowie weitere relevante Risikofaktoren genau unter die Lupe genommen. Bei einem positiven Ergebnis bekommt der Kreditnehmer den gewährten Kreditbetrag auf sein Konto überwiesen.

Privatkredit ist leichter planbar

Anders als bei einem Kreditkartenkredit ist die Rückzahlung bei einem Privatkredit von Anfang an klar geregelt. Der Kreditnehmer zahlt der Bank eine bestimmte Monatsrate, die sowohl den fälligen Monatszins als auch einen bestimmten Rückzahlungsbetrag beinhaltet. Am Ende der vertraglich festgelegten Laufzeit, die in den meisten Fällen zwischen sechs Monaten und sieben Jahren liegt, hat der Kreditnehmer seinen gesamten Kredit einschliesslich Zinsen abgezahlt. Dank der von vornherein fixierten und monatlich gleichbleibenden Raten wird ein Höchstmass an Planungssicherheit gewährleistet. So weiss der Kreditnehmer stets, wann er mit welchen Ausgaben zu rechnen hat. Steht es um seine persönlichen Finanzen besser als erwartet, kann er den noch ausstehenden Kreditbetrag jederzeit vorzeitig zurückzahlen.

Privatkredite sind günstiger

Bei Privatkrediten variiert der Zinssatz zwischen 4,5 Prozent und dem gesetzlichen Höchstwert von 10%. Die genaue Höhe des Zinssatzes hängt von verschiedenen Faktoren ab: zum Beispiel von der Bonität des Kreditnehmers, der Betragshöhe oder der Laufzeit. Zudem kann es einen Einfluss haben, ob jemand Eigenheimbesitzer ist oder nicht.

Kennzeichnend ist, dass die Kreditanbieter alle bei der Kreditvergabe anfallenden Zusatzgebühren in den Zins miteinrechnen müssen. Dadurch wird eine besonders hohe Kostentransparenz gewährleistet – ein erheblicher Vorteil für die Budgetplanung. Im Gegensatz dazu liegen die Kreditkartenzinsen in der Regel bei 12 Prozent, dem maximal zulässigen Satz, oder nur knapp darunter. Zwar muss auch dieser Zinssatz alle administrativen Kosten für die Gewährung der Kreditoption beinhalten. Allerdings fallen bei der Kreditkarte schnell noch eine Reihe zusätzlicher Gebühren wie Jahres-, Mahn-, Rechnungsstellungs-, Bargeldbezugs- oder Auslandstransaktionsgebühren an. Die komplexen Preisstrukturen bei Kreditkartenangeboten führen zu Intransparenz und erschweren die Vergleichbarkeit.

Rückzahlungsdauer ist entscheidend

Welche Kreditart sich besser eignet, hängt natürlich von der persönlichen Situation und den individuellen Bedürfnissen ab. Aufgrund der höheren Kosten sowie der grösseren Gefahr eines Kontrollverlusts ist die Kreditkarte aber grundsätzlich nur bei Beträgen sinnvoll, die innert sehr kurzer Frist abbezahlt werden können. Besonders praktisch ist sie dabei für spontane Einkäufe, Bestellungen im Internet oder Zahlungen im Ausland.

Handelt es sich hingegen um grössere Summen, deren Rückzahlung mehr Zeit erfordert, ist der Privatkredit die bessere Option, da er einerseits günstiger und andererseits besser planbar ist. Privatkredite eignen sich also vor allem für Anschaffungen langlebiger Produkte, die Finanzierung einer Aus- oder Weiterbildung oder die Ablösung eines bestehenden Kredits. Es kann sich auch lohnen, höhere Kreditkartenschulden auf einen Privatkredit zu übertragen, um dadurch die Zinslast zu reduzieren.

Unabhängig davon, welche Kreditform man ins Auge fasst: Es sollte immer zuerst genau geprüft werden, ob eine Anschaffung wirklich ins Budget passt. Zudem ist davon abzuraten, teure, aber kurzlebige Konsumgüter oder auch Dinge wie Reisen und Hochzeiten auf Kredit zu finanzieren. Das Vergnügen ist hier im Vergleich zur Abzahlungszeit viel zu kurz.