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Privatkredit: Das Wichtigste im Überblick

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Ob ein Privatkredit Sinn macht, hängt von der persönlichen Situation ab. Bild: iStock

Ob für neue Möbel, die anstehende Renovation des Eigenheims oder gar die Finanzierung des neuen Autos – mit einem Privatkredit lassen sich die verschiedensten Wünsche erfüllen. Doch was ist ein Privatkredit überhaupt genau und was sollten Kreditnehmer dazu wissen? 

Das Konsumkreditgesetz (KKG) definiert den Privatkredit, auch Konsum- oder Kleinkredit genannt, als ein verzinsliches Darlehen:

  • in Höhe von 500 bis 80'000 Franken;
  • mit einer Laufzeit von mehr als drei Monaten;
  • das nicht durch hinterlegte Sicherheiten gedeckt ist;
  • das ausschliesslich für private Zwecke verwendet wird.

Wird ein Darlehen für berufliche oder gewerbliche Investitionen, wie beispielsweise solche in die eigene Firma, aufgenommen, handelt es sich demnach nicht um einen Privatkredit.

Privatkredite können grob in zwei Arten unterteilt werden: Offline-Kredite, bei denen der Kreditnehmer die Bankfiliale besucht, und Online-Kredite, die über das Internet abgeschlossen werden. Oft werden von Finanzinstituten heute beide Möglichkeiten angeboten. Zudem haben Privatpersonen neuerdings die Möglichkeit, einander über Online-Kreditmarktplätze Darlehen zu gewähren (sog. Crowdlending).

Wie viele Schweizer nehmen einen Privatkredit in Anspruch?

Privatkredite sind in der Schweiz beliebter als man wahrscheinlich vermuten würde. Per Ende 2016 wurden bei der Zentralstelle für Kreditinformation 375'909 ausstehende Privatkredite mit einem Gesamtvolumen von knapp 7,1 Mrd. Franken registriert. Eine repräsentative Umfrage von comparis.ch aus dem Jahr 2017 ergab zudem, dass jeder dritte Schweizer schon einmal einen solchen Kredit aufgenommen hat. Demnach sind die wichtigsten Verwendungszwecke die Finanzierung eines Fahrzeugs sowie die Überbrückung finanzieller Engpässe, vor allem infolge unvorhergesehener Rechnungen. Seit ein paar Jahren ist die Nachfrage nach Privatkrediten in der Schweiz allerdings rückläufig.

Infografik zum Kreditvolumen in CHF und den ausstehenden und neu abgeschlossenen Krediten.

Wann ist ein Privatkredit sinnvoll?

Ob ein Privatkredit Sinn macht, hängt von der persönlichen Situation ab. Die Vor- und Nachteile müssen im Einzelfall gründlich abgewogen werden. Wichtig ist, dass ein Finanzierungswunsch in das Budget passt. Grundsätzlich eignet sich ein Privatkredit insbesondere, um: 

  • sich ein langlebiges Produkt, beispielsweise ein Auto oder eine neue Küche, anzuschaffen, wobei die Kreditlaufzeit in jedem Fall kürzer als die Lebensdauer des Gegenstands sein sollte;
  • einen vorübergehenden Zahlungsengpass zu überbrücken;
  • einen bestehenden Kredit umzuschulden bzw. abzulösen, wenn dadurch die Zinskosten gesenkt werden können;
  • eine Aus- oder Weiterbildung zu finanzieren, wenn sich keine anderen Geldgeber finden lassen.

Wofür ist ein Privatkredit nicht geeignet?

Ein Privatkredit ist für kurzlebige Konsumgüter und Anschaffungen weniger geeignet. In einem solchen Fall würde man mehr Zeit in die Abzahlung eines Kredits investieren als man vom damit gekauften Gut profitieren könnte. Jahre danach zahlt man noch für einen Wunsch, den man sich einst mal erfüllt hat. Es wird folglich nicht empfohlen, Ferien und Hochzeiten per Kredit zu finanzieren, da hier Freude und Genuss im Vergleich zur Abzahlungszeit nur von kurzer Dauer sind. 

Welche Rolle spielt die Bonität?

Jeder Kreditantrag wird einer sorgfältigen Prüfung unterzogen. Im Mittelpunkt steht eine Beurteilung der Kreditwürdigkeit bzw. Bonität des potenziellen Kreditnehmers. Dabei wird bewertet, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Antragsteller den Kredit planmässig zurückzahlen wird. Nur bei einer ausreichenden Bonität wird ein Kredit gewährt.

Bei der Bonitätsprüfung werden die gesamte Finanzlage des Antragstellers sowie Risikofaktoren wie Alter, Nationalität, Aufenthaltsstatus und Häufigkeit von Wohnorts- und Arbeitsplatzwechseln berücksichtigt. Es gilt zu beachten, dass Kredite nur an volljährige und erwerbstätige Personen mit einem regelmässigen Einkommen vergeben werden. Oft wird auch ein Wohnsitz in der Schweiz vorausgesetzt. Des Weiteren holen die Kreditprüfer Auskünfte von Betreibungsämtern und externen Bonitätsdatenbanken ein. Hat man offene Betreibungen oder ist schon einmal ein Kreditantrag abgelehnt worden, ist es äusserst schwierig, einen Privatkredit zu bekommen. 

Abgesehen von der grundsätzlichen Entscheidung über Annahme oder Ablehnung des Kreditgesuchs ist die Bonität auch für die Bestimmung der Zinshöhe massgebend: Je höher die Kreditwürdigkeit, desto tiefer der zu bezahlende Zins. Der Zins hängt jedoch noch von weiteren Faktoren wie der Kreditsumme, der Kreditlaufzeit und dem Verwendungszweck ab. In der Schweiz variieren die Zinssätze für Privatkredite derzeit zwischen 4,5 Prozent und dem gesetzlich festgelegten Maximalwert von 10 Prozent.

Die Bonität ist allerdings nicht nur für die Zinshöhe, sondern auch für die Kreditsumme von Bedeutung. Es mag sein, dass eine Bank nicht den ganzen Kredit bewilligt, wenn Risikofaktoren vorhanden sind. Dies ist auch dann möglich, wenn das Budget einen höheren Kredit zulassen würde.

Wie kann man sich vor Kreditfallen schützen?

Mit folgenden Massnahmen können sich Kreditsuchende vor den häufigsten Kreditfallen schützen:

Vorsicht vor Lockangeboten: Kreditanbieter werben gerne mit Tiefzinsen von unter 5 Prozent, um potenzielle Kunden anzulocken. Nur selten werden diese aber tatsächlich zugesprochen, da die meisten Kreditnehmer die dafür erforderliche Bonität nicht aufweisen. Ein Zins von 4,5 Prozent ist beispielsweise nur für Eigenheimbesitzer erhältlich. Bei Privatkrediten sind in der Schweiz Zinssätze im Bereich von 7,9 Prozent bis 9,9 Prozent die Regel. Es empfiehlt sich, einen Kreditvergleich bei einem unabhängigen Anbieter durchzuführen oder eine externe Beratung einzuholen.

Richtige Einschätzung der eigenen Bonität: Alle in der Schweiz abgelehnten Privatkreditanträge werden bei der Zentralstelle für Kreditinformation oder kurz ZEK registriert und für zwei Jahre gespeichert. Diese Informationen sind für alle gewerbsmässigen Kreditgeber einsehbar, weshalb es bei einem negativen Kreditentscheid deutlich schwieriger wird, andernorts einen Kredit zu erhalten. Daher ist es wichtig, die eigene Bonität schon im Vorfeld richtig einzuschätzen. 

Wahl längerer Laufzeiten: Gemäss dem KKG dürfen Kreditnehmer ihre Darlehen jederzeit vorzeitig zurückzahlen. Noch fällige Zinszahlungen entfallen dabei. Da bei der ZEK auch Zahlungsverzüge gemeldet werden, empfiehlt es sich, eine eher grosszügige Kreditlaufzeit zu wählen und die Schuld gegebenenfalls schon frühzeitig zu begleichen. Denn je länger der Kredit läuft, desto mehr kostet er, einfach gesagt. Es wird somit schwerst empfohlen, einen Privatkredit so schnell wie möglich abzuzahlen und die Kreditlaufzeit nicht unnötig lange auszudehnen. 

Meidung unseriöser Anbieter: Kreditsuchende sollten sich von Anbietern fernhalten, die Vorauszahlungen verlangen, mit Sofortkrediten werben oder zu Kreditvergaben ohne eine vorgängige Bonitätsprüfung bereit sind. Dies verbietet das KKG nämlich. 

Vermeidung einer Schuldensanierung: Von einer Kreditaufnahme ist abzusehen, wenn damit bestehende Schulden beglichen werden sollen oder wenn sich das Haushaltsbudget regelmässig im roten Bereich befindet. Mittel- und langfristig führt dies nur zu einer Verschärfung der Situation. 

Fazit

Ein Privatkredit kann eine interessante Finanzierungsmöglichkeit darstellen, um einen kurzfristigen finanziellen Engpass zu überbrücken oder sich einen langersehnten Wunsch zu erfüllen. Um eine optimale Kreditwahl zu treffen, sollten Kreditnehmer aber bereits im Vorfeld ihre Finanzlage realistisch einschätzen und die verschiedenen Angebote genau miteinander vergleichen.