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Crowdlending: So funktionieren Kredite ohne Banken

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Crowdlending kann eine interessante Anlagealternative sein - aber Achtung: Das Ausfallrisiko kann hoch sein. Bild: iStock / valentinrussanov

Bank ade: Durch das tiefe Zinsumfeld bringen Obligationen langfristig Verluste und Sparkonten keinen Zins – dies macht alternative Finanzierungsformen wie Crowdlending attraktiv. Das Wichtigste im Überblick.

Crowdlending, auch Peer-to-Peer-Lending (P2P) genannt, bezeichnet die internetbasierte Vermittlung von Krediten, die in der Regel von mehreren Privatpersonen an andere Privatpersonen oder an Unternehmen vergeben werden. Beide Seiten kommen dabei auf sogenannten Online-Kreditmarktplätzen zusammen: Während Kreditsuchende ihre zu finanzierenden Projekte auf den Marktplätzen präsentieren, haben Geldgeber (Anleger) die Möglichkeit, in diese zu investieren.

Lassen sich für ein Projekt genügend Geldgeber finden, werden deren individuelle Beiträge zu einem zu verzinslichen Kredit zusammengefasst. Für die Vermittlerdienste verrechnen die Marktplatzbetreiber den Kreditnehmern und teilweise auch den Anlegern eine Gebühr.

Wer Finanzierungsbedarf hat, kann auf der Website eines Anbieters einen Kreditantrag stellen. Dabei sind verschiedene Angaben zur persönlichen und finanziellen Situation erforderlich, die dazu dienen, die Kreditwürdigkeit des Antragstellers im Rahmen einer Bonitätsprüfung zu bewerten. Das daraus resultierende Bonitätsrating widerspiegelt das Kreditausfallrisiko für den Anleger und ist für die Bestimmung des Zinssatzes massgebend. Fällt der Kreditentscheid positiv aus, wird das Kreditprojekt auf dem Online-Marktplatz potenziellen Geldgebern unterbreitet. Um in Kreditprojekten anzulegen, ist eine relativ unkomplizierte Registrierung auf der Plattform eines Anbieters erforderlich. Nach einer erfolgreichen Überprüfung der Identität durch den Plattformbetreiber können erste Investitionen getätigt werden.

Diese Grafik zeigt die Funktionsweise von Crowdlending. Anleger investieren über eine Internetplatform, welche die Investitionen in Form von Krediten an Kreditnehmer vermittelt.

Was sind die Vorteile und Risiken von Crowdlending?

Die wichtigsten Vorteile für Kreditnehmer:

  • Ablauf (in der Regel) transparenter, unkomplizierter und schneller als bei der Bank
  • Möglichkeit, mit potenziellen Kunden direkt in Kontakt zu treten und unmittelbares Feedback zu erhalten

Die wichtigsten Vorteile für Anleger:

  • Vergleichsweise attraktive Renditemöglichkeit
  • Einfache Risikodiversifikation dank tiefer Mindestinvestitionsbeträge
  • Gesamte Betreuung des Kreditverhältnisses (Bonitätsprüfung, Dokumentation, Zahlungsabwicklung und Inkasso) wird vom Marktplatzbetreiber übernommen

Wie alle Anlage- und Finanzierungsformen birgt auch Crowdlending gewisse Risiken. Sollte der Kreditnehmer zahlungsunfähig werden, droht dem Anleger im schlimmsten Fall der Verlust seiner gesamten Investition. Des Weiteren sollten Anleger bedenken, dass der Kreditnehmer seinen Zahlungsverpflichtungen unter Umständen nicht fristgerecht nachkommt oder er seinen Kredit nach Möglichkeit frühzeitig zurückzahlen möchte. Kreditsuchende sollten sich dagegen bewusst sein, dass die Ablehnungsrate für Kreditanträge hoch ist und dass ein schlechtes Bonitätsrating eine hohe Zinslast zur Folge haben kann. Zudem wird der Kreditsuchende auch von Crowlending-Anbietern respektive den Kreditgebern geprüft. Dadurch können lange Wartezeiten entstehen.

Was sind die Nachteile gegenüber Privatkrediten?

Crowdlending hat gegenüber herkömmlichen Privatkrediten für Kreditnehmer einige entscheidende Nachteile. So ist bei einem Privatkredit relativ schnell klar, wie hoch die Kreditsumme ist. Bei Crowdlending kann es hingegen sein, dass nicht genügend Investoren gefunden werden und ein Kredit gar nicht oder erst sehr spät ausbezahlt wird. Dies kann auch dazu führen, dass die Schnelligkeit – eigentlich ein Vorteil von Crowdlending – gar nicht eingehalten werden kann.

Ein weiterer gravierender Nachteil von Crowdlending gegenüber Privatkrediten ist der Schutz der Kreditnehmer: So unterliegen Kredite von Crowdlending-Plattformen – da von privat zu privat vergeben – nicht wie Privatkredite dem Konsumkreditgesetz. Dieses ist jedoch die Grundlage von regulären Kreditverträgen und soll die Kreditnehmer vor Überschuldung schützen. Deshalb ist die Risikoprüfung oftmals schlechter als bei Banken. Zudem sind die Volumina im Vergleich zu klassischen Privatkrediten tendenziell eher gering. Dies erschwert die Diversifikation von Risiken, sodass bereits kleine Ausfälle stark ins Gewicht fallen.

Welche Angebote gibt es?

Der schweizerische Crowdlending-Markt wächst rasant. So ist das Kreditvolumen zwischen 2014 und 2016 von 3,5 auf gut 55 Millionen Franken (inkl. KMU-Kredite) angestiegen. Schliesst man KMU-Kredit bei der Betrachtung aus, betrug das Volumen Ende 2016 24 Millionen. Ein Vergleich: Der Gesamtmarkt an Privatkrediten beträgt derzeit ungefähr 4 Milliarden.

Mittlerweile gibt es über ein Dutzend Anbieter auf dem Markt, die sich grundsätzlich auf eines oder mehrere von drei Hauptsegmenten konzentrieren: Privat- wie auch KMU-Kredite und vermehrt auch Privat- und Geschäftshypotheken. Zudem versuchen gewisse Plattformen, sich über Zusatzangebote oder durch die Spezialisierung auf ein Teilsegment gegenüber der Konkurrenz zu differenzieren.

Für wen lohnt sich Crowdlending?

Insgesamt bietet Crowdlending gerade Privatpersonen, KMUs und Selbständigen eine interessante Alternative zum traditionellen Bankkredit, um auf (meist) unkomplizierte Weise und zu fairen Konditionen ein Darlehen zu erhalten. Wobei Aufgrund des Ausfallrisikos von Privatkunden vor allem KMU-Kredite interessant sind. Zudem sollten sich Kreditnehmer der Risiken und Nachteile von Crowdlending (vor allem auch gegenüber Privatkrediten) bewusst sein und diese bei der Prüfung von Crowdlending dementsprechend berücksichtigen. Für Anleger eröffnet sich vor allem im derzeitigen Niedrigzinsumfeld eine neue Renditequelle. Letztlich gilt aber wie immer: Je höher der Zins, desto grösser das Risiko.