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Ausländische Mehrwertsteuer: Fünf Tipps zur Rückerstattung

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Ab einem Gesamtkeinkauf von über 300 Franken muss die Ware beim Schweizer Zoll deklariert und die Schweizer Mehrwertsteuer bezahlt werden. Bild: iStock

Ob Deutschland, Österreich oder Italien: Für Schweizer lässt sich bei Einkäufen im grenznahen Ausland Geld sparen. Damit ein Schnäppchen aber auch ein Schnäppchen bleibt, hat comparis.ch fünf Tipps zur Rückerstattung der Mehrwertsteuer zusammengetragen.

Kleider, Kosmetik, Nahrungsmittel: Waren im Ausland sind meistens günstiger als in der Schweiz. Dabei profitieren Schweizer Grenzshopper nicht nur von günstigen Preisen, sondern auch von der Mehrwertsteuer: Diese kann für im Ausland erworbene Produkte zurückgefordert werden. Wenn Sie die folgenden Tipps beachten, steht der Schnäppchenjagd nichts mehr im Weg.  

1. Bedingungen zur Rückforderung prüfen

Damit die Mehrwertsteuer zurückgefordert werden kann, müssen einige Bedingungen erfüllt sein. Neben einem permanenten Wohnsitz in der Schweiz sind das folgende.

Rückforderungs-Bedingungen der Nachbarländer

Bedingung Deutschland Österreich Italien Frankreich
Mindesteinkauf Keiner* EUR 75.01 EUR 154.95 EUR 175.01
Ausfuhrfrist 3 Monate 3 Monate 3 Monate 3 Monate
Einlös-Frist MwSt. 4 Jahre
4 Monate 3 Monate 6 Monate

*Die beiden Rückerstattungs-Firmen Global Blue und Premier Tax Free (siehe Punkt 5 - Mehrwertsteuer zurückfordern) verlangen einen Mindesteinkauf von 25 Euro.

Zur Rückforderung gibt es also einerseits Fristen zu beachten, andererseits muss in gewissen Ländern ein Mindesteinkaufbetrag erreicht werden. Dies gilt allenfalls auch in einem Geschäft als Bedingung, damit man eine Ausfuhrbescheinigung erhält.

Wichtig: Für den Mindesteinkauf können Belege nicht kumuliert werden.

2. Steuerfreien Einkauf anfragen

Erkundigen Sie sich im Geschäft, ob Sie steuerfrei einkaufen können. Dies wird nämlich nicht überall angeboten. Die Schweizer Nachbarn sind dazu nicht gesetzlich verpflichtet. Ob ein steuerfreier Einkauf möglich ist, zeigt auch das blau-weisse Logo von Global Blue. Es ist meistens am Eingang oder bei der Kasse angebracht.

Nach erfolgtem Einkauf kann direkt bei der Kasse oder beim Kundendienst eine Ausfuhrbescheinigung bzw. ein Tax-Free-Formular angefordert werden. Die Formulare verlangen Name, Adresse und Ausweisnummer. Diese Angaben sollten genau geprüft werden: Stimmt ein Detail nicht, kann die Rückerstattung (z.B. durch Global Blue) verweigert werden. Der Ausfuhrschein ist zudem nur im Zusammenhang mit der Rechnung gültig. Werden die beiden nicht bereits an der Kasse zusammengeheftet, sollten Sie das nachholen.

Comparis-Tipp: Beabsichtigen Sie in Deutschland einzukaufen? Dann nehmen Sie das Ausfuhrformular am besten gleich mit – nicht jedes Geschäft hat diese vorrätig. Sie finden das Formular «Ausfuhr- und Abnehmerbescheinigung für Umsatzsteuerzwecke bei Ausfuhren im nichtkommerziellen Reiseverkehr» beim deutschen Zoll.

3. Ausfuhrbescheinigung abstempeln lassen

Die Ausfuhrbescheinigung kann am Zoll des Ausreiselandes abgestempelt werden. Beim deutschen Zoll wäre dies beispielsweise beim entsprechenden Zollschalter an der Grenze. Zollbeamten verlangen jeweils den Ausfuhrschein inkl. Quittung und einen amtlichen Ausweis. Manchmal werden Stichproben durchgeführt, ob die Ware auch tatsächlich mitgeführt wird. Diese müssen bei der Ausfuhr nämlich neu und unbenutzt sein.

Wichtig: Wurde die Ware einmal ausgeführt, darf der Zoll den Ausfuhrschein nicht nachträglich abstempeln. Es ist zum Beispiel nicht möglich, den Ausfuhrschein erst eine Woche nach Kauf abstempeln zu lassen, wenn man mit der Ware bereits über der Grenze war.

4. Waren in der Schweiz deklarieren

Ab einem Gesamtwert von 300 Franken muss die im Ausland gekaufte Ware beim Schweizer Zoll deklariert werden – die Schweizer Mehrwertsteuer muss entrichtet werden. Für den Schweizer Zoll ist dabei der Netto-Einkaufswert ausschlaggebend. Dies ist der Warenwert abzüglich der deutschen Mehrwertsteuer. Bleiben Sie umgerechnet unter der 300-Franken-Grenze, können Sie den Schweizer Zollschalter ausser Acht lassen. Diese Grenze gilt jedoch nicht für Paketsendungen: Wer Produkte aus dem Ausland bestellt, muss die Schweizer Mehrwertsteuer bereits ab einem Mehrwertsteuerbetrag von 5 Franken bezahlen.

Wichtig: Die Menge bestimmter Produkte, die man zollfrei einführen darf, ist begrenzt. Insbesondere bei Lebensmitteln, alkoholischen Getränken und Tabakwaren gibt es Grenzen (pro Person):

  • 1 Kilogramm Fleisch
  • 5 Liter bei alkoholischen Getränken bis und mit 18% Volumen
  • 1 Liter bei alkoholischen Getränken über 18% Volumen
  • 250 Stück Zigaretten
  • 250 Gramm Zigarren bzw. andere Tabakfabrikate

Weitere Informationen dazu finden sich auch bei der eidgenössischen Zollverwaltung.

5. Mehrwertsteuer zurückfordern

Die Rückzahlung der Mehrwertsteuer erfolgt nicht unmittelbar beim Zoll. Das Geld kann dabei unterschiedlich zurückerstattet werden – wie entscheidet jeweils der zuständige Laden. In den Geschäften der Grenzregionen erfolgt die Rückerstattung oft direkt über das jeweilige Geschäft. Grundsätzlich hat man aber folgende Möglichkeiten:

  • Offizielle Ausfuhrdeklarationen: Man geht zum selben Geschäft zurück und lässt sich die Mehrwertsteuer bar zurückerstatten oder vom nächsten Einkauf abziehen.
  • Mehrwertsteuer-Rückerstattungsfirmen: An den Auszahlungsstellen von Global Blue oder Premier Tax Free kann die Mehrwertsteuer durch Abgabe des Ausfuhrscheins bar zurückgefordert werden. Die Dienstleistung hat jedoch ihren Preis: es werden oft hohe Gebühren fällig, über die nicht deutlich informiert wird. Die Ausfuhrbescheinigung kann alternativ auch per Post (mit Angabe der Bankverbindung bzw. Kreditkartennummer) an einen Tax-Free-Dienstleister geschickt werden.
  • Refund Suisse: An der Kasse wird neben dem Kassenbeleg direkt das Ausfuhrlabel ausgedruckt. Dies lässt sich vom Zoll bestätigen – beim nächsten Einkauf im Geschäft wird der aufgedruckte Barcode auf dem Ausfuhrlabel gescannt. Die Rückerstattung erfolgt anschliessend über Refund Suisse.  

Für Schweizerinnen und Schweizer ist es grundsätzlich die beste Lösung, den abgestempelten Ausfuhrschein beim nächsten Einkauf im Geschäft abzugeben. Dies ist die günstigste Variante der Rückerstattung. Sie ist jedoch nur für jene praktisch, die regelmässig am gleichen Ort einkaufen. Für andere können Tax-Free-Dienstleister oder das Ausfuhrlabel Refund Suisse durchaus eine Alternative bieten.

Tipp: Reisen Sie mit dem Zug? Ist im Zug Zollpersonal anwesend, können Sie die mitgeführten Waren direkt anmelden. Ist kein Zollpersonal anwesend, verzollen Sie die Ware entweder mit der App QuickZoll, verlassen den Zug am Grenzbahnhof und melden die Ware schriftlich an (via Selbstanmeldung bei einer Anmeldebox), oder melden die Waren nachträglich innerhalb von sieben Tagen bei jeder Zollstelle während der Öffnungszeiten an.

Gute Angebote gibt es übrigens auch in der Schweiz:

 

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