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Einkaufen im Ausland: So erhalten Sie Geld zurück

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Im Ausland günstiger einkaufen und zusätzlich noch die Mehrwertsteuer einsparen.

Für Einkäufe im Ausland, etwa in Deutschland, können sich Schweizer die Mehrwertsteuer zurückerstatten lassen. Stempeln Sie den Ausfuhrschein ab und holen Sie sich das Geld zurück. comparis.ch verrät Ihnen, wie Sie die Mehrwertsteuer zurückfordern und in welche Fallen Sie vermeiden sollten.

In der Schweiz leben - in Deutschland, Frankreich oder Italien einkaufen: Beim Shoppen im Ausland lässt sich einiges an Geld sparen. Dabei profitieren Schweizer Grenzshopper nicht nur von mitunter extrem günstigen Preisen – sie können sogar noch mehr Geld sparen. Denn wer in der Schweiz wohnt, kann die Mehrwertsteuer für fast alle im europäischen Ausland erworbenen Produkte zurückverlangen.

Achtung: Man muss einen permanenten Wohnsitz in der Schweiz haben und die Waren müssen in einigen Ländern einen Mindesteinkaufswert erreichen. In Italien beträgt dieser 155 Euro, in Frankreich 175 Euro und in Österreich 75 Euro. In Deutschland gibt es keinen solchen Betrag.

1. Ausfuhrschein verlangen: Es genügt, beim Shoppen den Kassierer oder die Kassiererin um einen Ausfuhrschein zu bitten.

2. Ausfuhrschein ausfüllen: Sie müssen Ihren Namen, Ihre Adresse und die Ausweisnummer eintragen.

3. Rechnung anheften: Der Ausfuhrschein ist nur im Zusammenhang mit der Rechnung gültig. Am Besten heften Sie den Kassenzettel dem Zöllner zuliebe an. Manch ein Zollbeamte weigert sich, lose Zettel anzunehmen. Meistens wird das schon an der Kasse erledigt.

4. Ausfuhrschein abstempeln lassen: Dazu gehen Sie zum deutschen Zollschalter, geben dem Zöllner den Ausfuhrschein und zeigen Ihren Ausweis vor. Denn die Mehrwertsteuer zurückfordern kann nur, wer einen Wohnsitz in der Schweiz hat.

Eigentlich müssen Sie auch die Ware dabei haben. In der Praxis aber kontrolliert das niemand am Schalter. Falls Sie in eine Autokontrolle geraten: Die Ware muss neu und unbenutzt sein.

Aufgepasst: Wurde die Ware einmal ausgeführt, darf der Zoll Ihnen den Ausfuhrschein nicht nachträglich abstempeln. Wer also an einem Samstag in Konstanz einkauft, die Waren in die Schweiz bringt und am darauffolgenden Samstag den Ausfuhrschein abstempeln lassen möchte, wird vom Zöllner ein Kopfschütteln ernten. Zollbeamte fragen oft auch gezielt, ob man mit der Ware bereits in der Schweiz war.

5. Einfuhr: Bei einem Gesamtwert von mehr als 300 Franken müssen Sie die Einfuhr beim Schweizer Zoll deklarieren und die Schweizer Mehrwertsteuer zahlen. Für den Schweizer Zoll ist dabei der Netto-Einkaufswert ausschlaggebend, das heisst der Warenwert abzüglich der deutschen Mehrwertsteuer. Da der Franken-Euro-Wechselkurs sich aktuell bei etwa 1:1 bewegt, bedeutet dies: Sie können je nach Wechselkurs für derzeit rund 300 Euro einkaufen. Bleiben sie unter der 300-Franken-Grenze können Sie den Schweizer Zollschalter ausser Acht lassen.

Falls Sie aber auf die Idee kommen, Ihren Schein nur am deutschen Zoll abstempeln zu lassen und sich dann am Schweizer Zoll vorbeizuschleichen: Vorsicht! An manchen Grenzstationen haben die deutschen und Schweizer Kollegen Blickkontakt und informieren sich gegenseitig, beziehungsweise sie machen dies per Knopfdruck. Ausserdem kann es sein, dass Sie auch nach dem Grenzübertritt von Zollfahndern kontrolliert werden. Und das lohnt sich nicht!

Wichtig bei Postsendungen zu wissen: die 300-Franken-Grenze gilt nicht bei Postsendungen. Wer Produkte via Post aus dem Ausland bestellt, muss die Schweizer Mehrwertsteuer bezahlen, sobald deren Mehrwertsteuerbetrag bei 5 Franken oder höher liegt.

6. Mehrwertsteuer auszahlen lassen: Die Rückzahlung erfolgt nicht unmittelbar beim Zoll, sondern anschliessend. Wie das abläuft, erklären wir Ihnen weiter unten.

Wo der Zöllner genauer hinschaut

Grundsätzlich gilt: Wer für weniger als 300 Franken einkauft, muss in der Schweiz keine Mehrwertsteuer bezahlen. Wer darüber liegt, muss beim Schweizer Zoll die hiesige Mehrwertsteuer für den Gesamtbetrag der eingekauften Waren bezahlen.

Nehmen wir ein Beispiel:

Fall 1: Sie kaufen etwa in der Grenzstadt Konstanz Kleidung für 230 Euro. Sie erhalten die deutsche Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent zurück, müssen aber beim Schweizer Zoll keine Mehrwertsteuer für die Einfuhr zahlen, das Sie ja unter der 300 Franken-Limite (ca. 300 Euro) bleiben.

Fall  2: Sie kaufen üppiger ein und kommen auf Rechnungen von insgesamt 350 Euro. Dann erhalten Sie zwar auch die deutsche Mehrwertsteuer von 19 Prozent vollumfänglich zurück. Allerdings müssen Sie, nachdem der deutsche Zoll den Ausfuhrschein abgestempelt hat, zum Schweizer Schalter gehen, dort die Einfuhr deklarieren und die Schweizer Mehrwertsteuer von acht Prozent bezahlen.

Unterm Strich sparen Sie die Differenz zwischen dem deutschen und dem Schweizer Mehrwertsteuersatz.

Einfuhr-Beschränkungen beim Zoll

Die Menge bestimmter Produkte, die man zollfrei einführen darf, ist begrenzt. Insbesondere bei Lebensmittel, alkoholischen Getränken und Tabakwaren gibt es Grenzen. So dürfen pro Person zum Beispiel maximal fünf Liter Wein und Bier (bis zu 18%), 250 Zigaretten oder Zigarren und ein Kilo Fleisch zollfrei mitgenommen werden.  (Infos des Zoll).

Wer sich die Zollgrenzen nicht im Kopf behalten kann, kann sich eine App der Schweizerischen Zollverwaltung herunterladen, sowohl fürs iPhone als auch für Android.

Grenzshopper aufgepasst: Seit 1. Juli 2014 gelten neue Einfuhrbestimmungen. Lesen sie hier, welche Freigrenzen-Regeln für die Einfuhr in die Schweiz gelten. 

So funktioniert die Rückerstattung

Die Geschäfte bieten verschiedene Systeme mit unterschiedlichen Abläufen an. Grundsätzlich entscheiden die Verkäufer, welche Möglichkeiten sie anbieten. Die Kunden können das akzeptieren – oder in einem anderen Geschäft shoppen gehen, dessen Bedingungen besser sind.

Am attraktivsten ist es für Schweizer, den abgestempelten Ausfuhrschein beim nächsten Einkauf im Geschäft abzugeben. Das Geschäft bezahlt die Mehrwertsteuer bar aus. Das ist aber nur für jene praktisch, die regelmässig am gleichen Ort einkaufen.

Wichtig zu wissen: Deutschland hat zwei Mehrwertsteuersätze: Der Standard-Aufschlag beträgt 19 Prozent. Daneben gibt es ein ermässigter Steuersatz von 7 Prozent vor allem auf Lebensmittel. Also nicht wundern, wenn Sie nach einem Einkauf in einem deutschen Supermarkt keine 19 Prozent zurückerstattet bekommen.

Vorsicht vor Anbietern mit hohen Spesen

Es gibt spezialisierte Mehrwertsteuer-Rückerstattungs-Firmen wie Global Blue, Tax Free Worldwide oder Premier Tax Free. Der Kunde erhält das Geld dann bei bestimmten Schaltern zurück, wenn er den Ausfuhrschein abgibt. In der Schweiz gibt es dazu nur wenige Möglichkeiten. Zu erwähnen sind vor allem einige SBB-Wechselstuben, etwa am Zürcher Bahnhof.

Die Dienstleistung ist interessant für Touristen, die in absehbarer Zeit den Verkaufsort nicht wieder aufsuchen. Allerdings hat diese Dienstleistung ihren Preis: Es werden hohe Gebühren fällig, über die nicht deutlich informiert wird. Es kann ohne Weiteres sein, dass ein Anbieter einen Drittel für sich abzweigt.

In den Geschäften der Grenzregion erfolgt die Rückerstattung oft direkt über das jeweilige Geschäft. Grosse Einkaufszentren wie Karstadt in Konstanz oder Kaufhof in Lörrach haben eigene Schalter für ihre Schweizer Kunden eingerichtet.