Recht & Gesetz

Seit 1. Juli: Wein, Tabak, Fleisch - die neuen Zollregeln für Schweizer

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Vorsicht: Der Zoll setzt Grenzen beim Einkauf im Ausland. Bild: Thinkstock
Bis zu fünf Liter Wein und Bier sowie 250 Zigaretten: Seit dem 1. Juli gelten für die Einfuhr von Lebensmitteln und Genussmitteln in die Schweiz neue Zollgrenzen. Lesen Sie, was der Bundesrat sonst noch beschlossen hat.

Der Einkaufstourismus in die Nachbarländer Deutschland, Frankreich und Italien boomt nach wie vor. Die Preise der allermeisten Produkte dort wesentlich günstiger sind. Allein 2013 kauften die Schweizer beim Shoppen über der Grenze für rund 10 Milliarden Franken ein. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts GfK nehmen sie immer weitere Wege in Kauf, um weniger bezahlen zu müssen -  derzeit im Schnitt 74 Kilometer. Mehr als jeder Fünfte fährt gar mehr als 101 Kilometer.

Das grenzenlose Einkaufen hat aber seine Grenzen: Je nach Produkt und Menge ist bei der Rückkehr in die Schweiz eine Zollgebühr fällig - unabhängig von der 300-Franken-Freigrenze bei der Mehrwertsteuer. Jetzt hat der Bund den Zollgebühren-Katalog überarbeitet und dazu die Zoll- und Agrareinfuhrverordnung revidiert.

Seit dem 1. Juli 2014 gelten folgende Regeln und Grenzen:

 

Bier und Wein

Statt bisher zwei dürfen neu 5 Liter Wein und Bier eingeführt werden, ohne dass dafür eine Zollgebühr anfällt. Wer mehr einführt, zahlt für jeden weiteren Liter künftig einen Aufschlag von 2 Franken. Gerade bei Wein dürften die Preise plus Aufschlag in vielen Fällen noch deutlich unter den Schweizer Preisen liegen.

Der bisherige Zollzuschlag lag bei einer Menge bis zu 20 Litern bei 60 Rappen pro Liter, bei noch grösseren Mengen bei drei Franken.

Spirituosen

Bei Getränken mit über 18 Prozent Alkoholgehalt gilt weiterhin die Ein-Liter-Obergrenze. Bislang galt diese für alle Getränke mit mehr als 15 Prozent Alkohol.

Fleisch

Von Zollabgaben befreit ist nur noch die Einfuhr von maximal einem Kilo Fleisch – egal ob frisch oder zubereitet. Der bisherige Trick, mit mariniertem und damit also zubereitetem Fleisch die Freigrenze auszuweiten, funktioniert ab Sommer nicht mehr. Von der Ein-Kilo-Freigrenze ausgenommen bleibt weiterhin Wildfleisch.

Die neue Regelung dürfte vor allem Grillfreunde ärgern. Denn die alte Regelung erlaubte 0,5 Kilogramm unbehandeltes Fleisch und 3,5 Kilogramm zubereitetes Fleisch.

Tabak

Raucher können sich freuen. Sie dürfen 50 Zigaretten oder Zigarren beziehungsweise Tabak mehr als zuvor zollfrei mit nach Hause nehmen. Die Obergrenze stieg von 200 auf 250 Zigaretten oder Zigarren beziehungsweise Tabak.

Milchprodukte und Eier

Für Milch, Milchprodukte und Eier fallen keine Zölle mehr an. Aber aufgepasst: Butter und Rahm sind nur bis zu einem Kilo beziehungsweise einem Liter von Zollabgaben befreit. Für jedes zusätzliche Kilo respektive Liter müssen 16 Franken bezahlt werden.

Weitere zollfreie Produkte

Zollfrei sind seit 1. Juli 2014 auch Schnittblumen, Gemüse, Früchte und Getreideprodukte.

Verzollen per Smartphone

Möglich werden soll mittelfristig, Waren via Smartphone oder Tablet beim Zoll anzumelden. So können Verbraucher abklären, wie viel Zoll und Mehrwertsteuer sie für ihre Importe berappen müssen. Das Verfahren wird so schneller und kundenfreundlicher. Zudem können sich Schweizer bei der Heimfahrt so manch teure Überraschung am Zoll ersparen.

Mehrwertsteuer ist nicht Zollgebühr

Verwechseln Sie nicht die Zollgebühr mit der Mehrwertsteuer. Unabhängig von den Zollabgaben wird auf alle Einfuhren über 300 Franken eine Mehrwertsteuer von 8 Prozent des Gesamtwerts erhoben. Schweizer können sich aber die im Ausland gezahlte Umsatzsteuer rückerstatten lassen. In Deutschland etwa liegt diese bei 19 Prozent. Für die meisten Lebensmittel gilt ein reduzierter Satz von 7 Prozent.

Diese Zölle werden fällig

Wenn Sie Waren einführen, welche die Freimengen übertreffen, müssen Sie diese verzollen. Auf Mehrmengen werden gemäss Bestimmungen seit 1. Juli folgende Zölle erhoben:

  • Fleisch und Fleischzubereitungen: 17 Franken pro Kilogramm
  • Butter und Rahm: 16 Franken pro Kilogramm oder Liter
  • Öle, Fette, Margarine: 2 Franken pro Kilogramm oder Liter
  • Alkoholische Getränke bis 18% Vol.: 2 Franken pro Liter
  • Alkoholische Getränke über 18%Vol.: 15 Franken pro Liter;
  • Zigaretten, Zigarren: 25 Rappen pro Stück
  • Tabakfabrikate: 10 Rappen pro Gramm. 

Kein Zöllner an der Grenze: Was mache ich ?

Sollten Sie etwas zu verzollen haben und der Grenzposten nicht besetzt sein, dürfen Sie nicht einfach durchfahren. An den Zollstationen finden Sie Anmeldeboxen mit Formularen. Füllen Sie eines der beiden dort liegenden Formulare aus und schicken Sie es zusammen mit dem Kassenzettel an die Zolldirektion. Per Post erhalten Sie dann eine Rechnung nach Hause.

Vorsicht: Mobile Zollbeamte kontrollieren selbst mehrere Kilometer hinter der Grenze und zum Beispiel auch am Hauptbahnhof Zürich. Wer dann mit Waren in zollpflichtiger Menge, aber ohne Anmeldeformular erwischt wird, macht sich strafbar.

Ganz wichtig: Das Einreisen über die grüne Grenze ist verboten, sobald Sie zu deklarierende Waren bei sich führen.