Gesundheit & Prävention

Medikamente im Ausland bestellen – aufgepasst!

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Bei Medikamenten aus dem Internet ist Vorsicht geboten.

Mit dem tiefen Eurokurs günstig Medikamente im Ausland bestellen – das kann verhängnisvoll enden. Wer illegale Medikamente bestellt, gefährdet sich und kann sich mächtig Ärger mit den Behörden einhandeln.

Das Bundesgericht hat in seinem Entscheid vom September 2015 seine Position nochmals klargemacht: Das Heilmittelgesetz verlangt beim Versand von rezeptfreien Medikamenten eine vorgängige ärztliche Verschreibung. Die Verschreibung durch den Arzt setzt voraus, dass er den Patienten und seinen Gesundheitszustand kennt. Nur wenn sich der Arzt und der Patient kennen und miteinander in Kontakt sind, besteht eine Möglichkeit zur notwendigen Interaktion für die Verschreibung. Ein Gesundheitsfragebogen und die blosse Möglichkeit zur Kontaktaufnahme reichen nicht aus. Fast jedes zehnte Paket, das am Zoll kontrolliert wird, enthält gesundheitsgefährdende Substanzen oder unerlaubte Dopingmittel. Beschwerdenführer waren Swissmedic (Schweizerisches Heilmittelinstitut) und der PharmaSuisse (Schweizerischer Apothekerverband), welche vorwiegend aus eigenem Interesse die Klage anstrebten. Die wichtigsten Fragen und Antworten:


In welchen Versandapotheken kann ich meine Medikamente bedenkenlos bestellen?
Der Versandhandel mit Arzneimitteln ist in der Schweiz grundsätzlich verboten. Die zuständigen kantonalen Behörden können entsprechenden Anbietern allerdings unter bestimmten Voraussetzungen eine Ausnahmebewilligung erteilen. In jedem Fall gilt: Eine Privatperson darf für sich selbst Arzneimittel nur in einer kleinen Menge (Grössenordnung ein Monatsbedarf) einführen. Die Einfuhr grösserer Mengen ist verboten.

Warum brauche ich bei der Bestellung in einer Versandapotheke auch bei verschreibungsfreien Medikamenten ein Rezept?
So wird gewährleistet, dass vor der Bestellung eine fachliche Beratung stattfindet.

Wann sollte ich hellhörig werden?
Misstrauen ist bei Internetangeboten immer angebracht, besonders wenn Arzneimittel ohne Rezept angeboten werden. Weitere Tipps sind unter www.swissmedic.ch/illegal im «Leitfaden Arzneimittel und Internet zu finden.

Wie kann ich prüfen, ob ein Medikament in der Schweiz zugelassen ist?
Dies ist erkennbar durch den Swissmedic-Schriftzug im Kreis auf der Medikamentenpackung. Ausserdem sind auf der Webseite www.swissmedicinfo.ch oder auf der Webseite der unabhängig HealthCare Management Group mymedi.ch die zugelassenen Arzneimittel samt Arzneimittelinformation abrufbar.

Welches sind die Gefahren, wenn ich mir Medikamente liefern lasse, die in der Schweiz nicht zugelassen sind?
Im Internet werden weltweit Hunderte von gefälschten, qualitativ schlechten und wirkungslosen Arzneimitteln oder rezeptpflichtigen Präparaten ohne ärztliche Verschreibung angeboten. Der Kauf von Arzneimitteln aus dem Internet kann deshalb sehr gefährlich für Ihre Gesundheit sein. Diese Gefahren umfassen nicht nur Wirkungslosigkeit, sondern auch gravierende Nebenwirkungen und toxische Wirkungen durch nicht deklarierte Substanzen.

Gibt es einschlägig bekannte gefährliche Arzneimittel, die online angeboten werden?
Ein Beispiel sind vermeintlich rein pflanzliche asiatische Schlankheitsmittel, die den chemischen Wirkstoff Sibutramin enthalten, der vor einigen Jahren weltweit wegen schwerer psychischer Nebenwirkungen und Herz-Kreislauf-Beschwerden vom legalen Markt zurückgezogen wurde.

Woher werden illegale Medikamente verschickt?
Die illegalen Arzneimittel stammen vor allem aus Indien, China oder europäischen Ländern, in denen sie umgepackt wurden – um ihre Herkunft zu verschleiern. Viele beschlagnahmte Dopingsubstanzen etwa werden von Griechenland aus verschickt.

Mache ich mich strafbar, wenn ich mir illegale Medikamente schicken lasse?
Falls Arzneimittelimporte einen Monatsbedarf übersteigen, ist die Einfuhr verboten und die Sendung wird am Zoll festgehalten. Nach der Blockierung der Ware am Zoll eröffnet Swissmedic ein Verwaltungsverfahren, das meist die Vernichtung der Arzneimittel zur Folge hat.

Obwohl nur der Arbeitsaufwand verrechnet wird, liegen die Kosten dieses Verfahrens erfahrungsgemäss bei mindestens 300 Franken, die der Besteller in der Schweiz bezahlen muss. Bei wiederholten Verstössen oder dem Import zum Zweck des Wiederverkaufs ist die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen den Besteller möglich.

Von welcher Medikamentengruppe werden in der Schweiz die meisten Fälschungen entdeckt?
Die meisten Fälschungen werden bei illegal importierten Lifestyle-Präparaten entdeckt, z.B. bei Erektionsförderern oder Schlankheitsmitteln. In den legalen Distributionskanälen der Schweiz (Apotheken, Drogerien, Arztpraxen) sind bisher keine gefälschten Arzneimittel gefunden worden.

Als Zulassungsbehörde für Arzneimittel trägt Swissmedic eine grosse Verantwortung zum Beispiel beim Erkennen von schweren Nebenwirkungen. Gleichzeitig ist der Druck der Pharmaindustrie auf rasche Zulassungen gross und es gibt personelle Verflechtungen zwischen der Pharmabranche und Swissmedic-Experten. Die staatliche Behörde Swissmedic muss bei allen Medikamenten prüfen, ob ihr Nutzen grösser ist als ihre Risiken. Nur dann gelten Medikamente gemäss Gesetz als «wirksam. Dass diese Praxis sehr fehleranfällig und grosse Risiken für den Patienten birgt, dieser Meinung ist auch Felix Schneuwly, Gesundheitsexperte von comparis.ch. Ein weiteres Problem sieht Schneuwly in der Verantwortung der Apotheker und Ärzte. "Patienten verlassen sich in jedem Fall auf die Expertise der verschreibenden Personen, sprich den Ärzten und Apothekern, welche ein bestimmtes Medikamenten verschreiben - leider oft mit dem Wissen, welche Nebenwirkungen dieses haben kann. Trotzdem stehen diese nie in der Verantwortung, auch wenn wie im Fall der Anti-Baby-Pille Yasmin Beweise vorliegen, dass dieses Produkt schwere Schäden hervorrufen kann." Es sei in diesem Fall zu einfach, den Ball alleinig den Zulassungsbehörden oder den Pharmakonzern zuzuschieben, auch Ärzte und Apotheker müssten hier zwingend reagieren, so Schneuwly.